Spätgotischer Wandkamin wiederentdeckt
Passend zur Winterzeit wurde jetzt bei der zur Zeit laufenden Sanierung und Erweiterung des Hewenshofes an der Kirchstraße zum Gemeindezentrum der evangelischen Kirchengemeinde in Burgsteinfurt ein spätgotischer Wandkamin aus der Bauzeit des Hauses gefunden, der bisher von einer später eingezogenen Wand verdeckt war. Damit dieser Wandkamin und der Kaminzug erhalten bleiben können, verlegt die Kirchengemeinde eine ursprünglich an dieser Stelle vorgesehene Tür. Die erhaltenen Sandsteinkonsolen des Wand-kamins werden restauratorisch aufgearbeitet und bleiben offen sichtbar. Der Landschafts-verband Westfalen-Lippe hat den Hewenshof mit diesem wichtigen Befund jetzt als Denkmal des Monats Dezember ausgezeichnet.
Der insgesamt dreizügige Kaminblock ist 1520 mit dem Steingebäude des Hewenshofes entstanden. Es ist schon etwas Besonders, wenn man nach so langer Zeit noch wesentliche Teile wie die seitliche Werksteinrahmung aus Sandstein, eine seitliche Wandnische und die rußgeschwärzte Rückwand des Rauchfanges von einem Wandkamin entdeckt. Ein zweiter Wandkamin befand sich im Obergeschoss, die dritte Feuerstelle war vermutlich ein Küchenkamin im Vorderhaus, das allerdings schon 1780 einem Neubau weichen musste.
Der Raum, in dem der spätgotische Wandkamin entdeckt wurde, soll künftig als Meditations- und Gruppenraum dienen. Die Bauspur des Wandkamins wird hier sicherlich viel Anregung geben, über die Wandlungen im Laufe der Zeit und des Lebens von Häusern und Menschen nachzudenken. Er macht auf jeden Fall die Geschichte des Hauses besser begreifbar.
Schon vor den Untersuchungen war bekannt, dass sich an der östlichen Wand zum Vorder-haus ein Kaminblock befindet. Denn im Kellergeschoss ist der vier Meter breite Sockel des Kaminblocks sichtbar. Auch in den Geschossen darüber zeichnet er sich ab. Dass sich jedoch noch wesentliche Teile von diesem werksteingerahmten Wandkamin hinter einer jüngeren Abmauerung erhalten haben, war nicht bekannt.
Vor Beginn der Sanierungsarbeiten untersuchen Bauhistoriker und Restauratoren die Fassaden und die Innenräume des Hewenshofes, um detaillierte Kenntnisse über das Gebäude zu erhalten. Dabei haben sie auch festgestellt, dass im Dachstuhl des 1780 errichteten Neubaus Hölzer eines älteren Vorderhauses aus dem 15. Jahrhundert wiederverwendet wurden. Diese Untersuchungen haben die LWL-Denkmalpfleger begleitet, die Kosten der restauratorischen Arbeiten hat der LWL zu einem Drittel übernommen (1.700 Euro).
Hintergrund:
Der Hewenshof in Burgsteinfurt an der Kirchstraße gehört zu mehreren Burgmannshöfen, die im 13./14. Jahrhundert angelegt wurden, um die Herrschaft der sogenannten Edlen von Steinfurt zu sichern. Benannt ist das Haus nach der Besitzerfamilie von Hewen, die diesen Burgmannshof im Jahr 1522 gegen ihren bisherigen Hof auf der Vorburg der Burg Steinfurt eintauschte. Zuvor hatte der Hof einige Jahre dem Grafen von Steinfurt selbst gehört. Dieser ließ um 1519/1520 ein neues mehrgeschossiges hohes Bruchsteingebäude, auch Steinwerk genannt, an ein niedrigeres und schon bestehendes Fachwerkhaus bauen. 1780 wurde dieses Vorderhaus durch einen massiven, zweigeschossigen Neubau ersetzt. Zum Vorplatz an der Kirchstraße erhielt der Hof eine Toranlage mit zwei Sandsteinpfeilern.
1983 kaufte die evangelische Kirchengemeinde Steinfurt den Hewenshof und richtete dort das Pfarrhaus und Räume der Familienbildungsstätte ein. Seit 1985 sind das Steingebäude aus dem 16. Jahrhundert, der Neubau von 1780, die Gartenfläche mit ihrer Mauer und die Toranlage zur Kirchstraße als Denkmal eingetragen. Im Jahr 2006 entschied die Kirchengemeinde, den Hewenshof zum Gemeindezentrum auszubauen. Dazu werden die Räume saniert und zum Teil umgebaut. Außerdem entsteht auf dem Gelände zur Flintenstraße ein ergänzender Neubau, in dem der Gemeindesaal, technische Räume, ein Treppenhaus mit Aufzug und Lagerräume untergebracht werden.
Dr. Ing. Barbara Seifen
Bottrop, kath. Herz-Jesu-Kirche, Fenstergitter
Die Baugeschichte der Bottroper Herz-Jesu-Kirche ist eng mit der Geschichte der Stadt im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts verbunden, deren Einwohnerzahl sich allein zwischen 1872-1874 verdreifacht hatte. Hinzugezogen waren vor allem polnische Katholiken, für die nicht nur Wohnungen, sondern auch Versammlungs- und Gotteshäuser gebaut werden mussten. 1902 wurde die neue Herz-Jesu-Gemeinde gegründet und auch ihre neue Kirche eingeweiht. Aber schon 1905 zeigten sich an dem neugotischen Kirchenbau erste Schäden, die auf den Bergbau zurückzuführen waren. Wenige Jahre später musste die Gemeinde ihr gerade erbautes Gotteshaus wieder verlassen und in eine Notkirche umziehen.
Erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts konnte man an einen Neubau denken. Nach mehreren Jahren der Planung und Vorbereitung wurde 1927 mit dem Abriss der nicht mehr zu reparierenden Kirche begonnen. Dafür wurde das neugotische Kirchenschiff abge-tragen, der Turm aber konnte erhalten werden. An gleicher Stelle wurde nun ein fortschrittli-cher Neubau aus Ziegelsteinen errichtet und auch der alte Turm in der gleichen Formen-sprache neu gestaltet. Damals in vielfacher Hinsicht hochmodern, sehen wir heute in der Herz-Jesu-Kirche einen herausragenden Monumentalbau des Expressionismus. Ihre Formen gehen zurück auf einen Entwurf des Gelsenkirchener Architekten Josef Franke (1876-1944), der etliche bedeutende Monumental- und Kirchenbauten im Ruhrgebiet entworfen hat, da-runter auch die weithin bekannte, etwa zeitgleich errichtete Pfarrkirche Heiliges Kreuz in Gelsenkirchen-Ückendorf. In Bottrop sind noch weitere Werke Frankes erhalten und denkmalgeschützt, so die katholischen Kirchen St. Michael an der Glückaufstraße und St. Josef in Batenbrock und drei größere Wohnhäuser. Allen Bauten gemeinsam sind zum Teil eigenwillige, immer aber einfallsreiche Bauformen in einer wohl proportionierten, ausgewo-genen Gesamtgliederung. Durch Frankes Einfallsreichtum und Gestaltungswillen wurde die Herz-Jesu-Kirche zu einem bis in die Details stimmigen Gesamtwerk.
Nachdem die Herz-Jesu-Kirchengemeinde in den letzten Jahren das Innere mit einigen überlegten Maßnahmen den gegenwärtigen Bedürfnissen angenähert hat, wendet sie sich nun den Außenanlagen zu. Neben der Sanierung der historischen Stufenanlagen und Stützmauern ist dabei insbesondere die Erhaltung der bauzeitlichen Fenstergitter wichtig. 49 bauzeitliche eiserne Ziergitter vor den Fenstern der Nebenräume sind wie der ganze Bau anspruchsvoll in der expressionistischen Formensprache Frankes gestaltet. Auch bei diesem Detail war keine serielle Gestaltung zugelassen worden, sondern jedes Fenstergitter ist individuell gestaltet: mit Ornamenten, figürlichen Formen und liturgischen Symbolen, die zumeist Verbildlichungen von Textstellen des Neuen Testamentes sind.
Ihrem Alter entsprechend sind die kunstvollen Ziergitter inzwischen an vielen Stellen korro-diert, wodurch sich ihre Verankerungen im Mauerwerk ebenso gelockert haben wie die Oberflächenbeschichtung der Eisen. Die Korrosion hat besonders den Flacheisen der bildli-chen Darstellungen zugesetzt. Damit ist die Erhaltung dieser kunstvollen Arbeiten gefährdet. Dankenswerter Weise hat sich die Kirchengemeinde nun die Restaurierung der Ziergitter vorgenommen. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Maßnahme finanziell mit Mitteln aus dem Denkmalförderungsprogramm. Für 2010 wurden für einen ersten Bauab-schnitt 20.000 Euro bewilligt. Es ist geplant, einen zweiten Bauabschnitt für das Denkmalför-derungsprogramm 2011 zu berücksichtigen. Das LWL-Amt für Denkmalpflege steht bei der Vorbereitung der Arbeiten mit fachlichem Rat zur Seite und kann dabei auch auf die Mitwir-kung des LWL-Museumsamtes zurückgreifen. Außerdem haben wir aus Denkmalmitteln des LWL die naturwissenschaftliche Untersuchung der Malschichten gefördert. Zunächst wird eine solche Untersuchung der Oberflächenbeschichtung der Gitter unternommen, auf des-sen Grundlage dann ein Restaurierungskonzept erarbeitet werden kann. Auf diese Weise sollen die wertvollen Fenstergitter restauriert und wieder zu einem besonderen Schmuck-stück am Außenbau der Kirche werden.
Dr. Oliver Karnau
Blumenhaus im Schlosspark Schieder Im Kurpark 4, Schieder-Schwalenberg
Das Schloss Schieder wurde in den Jahren 1700-06 von Rudolf Graf zu Lippe-Brake als schlichter Barockbau errichtet. Südlich des Schlossgebäudes entstand Anfang des 18. Jahrhunderts eine terrassierte Gartenanlage, die als Grundlage des heutigen Schlossparks zu sehen ist. Im Norden setzte eine 1704-05 gepflanzte Allee mit 260 Linden, die über den Fluss Emmer hinausführte, einen deutlichen Akzent. Von 1789-1918 war das Schloss mit dem ca. 20 ha großen Park Sommersitz der lippischen Regenten und ging anschließend in den Besitz des Landes Lippe über. In den Jahren 1922-1968 von der Reichs- bzw. Bundesbahn als Kinderheim genutzt, ist das Schloss Schieder heute Sitz des Kurgastzentrums und wird für Veranstaltungen genutzt. Der Schlosspark wurde bereits 1914 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und befindet sich seit 1963 im Besitz der Stadt Schieder-Schwalenberg. Zur Gesamtanlage gehören weiterhin der 1832 entstandene Marstall und die zeitgleich errichtete Remise entlang der nördlichen Lindenallee, sowie das sogenannte Prinzen- oder Teehaus aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bereits um 1817 sind zwei Kavaliershäuser an der Lindenallee erwähnt, zwischen denen sich das nördliche Eingangstor befand und die den Abschluss der von Leopold, dem II. erweiterten Gartenanlage bildeten.
Diese Zwillingsbauten wurden auch Gärtnerhaus und Gewächshaus genannt, wobei das westliche Gebäude im Sprachgebrauch als Blumenhaus überliefert ist. Die ursprüngliche Nutzung zur Überwinterung von Pflanzen wurde schon bald erweitert. Zeitweise lagerten hier Gartengeräte und die Gärtner nutzten das Haus zu Umkleide- und Aufenthaltszwecken; zuletzt wurde es von der Stadt Schieder-Schwalenberg als Zweifamilienhaus vermietet. Bedingt durch den Nutzungswandel wurde das Blumenhaus mehrfach umgebaut, die Grundrisse und die Erschließung völlig verändert, Fenster ausgetauscht, Betondecken eingebaut und sogar der Keller tiefer gelegt. Im Jahr 2008 stellte das ehemalige Blumenhaus ein Konglomerat an Baustoffen dar und war äußerlich und innerlich stark überbaut. Lediglich die frühere Torfunktion an der nördlichen Achse zum Schloss ließ sich noch deutlich ablesen. Die reizvolle Lage am Parkeingang und die Nähe zum Schloss veranlasste eine kulturell sehr interessierte junge Familie, das renovierungsbedürftige Blumenhaus von der Stadt zu kaufen und nach umfangreichen Instandsetzungsarbeiten als Wohn- und Atelierhaus zu nutzen. Vor Beginn der Arbeiten führten die Bauherren eine Recherche in verschiedenen Archiven und Bibliotheken zur Baugeschichte des Gebäudes durch. Leider waren aber nur wenige verlässliche Unterlagen auffindbar, so z.B. Zeichnungen von Ludwig Menke um 1863. Auch die Bauakten waren wenig ergiebig, so dass erst nach vorsichtigen Freilegungsarbeiten Hinweise auf die historische Struktur und Material- und Farbgebung vorlagen. In Zusammenarbeit mit einer sehr erfahrenen Architektin wurden diese Ergebnisse in eine sowohl den Vorstellungen der Eigentümer als auch den Erwartungen der Denkmalpflege gerecht werdenden Planung eingebunden. Durch die Rückführung der Erschließung in den südlichen Traufenbereich, die Entfernung der neueren Einbauten und das Rückversetzen der Treppe in den zentralen Eingangsbereich konnte in Teilen die alte Raumaufteilung wieder deutlich gemacht werden. Gleichzeitig ist der neue Grundriss hervorragend für eine Wohnnutzung als Einfamilienhaus geeignet. Die hohen, offenen Räume im Mittelbereich beider Geschosse dienen zudem der Ausstellung von Gemälden der Besitzerin, die als Künstlerin ihr Haus temporär auch der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. Das Sichtbarlassen eines statisch notwendigen Stahlunterzuges im Eingangsraum, aber auch das Freilegen von Fachwerkinnenwänden im Obergeschoss und der als durchgängiger Bodenbelag gewählte Sichtestrich verdeutlichen, wie gut sich neue und alte Nutzung als Atelier und Blumenhaus auch gestalterisch ergänzen. Die Wandtemperierung sorgt für ein angenehmes Raumklima, so dass keine Heizkörper den Gesamteindruck des Innenraumes stören. Im Außenbereich wurden die Sandsteingewände wieder freigelegt, gereinigt und teilweise ergänzt. Farbbefunde ergaben ein dezentes grau-grün an den alten Fensteröffnungen, welches als Farbton für die Holzausbauteile übernommen wurde. Die neuen Fenster erhielten wieder die ehemals vorhandene Sprossenteilung und tragen nun deutlich zur Fassadengliederung bei. Wegen fehlender Hinweise auf die historische Farbgestaltung der Aussenwände wurden diese in einem hellgelb-beige in Anlehnung an die Fassaden des Schlosses und der zugehörigen Nebengebaeude gestrichen. Der Haupteingang wird wieder über eine Treppenanlage aus Sandstein erschlossen, wie es auf alten Fotos zu sehen ist. Einzig bei der Dachgestaltung wurden Kompromisse eingegangen, weil die frühere Biberschwanzdeckung bereits in großen Teilen durch Tonpfannen ersetzt war und auch das Zwillingshaus entsprechend gedeckt ist. Es wurden rote Tonhohlfalzziegel verwendet, die sich in ihrer Farbgebung den umliegenden Gebäuden anpassen. Ebenso wurden die bereits vorhandenen Dachflächenfenster beibehalten, um die Schlafräume im Obergeschoss zu belichten. Die Instandsetzung des Blumenhauses setzt nicht nur einen Standard für die zukünftige Behandlung des östlichen Zwillingshauses, sondern verdeutlicht auch in hervorragender Weise wie durch die enge und offene Zusammenarbeit zwischen engagierten Bauherrn, erfahrenen Planern und beteiligten Behörden ein Baudenkmal wieder seinem historischen Vorbild gerecht wird und dennoch heutigen Nutzungsanforderungen entspricht. Die Stadt Schieder-Schwalenberg erhält durch die Privatinitiative der neuen Eigentümer zudem eine weitere kulturelle Bereicherung, die zur Attraktivität des Kurortes beiträgt.
Dipl.Ing. Saskia Schöfer
Die Parkanlage des Gutes Böckel im Rödinghausener Ortsteil Bieren
Erstmals 1350 urkundlich erwähnt, gelangte das Gut Böckel im 16. Jahrhundert für 200 Jahre in den Besitz der Familie von Voß, die auch die ältesten heute noch erhaltenen Bauten, die Vorburg aus dem Jahr 1680 und das1682 erbaute Gutshaus errichten ließ. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde 1874 das Gut von Leopold Koenig erworben, der durch Zuckerhandel in St. Petersburg vermögend geworden war. Zu literarischem Ruhm gelangte seine Enkelin Hertha Koenig, die als Schriftstellerin, Kunstsammlerin und Mäzenin auf ihrem Gut Böckel vielseitige Kontakte zu bedeutenden Persönlichkeiten pflegte, so zu Bundespräsident Theodor Heuss, dem Philosophen Martin Heidegger und dem Dichter Rainer Maria Rilke. Die heutigen Eigentümer, Karen und Dr. Ernst Leffers, setzen diese Tradition mit Konzerten, Kunstausstellungen und Lesungen fort und halten die Gutsgebäude und den Park sorgsam und mit viel Engagement instand. Die Parkanlage entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als Carl König, Vater von Hertha Koenig, den Hamburger Gartenarchitekten Rudolph Phillip Christian Jürgens (1850 – 1930) mit der Gestaltung des Parks beauftragte. Ein großes Blumenrondell auf dem Platz vor dem Gutshaus bildet den Auftakt der Gartenanlage. Den Zugang zum anschließenden orthogonal gegliederten Blumengarten mit Gartenpavillon akzentuieren markante, kegelstumpfförmig geschnittenen Eiben. Eine Brücke über die Gräfte verbindet den Blumengarten mit dem landschaftlich angelegten Park, der mit zahlreichen bemerkenswerten Gehölzarten bepflanzt ist und von einem Rundweg erschlossen wird.
An Solitärbäumen wie Blut-, Farn- und Trauerbuche, Silberahorn, Sumpfzypresse, Japanischer Lärche und Coloradotanne sowie Rhododendrensträuchern entlang führt der Weg zu einem malerischen Sitzplatz mit Blick auf die Gräfte und das Gutshaus. Jürgens legte großen Wert auf die Pflanzung von Laub- und Nadelbäumen mit besonderem Wuchs, außergewöhnlicher Belaubung und Blüte. Besonders wichtig war ihm die Schaffung von Sichtbezügen zwischen den verschiedenen Parkbereichen und dem Gutshaus. Bemerkenswert ist der östlich des Wirtschaftshofes befindliche Lindenhügel, der über einen mit Zyklopensteinen eingefassten Schneckenweg zugänglich ist. Da der Lindenhügel älter als Jürgens’ Gartenplanung ist, wurde er von ihm als Aussichtsplatz und ‚point de vue’ in die Parkgestaltung einbezogen. Der am östlichen Parkrand befindliche Obst- und Gemüsegarten mit seinem Gewächshaus wurde von Jürgens dagegen so angeordnet, dass er vom Park nicht einsehbar war. Rudolph Jürgens war ein seinerzeit gefragter Gartenarchitekt. Zahlreiche Landhaus- und Villengärten in Hamburg und die Umgestaltung des barocken Husumer Schlossparks (1878) wurden von ihm geplant. Für die Leopold Koenig gestaltete er 1888 die Außenanlagen der heutigen Villa Hammerschmidt, zwischen 1891 und 1896 plante er den den Gutspark Voldagsen bei Hameln (Niedersachsen) für Alfred Koenig, den Bruder des damaligen Besitzers von Gut Böckel. Der Gutspark Böckel ist ein bedeutendes Zeugnis für die Gartenkunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts, für das Werk eines renommierten Gartenarchitekten des Historismus und ein herausragendes Beispiel für einen weitgehend erhaltenen, gut gepflegten und im Sinne der Denkmalpflege genutzten Gutspark in Westfalen-Lippe.
Dipl.Ing. Uwe Siekmann
Zum Denkmal des Monats August 2010 hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe den letzten erhaltenen Flügel des Kreuzgangs des ehemaligen Benediktinerinnenklosters (vormals Kanonissenstift) in Herzebrock gewählt. Das Geviert des Kreuzgangs wurde 1474/75 direkt an die Südseite der Klosterkirche, der heutigen Pfarrkirche St. Christina, angebaut. 2010 feiert Herzebrock sein 1150-jähriges Ortsjubiläum. Im Jubiläumsjahr fanden auch die Arbeiten am spätgotischen Ostflügel des ehemaligen Kreuzgangs ihren Abschluss. Der schmale langgestreckte Raum wird von fünf Kreuzrippengewölben überspannt, die auf fein gearbeiteten Blattkonsolen ruhen. Unter dem buckligen Laubwerk der Konsolen befinden sich kleine, fein ausgearbeitete Köpfchen von höchster bildhauerischer Qualität. Nach Auflösung des Klosters im Zuge der Säkularisation (1803) wurden drei der vier Kreuzgangflügel nach und nach abgebrochen oder stark verändert. Der einzig erhaltene Ostflügel, der an das ehemalige Abtei- und Konventshaus angrenzt, schlummerte lange Zeit im Verborgenen. Während im übrigen Gebäude Wohnungen eingerichtet wurden und die Heimatstube ihr Domizil fand, fristete der Kreuzgangflügel ein trauriges Dasein. Zeitweise in mehrere Räume unterteilt, diente er zuletzt als Durchgangsraum und Abstellkammer. Als dann auch noch Risse in den Gewölben auftraten und ein Schlussstein aus einem der Gewölbe herabfiel, wurde es höchste Zeit, etwas zu tun. In enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden wurde seit 2008 ein Restaurierungskonzept mit dem Eigentümer und der Gemeinde Herzebrock-Clarholz erarbeitet. Vom LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen kam Unterstützung aus verschiedenen Fachbereichen: Dr. Marion Niemeyer und Dr. Fred Kaspar (Inventarisation/Bauforschung), Beat Sigrist (Restaurierung und Dokumentation) und Dr. Barbara Pankoke (Praktische Denkmalpflege). Die im August 2008 durchgeführte Bauforschung ergab unter anderem, dass es sich bei dem vorhandenen Dachstuhl noch weitgehend um die nach 1474 errichtete Konstruktion handelt. Als Ursache für die statischen Probleme wurde im Verlauf der Baumaßnahme die Aufstockung des Kreuzgangs in der Mitte des 18. Jahrhunderts erkannt. Um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, hatte man damals über den spätgotischen Gewölben einen Dielenboden verlegt und später auch noch Keile in die Zwischenräume von Gewölben und Holzbalken geschoben. Diese Fehlkonstruktion wurde nun entfernt, die Gewölbe statisch gesichert, der Boden ganz neu aufgebaut und die Wohnräume umfassend saniert. Nach Vorgaben von Amtsrestaurator Beat Sigrist wurde eine restauratorische Befunduntersuchung und anschließend auch die Restaurierung von Wand- und Gewölbeflächen im Kreuzgang durch einen freien Restaurator durchgeführt. Die vorhandenen historischen Putz- und Farbschichten wurden gereinigt, gefestigt und, wo nötig, ergänzt. Der Raum zeigt sich nun wieder komplett in seiner letzten nachweisbaren Farbfassung, die freilich auch schon ca. 100 Jahre alt seien dürfte: gebrochen weiße Wand- und Gewölbeflächen und zartgrüne Gewölberippen unter Verwendung eines kupferhaltigen Grünpigmentes. Die Atmosphäre dieses wunderschönen Raumes mit seiner delikaten Farbgebung wird künftig im Rahmen von verschiedenen kulturellen Veranstaltungen erlebbar sein. Auch der dahinterliegende Raum mit einem großen barocken Prunkkamin von 1667 wurde wieder hergerichtet. Eine aus LWL-Denkmalpflegemitteln geförderte restauratorische Untersuchung des Kamins ergab interessante barocke Farbbefunde. Der Raum wird zeitweise als Nebenraum für die Veranstaltungen im Kreuzgang zur Verfügung stehen. Weitere Informationen zur jüngsten Restaurierung des Kreuzgangflügels gibt LWL-Denkmalpflegerin Dr. Barbara Pankoke am Tag des offenen Denkmals, 12. September 2010, während der Führungen um 14 und 15 Uhr.
Dr. Barbara Pankoke
Wandmalereien in der katholischen Pfarrkirche St. Heribert in Hallenberg
Die Geschichte der katholischen Pfarrkirche St. Heribert in Hallenberg reicht bis in die Mitte des 13. Jhs. zurück. Trotz vieler Brandzerstörungen ist der ursprüngliche Bautypus der Kirche erhalten geblieben. Sie gilt als östlichstes und spätestes Beispiel des sauerländischen Hallentypus des 13. Jhs. in Westfalen. Die Hallenkirche besteht aus einem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen mit jeweils drei Jochen. Im Osten findet die Kirche ihren Abschluss durch einen quadratischen Chor und zwei halbrunde Wandapsiden in den Seitenschiffen. Von vier mächtigen Rundpfeilern wird das gotische Kreuzgratgewölbe getragen. Der Pfeilerumfang beträgt ca. 4,50 Meter. In den schmalen Seitenschiffen finden sich Muschelgewölbe mit trapezförmigen Gurten. 1708/09 wurde der quadratische Turm im Westen der Kirche auf altem Sockel neu erbaut und mit einer dreifach gestuften Barockhaube abgeschlossen, ein Werk des Hallenberger Meisters Conrad Hesse. Die Ostsakristei wurde im 19. Jh. geschaffen, ebenfalls die beiden Seiteneingänge im Norden und Süden der Kirche. Das Mauerwerk besteht aus verputztem Bruchstein und das Dach ist mit Schiefer gedeckt. Von besonderer Bedeutung ist, neben anderen Wandmalereifragmenten, die nahezu vollständig erhaltene, einheitliche Renaissanceausmalung der Kirche aus dem Jahre 1558. Sie wurde 1880 entdeckt, jedoch erst 1962 freigelegt und restauriert. Die Gewölbe und Wände der Kirche sind mit figürlichen, ornamentalen und pflanzlichen Secco-Malereien ausgeschmückt. Besonders auffallend sind die Malereien der über 3 m großen Figuren von David und Goliath an den Pfeilern der Kirche, umgeben von Aposteln mit Credo-Versen und einem Christophorusfragment. Im Chor finden sich Fragmente einer Darstellung des jüngsten Gerichtes. Nach restauratorischen Untersuchungen der Wandmalereien wurde im Februar 2008 ein Restaurierungskonzept erstellt. Auf dessen Grundlage konnte im Oktober des gleichen Jahres mit den Restaurierungsarbeiten begonnen werden. Durch die durchgeführte Konservierung bleiben die wertvollen Wandmalereien nachkommenden Generationen erhalten. Die Restaurierungsarbeiten verbesserten die Lesbarkeit der prächtigen Renaissaceausmalung deutlich.
Diplom-Restaurator (FH) Leonhard Lamprecht
Schachtanlage Westerholt 3 des Bergwerks Lippe, Egonstraße in Herten-Westerholt Ein bedeutendes Bergbauzeugnis der Nachkriegszeit
Auf der Grenze zwischen Gelsenkirchen-Hassel und Herten-Westerholt befindet sich das ehemalige Bergwerk Westerholt. Markantes Wahrzeichen ist der Förderturm des Zentralförderschachtes 3, der mit der anschließenden Schachthalle die östliche Raumkante der Zechenanlage auf Hertener Stadtgebiet bildet. Das Bergwerk wurde 1907 als zweites im Grubenfeld Bergmannsglück gegründet und befand sich über die Bergwerks-AG Recklinghausen im Eigentum des preußischen Staates. 1910 gingen die Schächte 1 und 2 in Förderung. 1927 gelangte das Bergwerk mit dem gesamten Besitz der Bergwerks-AG Recklinghausen in das Eigentum der von dem Iren William Thomas Mulvany gegründeten Hibernia AG. Diese begann nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem umfassenden Zusammenlegungs- und Modernisierungsprogramm für die ehemaligen fiskalischen Zechen. In diesem Zuge entstand ab 1956 neben der neuen, nahe gelegenen Zentralkokerei Hassel der Zentralförderschacht Westerholt 3, der 1960 in Betrieb ging. 1998 wurde Westerholt in die Deutsche Steinkohle AG (DSK) übernommen und mit dem Bergwerk Fürst Leopold/Wulfen zum Bergwerk Lippe zusammengeschlossen. Der Zentralförderschacht 3 bildet mit dem anschließenden Wagenumlauf und der in die Schachthalle einst integrierten Sieberei einen zusammenhängenden Gebäudekomplex, der ein architektonisch beeindruckendes Ensemble aus Turm und Halle darstellt. Besonders kennzeichnend sind die asymmetrische Einbindung des Förderturmes in den Wagenumlauf, der Wechsel von horizontalen und vertikalen Gliederungselementen sowie der Kontrast der Materialien: Beton und Klinker. Dem Komplex ist der Lagerplatz Ost als großer Freiplatz vorgelagert. Von dort betrachtet, kommt das Ensemble in seiner Gesamtkomposition besonders eindrucksvoll zur Geltung. Der Förderturm ist mit zwei vollautomatischen Vierseil-Gestellförderungen ausgestattet. Im Turmkopf befinden sich zwei Elektrofördermaschinen der Eisenhütte Prinz Rudolf, Dülmen, aus dem Jahre 1959.
Die Treibscheiben werden von Elektromotoren der Firma Siemens-Schuckert angetrieben. Die Schachthalle beherbergt den noch vollständig erhaltenen Wagenumlauf mit Leitstand und Kreiselwippern (Einrichtung zur Entleerung der Förderwagen). Zwei technische Besonderheiten zeichnen diese Schachtanlage aus: zum einen die schon erwähnte Vierseilförderung. Sie ist ein Zeichen für die Optimierung der Schachtförderung in den 1950er Jahren im Steinkohlenbergbau, die neben der Gefäß- oder Skipförderung besonders auch der sog. Mehrseilförderung zum Durchbruch verhalf. Bei der Mehrseilförderung (Vierseil-, Sechsseil- und Achtseilförderung) wird die von der Fördermaschine erzeugte Bewegung durch mehrere Tragseile auf den Förderkorb oder das Fördergefäß übertragen. Durch Verteilung der Seillast auf mehrere Stränge können der Querschnitt der einzelnen Seile auch bei Förderung aus großer Teufe und bei großen Nutzlasten klein gehalten, der Durchmesser der Treibscheiben verringert, auf Ablenkscheiben meist verzichtet und der elektrische Antrieb verbilligt werden. Zunächst hielt man die Mehrseilförderung nur geeignet für Fördertürme, deren Errichtung deshalb in den 1950er Jahren einen besonderen Aufschwung nahm. Erst Anfang der 1960er Jahre übertrug man sie auch auf Fördergerüste. Der Förderturm der Zeche Westerholt gehört zu den ersten mit Vierseilförderung und ist heute eine der letzten erhaltenen Anlagen dieser Art im Ruhrgebiet. Von großer technikgeschichtlicher Bedeutung ist zum anderen der Wagenumlauf, der in dieser Vollständigkeit ebenfalls Seltenheitswert besitzt. Wegen der auf Westerholt bis zum Schluss erfolgten Gestellförderung ist er erhalten geblieben. Er diente dazu, die abgeschobenen und entleerten Förderwagen wieder dem Förderkreislauf zuzuführen. Die meisten dieser Anlagen sind inzwischen rückgebaut worden, da mit der Optimierung der Schachtförderung in der Regel eine Umstellung auf Gefäß- oder Skipförderung verbunden war, die einen Wagenumlauf entbehrlich machte. Am 19. Dezember 2008 endete die Geschichte des Bergwerks Lippe mit Hebung des letzten Förderwagens auf Westerholt 3. Gefragt sind jetzt kreative Ideen für eine Nachnutzung dieses bergbaugeschichtlich bedeutenden Denkmals.
Dipl.Ing. Imme Wittkamp
Das „Heimhoftheater“ in Burbach- Würgendorf
Fernab bedeutender kultureller Zentren blieb bis heute in der Gemeinde Burbach, Ortsteil Würgendorf (Kreis Siegen- Wittgenstein), in der Heimhofstraße 1 ein Kleinod des Theaterbaus aus den 1950er Jahren erhalten. Seit 2005 stand das sogenannte Heimhoftheater leer und wurde nun nach mehr als einjähriger Bauzeit am 16. April 2010 wieder eröffnet. Zu verdanken ist die Rettung des Theaters in erster Linie dem Engagement des ortsansässigen Fördervereins „Heimhoftheater e.V.“, der sich 2006 des Gebäudes annahm und seitdem die Instandsetzung und Wiederaufnahme eines regelmäßigen Spielbetriebs vorantreibt. Die Gründung des Theaters geht ursprünglich auf die Initiative eines zuvor gegründeten Kulturkreises zurück, der erreichte, dass im Jahre 1951 das ortsansässige Unternehmen Dynamit Nobel AG ein Theater in seinen 1917 erbauten Pferdestallungen einrichtete.
Nicht ohne Bedacht nutzte die Firma, die in ihrem Troisdorfer Werk gerade in der Nachkriegszeit die Entwicklung von Kunststoffen vorantrieb, die Theaterräume zugleich als Produktschau. Fotos der Erbauungszeit zeigen hochglänzende Kunststoffpaneele an den Decken und Wänden und den in dieser Zeit häufig verwendeten MIPOLAM- Bodenbelag. Das Theater wurde wegen eines Brandes im Jahre 1955 bis auf den Wandelgang vollkommen neu ausgestaltet, erhielt einen neuen Foyeranbau auf der Hofseite und wurde mit aktuellster Technik ausgerüstet. Die Innenausstattung der Entstehungszeit blieb weitgehend erhalten: Tapeten, Wandbekleidung, Malerei, Stuckierung, Beleuchtung und Möbel zeigen in sehr anschaulicher Weise die Gestaltungsauffassung der Zeit zwischen 1951 und 1955. Der Spielbetrieb lief mit zum Teil namhafter, überregional bekannter Besetzung mehrere Jahrzehnte. Zunehmende bauliche Mängel führten im Jahre 2005 letztlich zur Schließung des Theaters. Seit 2006 setzt sich der Förderverein für die Instandsetzung des Gebäudes ein. Als die Finanzierung durch Spenden, Fördermittel (u.a. des LWL) und vor allem durch Mittel der NRW- Stiftung gesichert war, begannen im Herbst 2008 die Baumaßnahmen.
Das Ziel der Instandsetzung war bei allen Beteiligten unstrittig: Die Theaterräume sollten in der bisherigen Gestalt mit allen Oberflächen und Ausstattungen erhalten bleiben. Nötige Umbaumaßnahmen wie die Erneuerung der Elektrik und Lüftungstechnik sowie die Erweiterung der Toilettenanlage sollten auf das nötige Maß reduziert werden. In diesem Zusammenhang leistete unter anderem die hinzugezogene Architektin Birgit Hirsch eine ausgezeichnete Arbeit, die zusammen mit den Firmen oft einfallsreiche, substanzschonende Lösungen entwickelte. Im sogenannten Wandelgang und Zuschauerraum genügte eine schonende Reinigung der Oberflächen. Das Gestühl wurde aufwändig aufgearbeitet. Das Foyer erhielt wieder die farbenfrohe Farbgestaltung der Zeit um 1955. Die Mitglieder des Fördervereins legten selbst tatkräftig Hand an und reinigten zum Beispiel die PVC-Bodenbeläge. Im Außenbereich wurde lediglich die Fassade des Foyers überarbeitet: Fenster und Traufbretter wurden gestrichen und die materialsichtigen Putzoberflächen gereinigt. Nach dieser gelungenen Baumaßnahme kann man dem Verein nun wünschen, dass durch viele gut besuchte Veranstaltungen der Erhalt des Theaters auch langfristig gesichert ist.
Dipl. Ing. Sybille Haseley
Offizierswohnhaus der ehemaligen Luftwaffenkaserne Detmold, Walter-Bröker-Ring 21
Detmold war bis Mitte 1995 die größte Garnisonsstadt im Kreis Lippe und Standort einer Luftwaffenkaserne. Der ehemalige Fliegerhorst von 1935 wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bis Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts vom britischen Militär genutzt und seitdem werden die einzelnen Gebäude privatisiert und einer neuen Nutzung zugeführt. Die Kaserne befindet sich am nördlichen Stadtrand, ungefähr 1,5 km vom historischen Stadtkern Detmolds entfernt, in der ehemaligen Bauernschaft Hakedahl. Das Gelände besteht aus einem Flugfeld und den entsprechend ihrer früheren Nutzung bebauten Teilbereichen wie Mannschafts- und Offiziersunterkünften, Verwaltungsgebäuden, Flugzeughangars, Werkstätten und Sozialgebäuden. Die denkmalwerte Anlage wird durch eine Hauptachse erschlossen und durch ein Straßensystem mit platzartigen Aufweitungen gegliedert. Den nordwestlichen, halbrunden Abschluss des Kasinogartens bilden drei Einfamilienhäuser: das größere Kommandantenwohnhaus in der Mitte, flankiert von zwei Offizierswohnhäusern. Sie sind wie die Gesamtanlage in einer sachlich traditionellen Formensprache und Ausstattung ausgeführt worden. Der nicht bekannte Architekt plante auch die in großen Gärten gelegenen Einfamilienhäuser als schlichte, schiefergedeckte Putzbauten auf einem Kellersockel aus rustiziertem Naturstein. Die Grundrisse waren großzügig geschnitten und in ihrer Aufteilung mit Wohn-, Ess- und Kochbereichen im Erdgeschoss sowie in den Schlafräumen und dem Bad im Obergeschoss, heutigen Wohnstandards ebenbürtig. Zusätzlichen Raum boten die Dachmansarden und das Kellergeschoss.
Im Jahr 2009 wurde das westliche Offizierswohnhaus, heute Walter-Bröker-Ring 21, von den neuen Eigentümern umfassend renoviert und den heutigen Wohnverhältnissen angepasst. Die hervorragende Zusammenarbeit von Besitzern, Architekten und Denkmalpflegern führte zu einem vorbildlichen Ergebnis durch den sehr sensiblen Umgang mit der historischen Bausubstanz: Die Grundrissaufteilung blieb fast vollständig erhalten. Nur die Küche wurde in den ehemaligen Essbereich verlegt, die alte Speisekammer abgerissen und der Keller vom Eingangsbereich aus zugänglich gemacht. Das Haus erhielt eine Innendämmung sowohl im Dach als auch im Kellerbereich und die Elektro- und Sanitärinstallationen sowie die Heizungsanlage wurden erneuert. Die Fenster konnten weitestgehend erhalten und wie die Haustür thermisch saniert werden; die neuen Fenster und Terrassentüren wurden nach den alten Vorbildern gefertigt. Der zwischenzeitlich verglaste Wintergarten wurde freigelegt und wird nun - wie ursprünglich geplant - als Freisitz mit darüber liegendem Balkon genutzt. Das alte Holzparkett wurde mit vorhandenen Reststücken ergänzt, geschliffen und geölt. Ebenso wurde die Holztreppe behandelt. Die bauzeitlichen Innentüren und die verglaste, großflächige Schiebetür im Wohnbereich sind vollständig erhalten und wurden wie die geschwungenen Handläufe der Treppe und die Holzverkleidungen nur farblich weiß überarbeitet. Die nicht mehr benötigte Speisekammertür wurde als Badezimmertür umgenutzt, um das einheitliche Bild im Innenbereich zu bewahren. Im Außenbereich wurde ebenso behutsam mit der Bausubstanz umgegangen und der vorhandene Putz nur ausgebessert sowie nach den vorhandenen Befunden pastellfarbig gestrichen. Die alten Schlagläden werden zur Zeit noch überarbeitet und ergänzen bald das äußere Bild des Baudenkmals. Das ehemalige Offizierswohnhaus besticht heute wieder in seiner schlichten Eleganz und bietet moderne Wohnverhältnisse in denkmalwerter Bausubstanz dank des Verständnisses der Eigentümer und der hervorragenden Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Dipl.Ing. Saskia Schöfer
Instandsetzung ist dank vieler Spenden auf dem besten Weg
Der Kreuzweg auf dem Friedhof in Erwitte-Horn
Jedem Besucher einer katholischen Kirche sind die fast immer an den Seitenwänden angebrachten 14 Bilder oder Stationen des Kreuzwegs bekannt. Von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung des Gekreuzigten zeigt die Folge oftmals sehr eindringlicher Bilder den Leidensweg Christi, der das Kreuz hinauf zur Richtstätte auf den Berg Golgatha in Jerusalem trägt. Dem gläubigen Christen dient der Kreuzweg beim Abschreiten für sich allein oder bei Kreuzwegandachten der Vergegenwärtigung des Leidens Christi im Gebet.
Zu diesem Zweck wurden Kreuzwege zu allen Zeiten auch im Freien errichtet, oft unter Übernahme der exakten Länge der Jerusalemer Wegstrecke und wie dort eine Anhöhe hinaufführend. Immer wieder findet man an diesen Wegen in mehr oder weniger großen Abständen steinerne Bildstöcke oder Stationshäuschen mit hohem Sockel, einer tiefen Bildnische mit dem figürlichen Kreuzwegrelief und einer Giebelverdachung mit Kreuz darüber.
Diesem Typus folgt auch der Kreuzweg auf dem Friedhof in Horn, einem Ortsteil der Stadt Erwitte. Laut Inschrift wurde er im Jahre 1866 allein durch Spenden von Mitgliedern der katholischen Horner Kirchengemeinde finanziert und errichtet. Die Ausführung der Stationsgehäuse aus Sandstein übernahm der Geseker Steinmetz J. Hammer. Die figürlichen Bildreliefs der einzelnen Stationen bestehen dagegen aus gebranntem Ton (Terrakotta) und sind von vorzüglicher künstlerischer Qualität. Durch intensive Recherchen ließ sich ihre Herkunft aus der bis 1892 in Köln-Kalk ansässigen Tonfigurenfabrik Heinrich Josef Scherf ermitteln. Es handelt sich bei den Horner Kreuzwegreliefs um die plastische Umsetzung eines von 1844-46 gemalten Kreuzwegs, der seinerzeit berühmten und durch zahlreiche Abbildungen weit verbreiteten Freskofolge des österreichischen Nazareners Joseph von Führich (1800-1876) in der Wiener St. Johannes Nepomuk-Kirche. Die Modelle für die Ausführung in Terrakotta schuf der Kölner Bildhauer Johann Joseph Imhoff d.J. (1796-1880).
Zunächst rund um den alten Friedhof aufgestellt, bekamen die Horner Kreuzwegstationen 1923 ihren heutigen Standort auf dem erweiterten Friedhofsgelände. Die Reliefs erhielten eine polychrome Farbfassung und die bestehende Schutzverglasung der Nischen. Aus den Quellen geht hervor, dass die Kosten der damaligen Instandsetzung wie schon bei der Errichtung des Kreuzwegs durch Spenden der Gemeindemitglieder finanziert wurde.
Die gute Tradition dieser außergewöhnlichen Opferbereitschaft der Horner besteht auch heute noch fort. Nach über achtzigjähriger Standzeit bedürfen die Kreuzwegstationen erneut der Restaurierung, deren schrittweise Durchführung nun zum dritten Mal durch Spendengelder ermöglicht wird, ergänzt durch Zuwendungen des LWL-Amts für Denkmalpflege in Westfalen. Bei der behutsamen Konservierung, die den gealterten Zustand des Kreuzwegs respektiert, arbeiten ein in der Region ansässiger Restaurator und ein einheimischer Steinmetzbetrieb zusammen. Von 2004 bis 2009 konnten fünf Stationen restauriert werden, 2010 und 2011 sollen die restlichen neun folgen. Für dieses ehrgeizige Unterfangen werden noch weitere Spender gesucht, die mithelfen wollen, ein in Westfalen einzigartiges Denkmal religiöser Volksfrömmigkeit für die Zukunft zu erhalten.
Dr. Dirk Strohmann
Das Carillon im Historischen Rathaus von Höxter an der Weser
Als jüngstes Objekt wurde zu Beginn dieses Jahres ein Musikinstrument in die Denkmalliste der Stadt Höxter eingetragen. Es handelt sich um das Carillon, ein spielbares Glockenspiel im Turm des Historischen Rathauses. Seinen Ursprung hat das Carillon in Belgien, den Niederlanden und Nordfrankreich. Das erste gestimmte Carillon wurde 1652 von den aus Lothringen stammenden Brüdern Pieter und Francois Hemony in Amsterdam gegossen und in Zutphen aufgebaut. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts geriet die Glockenspielkunst in Vergessenheit. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts kam das Carillon, das aus mindestens 23 Bronzeglocken besteht und eine Klangfülle von zwei Oktaven erreicht, von Belgien ausgehend wieder in Mode. Die Mehrzahl der historischen Klangkörper der Carillons wurden wie die Kirchenglocken zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neue Carillons, teilweise an den erhaltenen historischen Standorten, vornehmlich in Kirchtürmen und Rathäusern. Das Carillon der Christianskirche in Hamburg-Altona ist das älteste in Deutschland. Gegossen im Jahre 1936 von der Glockengießerfamilie Schilling in Apolda (Thüringen) wurden die Glocken 1943 ausgebaut und auf den "Glockenfriedhof" auf der Veddel im Hamburger Hafen gebracht. Sie blieben verschont und konnten wieder eingebaut werden.In Höxter war die Initiative zur Errichtung im Jahre 1955 von dem Oberjustizinspektor Josef Michels ausgegangen. Michels wollte damit den Dichter der deutschen Nationalhymne, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, ehren. Dieser hatte im benachbarten Corvey, dessen Benediktinerkloster nach der Säkularisation zum Schloss umgestaltet worden war, von 1860 bis 1874 in Corvey als Bibliothekar gewirkt und dort auch seine letzte Ruhestätte gefunden.
Innerhalb von drei Jahren spendete die Höxteraner Bevölkerung 34.000 DM. Der Spieltisch des zweimanualigen Instrumentes wurde gebaut von der Fa. Eduard Korfhage (Melle-Buer, Kreis Osnabrück). Die Glocken wurden von der Glockengießerei der Gebrüder Rincker in Sinn (Lahn-Dill-Kreis) gegossen. Die größte Glocke trägt die Initiale R sowie die Jahreszahl 1958. Am 1. Mai 1959 wurde das Carillon eingeweiht.
Mittels Klaviertasten werden die elektromagnetisch betriebenen Hämmer der 35 unterschiedlich großen Bronzeglocken angeschlagen. Die Glocken hängen in einem eisernen Stuhl in dem achteckigen Glockenturm mit großen Schallöffnungen.
Täglich fünfmal (und zwar jeweils fünf Minuten vor 9, 12, 15, 18 und 21 Uhr, um das Geläut der Kirchenglocken nicht zu stören) erklingen jahreszeitlich verschiedene Lieder, darunter auch das Deutschlandlied. Während die alltäglichen Klänge durch gestanzte Walzen automatisch erzeugt werden, wird das Carillon zu besonderen Anlässen direkt vom Spieltisch aus zum Klingen gebracht.
Das Carillon des nahe der Weser gelegenen Höxteraner Rathauses gehört zu den ältesten fest eingebauten spielbaren Glockenspielen Deutschlands. Es ist nach unserem derzeitigen Kenntnisstand unter den mittlerweile wieder zahlreich erklingenden Großinstrumenten das einzige historische Carillon in Westfalen-Lippe. Mit seiner Spielautomatik und dem überlieferten Liedgut ist es ein bedeutendes musikwissenschaftliches Dokument, das weit über den historischen Stadtkern von Höxter erschallt.
Anne Herden-Hubertus M.A.