Den Ortskern von Endorf prägt der Hof Stracke, eines der größten unter den ehemals 32 Anwesen des Dorfes. Das Bruchsteinhaus reicht bis ins Jahr 1634 zurück, als die Erbauer nicht nur Landwirtschaft, sondern noch Bergbau und Metallverarbeitung betrieben. Der Wirtschaftsgiebel ist in seinem kaum veränderten Zustand eine Seltenheit in der Region. Er gibt mit dem spitzbogigen Dielentor und der rundbogigen Stalltür sowie im Inneren mit einer Feuerstelle wichtige Hinweise auf das ländliche Wohnen und Wirtschaften im 17. Jahrhundert. Ein tiefgreifender Umbau 1855-56 und der Anbau eines Wohnteils 1949-51 tragen als charakteristische Veränderungen späterer Zeiten zur Zeugniskraft des Baudenkmals bei.
Obwohl die Bedeutung schon seit Jahrzehnten in ganz Westfalen bekannt ist und durch Untersu-chungen des LWL-Amtes für Denkmalpflege untermauert werden konnte, war der Erhalt des Gebäudes lange bedroht. Unterbliebene Unterhaltungsmaßnahmen und langjähriger Leerstand führten zu immer größeren Schäden. Ein Antrag auf Abbruch des Gebäudes zugunsten einer Neubausiedlung schien 2007 das Schicksal zu besiegeln, führte jedoch zur Gründung eines örtlichen Vereins zur Rettung des Strackenhofes. Mit tatkräftiger Unterstützung der erfahrenen „Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB)“ wurden rasch erste Erfolge erzielt. Der Eigentümer erklärte seine Bereitschaft zum Verkauf und das zuständige Ministerium des Landes sowie die NRW-Stiftung signalisierten finanzielle Unterstützung. Das nun erstellte Nutzungs- und Sanierungsgutachten ergab eine trotz dieser Zusagen so hohe Deckungslücke, dass sie vom Interessenverein nicht zu schließen war. Erneut gingen Monate ins Land, stürzten Teile des Dachwerks ein und drohte Resignation sich breit zu machen.
Zur allgemeinen Begeisterung traf jedoch im Juli 2009 aus Berlin die Zusage ein, durch Bundesmittel eines Sonderprogrammes für Baudenkmäler die Fördersumme für den Strackenhof auf den stolzen und vermutlich ausreichenden Betrag von € 722.000 aufzustocken. Die Sanierung des Strackenhofes wäre die Rettung eines für den ländlichen Raum bedeutsamen und die Dorfstruktur entscheidenden Baudenkmals und zugleich ein Lehrstück: Manchmal gelingt Unwahrscheinliches, oft ist langer Atem nötig und immer ist das Zusammenwirken aller Beteiligten Eigentümer und Denkmalbehörden, historisch Interessierten und Fachamt erforderlich.
Dr. Thomas Spohn
Die außerordentlich repräsentative Villa liegt am Rande der Herforder Neustadt, eingebettet in die Grünanlagen des Lübbertorwalls. Die Gegend gehörte schon zur Erbauungszeit zu einer der attraktivsten Wohnlagen Herfords. Nach dem Rückbau der mittelalterlichen Stadtbefestigung im 18. Jahrhundert waren die abgeräumten Flächen der Wallanlagen nach einer Nutzung als Weideland im ausgehenden 19. Jahrhundert in Baugrundstücke umgewandelt worden. In dieser Zeit entstanden entlang eines Promenadenwegs prachtvolle Villenbauten mit großzügigen Gärten.
Der Zigarrenfabrikant Richard Böckelmann ließ die Villa im Jahre 1893 für sich und seine Familie erbauen. Zusammen mit seinem Bruder Wilhelm betrieb er bis 1954 eine der bedeutendsten Firmen der Herforder Tabakbranche, die sein Vater Conrad Heinrich Wilhelm Böckelmann 1842 gegründet hatte. Mit der Planung der Villa betraute Böckelmann den Architekten Wilhelm Köster (geb. 1860). Dieser hatte sich 1892 als selbständiger Architekt in Herford niedergelassen. Als Spezialist für den Bau von Tabakfabriken errichtete er Betriebe im In- und Ausland. Darüber hinaus realisierte er zahlreiche Villen in Herford und anderen Orten. Nach dem Anbau eines Wintergartens in den 1910er Jahren und der Erweiterung der Terrassenanlage, unterzog man das Innere der Villa im Jahre 1929 einer Umgestaltung. Die Entwürfe dazu lieferte der Architekt Karl Krause.
Die Villa ging schließlich in den Besitz der Stadt über, die hier in den 1980er Jahren eine Musikschule einrichtete. Nach deren Schließung stand das Gebäude jahrelang leer, die Bausubstanz drohte zu verkommen. Im letzten Jahr fand sich endlich ein privater Investor, der die Villa als Wohnhaus mit Büroräumen nutzen wollte – ein Glücksfall für das Denkmal, denn der neue Eigentümer hatte sich auf die Fahnen geschrieben, den denkmalwerten Bestand an alten Türen, Fenstern, Stuck, Böden und Ausstattung zu erhalten und behutsam herzurichten.
Zur freudigen Überraschung aller Beteiligten waren auch Fragmente des Wintergartens der 1910er Jahre überkommen. In den 1980er Jahren hatte man rigide in die Substanz eingegriffen und den alten Wintergarten nahezu vollständig durch einen massiven Anbau ersetzt. Wie sich nun herausstellte, waren die Oberlichter des Wintergartens, eine Bleiverglasung mit romantischer Bemalung aus Rosenranken, nicht entfernt worden. Wie mit diesem Befund umgegangen wird, ist noch nicht vollends geklärt. Es ist aber damit zu rechnen, dass auch hier, wie im gesamten Haus, eine gelungene Lösung gefunden wird.
Dipl.-Ing. Sybille Haseley
Als im Herbst 2007 die Planung bekannt wurde, die ehemalige Kaserne an der Stummrigestraße 56 in Höxter umzunutzen zum zentralen Verwaltungsbau der ARGE Kreis Höxter (Arbeitsgemeinschaft für die Grundsicherung Arbeitssuchender), stand die Gefahr einer Übernutzung mit den damit stets einhergehenden Substanzverlusten im Raum. Bislang auf mehrere Standorte im Kreis- und Stadtgebiet verteilt, sollten nun alle Aufgaben der ARGE unter einem Dach zentriert werden. Ein hoher Bedarf an barrierefrei erreichbaren Beratungsräumen, Sanitäranlagen, einem großen Besprechungsraum, der energetischen Verbesserung einfach verglaster Fenster sowie die arbeitsschutzrechtlichen Anforderungen an ausreichender Belichtung der Arbeitsplätze auch im Dachgeschoss – all dies schien auf den ersten Blick nur mit einer Fülle von Kompromissen oder Einbußen an denkmalwerter Substanz erreichbar zu sein. Bei einer ersten Begehung im November 2007 überraschte, wieviel im Inneren an historischen Bodenbelägen, an Türen und Fenstern mit ihren Beschlägen noch erhalten war, denn die Bausubstanz des ehemaligen Kasernengebäudes hat in seiner recht bewegten Geschichte stets besondere Belastungen erfahren.
Die Stadt Höxter, die von 1860 bis 1877 eine Garnison beherbergt hatte, bewarb sich 1880 darum, erneut Garnisonsstadt zu werden, und ließ nach der erhofften Entscheidung 1881 für das Füsilier-Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 131 sogleich drei Kasernengebäude errichten: Neben Bauten am Nikolaitor und am Weg nach Lütmarsen entstand hier am Stummrigentor ein zweigeschossiges Gebäude von sieben Achsen Breite. Seit 1886 durch das I. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 55 genutzt, wurde es erst 1914 zur heutigen Form erweitert: Aufgestockt um ein drittes Geschoss und ein stattliches Mansarddach, dabei verlängert um drei Achsen, so dass der beibehaltene Eingang nun außermittig in der durch breite Lisenen schlicht, aber wirkungsvoll gegliederten Fassade angeordnet ist. Nach dem II. Weltkrieg in städtischem Besitz, wurden hier zunächst Mietwohnungen eingerichtet; seit 1970 diente das Objekt als Unterkunft für Obdachlose.
Vollständig erhalten blieb die vorgefundene Raumstruktur, neue Raumteilungen wurden durch Leichtbauwände vorgenommen. Die konstruktiven Eingriffe in die Dachkonstruktion wurden auf ein Minimum beschränkt und die vorhandenen Gauben geschickt genutzt; Dachflächenfenster mit farblich an die Eindeckung angepassten Fensterrahmen, die flächenbündig eingebaut wurden und nur zur Reinigung zu öffnen sind, stellen den Kompromiss dar zwischen Nutzerinteressen und Arbeitsplatzbedingungen einerseits und dem denkmalpflegerischen Anliegen einer möglichst ungestörten Dachlandschaft andererseits.
Erhalten werden konnte der Fliesenbelag in Keller und Erdgeschoss mit seiner charakteristischen Riffelung, die historischen Fenster und Raumtüren sowie die Tür zur ehemaligen Arrestzelle, bei der man auf Aufarbeitung und Neuanstrich verzichtete und somit Gebrauchsspuren und Patina bewahrte. Diese Details verleihen dem umgebauten Gebäude seinen Charme und machen die ursprüngliche Nutzung als Kaserne ablesbar. Und um den Blick der Besucher zu öffnen, hat man eine Informationstafel zu Geschichte und Umbau des Gebäudes installiert. Es ist selten, dass eine Kommune ihr Handeln auf diese Weise transparent macht, umso mehr ist es hier zu begrüßen – und in diesem Fall hat die Stadt auch allen Grund dazu, auf das Erreichte stolz zu sein.
Dr. Christoph Heuter
Der Westflügel des ehemaligen Prämonstratenserklosters Wedinghausen aus dem frühen 18. Jahrhundert birgt einen historischen Schatz: Unter dem Gebäude in Arnsberg (Hochsauerlandkreis) ist ein aus drei ungleich breiten Tonnengewölben bestehender älterer Keller erhalten geblieben. Der Arnsberger Heimatbund hat den Keller restauriert und nutzt ihn nicht nur für seine Sitzungen und Versammlungen. Die Heimatfreunde haben den historischen Klosterbierkeller auch im Rahmen von Stadt- und Klosterführungen für die Öffentlichkeit geöffnet. Deshalb hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) den Keller jetzt als Denkmal des Monats Juni ausgezeichnet.
"Obwohl der Keller mittelalterlich ist, wurde er bislang nur von Fachleuten beachtet. Wahrscheinlich dienten die auch im Sommer kühlen Räume als Lager für Nahrungsmittel, das größte Gewölbe war der Klosterbierkeller", so LWL-Denkmalpfleger Dr. Oliver Karnau.
Weil der Heimatbund die Baumaßnahmen in enger Abstimmung mit der Stadt Arnsberg als Unterer Denkmalbehörde und dem LWL-Amt für Denkmalpflege sehr sorgfältig vorbereitet hatte, konnte man den Aufgang ins Refektorium, eine Treppe zum Kreuzgang und zwei Nischen freilegen. "Die Handwerker arbeiteten erfreulicherweise sehr umsichtig, um möglichst viel von der wertvollen Substanz zu erhalten. So sind beispielsweise notwendige Leitungsführungen nicht einfach in das Mauerwerk geschlitzt worden, sondern man hat die neuen Leitungen vorsichtig zwischen den Steinen in die Fugen eingelassen", lobt Karnau. Ein besonderer Clou sei die Öffnung von vermauerten Nischen und Treppen, die nun wieder erkennen ließen, wie der Kellerraum einmal zur Versorgung des darüber liegenden Refektoriums gedient habe. "Man kann sich richtig vorstellen, wie in früherer Zeit volle Kannen und Krüge aus den Kellerräumen nach oben getragen wurden", so Karnau weiter.
Der größte Gewölbekeller wurde 1942 als Luftschutzraum eingerichtet. Karnau: "Das zeigt einmal mehr, dass die Räume von Kloster Wedinghausen bis in den Keller hinein eine besonders vielschichtige Geschichte haben."
Bei der Einrichtung der Kellerräume hat der Arnsberger Heimatbund auf eine anspruchsvolle, aber dem einfachen Charakter der Räume angemessene Gestaltung geachtet. So soll die Lichtführung ihre Bauformen hervortreten lassen, aber nicht dominant sein, sondern die besondere Form der Gewölberäume akzentuieren und ihre zeitgemäße Nutzung ermöglichen
Dr. Oliver Karnau
Etwas abseits der Gröblinger Straße in Füchtorf liegt ein kleines, eher unscheinbares Fachwerkgebäude und erinnert an die ehemals hier gelegene Hofstelle Twillingen 19. Der schmale hohe Bau sieht aus wie ein typischer münsterländischer Speicher, doch wurde hier ursprünglich nicht nur Getreide aufbewahrt, sondern es wurde auch Brot gebacken, denn an der Nordseite des Erdgeschosses stand früher ein Backofen. Solche „Backspeicher“ waren nicht ungewöhnlich, allein im Kreis Warendorf sind noch über 30 nachweisbar. Der kleine Bau an der Gröblinger Straße 37 allerdings gehört zu den ältesten Exemplaren seiner Art im Münsterland, denn er wurde bereits vor 1700 errichtet. Damit kommt ihm ein besonderer Wert zu.
Als der Speicher 1985 unter Denkmalschutz gestellt wurde, bot er einen unansehnlichen Anblick. Das Gebäude hatte lange leer gestanden und war im Laufe der Jahrhunderte fast einen halben Meter tief im Erdboden versunken, Wind und Wetter hatten den alten Lehmgefachen zugesetzt, fast zur Hälfte waren sie herausgefallen, und auch das Dach zeigte erste Löcher. Eine genaue Untersuchung des Zustandes ergab jedoch, dass das Holzgerüst des 17. Jahrhunderts noch fast vollständig erhalten und in gutem Zustand war, lediglich die im Boden versunkenen Schwellen waren weggefault. Der Dachstuhl war schon im 18. Jahrhundert erneuert worden, ein Backofen war nicht mehr vorhanden. Durch die fehlende Nutzung war der weitere Verfall vorprogrammiert.
Dem Eigentümer war allerdings bewusst, dass er ein bemerkenswertes Baudenkmal sein eigen nennen durfte, das schon seit Generationen auf der Hofstelle seiner Familie stand. Obwohl es über zwei Jahrzehnte nicht gelungen war, eine angemessene Nutzung für den Backspeicher zu finden, entschloss er sich 2006 zu einer Sicherung des Bestandes. Mit Hilfe einer Förderung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und unter fachlicher Beratung durch das LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen wurden die Arbeiten 2007 und 2008 durchgeführt.
Zunächst wurde das Fachwerkgerüst um einen halben Meter angehoben und mit einem neuen Sockel und einer neuen Holzschwelle versehen. Dies wurde äußerst vorsichtig ausgeführt, so dass die noch vorhandenen historischen Lehmgefache und die Dachdeckung mit den alten Ziegeln nahezu unbeschädigt erhalten blieben. Die alten Gefache wurden mit Lehm ausgebessert, die fehlenden mit Lehmsteinen neu ausgemauert. Dann wurden sie mit Kalk verputzt. Das Dach wurde durchgesehen und repariert. Die alten Giebelverbretterungen waren zum großen Teil erhalten und mussten nur an einigen Stellen ergänzt werden. In den Außenwänden gab es einige kleine Öffnungen, die unten als Fenster ausgebildet waren. Oben waren die Öffnungen mit senkrecht gestellten Holzstäben verschlossen, damit Luft an das gelagerte Getreide herankommen konnte. Diese alten Öffnungen wurden ebenfalls wiederhergestellt. Im Inneren war nur noch der alte Holzboden für das Speichergeschoss im Dach vorhanden, unten soll der ursprüngliche Fußboden aus gestampftem Lehm vielleicht später wieder eingebaut werden.
Heute präsentiert sich der Backspeicher als kleines Schmuckstück auf dem ehemaligen Hof Benefader in Füchtorf. Dank der vorbildlichen Initiative des Eigentümers wird das wertvolle Baudenkmal die nächsten Jahre gut überstehen können. Der Verfall konnte unter Einsatz überschaubarer Mittel aufgehalten werden, so dass die Suche nach einer passenden Nutzung nicht mehr unter Zeitdruck steht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Dr. Kurt Röckener
Das repräsentative Einfamilienhaus der Familie Steimann von 1965/67 ist in seiner äußeren Gestalt und seinen inneren Strukturen einschließlich der wandfesten inneren Ausstattung weitestgehend unverändert erhalten. Es ist ein exponiertes Beispiel modernen Bauens der 60er Jahre und ein prägnantes Beispiel für das künstlerische Schaffen des in Münster ansässigen, international tätigen Architekten Harald Deilmann (1920-2008).
Die Entscheidung, nicht einen örtlichen Architekten, sondern Harald Deilmann mit der Planung eines großzügigen Wohnhauses zu beauftragen, geht auf den Bauherren Dr. med. Rudolf Steimann zurück, der sich sehr für moderne Architektur interessierte und den Architekten als ambitionierten Vertreter aus seiner beruflichen Zeit in Münster kannte. Dr. Steimann wurde 1964 zum Chefarzt der chirurgischen Abteilung und später zum ärztlichen Direktor des Ahlener St. Franziskus-Hospitals berufen, das er bis 1987 leitete.
Das Haus sollte die große Familie mit sechs Kindern aufnehmen und dem gesellschaftlichen Anspruch des Bauherren als Chefarzt entsprechen. Deilmann erhielt weitgehende Freiheit bei der Gestaltung des Gebäudes. Er schlug ein konsequent in modernen Formen gestaltetes und errichtetes Haus vor, das als Material im Äußeren und Inneren nur Beton, Glas und Holz zeigen sollte.
Das Haus wurde als zweigeschossiger und freistehender Baukörper aus unbehandeltem Sichtbeton errichtet und erhielt Flachdächer. Die äußere Gestalt des Gebäudes ergibt sich vor allem aus dem inneren Raumprogramm, wobei die Baumasse durch verschiedene auf die inneren Strukturen zurückgehende Versprünge in den Fronten so aufgelöst ist, dass sie wie eine Plastik aus verschieden zusammengesetzten Blöcken wirkt. Die Gestalt wird des weiteren durch die Öffnungen unterschiedlichen Formates bestimmt, die durch die zurückgesetzt angebrachten Ganzglasscheiben mit dunkler Rahmung scharf eingeschnittenen wirken. An der Vorderfront tritt die Etagentreppe als auskragender Baukörper weit vor, begleitet von einem ebenfalls aus Beton gegossenen vorkragenden Dach über dem Vorplatz des Hauszuganges.
Das Gebäude wurde im Jahr 2008 in die Denkmalliste der Stadt Ahlen eingetragen.
Dr. Fred Kaspar
Die historische Kulturlandschaft Westfalens ist geprägt von alten Wegekreuzen und Bildstöcken. Mit ihren Bildern und Inschriften zeugen sie von der tiefen Eingebundenheit der Menschen in das christlich religiöse Leben. Bei den Eigentümern und in der Öffentlichkeit stehen die historischen Flurdenkmäler bis heute in hoher Anerkennung. Sie äußert sich in den vergangenen und aktuellen Denkmalpflegemaßnahmen. Die fortzuführende Überlieferung der historischen Flurdenkmäler verlangt ein bewusstes Engagement.
Der abgebildete Bildstock ist heute östlich der Pfarrkirche St. Clemens an der Mauer zwischen dem Propsteigebäude und der Ems errichtet. An seiner linken Seitenfläche ist das Datum 1769 mit dem Stifternamen Johann zur Verth eingehauen. Dadurch ist dokumentiert, dass der Bildstock ursprünglich auf dem Schulzenhof Paul Schulze zur Verth im Kirchspiel Telge stand. Anlässlich der Erweiterung des Flugplatzes Handorf im Zweiten Weltkrieg wurde der Hof aufgelöst, der Bildstock gerettet und nach dem Zweiten Weltkrieg an der sehr würdigen Stelle neu errichtet.
Der 3,25 Meter hohe Bildstock zeigt eine zeittypische barocke Architekturform, bestehend aus Sockelunterbau, Nische und Bekrönung mit Kreuz. In der Nische ist an zentraler Stelle vor einem fein gestalteten Reliefgrund das Telgter Gnadenbild positioniert. Wie in der Region an sehr vielen Bildstöcken vorkommend, steht es im Bezug zur Telgter Wallfahrt und zum Gnadenbild des 14. Jhs. in der Telgter Wallfahrtskapelle „Zur Schmerzhaften Muttergottes“. Die Telgter Wallfahrt wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg wesentlich von Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (1650-1678) gefördert. Sie hat sich bis heute als eine der bundesweit belebtesten Wallfahrten erhalten.
Auf der Vorderseite des Sockelunterbaus ist die Siebenschmerzenmadonna dargestellt. Die sieben „die Brust durchbohrenden“ Schwerter symbolisieren das Mitleiden Mariens mit Bezug auf sieben Ereignisse aus dem Leben Jesu. Eine der „Sieben Schmerzen Mariens“ bildet die Grundlage zur Darstellung mit dem Schwert. Es ist die Darstellung Jesu im Tempel mit der Weissagung des Propheten Simeons an Maria: „Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen“ (Lk 2,35). Die Bildstockinschrift auf der rechten Sockelunterseite nimmt Bezug auf die vorderseitige Mater-Dolorosa-Darstellung (wie sie auch genannt wird). Sie beinhaltet die Fürbitte an die Mutter Jesu, im Falle von letzter Not zu helfen, sowie für ein seliges Sterben und eine ewigliche Erhaltung einzustehen.
Als Steinmetz- und Bildhauermaterial fand - wie in der Region Münsterland im 18. Jh. Üblich - der Baumberger-Kalksandstein Verwendung. Wegen seiner guten bildhauerischen Bearbeitbarkeit war er sehr beliebt. Allerdings weist er nach den heutigen Kriterien eine schwache Verwitterungsresistenz bzw. eine hohe Zerfallsanfälligkeit auf. Zu den natürlichen Ursachen des Steinzerfalls wirkten ab dem 19. Jh. die schwefelsauren Emissionen schädlich auf das sensible poröse Kalksteingefüge.
Auch dieser Bildstock in Telgte hat Schäden und Verluste erlitten. Der Bildausschnitt von der Giebelbekrönung dokumentiert den Zustand von 1967. Dank zielgerichteter Sicherungs- und Restaurierarbeiten in den Jahren 1967, 1987 und zuletzt 2005, gelang es jedoch, den weiteren Steinzerfall zu stoppen und den Bildstock stabil und in einem gepflegten Erscheinungsbild zu erhalten. Die kontinuierliche Pflege ist in diesem Falle speziell der kath. Kirchengemeinde St. Clemens in Telge zu verdanken. Mitgefördert haben die letzte Restaurierung das LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen und der Kreis Warendorf. In Gestalt einer Aktion zur Rettung von Bildstöcken und Wegekreuzen engagiert sich der Kreis Warendorf sehr verdienstvoll für die Erhaltung der Flurdenkmäler.
Die konservatorische Erhaltung der Flurdenkmäler setzt zunächst eine periodische Überprüfung ihres Erhaltungszustandes voraus. Folgend sind auf das Untersuchungsergebnis abgestimmte Sicherungs- und Pflegearbeiten durch qualifizierte Restauratoren wirksam. Zur Bekämpfung von Schadensursachen ist eine „Wintereinhausung“ speziell der durch Nässe- und Frosteinflüsse gefährdeten Bildstöcke äußerst nützlich. Die Stadt Telgte hat die Herstellung von Winterschutzgehäusen und ihre periodische Anbringung am ihrem städtischen Bildstockbestand erfolgreich eingeführt.
Beat Sigrist
Im Ortsteil Gosenbach stößt man an der Gabelung der Straßen Gosenbacher Hütte/Am Honigsmund auf eine alte Bruchsteinwand, die auf den ersten Blick wie eine einfache Stützmauer aussieht. Tatsächlich handelt es sich aber um eine in den Hang gebaute ehemalige Röstofenanlage der Spateisensteingrube Storch & Schöneberg, die zur Aufbereitung von Roherzen diente. Einst bestand sie aus vierzehn nebeneinander aufgereihten Öfen, die in der Zeit von 1862 bis 1895 unterhalb der Grubenanlage Storch & Schöneberg gebaut worden sind.
Sichtbar erhalten geblieben ist hiervon ein Teilstück mit vier Öfen. In der Außenwand fallen besonders die niedrigen, mit einem Flachbogen geschlossenen Öffnungen auf. Aus ihnen wurde das Röstgut entnommen. Heute sind sie vermauert und der rechte Teil der Ofenwand wird aus statischen Gründen durch Betonpfeiler gestützt. Hinter der Bruchsteinwand befinden sich die aus Schamottesteinen kreisrund gemauerten, verfüllten Ofenschächte. Die Öfen wurden von oben beschickt. Auf dieser Ebene standen die Betriebsgebäude und Fördergerüste des Alten und Neuen Schachtes, so dass sich kurze Wege von den Schächten zu den Öfen ergaben.
Das Rösten von Eisenstein ist ein Teil der Aufbereitung für die Verhüttung im Hochofen. Hierbei wird u. a. der Anteil an Kohlenstoff, der die Zähigkeit der Eisenschmelze in hohem Maße beeinträchtigt, ausgetrieben, das Erz von Schwefel gereinigt und mit Sauerstoff angereichert. Geröstetes Erz ist etwa 30% leichter als frisch abgebautes - ein wichtiger Aspekt in Hinblick auf den Transport und die Transportkosten.
Mit den steigenden Erzausfuhren u. a. ins Rheinisch-Westfälische Industriegebiet nach Inbetriebnahme der Ruhr-Sieg-Strecke,1861, und den damit verbundenen Entfernungen gewann das Rösten in Hinblick auf die Gewichtsreduzierung besondere Bedeutung. Die steigende Nachfrage nach Spateisenstein führte dazu, dass auf allen bergwirtschaftlich bedeutenden Gruben des Siegerlandes Röstofenanlagen entstanden. Die Ofenhöhe betrug zunächst 4 bis 5 Meter, der Röstbetrieb erfolgte noch mit natürlichem Luftzug. Die dadurch relativ niedrige Durchsatzleistung erforderte entsprechend viele Röstöfen. Handelte es sich zunächst um aus Bruchstein oder Ziegelsteinen gemauerte, rechteckige und mit feuerfestem Material ausgekleidete Öfen, wurden sie ab 1898 allmählich durch hohe, runde und mit Eisenblech umkleidete abgelöst.
Die Grube Storch & Schöneberg besaß um 1900 etwa 50 Öfen, die sich überwiegend in der Nähe ihrer Förderschächte beidseitig der Straße von Niederschelden nach Gosenbach befanden. 1911 entstand mit dem Ausbau der Grube am Rothenberg eine mechanische Aufbereitung und eine neue Röstanlage mit 26 Öfen. Längst sind die Röstöfen dieser wie auch anderer Gruben im Siegerland verschwunden - bis auf das lange Zeit unbeachtete Teilstück der alten Ofenbatterie Am Honigsmund, das für Westfalen nach unserer Kenntnis einzigartig ist.
Seit letztem Jahr sind die Öfen in die Denkmalliste der Stadt Siegen eingetragen. Der beginnende Verfall schreitet jedoch unweigerlich fort. Erste Bemühungen zur Rettung der Ofenanlage gibt es bereits seit mehreren Jahren. Da sich die herausragende Bedeutung des Objektes nicht unmittelbar erschließt, scheint das Denkmal im Bewusstsein der Öffentlichkeit jedoch noch nicht allgemein verankert zu sein.
Dipl.-Ing. Imme Wittkamp
Etwas entfernt von den Touristenpfaden durch das Ruhrgebiet liegt die evangelische Christuskirche im Süden von Lünen inmitten von Siedlungen und ihrem industriellen Umfeld.
Von den hohen Wällen des Datteln – Hamm- Kanals prägt ihr markanter Umriss mit den geschachtelten Dächern und dem kräftigen Turm die städtische Landschaft.
Auch aus der Nähe, etwa von der Preußenstraße aus, ist sie eindrucksvoll, sie wirkt modern, zeigt jedoch viele vertraute alte Motive. Bemerkenswert ist auch ihr Inneres mit dem runden, gewölbten Mittelraum. Sie entstand 1913/14. Ihr Architekt Reinhold Becker war im nahen Dortmund tätig.
Als 2007 der Restaurator Dr. Christoph Hellbrügge die verwitterten Natursteinmauern untersuchte, entdeckte er kleine Risse, die auf statische Schäden hinwiesen. Deshalb untersuchte der Statiker Gerhard Elsner vom Büro Eggersmann die Dächer und Gewölbe. Versteckte Schäden am Holzwerk und die allmähliche Lockerung der nun fast hundert Jahre alten Dachkonstruktion führen zu einem großen Instandsetzungsbedarf. Er muss geleistet werden, weil sonst auch die mit einer Drahtkonstruktion im Dachstuhl aufgehängten Gewölbe abstürzen könnten. Mehrere hunderttausend Euro kostet allein diese Maßnahme, um die Kirche standfest zu machen. Die Kosten übersteigen die Rücklagen der Kirchengemeinde für den Erhalt des Kirchenbaus erheblich. Mit Klugheit und Mut gehen Pfarrer Winfried Moselewski mit seiner Gemeinde nun 2009 an diesen ersten Teil der Instandsetzung und hoffen auf finanzielle Hilfen, um die Kirche auf Dauer für die Kirchengemeinde und die Allgemeinheit zu bewahren.
Dr. Ulrich Reinke