Infolge eines Erweiterungsbaus erhielt die Kaunitzer Kirche 1897-1900 eine neue Innenausstattung, ein Gemeinschaftswerk verschiedener Kunsthandwerker aus Wiedenbrück. Kunst und Kunsthandwerk des Historismus aus der sogenannten Wiedenbrücker Schule haben nicht nur die Region außergewöhnlich geprägt, sondern fanden bis nach Übersee Verbreitung.In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts schwand die Wertschätzung dieser Kunst. Deswegen baute man den Altar 1956 ab und lagerte ihn zusammen mit anderen Ausstattungsteilen ein.
1975 kam es zur Wiederaufstellung, jedoch in reduzierter Form als Tabernakelstele. Die seitlichen Reliefs des Altarretabels wurden als Einzelbilder im Chorraum aufgehängt. Vier Evangelistensymbole aus der Predella fanden ihre Wiederverwendung an einem modern gestalteten Kreuzbalken. Die übrigen Teile des wertvollen Kunstwerks blieben ausgelagert auf dem Turm und dem Boden hinter der Orgel.
Als 2005 die Kirchengemeinde eine Restaurierung und Umgestaltung des Kircheninnenraumes plante, wurden bei einem gemeinsamen Ortstermin mit dem LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen die ausgelagerten Bestandteile des Altars und der übrigen Ausstattung aufgefunden und ausgelegt. Zuerst wandte man sich dem Altar zu. Überwiegend hatten die eingelagerten Stücke noch ihre originale Farbfassung. Es fehlte nur sehr wenig, so dass eine Rückführung sinnvoll erschien. Durch Recherchen im Pfarrarchiv konnten mit Unterstützung von Pfarrer Joachim Cruse Fotoaufnahmen des Altars vor dem Ausbau von 1956 gefunden werden. Die Originalteile ermöglichten in Verbindung mit den Archivunterlagen die Anfertigung einer Rekonstruktionszeichnung und eines Maßnahmenkatalogs für die Restaurierung. Diese Arbeiten wurden durch das Amt für Denkmalpflege unterstützt. Im Ergebnis gelang die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes des Hauptaltars sehr weitgehend unter Verwendung der Originalteile.
Zum Schluss fanden auch die Kanzel, die alte Rahmung der Kreuzwegstationen und einige Skulpturen wieder zurück in den Kirchenraum, der als historischer Sakralraum ganz entschieden an Ausstrahlung und Erlebbarkeit gewonnen hat.
Das Gelingen solcher Projekte hängt letztendlich auch von einer frühen Einbindung des beratend tätigen LWL-Amts für Denkmalpflege in die Maßnahmenplanung sowie von einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit aller Beteiligten ab, die hier nochmals hervorgehoben werden soll. Durch das besondere Engagement von Herrn Pfarrer Joachim Cruse konnte ein bedeutendes Werk der Wiedenbrücker Künstlergemeinschaft der Kirchengemeinde zurückgegeben und die ursprüngliche Harmonie von Raum und Ausstattung weitgehend wiederhergestellt werden. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe zeichnet den Hochaltar der Kaunitzer Pfarrkirche deshalb als Denkmal des Monats Januar aus.
Brigitte Vöhringer
Zu den bürgerlichen Freizeitvergnügungen seit dem 19. Jahrhundert gehörte wochenends die Fahrt in ein Ausflugslokal vor den Toren der Stadt. Hier genoss man in den Sommermonaten unter anderem den Aufenthalt an der frischen Luft in einem Kaffeegarten. Einen solchen Kaffee- und Konzertgarten besaß auch das am Fuße des Wittekindberges unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals gelegene Hotel „Kaiserhof“ in Porta Westfalica. Vom nahegelegenen Minden aus konnte man mit der Straßenbahn geradewegs bis vor das Hotel an der Porta fahren. Auch die Kurgäste aus Bad Oeynhausen kamen in großer Zahl, um nach dem Besuch des Denkmals hier zu speisen oder bei den Klängen einer Kapelle Kaffee zu trinken. Um den Besuchern den Aufenthalt im Freien noch angenehmer zu gestalten, errichtete man 1897 auf der erhöht liegenden Aussichtsterrasse des Hotels eine offene Laubenhalle. Nun konnten die Ausflugsgäste vor Sonne und Regen geschützt die schöne Aussicht auf die Weser genießen. Die hölzerne Laubenhalle des „Kaiserhofes“, deren 110. Geburtstag in diesem Jahr zu feiern ist, hat das LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen zum Denkmal des Monats Februar 2007 gewählt.
Die an der Südseite des Hotels gelegene Halle ist symmetrisch durch einen erhöhten Mittelpavillon und zwei Eckpavillons gegliedert. Die gegen den Hang gebaute geschlossene Rückwand der Halle setzt über einer hohen Stützwand aus Bruchsteinmauerwerk an, das Holzständerwerk der offenen Vorderseite ist mit Schnitzereien verziert. Ein Plan vom Anfang des 20. Jahrhunderts zeigt vor der Halle eine symmetrisch angelegte Gartenanlage im Stil des Neubarock.
Mit dem geänderten Freizeitverhalten der Menschen verlor der Kaffegarten des renommierten Kaiserhofes seit den 1960er Jahren nach und nach seine regelmäßige Nutzung. Doch während andernorts die hölzernen Gartenarchitekturen längst verschwunden sind, wurde die Laubenhalle des Kaiserhofes weiter gepflegt, so dass sie heute das letzte Exemplar ihrer Art in ganz Westfalen ist. Derzeit gibt der schlechte bauliche Zustand der Halle jedoch Anlass zu großer Sorge. Im vergangenen Jahr brach ein Teil der rückwärtigen Stützmauer ein, das Dach ist an verschiedenen Stellen reparaturbedürftig und das Holzständerwerk benötigt dringend einen neuen Anstrich, um nur die nötigsten Maßnahmen zu nennen.
Um zu verhindern, dass diese Gartenarchitektur der Jahrhundertwende weiter verfällt, suchen derzeit Eigentümerin, Stadt, Stadt- und Kreisheimatpfleger und LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen nach Wegen für ein tragfähiges Finanzierungskonzept. Die Kosten für die Instandsetzung überschreiten in diesem Fall die finanziellen Möglichkeiten der Denkmaleigentümerin, da die Laubenhalle ja nur in den Sommermonaten bei gutem Wetter für den Gastronomiebetrieb nutzbar ist. Ideal wäre es, wenn sich ein Sponsor fände, der bei der Rettung des in Westfalen einzigartigen Baudenkmals helfen würde. Dann könnte die Laubenhalle saniert werden und gäbe ein attraktives Ambiente für einen Biergarten ab. Dieser wäre sicher ein reizvolles Ziel für Radtouristen und Besucher des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, ist doch der erneute Trend zur Außengastronomie seit Jahren ungebrochen.
Barbara Pankoke
In der Innenstadt von Plettenberg, eingezwängt von hohen Brandmauern der um 1900 entstandenen Nachbargebäude, behauptet sich eine bescheidene Doppelhaushälfte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die andere Haushälfte sowie die übrigen Häuser der Straße wurden Opfer der Modernisierungswelle, die am Anfang des 20. Jahrhunderts die Wilhelmstraße zu einer städtischen Geschäftsstraße veränderte. Auch der Zigarrenmachermeister Curt Heyne profitierte mit seinem kleinen Laden, den er im Erdgeschoss des Hauses einrichtete, von der guten Geschäftslage. Im Obergeschoss wohnte die Familie und unter dem Dach wurden zunächst der Tabak zugerichtet und dann die Zigarren gewickelt. Die Ladeluke im Dach mit dem Lastenaufzug zeugt noch von den ehemaligen Werkstatträumen unter dem Dach. Das Geschäft lief gut, die Zigarren von Kurt Heyne waren beliebt, als er mit nur 37 Jahren starb und seine Frau die Zigarrenproduktion übernahm, um sich und die sechs Kinder durchzubringen. Die nach dem Ersten Weltkrieg einsetzende Inflation verhinderte schließlich den geplanten Umbau des Hauses. Auch der Verkauf eigener Zigarren trat in den Hintergrund; sie wurden durch namhafte Marken ersetzt, die in dem kleinen Laden im Erdgeschoss verkauft wurden.
Lars Niggemann, Dr. Peter Vieregge und Thomas Großheim haben vor zwei Jahren kurz entschlossen das Haus mit Ausstattung und Mobiliar erworben, um hier ein Stück Plettenberger Lokalgeschichte zu erhalten. Nicht museal in einem Freilichtmuseum fern des ursprünglichen Standortes, sondern als lebendes Geschichtszeugnis in seiner gewachsenen Umgebung. Das kleine Haus mit seinem bescheidenen Komfort, den niedrigen Decken und der schmalen Stiege wäre – wenn überhaupt – nur mit großen Verlusten an historischer Substanz zeitgemäß umzunutzen gewesen, sodass der Erwerb durch die drei bekennenden Plettenberger ein Glücksfall für die Denkmalpflege ist. Liebevoll und behutsam haben sie das Gebäude und die Einrichtung gesichert und erhalten. Während der Laden donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 12.30 Uhr wieder geöffnet ist und wie zu Zeiten von „Matta Heyne“ Tabakwaren über den alten Ladentisch verkauft werden, frönen die drei Zigarrenraucher in den ebenfalls erhaltenen Wohnräumen im Obergeschoss ihrer Leidenschaft. Die Räume dienen mit ihrem etwas angestaubten Charme der Fünfzigerjahre heute als Rauchersalons und können vielleicht bald den aus den öffentlichen Gaststätten vertriebenen Rauchern eine adäquate Herberge bieten.
Aufgrund des außerordentlichen Engagements der drei Plettenberger Bürger wurde eine kleine Oase erhalten, in der Ortsgeschichte, darüber hinaus aber auch lebendige Sozialgeschichte vermittelt wird. Das LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen möchte dieses Engagement honorieren und kürt das kleine Wohn- und Geschäftshaus zum Denkmal des Monats März 2007.
David Gropp
Die katholische Kirche St. Sebastian im Sundener Ortsteil Endorf gehört zu den kleinen, aber feinen Kirchenbauten im Sauerland, die sich durch ihre sorgsame Be-handlung über mehrere Generationen hinweg und ihre geschlossene Erhaltung auszeichnen. Nicht zuletzt deshalb wurde die Endorfer Kirche 1989 in die Denkmal-liste der Stadt Sundern aufgenommen. Es handelt sich um eine 1898 errichtete, dreijochige Kirche mit Westturm und eingezogenem Chor in neugotischen Formen, die durch ihre Klarheit und ihre weitgehend bauzeitliche Ausstattung überzeugt. Große Fenster lassen viel Licht in einen farbig ausgemalten Kirchenraum. Hier zeigt die Kirche dem Betrachter ihre Ausstattung: Altäre, Kreuzweg, Orgel, Bemalung von Gewölben und Triumphbogen, Glasgemälde in den Chorfenstern und vieles anderes mehr. Von besonderer Bedeutung ist das Geläut der Kirche. Anlässlich der Fertig-stellung der neuen Kirche waren zwar alle aus dem Vorgängerbau erhaltenen Glo-cken bis auf eine mittelalterliche Glocke umgegossen worden. Diese neuen Glocken mussten dann bis auf die kleinste im Ersten Weltkrieg als Kriegsmaterial abgeliefert werden und gingen so verloren. Aber die schöne mittelalterliche Glocke aus dem Jahre 1434 von Claes Haller, von dem auch Glocken in Werne, Sundern-Hellefeld und Sundern-Enkhausen bekannt sind, konnte die Endorfer Kirche zusammen mit der kleinen Glocke von 1898 bis heute in ihrem Turm bewahren.
Diese umfangreiche Ausstattung zeigt Selbstbewusstsein und Behauptungswillen der Endorfer Katholiken, die noch lange eine von Stockum abhängige Kirchenge-meinde waren und nur eine kleine Kirche als Gottesdienststätte - etwa an gleicher Stelle - hatten. Aber auch die prägende Lage der Kirche in der Dorfmitte von Endorf offenbart die Absichten ihrer Erbauer. 1904, im Jahr der Einweihung der neuen Kir-che, erfolgte dann die Abpfarrung Endorfs von Stockum.
2005 wurden erste Überlegungen angestrengt, wie man den noch umfangreichen Bestand an bauzeitlicher Ausmalung und Ausstattung konservieren und wieder her-stellen sollte. Dafür wurden die figürlichen Malereien am Triumphbogen und in den Gewölben vorsichtig trocken gereinigt und mit einer mineralischen Lasur dünn hinter-legt. Eine jüngere Rankenmalerei um die Fenster hatte keinen Denkmalwert und konnte entfernt werden. Die verlorene Teppichmalerei im Chor wurde nicht rekon-struiert, sondern überlegt durch einen neuen Entwurf ersetzt, der die große Wandflä-che unterhalb der Fenster strukturiert und zurückhaltend die Wirkung der histori-schen Ausstattungsstücke unterstützt, ihnen aber keine Konkurrenz aufdrängt. Die erhaltenen Ausstattungsstücke der Kirche wie die Skulpturen sind behutsam gerei-nigt oder konservatorisch überarbeitet worden.
Alle Arbeiten wurden sorgfältig geplant und ausgeführt. Der Innenraum der Kirche und seine Ausmalung erstrahlen nach der Reinigung wieder in altem Glanz. Eine neue Beleuchtungsanlage gibt klares Licht für den Gottesdienst und die Betrachtung der Malereien und der Ausstattung. Alles in allem ist das eine schlichte, aber wir-kungsvolle Restaurierung gewesen, die aber weitgehend unspektakulär geblieben ist und gerade deswegen das Herz eines Denkmalpflegers erfreut. Es dürfte damit gelungen sein, den wertvollen Bestand für kommende Generationen zu sichern und damit ein Zeugnis für die Frömmigkeit der Menschen in Endorf um 1900 und danach zu erhalten.
Oliver Karnau
Eisenbahn und Denkmalpflege. Hier drängt sich unwillkürlich die Vorstellung fauchender Dampfloks, rußgeschwärzter Heizer, historischer Waggons, eines faszinierten Publikums oder aber einer wildromantischen Landschaft, wie sie von der Hönnetalbahn zwischen Menden und Balve durchfahren wird, auf.Ein ganz anderes Bild bietet dagegen die 1929 durchgängig in Betrieb genommene Extertalbahn zwischen Barntrup und Rinteln. Hier begleitet in der Talaue der Exter eine Bahnstrecke in weiten Bereichen eine Landesstraße. An sich nichts Außergewöhnliches, wäre da nicht der nachdenklich machende Fahrdraht an historischen Masten. Und mit etwas Glück begegnet man einer Elektrolok, eckig, mit Fenstern und kastenartigem Aufbau, der erkennbar mit Profilholz geschlossen ist.
Was verbirgt sich dahinter?
Es beginnt mit der Gründung der „Extertalbahn Aktiengesellschaft“, kurz EAG genannt, am 24. September 1924 zum Aufbau einer Verbindungsbahn zu den Strecken Löhne – Hameln und Rinteln - Stadthagen sowie in Barntrup zur Strecke Lage – Hameln.
Da das damalige Elektrizitätswerk „Wesertal GmbH“ in Hameln Mitgesellschafter der EAG war, wurde die Bahnstrecke von Anfang an elektrifiziert ausgeführt und zwar mit einem Gleichstrom von 1.500 Volt. Dessen Vorteile liegen auf der Hand: Elektroloks sind im Gegensatz zu Dampfloks einfach zu handhaben, weisen eine große Anzugskraft mit entsprechender Beschleunigung auf und bewältigen auch größere Steigungen, so dass im Tal der Exter zur Anlage der Trasse keine aufwändigen Erdbewegungen durchgeführt werden mussten. Der Nachteil bei Gleichstrom ist aber, dass er, im Gegensatz zu Drehstrom, nicht ohne Leistungsverluste über große Entfernungen geführt werden kann. Daraus erklärt sich auch der Betriebssitz in Bösingfeld, denn hier erfolgte in der Mitte der ursprünglich rund 28 km lange Strecke, die Einspeisung des Gleichstroms.
Von Anfang an war die EAG, die sich seit 1967 Verkehrsbetriebe Extertal nannte, auf den Personen- und den Güterverkehr ausgerichtet, wobei der Personenverkehr 1969 und der Güterverkehr 2001 endgültig eingestellt wurden.
In den letzten Jahren fielen im Extertal große Abschnitte des Fahrdrahtes dem Kupferklau zum Opfer und hätten so beinahe zum vollständigen Untergang dieses Denkmals geführt. Durch den Rückbau noch erhaltener Abschnitte im Bereich zwischen Bösingfeld und der Landesgrenze und dessen Einsatz auf der Südstrecke nach Barntrup konnte dieser drohende Untergang verhindert werden.
Heute wird vor allem der nördliche Abschnitt von Bösingfeld bis Rinteln für touristische Zwecke im Draisinenbetrieb genutzt und der südliche Abschnitt bis Barntrup durch den Verein Landeseisenbahn Lippe e.V. im Fahrbetrieb mit den historischen Loks.
Die Besonderheiten der Strecke auf einen Blick sind:
Von Anfang an wird die Extertalbahn regelspurig, das heißt mit einer Spurweite von 1435 mm, ausgeführt. Dadurch konnten die Güterwagen in den Übergabebahnhöfen Barntrup und Rinteln unmittelbar übernommen werden.
Bis heute speisen zwei bauzeitliche Quecksilberdampfgleichrichter mit zwei Reserveeinheiten in Bösingfeld den Gleichstrom in die Südstrecke.
Die beiden 1927 gebauten Gütertriebwagen Lok 21 und Lok 22 sind aktuell die ältesten erhaltenen Elektrolokomotiven in der Bundesrepublik, die ununterbrochen auf ihrer Stammstrecke beheimatet und im Einsatz sind.
Der historische Schienenoberbau und die Fahrdrahtführung sind original erhalten.
Vergleichbare Strecken, so die Herforder Kleinbahn, sind mittlerweile untergegangen oder - wie die Zugspitzbahn - hochmodern den heutigen betriebstechnischen Bedürfnissen angepasst worden.
Alle Brückenbauwerke sind noch original erhalten.
Mit der Extertalbahn hat das LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen erstmals eine Eisenbahnstrecke in vollständigem Umfang zum Denkmal erklärt.
Christian Hoebel
Pillen drehen, Salben rühren und der Verkauf von Arzneien - das hatte jahrhundertelang Tradition im Haus in der Marktstraße 2-4 in Rheine. Hier wurde bereits 1677 die älteste urkundlich erwähnte Apotheke der Stadt eröffnet. Der Großvater des letzten Besitzers, Franz Planckermann, ließ das in die Jahre gekommene Fachwerkgebäude 1933 abreißen und an gleicher Stelle einen Neubau errichten. Für den roten Ziegelbau entwarf der Osnabrücker Architekt Lothar Gürtler in Erinnerung an den Vorgängerbau wieder eine Schaufassade mit Doppelgiebel. Zwischen den beiden Stufengiebeln befindet sich ein zweigeschossiger Sandsteinerker, in dessen Brüstungsfeldern zwei Löwen mit Mörser zu sehen sind, welche die Initialen der Bauherren von Vorgängerbau und heutigem Bau tragen: „B.H. 1677“ für Berhard Hoyering und „F.P. 1933“ für Franz Planckermann. 2002 stellte der Enkel des Erbauers, Stefan Planckermann, dann den Betrieb seiner Löwen-Apotheke ein und verkaufte das Haus. Nun hat er mit den neuen Eigentümern Manfred und Rolf Laumann in einem Teil der ehemaligen Apotheker-Wohnung im ersten Obergeschoss ein Apothekenmuseum eingerichtet, durch das er regelmäßig Besuchergruppen führt. In die Räume der ehemaligen Apotheke im Erdgeschoss zog 2003 ein Restaurant ein. Im zweiten Obergeschoss hat sich der WDR ein Studio eingerichtet, im dritten Obergeschoss befinden sich Wohnungen.
Das LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen hat die ehemalige Löwen-Apotheke in Rheine zum Denkmal des Monats Juli 2007 gewählt.
Das Haus war 1933 vom Keller bis zum Dachgeschoss für die Zwecke der Apotheke konzipiert worden. Im Keller wurden Arzneien gelagert. Im Erdgeschoss befand sich die Apotheke. Eine separate Treppe, die noch aus dem Vorgängerbau stammt, führt in die Apotheker-Wohnung im 1. Obergeschoss. Im 2. Obergeschoss wohnte der Provisor, ein Angestellter Apotheker. Im 3. Obergeschoss befand sich eine Wohnung für weitere Angestellte und im Dachgeschoss wurden Tees und Verbandszeug gelagert. Ein Lastenaufzug ermöglichte den Transport innerhalb des Hauses. 1960 ließ Heinz Planckermann, der Vater von Stefan Plankermann die Apotheke mit einer qualitätvollen Ausstattung aus Nussbaumholz und zeittypischen Bronzeintarsien und -gittern neu einrichten. Teile dieser Ausstattung sowie älteres Mobiliar und eine umfangreiche Sammlung von Apothekergefäßen und pharmazeutischen Geräten, die sich im Keller des Hauses befanden, sind nun im 1. Obergeschoss zu sehen. Die ältesten Exponate, Apothekergefäße aus Buchenholz mit Löwen-Reliefs aus Papiermaché, stammen noch aus der Erstausstattung der Apotheke von 1677. Die vornehm ausgestattete Apothekerwohnung mit dunkel gebeizter Wandvertäfelung und barocken Türen aus dem Vorgängerbau, bieten das ideale Ambiente für das nach und nach eingerichtete Museum. Zudem können hier geschlossene Gesellschaften durch den Gastronomie-Betrieb im Erdgeschoss bewirtet werden. Ein entsprechend großer Raum wurde durch Herausnahme von zwei Zwischenwänden im Bereich von Wohn-, Ess- und Herrenzimmer gewonnen. Hier hängt seit kurzem auch die alte Werbeanlage der Löwen-Apotheke an der Wand. Durch das für Erd- und Obergeschoss gefundene Nutzungskonzept konnte viel von der Substanz und der traditionsreichen Ausstattung des Baudenkmals erhalten werden.
Für die Bedürfnisse des WDR-Studios ist die darüber liegende Etage ebenfalls wie gemacht. In diesem Zusammenhang ist auch auf die erneuerten, denkmalverträglichen Werbeanlagen des Senders aus geschmackvollen goldenen Einzelbuchstaben hinzuweisen.
Führungen durch das Apotheken-Museum werden über den Verkehrsverein Rheine vermittelt (05971/54055).
Barbara Pankoke
Das Ackerhaus des Wirtschaftshofes im Kloster Marienmünster wird vom LWL-Amt für Denkmalpflege als Denkmal des Monats September 2007 ausgezeichnet. Nach umfassenden Sanierungsmaßnahmen konnte das große Bruchsteingebäude von 1712 am 5. September für eine neue Nutzung eröffnet werden und steht nun mit seinem großen Saal für kulturelle Veranstaltungen und für Musikaufnahmen zur Verfügung.
Das im Jahr 1128 gegründete ehemalige Benediktinerkloster Marienmünster, in der gleichnamigen Stadt Marienmünster im Kreis Höxter gelegen, ist eine vollständig erhaltene Klosteranlage. Sie wurde 1803 säkularisiert, wenige Jahre als staatliche Domäne betrieben und dann in mehrere private Besitzungen aufgeteilt. Seit der Säkularisation im Jahr 1803 ist es den Eigentümern erfolgreich gelungen, die umfassende Erhaltung des Bestandes dieses Klosters sicher zu stellen. Die Gebäude wurden in ähnlicher Weise wie vor 1803 kontinuierlich genutzt: Landwirtschaft im Wirtschaftshof des Klosters, Wohnen in den Konventsbauten, überwiegend Gartennutzung auf den Freiflächen. Die Klosterkirche ist weiterhin Pfarrkirche der Gemeinde. Inzwischen steht ein neuer Umnutzungsprozess an, da die landwirtschaftliche Nutzung, die hier den baulichen Bestand lange gut gesichert hat, nicht mehr gegeben ist.
1999 erarbeiteten die Eigentümer und Bewohner des Klosters gemeinsam mit der Stadt Marienmünster, dem Regierungspräsidium Detmold, dem LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen und dem Architekten Eckhard Lohmann, Brilon, ein Nutzungskonzept für eine kulturelle Nutzung und den dazu passenden Möglichkeiten für vielfältige Musikproduktionen. Der Qualitätsstandard der Planung und der Ausführung bei diesem Projekt ist ausgesprochen hoch. Der Bauabschnitt 1 betrifft drei ehemalige Wirtschaftsgebäude des Klosters, das Ackerhaus von 1712, den Reisestall von 1712 und den Schafstall von 1726. Der erste Teil dieses Bauabschnittes, das Ackerhaus, ist fertig gestellt und wurde in einer festlichen Eröffnung mit ausgezeichneten musikalischem Programm an die neu gegründete Kulturstiftung Marienmünster zur Nutzung übergeben.
Das Ackerhaus hatte ursprünglich eine dreischiffige Struktur mit mittlerer Dreschtenne und beidseitigen Pferdeställen, dazu Schlafkammern für den Hofmeister, den Förster, für die Taglöhner, außerdem eine Küche, Kammern und Schlafstellen für die Knechte, einen großen Speckboden, darüber der Dachboden, auf dem Korn und anderes Erntegut gelagert werden konnte. Über Jahrzehnte diente das Gebäude aber nur noch als großer Schweinestall, die Innenwände wurden dazu entfernt – so konnte jetzt, ohne erneut denkmalwerte Substanz herauszunehmen, in diesem ehemaligen Ackerhaus der großen Saal eingefügt werden, der für die vielfältige kulturelle Nutzung unabkömmlich ist. Anstelle des kleinen Nebengebäudes an der Klostermauer zwischen dem Ackerhaus und dem Reisestall, in dem sich um 1803 die Schmiede, die Schlafkammer des Schmieds und eine Kohlenkammer befunden haben, steht nun ein neuer Verbindungsbau – als Gebäude auch wieder in der historischen Tradition, das „Gerät“, in diesem Fall die Tontechnik, für die Nutzung des Ackerhauses bereitzustellen. Diese „Gebäude-Neuzutat“ wurde als leicht und transparent wirkender Bau vor die barocke Klostermauer gesetzt, die die Rückwand des neuen Nebengebäudes bildet und weist sich damit als zeitgemäße und wohltuende Ergänzung der historischen Architektur aus. So ist das Kloster Marienmünster, das für Besucher Kunst und Kultur in sehr schöner Landschaft zu bieten hat, nun auch wegen seiner neuen Nutzung im Ackerhaus eine Reise wert.
Barbara Seifen
In diesem Jahr kann die Stadt Hagen das 100-jährige Bestehen des ersten Krematoriums in Preußen feiern. Dieses bedeutende Baudenkmal, welches der Architekt Peter Behrens 1906/07 entwarf, war ein in seiner Entstehungszeit gewagter Versuch des Hagener Vereins für Feuerbestattung, seine Interessen durchzusetzen. Die Feuerbestattung war in Preußen bis dato gesetzlich nicht möglich und nur in wenigen Teilen Deutschlands eingeführt worden. Es hat fünf Jahre gedauert, bis schließlich 1912 die erste Feuerbestattung durchgeführt werden konnte und vor allem die Gesetzesgrundlage in Preußen dafür geschaffen war. Wie bei vielen anderen Bauvorhaben mit einer breiten Publikumswirksamkeit, übte auch beim Bau des Krematoriums Karl Ernst Osthaus auf die Wahl des Architekten Einfluss, damit ein moderner und aus heutiger Sicht auch ungewöhnlicher Bau entstehen konnte.
Behrens wollte mit seinem Entwurf den Zweck des Gebäudes äußerlich ablesbar machen. Deshalb wählte er einen tempelartigen Gebäudekubus mit Säulenvorhalle und seitlich angefügtem Campanile mit der Funktion des Schornsteins. Dabei war vornehme Einfachheit bei möglichst kostengünstigen Materialien die architektonische Zielsetzung. Die monumentale Wirkung des Entwurfes lässt sich am besten von der Hangseite erleben. Hier kulminiert der Bau als Abschluss einer langen Achse zwischen Gräberreihen und der - heute veränderten - Treppenanlage. Ursprünglich waren die Fassaden mit weißen Marmorplatten und schwarz-grünen Natursteineinlagen versehen. Und unverkennbar war spätestens hier sein gestalterisches Vorbild, das Behrens in den Florentiner Kirchen der Protorenaissance fand. Der äußerlich nicht mehr erhaltene Schwarz-Weiß-Kontrast lässt sich im Inneren noch erleben. Geometrische Gestaltungen aus Rechtecken, Kreisen und antiken Ornamenten überziehen die Wände. Höhepunkt des sakral wirkenden Innenraums ist das goldgrundige Mosaik in der Apsis. In der Mitte des halbrunden Raumabschlusses befindet sich der Katafalk, der die Särge während der Trauerfeier aufnimmt und in den heute nicht mehr genutzten Technikbereich des Untergeschosses transportiert.
Eine Außenbesichtigung und ein Spaziergang über den Friedhof lohnen allemal. Hier befindet sich auch das Grab des Hagener Bürgermeisters Cuno, für den Peter Behrens auf dem Hohenhagen (heute Kindergarten, Haßleyer Str. 35) ein Wohngebäude baute. Die Jubiläumsfeierlichkeiten des Krematoriums werden noch in disem Herbst stattfinden, was man der örtlichen Presse entnehmen kann.
Danae Votteler
Figürliche Kirchenausmalungen der 1920er Jahre haben sich in Westfalen nur in sehr geringer Zahl erhalten. Erschienen rein ornamentale Malereien der Neuen Sachlichkeit den folgenden Generationen noch eher akzeptabel, so wurden die figürlichen Darstellungen dieser Zeit in ihrer Größe und Ernsthaftigkeit als unangemessen monumental, ja bedrohlich empfunden und übermalt oder vollständig entfernt.
Als umso bedeutender ist die Freilegung des 1931 von Bernd Terhorst für die Kirche St. Vincentius in Scherfede gemalten Kreuzweges einzuschätzen, der mit dem ersten Gottesdienst nach der Kirchenrestaurierung am 8. Dezember 2007 wieder sichtbar sein wird.
Der Kreuzweg in der 1859-62 nach Plänen von Bauinspektor Lundehn und Friedrich August Stüler gebauten, neugotischen Kirche war seit 1965/67 unter einer Überklebung mit Seidenpapier und einer neugotischen Ausmalung von 1984 verborgen, nur die erste Station mit der Pilatusszene lag frei und hielt somit die Erinnerung an den Kreuzweg wach, der an beiden Seitenschiffaußenwänden in durchlaufenden Bildfriesen direkt auf die Wand gemalt ist. Terhorst hat hierfür Silikatfarben gewählt als – wie er schreibt – einzige Chance, der Malerei eine „fast unbegrenzte Dauerhaftigkeit zu verleihen“. Ähnlich der Frescomalerei, bei der man die Farbpigmente in den noch feuchten Putz „al fresco“ hineinmalt, verkieseln die Silikatfarben untrennbar mit dem zuvor aufgetragenen, mineralischen Putz und sind dadurch gegenüber Feuchtigkeit relativ unempfindlich. Dies war gerade in St. Vincentius notwendig: Schon um 1930 klagte man über eine zu hohe Luftfeuchtigkeit von bis zu 80%, verträglich ist für ein Bauwerk ein Anteil von etwa 60%. So war auch der Anlass für die aktuellen Restaurierungsarbeiten durch Feuchte bedingt: Alle Wände des Gotteshauses waren von Schimmelpilz befallen. Neben der Bekämpfung der Symptome durch Reinigung und Fungizidbehandlung entschloss sich die Kirchengemeinde zur Ursachenbehebung: Eine automatisch gesteuerte Belüftungsanlage mit Innen- und Außensensoren soll die Fenster dann öffnen, wenn dies für das Raumklima besonders wirkungsvoll ist, also bei trockener Außenluft.
Zwischenzeitlich sah es so aus, als müsse zur Pilzbekämpfung der Putz an den Innenwänden vollständig entfernt werden und sogleich kam der abgedeckte Terhorst-Kreuzweg in die Diskussion. Das LWL-Amt für Denkmalpflege wollte ihn unbedingt erhalten wissen, am liebsten sogar freilegen: Zum einen aus konservatorischen Gründen, um den Zustand besser beobachten zu können, zum anderen aus künstlerischen Gründen, denn der Kreuzweg ist wesentlicher Bestandteil der von Bernd Terhorst entworfenen Gesamtgestaltung des Kirchenraumes, von der zuletzt nurmehr die Fenster im Langhaus sichtbar waren.
Nach Pastor Wilhelm Klur und der Projektgruppe ließen sich Gremien und Mitglieder der Kirchengemeinde überzeugen: In einer öffentlichen Diskussion Ende August informierten der Leiter des Erzbischöflichen Diözesanmuseums, Prof. Dr. Christoph Stiegemann, und der Gebietsreferent des LWL-Amtes für Denkmalpflege, Dr. Christoph Heuter, über Kreuzweg und Künstler, über Schadensbild und Lösungswege. Viele Gemeindemitglieder meldeten sich zu Wort, berichteten durchaus kontrovers von ihren persönlichen Erinnerungen an den Kreuzweg.
Der aus Emmerich am Niederrhein stammende Bernd Terhorst (1893-1986) in Scherfede bekam durch seine Frau Elisabeth Hüffer aus Paderborn beste Kontakte in die Region. Nach seinem Studium in München arbeitete er in unterschiedlichen künstlerischen Techniken: Neben Malereien schuf er auch Glasmalereien und Mosaike, er goss Bronze und entwarf von seiner Frau gewobene Gobelins. Stilistisch bewegte er sich auf der Höhe seiner Zeit, integrierte Anregungen internationaler Kunstströmungen in seinen Personalstil, der 1931 noch im Werden begriffen und von durchaus kontroversen Kunstauffassungen angeregt war. Starke Konturzeichnungen und prismatische Lichtstrahlen, Kuben und abstrahierte Röhrenformen sind ebenso zu finden wie expressive Gesten und fast karikaturhaft zugespitzte Gesichter. Die für das große Format angemessene geometrische Vereinfachung der Form geht in Terhorst späteren Arbeiten in eine immer stärkere Betonung der Linie als künstlerisches Ausdrucksmittel über, besonders konsequent zeigt sich dies bei den Malereien im Leoninum zu Paderborn von 1953.
Nicht die gesamte Raumfassung von Bernd Terhorst konnte in der jetzigen Restaurierung wiedergewonnen werden, verdeckt bleiben die großformatigen, vermutlich stärker geschädigten Bilder an den Querhauswänden mit Darstellungen aus dem Leben von Maria und des Hl. Vincentius, und auch Architekturglieder und Gewölbe behalten die 1984 der neugotischen Fassung von 1870 nachempfundene Ausmalung bei. Eine vollständige Wiederherstellung der Terhorstschen Raumfassung stand nicht zur Diskussion, somit ist im Nebeneinander unterschiedlicher Zeitschichten der Wandel gestalterischer und liturgischer Auffassungen dokumentiert.
Christoph Heuter