Am 6. Januar feiern die beiden großen christlichen Kirchen den Gedenktag der Heiligen Drei Könige. Aus diesem Grund möchten wir das Drei-Königs-Fenster der Bad Driburger Pfarrkirche St. Peter und Paul als Denkmal des Monats herausstellen. Es ist im Sommer 2003 wie die anderen Glasgemälde der Kirche nach Festlegung eines genauen Konzeptes restauriert worden. Zunächst wurden die Scheiben von altem Staub befreit und mit Spirituswasser gereinigt. Die Bemalung mit Schwarzlot war überwiegend gut erhalten, und bis auf eine größere Fehlstelle gab es nur an den Randstreifen Sprünge und Fehlstellen, die geklebt bzw. ergänzt wurden. Eine neue Schutzverglasung hält nun auf Dauer schädliches Schwitzwasser von den kostbaren Fenstern ab. Nach Abschluss der Arbeiten tritt die Farbigkeit des Glasgemäldes nun wieder strahlend hervor und bereichert die bedeutende Ausstattung der Bad Driburger Kirche.
Das Drei-Königs-Fenster im nördlichen Querhaus zeichnet sich wie die historischen Fenster der Kirche durch einen durchdachten Bildaufbau, warme Farbigkeit und eine feine Schwarzlotmalerei aus. Das vierbahnige Fenster zeigt in den unteren vier Zeilen die Anbetung des Jesuskindes durch die Heiligen Drei Könige. Die Zeilen darüber sind mit herrlichen Flechtbandornamenten geschmückt. Die figürliche Szene und die Ornamentfelder sind in Struktur und Farbigkeit geschickt aufeinander abgestimmt und bilden eine harmonische Gesamtkomposition. Im Maßwerk sieht man weitere Ornamente, Engel und in der Mitte drei Kronen als Zeichen der Heiligen Drei Könige. Die Darstellung der Anbetung geht auf den Bericht im Matthäus-Evangelium Kap. 2 Vers 11 zurück: " ... und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar". Maria hält das Jesuskind auf ihrem Schoß, das von dem zur ihrer Rechten stehenden Josef betrachtet wird. Hinter der Heiligen Familie halten Engel ein schweres, kostbares Tuch. Balthasar und Melchior links und Caspar rechts werden von ihren Dienern und Lastentieren begleitet. Eine aufwändige Architekturkulisse aus spätgotischen Maßwerkformen bildet den oberen Abschluss.
Das Fenster gehört zu den außergewöhnlich reichen figürlichen und ornamentalen Glasgemälden der Bad Driburger Kirche, die 1896/97 in der Glasmalereiwerkstatt Schneiders & Schmolz in Köln-Lindenthal angefertigt wurden. Zwar war diese Werkstatt überwiegend im Rheinland tätig, aber sie hat auch Gotteshäuser in Westfalen mit ihren qualitätvollen Glasmalereien ausgestattet. Die 1895/96 nach Plänen des Paderborner Dombaumeisters Arnold Güldenpfennig gebaute Bad Driburger Kirche ist in ihrer über hundertjährigen Geschichte nur wenig verändert worden und hat in Chor, Chorkapellen und Querhaus ihre bauzeitlichen Farbverglasungen bewahrt, die zu den schönsten Arbeiten der historistischen Glasmalerei in Westfalen zählen.
Weit mehr als ein Jahr mussten die Gläubigen und Besucher der kath. Pfarrkirche St. Saturnina in Neuenheerse (Bad Driburg) auf eines der bedeutendsten Inventarstücke des Gotteshauses verzichten. Nach sorgfältiger Restaurierung und anschließender Präsentation in der Ausstellung „Krone und Schleier“ – Kunst aus mittelalterlichen Frauenklöstern (Bonn/Essen 2005), fand jetzt das zweiflügelige schmiedeeiserne Gittertor wieder einen würdigen Platz in der ehemaligen Damenstiftskirche. Anlass genug für den LWL, das seltene Zeugnis mittelalterlicher Schmiedekunst zum Denkmal des Monats März zu erklären.
Bei den beiden Flügeln des Gitters handelt es sich offenbar um Reste einer Chorschranke, die einstmals den Chor der mittelalterlichen Kirche gegen das Schiff abgrenzte. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts funktionierte man Teile dieser Schranke zu dem heutigen Gittertor um, das seitdem bis 1953 den barocken Treppenaufgang zum Chor flankierte. Jeder Flügel besteht aus geschmiedeten, zu einem rechteckigen Rahmen gefügten Flacheisen. In diesen Rahmen sind in regelmäßigen Abständen vertikale Flacheisen eingestellt. Ein weiteres Flacheisen sorgt für die horizontale Aufteilung im unteren Drittel. Den Raum zwischen den
Vertikalen füllen in C-Form gebogene, bügelartige Eisenbänder, die Rücken an Rücken angeordnet sind und in stilisierten Lilien, Rosetten, Trauben und Blättern enden. Ursprünglich mischten sich auch vereinzelte, später nach und herausgebrochene Vögel unter das doch recht filigrane pflanzliche Dekor, das den Gittern den Eindruck einer lebendigen Hecke verleiht. Bei der Restaurierung festgestellte Farbreste deuten darauf hin, dass dieser Eindruck ursprünglich durch eine entsprechende naturalistische Farbgebung der Dekorelemente bestärkt wurde.
Innerhalb Westfalens einzigartig, sind die beiden Gitterflügel doch mit einer Gruppe ähnlicher Gitter in Niedersachsen (Hildesheim und Lüneburg) in Verbindung zu bringen. Bisher wurde die Entstehung des Neuenheerser und der verwandten Gitter um 1400 angenommen, jüngere Forschungen gehen aber aus formalen und stilistischen Gründen von einer um 200 Jahre früheren Datierung aus. Um 1200 sind auch die englischen und französischen Vorbilder für diese Schmiedewerke entstanden. Dem schon vorher unbestrittenen Status der ältesten schmiedeeisernen Gitter Deutschlands gibt diese Datierung zusätzliches Gewicht.
Die Restaurierung der Gitterflügel, deren Kosten das Land NRW als Träger der Baupflicht übernahm, beschränkte sich im wesentlichen auf konservierende Maßnahmen wie die Trockenreinigung der Oberfläche, die Bekämpfung von Korrosionserscheinungen und die Retusche von Fehlstellen im Farbton des letzten Anstrichs. Im unteren Bereich der Gitter wurden aus Stabilitätsgründen einige C-Schwünge ergänzt, ansonsten aber die Fehlstellen bewusst belassen, da der authentische Charakter des gealterten Originals so weit wie möglich bewahrt bleiben sollte. Für die Rekonstruktion einer älteren Farbigkeit reichten die während der Voruntersuchung erhobenen Befunde nicht aus. Mit der Konservierung wurde der vorherige, stark frequentierte Standort der Gitterflügel am Ostende des Seitenschiffs (seit 1961) zugunsten eines ruhigeren Platzes am Westende vor der Taufkapelle aufgegeben. Hier wird das Gitter viel weniger bewegt und begangen und zudem durch eine Absperrung vor allzu neugierigem Zugriff geschützt. Die konservatorisch begründete Umsetzung hat noch einen weiteren positiven Effekt: Das Gittertor ist jetzt in seiner Funktion als durchsichtiger Raumabschluss sehr viel besser erfahrbar und hat nun endlich wieder einen seiner Kostbarkeit angemessenen Platz gefunden. Bei sorgfältiger Behandlung dürfte die Erhaltung des einzigartigen mittelalterlichen Kunstwerks somit für weitere Zeiten gesichert sein.
1904 haben Bernhard Diedrichs und Franz Knoche dieses Wohnhaus für sich errichten lassen. Beide waren Kunsttischler von Beruf. Auf dem hinteren Teil des Grundstücks befindet sich das ehemalige Werkstattgebäude, in dem sie u.a. schmuckvoll geschnitzte Altäre und Orgelprospekte schufen. Ihre gestalterischen Fertigkeiten demonstrierten sie auch in der Ausformung der Schauseite ihres Hauses: Mit schwungvoll gegliedertem Zierfachwerk und Baudetails, die an Gotik und Rennaissance erinnern, sowie mit geschnitzten, farbig gefassten, Gestaltelementen brachten sie in der Hausfassade ihre künstlerische Profession zum Ausdruck.
Die Werkstatt ist schon lange außer Betrieb, das Wohnhaus von den Nachfolgern der Erbauer längst verlassen. Das Haus hat eine Zeit hinter sich, in der es nach und nach verkam, schließlich leer stand, bis es im Jahr 1999 ein Investor erwarb und es seit 2002 für Wohnungen und Büros herrichten ließ.
Zuerst musste es gründlich untersucht werden. Dabei stellten sich viele Schäden heraus, die vor allem auf fehlende Bauunterhaltung zurückzuführen waren. So war die Holzkonstruktion z.T. von Schwamm befallen, auch das Fachwerk der Fassade hatte erhebliche Fäulnisschäden.
Das durch die plastischen Oberflächen gegenüber dem Angriff der Witterung besonders empfindliche farbige Schnitzwerk hatte wegen fehlender regelmäßiger Pflege stark gelitten. Die Farbe war an vielen Stellen abgewittert, so dass hier das Holz nicht mehr geschützt war.Teils war es deshalb an der Oberfläche zersetzt, teils waren bei vollplastischen Figuren Partien weggefault.
Nach Instandsetzung des konstruktiven Gefüges war der nächste Schritt die Restaurierung der farbig gefassten hölzernen Zierformen. Zerstörte Teile wurden so einfühlsam nachgeschnitzt, dass man die ergänzten Partien auf Anhieb nicht erkennt. Manch lose Farbschichten wurden vorsichtig wieder angeheftet, fehlende passend ergänzt. Ziel war, die restaurierte Fassade nicht wie „nagelneu lackiert“ aussehen zu lassen, sondern den Eindruck eines „in Würde gealterten“ Baudenkmals zu erzeugen. Bei der Betrachtung kann man sich überzeugen, dass dieses Ziel erreicht wurde.
Hans Malwitz, Leiter des Universitätsbauamtes, stand nach dem Zweiten Weltkrieg vor einer schwierigen Aufgabe, als es darum ging, das zerstörte Schloss in Münster wieder aufzubauen, um es als Hauptgebäude der Universität zu nutzen. Während das Äußere des Schlosses nur leicht verändert wieder aufgebaut wurde, bekam das Innere des Schlosses entsprechend seiner neuen Nutzung ein ganz neues Gesicht. Das Konzept war bis ins Detail durchdacht und verrät viel über das Repräsentationsverständnis der ersten, von der Not gekennzeichneten Nachkriegszeit und über das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Neuanfang. Deshalb hat der LWL das Innere des Schlosses zum Denkmal des Monats Mai gekürt.
Dass das Schloss in Münster ein bedeutendes Kulturdenkmal ist, scheint sich von selbst zu verstehen. Schließlich gilt das letzte Werk des westfälischen Stararchitekten Johann Conrad Schlaun (1696 bis 1773) als Hauptschöpfung des norddeutschen Spätbarock. Verglichen mit der prunkvollen Ausstattung des späten 18. Jahrhunderts erscheint die moderne Fassung des Inneren zunächst sehr schlicht. Vergleicht man sie aber mit den üblichen Stilformen der 1950er Jahre, ist sie aufwändig und angesichts der Not der Jahre sogar üppig. Sie ist ein typisches und beredtes Zeugnis der ersten Wiederaufbaujahre, in denen die mittlere, weitgehend noch traditionell eingestellte Generation den Ton angab.
Den Anstoß, das Schloss an Stelle des völlig zerstörten alten Universitätszentrums in der Stadtmitte als Hauptgebäude der Universität zu nutzen, hatte schon 1946 der Provinzialkonservator Wilhelm Rave gegeben. Von ihm stammen auch die ersten Entwürfe zur Gliederung des Inneren, auf denen Malwitz dann aufbaute. Mit dem Wiederaufbau kamen Aula (Auditorium Maximum), besonders ausgestattete Räume für die Universitätsleitung samt Vorzimmer, Büros, eine Kantine und natürlich Hörsäle ins Schloss. Repräsentative Treppenhäuser im schweren Stil der klassizistischen Staatsbauten der 1930er Jahre führen vom Foyer zur Aula. Die Aula selbst, die die Stelle des ehemaligen Großen Saales in der Mitte des Schlosses einnimmt, ist einem festlichen Theater- oder auch Kinosaal der 1920er Jahr nachempfunden, doch zeigt der Vergleich mit dem Vorgänger, wie viel von diesem in die neue Form übersetzt ist. Der von der Wandvertäfelung bis zu den Möbeln inklusive Papierkorb und den Lampen einheitlich gestaltete Raum des Rektors erscheint auf den ersten Blick typisch fünfziger Jahre, doch zeigt er ebenfalls Bezüge zum Ausbau des späten 18. Jahrhunderts und trägt dem Amtsinhaber als Repräsentant der Universität Rechnung, Die Hörsäle mit Ausnahme der ehemaligen Kapelle dagegen sind sachlich und schlicht gehalten.
Seinem eigentlichen Zweck als Residenz diente das Schloss, das bei seiner Fertigstellung 1787 schon unzeitgemäß war, übrigens nur 15 Jahre lang. Denn im Zuge der Säkularisation im Jahr 1803 wurden neben vielen Klöstern auch die Fürstbistümer aufgehoben. Seine schweren Schäden erlitt das Schloss erst kurz vor Kriegsende, als es am Palmsonntag (25. März) 1945 schwer getroffen wurde und ausbrannte. Dabei ging nahezu die gesamte prunkvolle Ausstattung verloren.
Das Fußballfieber hat in diesen Wochen ganz Deutschland erfasst. Die Fußball-Begeisterten können das Großereignis Weltmeisterschaft 2006 nicht nur in den Stadien und an den Fersehgeräten zuhause verfolgen, vielmehr hat der Zeitgeist ein neues Massenereignis erfunden: „Public Viewing“ – das gemeinsame Feiern und Ansehen der Spiele auf einer Großleinwand in der Öffentlichkeit. Auch die legendäre Glückauf-Kampfbahn in Gelsenkirchen-Schalke, die seit 1986 unter Denkmalschutz steht, nimmt als Veranstaltungsort des „Public Viewing“ und eines kulturellen Rahmenprogrammes an der Weltmeisterschaft teil. Das Westfälische Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) hat das Stadion jetzt zum Denkmal des Monats Juni gekürt.
Die Stadt Gelsenkirchen entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur größten Bergbaustadt in Europa. Die Vorstadt Schalke, geprägt von Zechen und Hochöfen, war 1904 gerade seit einem Jahr nach Gelsenkirchen eingemeindet, als „Knappen“, junge Bergleute, den Sportklub gründeten, der sich ab 1924 FC Schalke 04 nennen sollte. In den 1920er Jahren gelang dem Verein, nachdem er nunmehr in den offiziellen Spielbetrieb des Westdeutschen Spielverbandes (WSV) aufgenommen worden war, ein rasanter Aufstieg bis in die höchste damalige Liga im Jahre 1926. Der Aufstieg war eng verbunden mit der Übernahme einer englisch geprägten Spielweise, die zwei während des 1.Weltkrieges in England internierte Spieler in Schalke einführten. Die Schalker entwickelten ein Spielsystem, den „Schalker Kreisel“, das ihre Mannschaft nicht nur überaus erfolgreich spielen ließ, sondern das für die Zuschauer auch von hohem ästhetischem Reiz war. Wenn bereits die Zwanziger Jahre die Entwicklung des Fußballsports zu einem Medien- und Massenereignis einleiteten, so lockten besonders die „Schalker Knappen“ mit ihrer attraktiven Spielweise Zehntausende zu ihren Spielen, so dass ein eigenes Großstadion dringend erforderlich wurde.
Unweit des Rhein-Herne-Kanals und des Schalker Marktes, an der Kurt-Schumacher-Straße, die damals noch König-Wilhelm-Straße hieß, stellten die Mannesmann-Röhrenwerke 1927 einen Bauplatz zur Verfügung; ihr Baubüro fertigte auch die Pläne für die Sportanlage an. Das Stadion besitzt eine kombinierte Sportanlage mit dem Fußballfeld in der Mitte, das von einer 400m-Laufbahn für die Leichtathletik eingefasst wird – ein künstlich angelegter längsovaler Zuschauerwall umgibt die Anlage. Die langgestreckte Zuschauertribüne auf der Westseite mit Freistufen wurde 1936 angelegt und 1953 zu beiden Seiten symmetrisch erweitert. Sie ist mit einem weitausladenden 110m langen Dach in Stahlbauweise überdeckt. Die Außenfassade der Tribüne ist aus groben rustizierten Ruhrsandsteinen erstellt und bietet dem Besucher ein trutziges Bild. Unter der Tribüne befinden sich die Umkleide- und Versorgungsräume für die Mannschaften, den Schiedsrichter und für den Platzwart.
Im September 1928 wird die „Kampfbahn Glückauf“, wie das Stadion nach dem Gruß der Bergleute genannt wird, eingeweiht. Auch die gekreuzten Schlegel und Eisen, die die Zuschauereingänge schmücken, symbolisieren die Verbundenheit des Vereins mit dem Bergbau. In dem neuen Stadion, 1936 das größte vereinseigene Stadion in Deutschland, wird der FC Schalke 04 in den folgenden Jahren zur erfolgreichsten deutschen Vereinsmannschaft – er gewinnt bis 1942 sechs deutsche Meisterschaften.
Die Glückauf-Kampfbahn ist heute ein Baudenkmal, weil sie, wenn auch nicht besonders anspruchsvoll gestaltet, so aber doch eine recht gut erhaltene typische Stadionanlage aus der Zeit darstellt, in der Fußball zum Massenereignis und zur wichtigsten Sportart im Ruhrgebiet wurde. Außerdem steht die Sportanlage für die Geschichte eines der bekanntesten Sportvereine Deutschlands, der hier seine größten Erfolge feierte, bis er 1973 nach Gründung der Bundesliga in das Parkstadion übersiedelte. Für den Umbau zu einer Veranstaltungsstätte des „Public Viewing“ musste die Denkmalpflege weit reichende Kompromisse machen. Es bleibt zu hoffen, dass nach der FIFA WM 2006 die Sportanlage so reorganisiert wird, dass sie weiterhin ein anschauliches Bild der historischen Glückauf-Kampfbahn bietet und dass dort auch zukünftig Amateur- und Jugendspiele stattfinden werden.
Ein Ausflugstipp für die Sommerferien ist das im idyllischen Weserdorf Windheim bei Petershagen gelegene „Westfälische Storchenmuseum“. Dieses befindet sich im Dachgeschoss eines dreihundert Jahre alten Bauernhauses, das das Westfälische Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe zum Denkmal des Monat Juli gewählt hat.
Träger des Museums ist das Aktionskomitee „Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke e.V.“ Hier wird man in äußerst attraktiver Form einerseits über die Biologie und Verhaltensweise der Störche informiert, andererseits wird die heimat- und kulturgeschichtliche Bedeutung der Tiere dargestellt. Nach dem für Jung und Alt gleichermaßen lohnenden Museumsbesuch kann man sich im Café auf der Deele oder vor dem Haus im Freien stärken. Anschließend sollte man sich im ebenfalls dort eingerichteten Dorfladen und der Weberwerkstatt umschauen. Auf der Deele finden im Rahmen des „Windheimer Kultursommers“ auch Lesungen, Konzerte und Workshops statt. Der ehemalige Wohnteil des Bauernhauses, das sogenannte Kammerfach, wird wieder als private Wohnung genutzt.
Das Dreiständerhallenhaus hatte schon lange leer gestanden, nachdem der Hofbesitzer in den 1950er Jahren daneben ein neues Wohnhaus für seine Familie errichtet hatte. Zur Rettung des bereits 1998 zum Abbruch freigegebenen Gebäudes wurde aus dem Mitgliederkreis der „Interessengemeinschaft Bauernhaus“ der Verein „DenkMal! Windheim No. 2“ gegründet, der das Gebäude 1999 erwarb. Zwischenzeitlich war das Hallenhaus, das bei der Kulturguterfasssung wegen seiner versteckten Lage übersehen worden war, unter Denkmalschutz gestellt worden. Es gehört nämlich zu den am besten erhaltenen Beispielen seiner Art der Zeit um 1700 im Kreis Minden-Lübbecke. Die ursprüngliche Anschrift „Windheim No. 2“ gibt einen Hinweis darauf, das es sich um einen der alten, großen Höfe des Dorfes handelt, da diese üblicherweise in historischen Katastern dieser Region immer den Anfang der Zählung bilden.
Nach einer ersten Notsicherung des Gebäudes erfolgte eine gründliche Bauforschung durch die Mitarbeiter des Denkmalamtes in Münster, Peter Barthold und Dr. Thomas Spohn. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift „Denkmalpflege in Westfalen-Lippe“, Heft 2/2001, veröffentlicht. Eine Holzaltersbestimmung wurde mit Mitteln des LWL ermöglicht.
Mit beispielhaftem Einsatz leisteten die Vereinsmitglieder unter Leitung eines in der Denkmalpflege erfahrenen Architekten umfangreiche Arbeitseinsätze, um das Gebäude zu sanieren und dem neuen Nutzungskonzept zuzuführen. Die Maßnahmen wurden mit großem Respekt vor der historischen Bausubstanz und überwiegend in alten Handwerkstechniken durchgeführt. 2004 konnte das Gebäude mit der Eröffnung von Café und Dorfladen wieder eingeweiht werden. 2005 zog das Storchenmuseum ins Dachgeschoss. Damit war die spektakuläre Rettung des Baudenkmals abgeschlossen.
Nun wartet nur noch ein auf dem Wirtschaftsgiebel errichtetes Storchennest auf Einquartierung.
Petershagen-Windheim, Im Grund 4, Tel. 05705-958580
www.westfälisches-storchenmuseum.de.
Solange es die Menschheit gibt, träumt sie davon, sich wie ein Vogel in die Luft zu erheben und die Erde unter sich zu lassen.
Im Sauerland erinnert man sich noch an die Geschichte des „Floigenkaspars“ aus Schmallenberg. Es handelt sich um Kaspar Hamm-Jostgans (3.9.1811 – 14.3.1867). Dieser übte in Schmallenberg nicht gerade erfolgreich den Beruf eines Bildhauers aus. Um 1835 verfolgte er deshalb zur Verbesserung seiner Einnahmen die skurrile Idee, mittels am Körper angeklebter Federn und je einer Kaffwanne an jedem Arm, sich von der Bodenluke seines Hauses aus in die Luft zu erheben. Der wohl um 1835 durchgeführte Versuch endete jedoch in dem darunter liegenden Misthaufen und mit drei gebrochenen Rippen. In seiner Umgebung nannte man ihn deshalb seitdem „Floigenkaspar“ (Fliegenkaspar). Heute erinnert ein Gedenkstein auf dem alten Schmallenberger Friedhof an ihn.
Die Anfänge der Luftfahrt markieren überall die Tüftler. Verschiedenste Flugapparate, Heißluftballone, Gasballone, lenkbare Starluftschiffe und Gleitfluggeräte sollten dabei die uralte Sehnsucht erfüllen, zu fliegen wie die Vögel. Erst 1891 gelingt es aber Otto Lilienthal als erstem Menschen, wirklich zu fliegen. Die Gebrüder Wright folgen im Dezember 1903 mit dem weltweit ersten Motorflug.
Bis 1914 wird daraufhin die Akzeptanz der motorisierten Luftfahrt durch die Bevölkerung durch Schauflüge und Veranstaltungen gesteigert. Allerdings bleibt die Flugbegeisterung für zivile Zwecke ungeschieden von dem militärischen Bedarf.
Mit dem Vertrag von Versailles wird in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg weitgehend der Motorflug verboten. Daraus erklärt sich die stürmische Weiterentwicklung des Segelfluges und schon 1920 wird auf der Wasserkuppe in der Rhön der erste Segelflugwettbewerb durchgeführt. Die Wasserkuppe und vor allem Rossiten in Ostpreußen entwickeln sich in der Folgezeit zu Leistungszentren des deutschen Segelfluges.
Die in den 1920er Jahren einsetzende Flugbegeisterung erreicht 1932 schließlich auch die Stadt Meschede. Nach der Gründung des Luftfahrtvereins Sauerland im Juli 1932 wird im November 1932 die Segelfluggesellschaft Meschede-Schüren gegründet und auf dem Fluggelände eine erste Baracke errichtet.
Unmittelbar mit der Machtübernahme der NSDAP1933 wird die Ausbildung der Segelflieger zum Staatsziel. Die alten Vereinsstrukturen werden aufgelöst und die reichsweiten Auflagen Hermann Görings zur vormilitärischen Ausbildung des künftig fliegenden Personals umgesetzt.
In diese Zeit fällt der Ausbau des heutigen Fluggeländes in Meschede-Schüren. Unter anderem wird das Gelände durch den Reichsarbeitsdienst planiert und das heute noch erhaltene Schulgebäude in den Jahren 1934 bis 1938 errichtet.
Es handelt sich hierbei um ein zweigeschossiges Gebäude aus Bruchstein unter Satteldach mit zwei Flügelbauten. Mit seinem Erdgeschoss schmiegt es sich rückseitig in den Hang. Seine Schaufassade ist axial aufgebaut, die Fenster mit Sandstein gerahmt. Das Baumaterial wurde weitestgehend von der Reichsbahn durch den Abbruch von Bahnhallen in Schwerte und Bestwig zur Verfügung gestellt.
Vergleichbar dieser Segelfliegerschule war für Westfalen-Lippe nur das von dem bekannten Industriearchitekten Schupp geplante zeitgleiche „Haus Gelsenkirchen“ auf dem Segelfluggelände in Lüdinghausen-Borkenberge, ebenfalls ein aus zweitverwendetem Baumaterial errichteter Bau. 1945 wurde dieser aber gesprengt.
Das Schulgebäude in Meschede-Schüren zählt zu den wenigen denkmalgeschützten Gebäuden der westfälisch-lippischen Luftfahrtgeschichte, die zur Zeit an immerhin rd. 170 Standorten festgemacht werden kann.
(Es ist – auch - ein Zeugnis für die Gleichschaltung der Flugsportvereine in den 1930er Jahren.)
Nur wenige Häuser aus dem 17. Jahrhundert in Westfalen-Lippe sind so gut erhalten, wie das 1648 errichtete Haus Malz an der Langen Straße 136 in Vlotho (Kreis Herford). Weil die ursprüngliche und später hinzugekommene Innenausstattung fast vollständig erhalten ist und der Eigentümer mit der Gründung einer Stiftung dafür gesorgt hat, dass das heute als Museum genutzte Haus auf Dauer erhalten bleibt, hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) es als Denkmal des Monats September ausgezeichnet.
„Selten kommen für die Denkmalpflege so viele glückliche Umstände zusammen: Ein heute für Westfalen-Lippe fast einzigartiges Haus, ein Besitzer, der sein Leben lang alles für die Erhaltung seines alten Hauses getan hat und der nun zusammen mit seiner Familie sicherstellte, dass das Haus Malz auch in Zukunft erhalten bleibt“, begründet LWL-Denkmalpfleger Dr. Fred Kaspar die Auszeichnung.
Zwar ähnelt das aus kräftigem Eichenfachwerk errichtete Haus den Bauernhäuser der Region, doch es war seit jeher ein Kaufmannshaus, das seinen früheren Besitzern nicht nur als Wohnhaus, sondern auch als Kontor und Warenlager diente. Errichtet hat das charakteristische Dielenhaus 1648 der Baumeister Henrich Helle für den Kaufmann Otto Heinrich Schürmann und seine Frau Elisabeth Waddenberg.
Da die Lange Straße zum Hafen an der Weser führte, die zu der Zeit eine der wichtigsten Verkehrsadern Deutschlands war, eignete sich das Haus bestens für den Handel. Durch das große Eingangstor konnten die Händler direkt in die geräumige Diele fahren. Mit einem Aufzugsrad, das noch erhalten ist, konnten die Waren zu den beiden geräumigen Lagerflächen auf dem Dachboden befördert werden. An die zentrale Diele, in der der Hausherr an seine Kunden und Gäste auch Bier ausschenkte, grenzen einige kleine Räume, wie die Küche und das Kontor, in dem die Waren verkauft wurden. Bei einer Modernisierung um 1784 ließ der Eigentümer einen breiten Treppenaufgang in der Diele einbauen, der auf die Galerie im ersten Obergeschoss führt.
Die mächtige Treppenanlage, sämtliche Türen und viele Fenster, die um die Diele laufende Galerie sowie die Balkendecken sind noch im Originalzustand erhalten. Die Küche mit den Delfter Kacheln scheint auf Gäste zu warten, im ehemaligen Wohnzimmer laden Möbel aus den 1920er und 1930er Jahren zum Verweilen ein, im Kontor scheint es, als könne man noch einkaufen wie zu Großmutters Zeiten. Auch die erste elektrische Installation ist noch funktionsfähig.
Die Vorfahren der Familie Malz kauften das Haus 1834. „Jede Generation hat das Haus repariert und modernisiert, aber zum Glück so behutsam, dass es nicht grundlegend verändert wurde“, so Kaspar. Noch bis 1985 nutzte Dr. Ulrich Malz das Haus für seine Arztpraxis. Nach dem Auszug der letzten Generation richtete er im Haus ein Heimatmuseum ein und mühte sich darum, eine dauerhafte Lösung für den Erhalt des Hauses zu finden. Die fand er schließlich mit der Änderung des deutschen Stiftungsrechtes, die es ermöglicht, eine Stiftung zur Erhaltung eines Hauses zu gründen. Dazu hat die „Deutsche Stiftung Denkmalschutz“ ein Stiftungszentrum gegründet, das mittlerweile über 160 Stiftungen zugunsten von Baudenkmälern betreut, zu denen auch die Stiftung für das Haus Malz gehört.
In Menden am Kirchplatz stehen eine ganze Reihe stattlicher denkmalwerter Gebäude, die von der Geschichte Stadt erzählen können. Das ehemalige Schmitmannsche Haus, als Haus des Kaufmanns und Richters Petrus Schmitmann im Jahr 1571 anstelle eines alten Schulhauses errichtet, wurde jetzt innerhalb von nur zehn Monaten saniert und für die neue Nutzung als Bürohaus umgebaut. Zum Einzug zeichnet das LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen dieses Gebäude als Denkmal des Monats November 2006 aus.
Die Stadt Menden verkaufte das Gebäude im Dezember 2005 an die heutige Eigentümerin Manuela Hoppe, die schon im Vorfeld gemeinsam mit ihrem Mann Peter Hoppe und zusammen mit ihren Architekten, dem Büro Hans-Georg Simon aus Menden, erste Gespräche mit der Denkmalpflege über notwendige Erhaltungsmaßnahmen und die geplante Sanierung dieses Denkmals führte. Peter Hoppe begleitete die gesamte Baumaßnahme sehr intensiv. Die Aufgabe, dem Denkmalschutz bei der Sanierung dieses Gebäudes angemessen Beachtung zu schenken, sahen alle Beteiligten als Chance, hier ein beispielhaftes Projekt zu realisieren. Der Zustand des Gebäudes vor der Sanierung wies erhebliche Mängel auf, die sich beim genauen Hinsehen und durch sorgfältige Schadensuntersuchungen zu Beginn der Baumaßnahmen als ausgesprochen anspruchsvoll erwiesen. So musste die gesamte innere Holzkonstruktion, d. h. fast alle Deckenbalken und zahlreiche Dachbalken wie auch einige Fachwerkwände, umfassend saniert und statisch stabilisiert werden. Viele dieser Hölzer waren soweit durch Fäulnis zerstört, dass sie ersetzt werden mussten. Die innere Ausstattung des Gebäudes mit Fenstern, Treppen und Türen wurde durch vergangene Umbauten schon stark verändert und besaß zum Teil keinen historischen Wert, sodass hier in manchen Bereichen die Freiheit zu einer auf den Bestand abgestimmter Neugestaltung gegeben war. Ziel der Familie Hoppe wie auch des LWL-Amtes für Denkmalpflege war es, gerade die noch vorhandene Substanz aus dem 16. Jahrhundert soweit es möglich war zu erhalten und in das neue Nutzungskonzept einzubauen.
Das ehemalige Schmitmannsche Haus direkt in der Nachbarschaft der St. Vincenzkirche gelegen hat eine wechselvolle Geschichte erlebt. Im Türsturz über dem ehemaligen Hauseingang an der Südseite zum Kirchplatz findet sich die Inschrift „Has aedes fiere fecit Betru Schmitman anno 1571“ (Petrus Schmitman ließ diese Haus im Jahre 1571 erbauen), die bei Modernisierungsarbeiten in den 1970er Jahren freigelegt wurde. Das Gebäude wurde demnach 1571 errichtet als zweigeschossiger verputzter Bruchsteinbau und stand ursprünglich traufständig zum Kirchplatz. Wie sich anhand der Baubefunde herausstellte, besaß es ein mit Schiefer eingedecktes Dach. Das Haus diente zunächst sicherlich als Wohnhaus, wurde aber möglicherweise außerdem als Gerichtsgebäude genutzt, da Peter Schmitmann und auch die dann folgenden Generationen der Schmitmanns im 17. Jh. das Richteramt und mehrfach daneben das Amt des Bürgermeisters in Menden bekleideten. Im Keller des Gebäudes findet sich ein kleiner Raum, der in dieser Zeit als Gefängniszelle gedient haben könnte. Das Haus blieb weitgehend unbeschadet von den beiden großen Stadtbränden Mendens in den Jahren 1652 und 1663. Im Jahr 1715 ließ Johann Wilhelm Schmitmann, der ebenfalls Richter war, das Haus erweitern und umbauen, dabei erhielt es die vorhandene Giebelfassade zum Kirchplatz mit dem auffälligen Werksteinportal. Der Dachstuhl des neuen Anbaus musste für die Erweiterung auf der Südseite entsprechend höher gesetzt werden als der des Altbaus, die neue Eindeckung erfolgte vermutlich schon mit Tondachziegeln. Die ältere Dachkonstruktion und ein Teilstück der Schieferdachdeckung des Kernbaus von 1571 blieben unter dem neuen Dach von 1715 erhalten und wurden so über fast 300 Jahre unangetastet vor weiterer Bewitterung geschützt. Dieser Rest der Schieferdeckung aus der Erbauungszeit des Hauses, die damals schon in der heute sogenannten altdeutschen Deckung auf einer Eichenschalung verlegt worden ist, kann als einzigartig bezeichnet werden. Eine Dachdeckung aus Schiefer konnte im 16. Jh. nur für besonders repräsentative und reiche Bauten gewählt werden, es war ein sehr teures aber auch sehr lange haltbares Material. Verwendet wurde der regionale Schiefer aus einer der Gruben um Antfeld bei Bestwig, die bereits im 16. Jh. im Sauerland Schieferbergbau betrieben. Es handelt sich damit bei diesem Reststück wohl um das älteste original erhaltene Belegstück einer Schieferdeckung in der Region Westfalens. Im Rahmen der jetzigen Sanierung des Hauses wurde es in seinem Bestand gesichert sowie konservierend behandelt und ist im offenen Dachstuhl sichtbar.
Das Gebäude hat bei früheren Umbauten mehrfach Grundrissveränderungen erlebt. Die ursprüngliche Situation im Erdgeschoss bestand vermutlich aus einem größeren und einem kleineren Raum, zwischen denen sich quer zum First eine Kaminanlage befand, die sicherlich auch noch im Obergeschoss zur Beheizung von ein oder zwei Räumen diente. Mit Erweiterung des Gebäudes im Jahr 1715 wurde diese Kaminanlage aufgegeben, entfernt und die Traufwand zum Kirchplatz mit Durchbrüchen in den neuen Anbau versehen. Spätere Umbauphasen des Hauses veränderten die Räume ebenfalls, aber nicht mehr so tiefgreifend. 1849 kaufte die Stadt Menden das Gebäude im Rahmen einer Zwangsversteigerung und stellte darin kostenlos Räume für das Amtsgericht zu Verfügung. Diese Nutzung des Gebäudes im 19. Jh. deutet ebenfalls daraufhin, dass hier schon seit längerem eine Gerichtsfunktion angesiedelt war. In folgenden Jahren wurde in einigen Räumen des Hauses außerdem die höhere Stadtschule untergebracht, später das Rathaus, die Sparkasse und wiederum das Amtsgericht. Nach 1923 vermietet die Stadt das Ober- und Dachgeschoss des Gebäudes am Kirchplatz 4 an den christlichen Gewerkschaftsbund, im Erdgeschoss wird eine ehrenamtlich verwaltete Bücherei eingerichtet, getragen von der Stadt und dem kath. Borromäusverein. Die Nutzung als Bücherei blieb bis in die 1990 Jahre in dem Gebäude, außerdem befanden sich dort soziale Einrichtungen und zuletzt auch die städtische Musikschule.
Im Rahmen der jetzt erfolgten Sanierung für die neue Nutzung als Bürogebäude wurden einige nicht denkmalwerte Leichtbauwände entfernt, um jeweils großzügigere Raumzuschnitte zu erhalten. Eine Fachwerkwand im Erdgeschoss, die in Teilen der Umbauphase von 1715 entstammt, wurde für eine verbesserte Nutzbarkeit des Eingangsbereiches um einige Meter verschoben. Im Dachgeschoss sind eine Fachwerkwand und kurze Teilstücke der drei Deckenbalken, auf denen sie stand, entfernt worden zugunsten der Vergrößerung des einzigen Treppenaufganges im Gebäude. Dieses Treppenhaus erhielt eine neue Treppenkonstruktion anstelle der nicht erhaltenswerten und wenig passenden Treppe aus einer Umbaumaßnahme in den 1970er Jahren.
Die Innenflächen der Außenwände trugen im Bereich der Deckenbalken minimale Reste an älteren Putz und Farbfassungen, die in situ unter dem neuen Putz belassen wurden. Im Erdgeschoss finden sich über einem Raumabschnitt, der zu dem Kernbau von 1571 gehört, breite Eichenbretter auf den Deckenbalken, die schon im 16. Jh. als Bodendielen genutzt wurden. Ein kleiner Teil der Bretter lag vor der Sanierung im Dachgeschoss, wo diese wegen der umfangreichen Reparaturmaßnahmen an der Holzkonstruktion herausgenommen wurden. Diese Decke im Erdgeschoss konnte nahezu im Original erhalten bleiben und sie ist in ihrer ursprünglichen Lage als Deckenuntersicht zu sehen, darüber liegt der neue Fußbodenaufbau für das Obergeschoss.
Da das Haus zukünftig vom Erdgeschoss bis zum Dachgeschoss als Bürohaus dient und in allen Etagen gut belichtete Arbeitsplätze zur Verfügung stehen sollten, war die Frage nach einer denkmalverträglichen Ergänzung der vorhandenen Fenster zu lösen, denn die bisherigen Fensteröffnungen ergaben in manchen Räumen, insbesondere im Dachgeschoss, zu wenig Lichteinfall. Drei dreiseitig verglaste Dachgauben auf dem rückwärtigen Dach anstelle von vier dort vorher bestehenden kleineren Gauben mit sehr wenig Glasflächen verbessern die Belichtung im nördlichen Teil des Dachgeschoss deutlich. Ebenso konnten an der Rückseite des Hauses zwei Fensteröffnungen im Obergeschoss, die bereits mehrfach Veränderungen erfahren hatten, durch die Herausnahme der Brüstungen vergrößert werden, so dass auch hier der Lichteinfall und die Raumwirkung im Inneren verbessert wurden. Zum Kirchplatz hin zeigt sich das Haus nun ebenfalls mit einem leicht geänderten Gesicht, denn das Fachwerk des Giebeltrapezes, das ursprünglich verputzt war, später als Sichtfachwerk freigelegt wurde und sich zwischenzeitlich wegen der starken Bewitterung in einem desolaten Zustand befand, ist anstelle der früheren Putzhaut mit einer transparenten Glashaut bedeckt. Diese neue Außenhaut schützt die reparierte und in weiten Teilen erneuerte Fachwerkkonstruktion nun zuverlässig vor Bewitterung. Zugleich ermöglicht diese Lösung eine verbesserte Belichtung des südlichen Dachgeschosses, ohne zusätzliche Fensteröffnungen in der Fassade zu schaffen. Die im Giebel weiterhin vorhandenen vier Fensteröffnungen sind historischer Bestand von 1715, ebenso die Fensteröffnungen im Erd- und Obergeschoss dieser Fassade, die ursprünglich nicht bruchsteinsichtig, sondern wie auch das Giebeltrapez insgesamt verputzt war. Im Werksteinportal ist die Holztür von 1715 erhalten und konnte ergänzt sowie umgearbeitet werden, sodass sie zum Innenraum die Anforderungen an ausreichende Dichtigkeit und Kälteschutz erfüllt, zugleich in der Fassade als schönes historisches Türblatt belassen ist.
Die Beheizung des Gebäudes erfolgt langfristig energiesparend über Erdwärme, die dazu erforderliche technische Anlage konnte in einem der Kellerräume verträglich untergebracht werden. Die übrigen Kellerräume sollen nur temporär genutzt werden und benötigen keine größeren Sanierungsmaßnahmen. Zu guter Letzt konnten nach langen Verhandlungen auch die Auflagen des Brandschutzes, vom Dachgeschoss aus noch einen zweiten, anleiterbaren Fluchtweg zu schaffen, denkmalverträglich erfüllt werden, in dem in einer kaum einsehbaren Dachfläche an der Ostseite ein Dachausstiegsfenster eingebaut wurde.
Im Ergebnis zeigt sich jetzt am Kirchplatz in Menden die zügig und ausgesprochen gut gelungene Sanierung eines sehr vielschichtigen Gebäudes, das hinter seinen Oberflächen erheblich mehr Geschichte verbirgt, als auf den ersten Blick zu vermuten ist. Die Familie Hoppe, insbesondere Peter Hoppe, brachte von Anfang an viel Elan für dieses Projekt mit und wendete auch erhebliche finanziellen Mittel auf, um dem ehemals sehr repräsentativen Schmitmannschen Haus am Kirchplatz durch seine sinnvolle Nutzung eine tragfähige Zukunft und wieder gebührenden Glanz zu geben. Das Gebäude präsentiert eindeutig seine neuen Seiten und schmückt sich selbstbewusst mit seiner alten zu bewahrenden Substanz.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entschloss sich die Kirchengemeinde St. Maria Magdalena in Kellinghausen, heute zu Rüthen gehörend, die zu kleine und baufällige Barockkapelle von 1790 abzubrechen und den Paderborner Architekten Franz Mündelein mit dem Bau einer neubarocken Kirche zu beauftragen. Diese war 1912 fertiggestellt und brachte die Kellinghausener in arge Finanznot, so dass das Geld für eine neue Kirchenorgel wohl nicht mehr reichte. Man schaffte eine Gebrauchtorgel an, über deren Alter und Herkunft bis zum Beginn der Restaurierung im Jahr 2006 nur unvollständige Nachrichten vorlagen.
Die kleine einmanualige Orgel von sechs Stimmen mit angehängtem Pedal steht im Westen der Kirche auf einer Empore. Das Gehäuse ist eine schrankartige Rahmen-Füllungskonstruktion mit seitlichem Spieltisch. Es ist im Mittelteil mit einem Sprenggiebel bekrönt und rundherum mit Zinnen versehen. Im Prospekt befinden sich ab Brüstungshöhe drei spitzbogige Flachfelder mit jüngeren Zinnpfeifen. Als Bauzeit wurde die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts vermutet.
Die Windversorgung, die Mechanik und das Pfeifenwerk des Instruments waren 2005 so schadhaft, dass die einfachsten Liedbegleitungen im Gottesdienst nicht mehr möglich waren. Mit finanzieller Unterstützung des Erzbistums und des Landes Nordrhein-Westfalen konnte Anfang 2006 die Restaurierung der Siegener Orgelwerkstatt Mebold in Auftrag gegeben werden, nachdem die Sachverständigen der Kirche und der Denkmalpflege ihre Erkenntnisse zur Geschichte und der Schadenssituation der Orgel vorgelegt hatten.
Als das Orgelwerk abgebaut worden war, fanden sich im Inneren der Windlade zahlreiche Zeitungs- und sonstige Papierreste, die zur Abdichtung verwendet worden waren. Diese gaben den Hinweis darauf, dass der in Linden an der Ruhr bei Essen ansässige Orgelbauer Heinrich Küper um 1882 an der Orgel gearbeitet hat. Dieser „Her Kuper“ war Adressat eines handgeschriebenen Briefes von unbekannter Hand mit überaus amüsanter Grammatik. Der Brief wurde auf Bitten des Amtes für Denkmalpflege in Westfalen-Lippe im Sommer 2006 von Professor Blindow aus Münster entziffert, der über Essener Orgelbauer geforscht hatte.
In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte der Orgelbauer Tennstädt aus Lippstadt das Instrument teils in wenig sensibler Weise überarbeitet. Diese Zufügungen und Veränderungen wurden jetzt durch die Sachverständigen bewertet und an den Stellen aufgegeben, wo es im Sinne der Orgeldenkmalpflege verantwortbar war. Die Zusammensetzung der Stimmen, die sogenannte Disposition, wurde geringfügig nach Befund geändert. Alles, was von der Balganlage, der Windzuführung, der Lade, den Pfeifen, der Mechanik bis hin zu den Tasten zu dieser kleinen romantischen Orgel gehört, wurde in der Siegener Werkstatt sorgfältig und materialgerecht restauriert und dokumentiert. Das hölzerne Gehäuse ist durch einen Rüthener Maler mit einer neuen Fassung gemäß dem jüngsten Bestand versehen worden. Die älteren historischen Farbgebungen sind darunter erhalten geblieben.
Nach der abgeschlossenen Restaurierung hat die Kirchengemeinde Rüthen-Kellinghausen wieder Freude am Klangerlebnis ihrer denkmalgeschützten Orgel aus dem 19. Jahrhundert.