Es ist erstaunlich und bewundernswert, dass die kleine Padberger Kirchengemeinde mit Unterstützung der kommunalen, kirchlichen und staatlichen Stellen ihre Alte Kirche St. Petrus vorzüglich hat restaurieren lassen, da diese doch seit neunzig Jahren „außer Gebrauch“ gestellt ist.
Die kleine, trutzig im Steilhang liegende Kirche St. Petrus ist von nahezu quadratischem Grundriss, der sich in zwei Schiffe und zwei Joche mit tragendem Mittelpfeiler untergliedert. Mit Kreuzgratgewölben überdeckt sind die jeweils zugehörenden insgesamt vier Deckenfelder. Der massive, weißgeputzte Baukörper hat ein schiefergedecktes Satteldach mit ost-westlicher Firstrichtung. Ein kleiner, im Nordwesten des Daches aufsitzender Dachreiter beherbergt die Glocken und eine Turmuhr aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die schon lange keinen Dienst mehr tut. Einlass gewährt ein Rundbogenportal mit schwerer hölzerner Tür an der Hangseite.
Über die Entstehungszeit der Kirche, die in älterer Literatur auch als „Burgkapelle“ – zur ehemaligen Burg der Grafen von Padberg gehörend - bezeichnet ist, gibt es keine gesicherten urkundlichen Quellen. Hartnäckig hält sich die Überlieferung, die Kirche sei 1057 gegründet worden. An dieser Ausgangslage der letztlich ungeklärten Entstehungsgeschichte der Alten Kirche hat sich bis zur 1997 anstehenden großen Sanierung nichts geändert. Starke Feuchtigkeitsschäden an der im Laufe der Jahrhunderte in den Hang eingesunkenen Südwand waren der Anlass für die Restaurierungsarbeiten, die bis 2003 durchgeführt worden sind. Die Schäden machten die Freilegung der äußeren Wände zum Einbau einer Ringdrainage notwendig. Auch der Zementputz der Außenwände, der geschädigte Innenputz und der neuzeitliche Bodenaufbau mussten entfernt werden. Durch diese Freilegungen sind gemeinsam mit den Archäologen des Referates Mittelalter des LWL Grabungen möglich geworden. Diese haben Teile eines Vorgängerbaus zum Vorschein gebracht, dessen alte Chorwand noch in der jetzigen Ostwand der Kirche steckt. Rund 600 Besucher konnten die Ausgrabungen am Tag des offenen Denkmals 2002 besichtigen. Auch ein restauriertes spätmittelalterliches Holzfenster – das einzige noch in Gebrauch befindliche in Westfalen – kann in dieser kleinen Kirche bewundert werden. Jetzt ist der letzte Bauabschnitt, bei dem ein neuer Sandsteinboden eingebaut und der Innenraum mit der Ausmalung des 13. Jahrhunderts restauriert worden sind, nach sechs Jahren fertiggestellt. Das restaurierte mittelalterliche Kleinod von unglaublicher Authentizität bezeugt eine fast 1000jährige Kirchengeschichte in Marsberg-Padberg.
Die neuzeitliche Geschichte der organisierten Schifffahrt auf westdeutschen Wasserstraßen reicht weit bis in das Mittelalter zurück. Als Wasserstraßen werden dabei die Flüsse genutzt, neben dem Rhein und der Weser vor allem die Ems, die Ruhr und die Lippe.
Stets sind aber die Wasserverhältnisse bei natürlichen Gewässern problematisch für die Schifffahrt. Deshalb wird bereits frühzeitig versucht, durch Bauwerke die Flüsse schiffbar zu halten. So in Rheine um 1550 mit der Anlage eines Streichwehres in der Ems in Verbindung mit einer Schleuse. Die Berkel im Westen Westfalens ist bis 1666 bis Vreden und 1774 bis Coesfeld schiffbar, die Ruhr wird zwischen 1776 und 1780, die Lippe zwischen 1826 und 1840 durch Wehre mit Schleusenanlagen aufgerüstet.
Im Gegensatz zu natürlichen Gewässern bieten nun künstliche Wasserstraßen, die Kanäle, viele Vorteile, so zum Beispiel: gleichbleibende Wasserstände und damit gleichbleibende Tauchtiefen für Schiffe, keine Strömung, ausreichende Querschnitte und ausreichend dimensionierte Schleusenkammern.
Frühestes westfälisch-lippisches Beispiel einer derartigen Anlage ist der Versuch eines Kanalbaues zwischen Soest und Hamm. Dieser wird aber 1495 halbfertig eingestellt. Bekannter dagegen ist der zwischen 1731 und 1840 betriebene Max-Clemens-Kanal bei Münster, benannt nach seinem Erbauer, dem Fürstbischof zu Münster, Clemens-August. Von beiden Kanälen und seinen Bauwerken sind heute leider nur noch archäologische Befunde erhalten.
Aber nun ist ein weiteres Beispiel in das Blickfeld der Denkmalpflege geraten: der Friedrichstaler Kanal in Detmold.
1697 übernimmt nach dem Tod seines Vaters Graf Friedrich Adolf zur Lippe die Landesregierung. Bereits 1699/1700 lässt er Entwurfszeichnungen für die Anlage eines Barockgartens mit Orangerie südlich der Stadt Detmold im Tal der Berlebecke anfertigen. Als Verbindung zwischen seinem Residenzschloss in der Altstadt und diesem Barockgarten wird nach niederländischem Vorbild ein Kanal mit drei Schleusen eingeplant.
Der Friedrichstaler Kanal stellt also keinen gewerblich genutzten Schifffahrtskanal dar, sondern diente ausschließlich der Repräsentation und der Lustschifffahrt.
Anfang 1701 wird neben der Anlage des Barockgartens und der Orangerie auch mit dem Kanalbau begonnen. 1704 sind sowohl der Kanal als auch die drei Schleusen und zwei Zugbrücken fertiggestellt. Verantwortlich für diese Bauaufgabe ist Hindrick Kock, ein Niederländer, der, in einem festen Anstellungsvertrag stehend, ein jährliches Gehalt von 52 Thaler bezieht. 1714 erscheint er wieder auf der Gehaltsliste, diesmal aber als „Meister Heinrich“, jetzt der „Schiffer“. Möglich, dass er für die drei Schiffe des Kanalbetriebes und die Schleusenunterhaltung zuständig ist.
Zur Abrundung der gesamten barocken Anlage entsteht ab 1708 auf der Ostseite des Kanals die einheitliche Gebäudezeile der Neustadt und zwischen 1706 und 1718 das Neue Palais. Diese Neubauten stellen die erste Stadterweiterung Detmolds über den mittelalterlichen Stadtring hinaus dar.
Mit dem Brand und der vollständigen Zerstörung der neuen Orangerie am 3. Oktober 1729 setzt dann aber ein Verfall der gesamten Anlage Friedrichstal ein bis hin zur Aufgabe der Kanalschifffahrt um 1748. Zwei ihrer Schleusen werden niedergelegt und nur die dritte, die Obere, wird weitergenutzt und zwar durch die Errichtung einer Wassermühle im Jahr 1752, die den Gefälleunterschied in der Schleusenkammer zum Antrieb von Wasserrädern ausnutzt.
Bis 1958 wird diese Mühlenanlage betrieben, dann stillgelegt und Ende der 1960er Jahre zu einer Gastronomie um- und ausgebaut. Von der historischen Schleusenkammer sind heute noch die westliche Schleusenkammerwand, die Widerlager der beiden Stemmtore und die beiden Flügelmauern des Schleusenunterhauptes aus großen bearbeiteten Werksteinblöcken erhalten. Besonders auffällig ist dabei deren steinmetzmäßig sorgfältig ausgeführte Oberfläche mit einem gespitzten Spiegel und einem begleitenden Randschlag.
An der Ende 2003 begonnenen und in naher Zukunft beendeten Grundinstandsetzung der Schleusenkammer hat sich der LWL mit einer Zuwendung von 9.000 Euro beteiligt.
Diese Schleusenkammer mit ihrem Technikstand des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein bedeutendes Denkmal der barocken Wasserbaukunst in Westfalen-Lippe.
Zum Denkmal des Monats März hat das Westfälische Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe das Haus Markt 16 in Burgsteinfurt gewählt.
Im Jahr 1648, in dem der Westfälische Frieden geschlossen wurde, entstand das repäsentative Bürgerhaus direkt am Marktplatz. Dem Fachwerkgebäude wurde eine steinerne Fassade mit einem mehrfach abgetreppten Giebel vorgeblendet. Durch profilierte Gesimse sind die einzelnen Geschosse von einander abgesetzt.
2003 wechselte das denkmalwerte Haus seinen Besitzer. Der neue Eigentümer erforschte zunächst in vorbildlicher Weise die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner. Baubegleitend untersuchten Mitarbeiter des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege die wertvolle Bausubstanz. Während der Bauforscher Peter Barthold neue Erkenntnisse zur Konstruktion des Hauses und seiner Bauphasen gewann, untersuchte Steinrestaurator Beat Sigrist die Oberflächenbehandlung der Fassaden und der Innenwände. Einen außergewöhnlichen Fund machte er im rückwärtigen Saal des 1. Obergeschosses. Hier entdeckte er unter einer grauen Übermalung auf der Holzbalkendecke Spuren einer illusionistischen Kassettenbemalung aus der Erbauungszeit des Hauses. Sie wurde in den in Westfalen sehr selten nachweisbaren Farben Indigoblau und Auri, einer Farbe aus Goldersatzpigmenten, ausgeführt. Die Kassetten sind mit dekorativen Friesen und Füllungen versehen.Weitere zugehörige Bemalung fand sich an den Fachwerkbalken der Wände in diesem Raum. Die Reste dieser wertvollen Malerei wurden ausführlich dokumentiert. Anschließend wurde die Decke abgehängt, so daß die Befunde für die Nachwelt bewahrt sind. Ein ausführlicher Bericht über die Ergebnisse wird später folgen.
Als weitere bedeutende Ausstattungsstücke des Hauses sind zwei aufwendige, mit Figurenschmuck versehene Sandsteinkamine zu nennen, die jedoch beide in der Vergangenheit aus dem Objekt entfernt wurden. Einer der Kamine mit der Darstellung von Adam und Eva befindet sich heute im benachbarten Gebäude der Stadtbücherei, der andere mit der Darstellung von Caritas und Justitia, war bislang im Stadtmuseum eingelagert und gelangte nun im Rahmen der Sanierung des Hauses Nr. 16 an seinen Ursprungsort zurück.
An der Werksteinfassade am Marktplatz konnten die Positionen der ursprünglichen Kreuzstockfenster nachgewiesen werden, so dass sich der Eigentümer entschloss, diese in Anlehnung an den historischen Befund zu rekonstruieren. Im Erdgeschoss beließ man die untere Hälfte der Fenster mit Blick auf die künftige Nutzung als ungeteilte Schaufenster.
An der linken Traufseite des Hauses fanden sich hinter Vermauerungen im Erdgeschoss und ersten Obergeschoß noch Holzfenster aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Sie konnten mit Hilfe des Sonderprogramms 2003 "Das Besondere Fenster", einem gemeinsamen Förderprogramm des LWL und der Westfälischen Handwerkskammern, restauriert werden.
Der Weg in das sanierte Haus führt wieder über eine kleine Freitreppe, den sogenannten Beischlag, den man vor Jahren entfernt hatte, weil man ihn als störend im Straßenraum empfand. Die zwei wappentragenden Löwen wurden restauriert und erhielten ihre Position am Fuße der Treppe zurück. Ihnen antwortet ein weiterer Löwe als Bekrönung des Stufengiebels der Fassade am Marktplatz.
Das sanierte Gebäude bietet heute im Erdgeschoß Platz für einen Friseursalon und eine psychologische Praxis, während die Obergeschosse zu Wohnzwecken genutzt werden.
Obwohl sie noch recht jung ist, gehört die evangelische Thomaskirche in Gelsenkirche Erle gehört architekur- und liturgiegeschichtlich zu den bedeutenden Kirchen Westfalens. Deshalb hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Gotteshaus jetzt zum Denkmal des Monats April gekürt.
Nach dem Wohnungsbau gehörte der Bau von Kirchen im Nachkriegsdeutschland zu den wichtigten Aufgaben: Zerstörte Kirchen, die zuvor Wahrzeichen ihrer Stadt oder Gemeinde waren, wurden wieder aufgebaut. Außerdem entstanden in den Erweiterungsgebieten der Städte für die ab 1950 rasch wachsende Bevölkerung viele neue Kirchen. "Hier ist die in der Zeit von 1963 bis 1965 nach den Plänen der Architekten A. E. Wittig aus Marl und Fred Janowski aus Gelsenkirchen gebaute Thomaskirche mit ihrem bugförmigen Chorraum besonders hervorzuheben. Ihre markante Gestalt hat einen eindrucksvollen städtebaulichen Akzent gesetzt", so LWL-Denkmalpflegerin Dr. Marion Niemeyer-Tewes.
Die Taufe, der Kanzelaltar und das monumentale Kreuzrelief der Altarwand, die das liturgische Zentrum des Gotteshauses bilden, werden durch die indirekte Oberlichtbeleuchtung wirkungsvoll hervorgehoben. Taufe, Altar und Kanzel sind sehr nah bei einander angeordnet. "So dokumentieren sie die Abkehr vom reinen Predigtcharakter der evangelischen Liturgie, die Wort und Sakramente inzwischen als gleichwertig ansieht", erklärt Niemeyer-Tewes die liturgiegeschichtliche Bedeutung der Thomas-Kirche.
Das Hexenbürgermeisterhaus in Lemgo, das als Denkmal des Monats Mai vom Westfälischen Amt für Denkmalpflege auserkoren ist, wurde 1568/1571 als stattliches Steinhaus mit einem Saal und einem Beihaus errichtet und gilt als "Meisterwerk bürgerlicher Renaissance-Architektur". Sein aufwendig gestalteter Werksteingiebel wurde von dem Baumeister Hermann Wulff, der auch Schloss Brake erbaute, geschaffen. Der Beiname Hexenbürgermeisterhaus erinnert an einen ehemaligen Besitzer des Hauses, den Juristen und Bürgermeister Hermann Cothmann. Er hatte sich während seiner Amtszeit den Ruf eines unerbittlichen "Hexenjägers" erworben.
Das im Inneren und Äußeren ehemals sehr repräsentative Gebäude, das bereits Mitte des 19. Jahrhunderts zum „Reichthum alterthümlicher Privathäuser in Lemgo“ gezählt wurde und überregional als bedeutend und von denkmalpflegerischem Interesse galt, hatte im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Umbauten erfahren und wurde den sich änderndern Besitz- und Wohnverhältnissen immer wieder angepasst. So diente es im 19. Jahrhundert schließlich nicht mehr als reiches Bürgerhaus, sondern wurde von Handwerkern als Wohnung, Werkstatt und Laden genutzt. Als 1911 der damaligen Besitzer die Steinfassade von 1571 entfernen und durch einen zeitgemäßen Neubau ersetzen wollte, rief dies in der kunst- und baugeschichtlichen Fachwelt einen Sturm der Entrüstung hervor, so dass schließlich die Stadt Lemgo das Haus kaufte, um es vollständig zu erhalten und darin ihr Heimatmuseum einrichtete, welches heute zu den ältesten Stadtmuseen in Ostwestfalen-Lippe gehört.
Aufgrund starker bau- und nutzungstechnischer Mängel mussten dringend notwendige Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden, die ab 1999 von der GBR „Hexenbürgermeisterhaus - Alte Hansestadt Lemgo“ dank großer finanzieller Unterstützung der Staff-Stiftung realisiert werden konnten.
Planung und Umsetzung der Maßnahmen lagen in der Hand des städtischen Bauamtes, dessen Leiter Dipl.-Ing. Helmut Strüßmann, der selbst über Jahre städtischer Denkmalpfleger in Lemgo war, mit großer Umsicht, mit Bereitschaft zur Kooperation und mit der nötigen Flexibilität, auf neue Erkenntnisse der Bauforschung einzugehen, das gute Gelingen der Sanierung im Sinne der Denkmalpflege ermöglichte.
Die Arbeiten sind jetzt abgeschlossen und das Gebäude wird der Öffentlichkeit ab 15. Mai 2004 als noch leeres Museum, was „nur“ sich selbst und seine Geschichte ausstellt, präsentiert. Viel ist in der Zwischenzeit geschehen. Die Entscheidung des Museumsleiters Jürgen Scheffler, an der Erarbeitung des neuen Ausstellungskonzeptes einen kompetenten Bauhistoriker zu beteiligen, ist eine besonders kluge gewesen, die Planung und Ausführung der Arbeiten wurden durch wichtige und neue Erkenntnisse bereichert.
Der Bauhistoriker Dr. Holger Reimers wurde beauftragt, begleitend zu den Sanierungsarbeiten die verborgenen Spuren der vielfältigen Geschichte dieses Hauses im Detail aufzuspüren und zu deuten. Dank seiner Ergebnisse kann zukünftig ein großer Teil der Bauspuren auch von den Besucherinnen und Besuchern des Museums wiederentdeckt werden. Das gesamte Projekt hat so inhaltlich unendlich gewonnen, die Auseinandersetzung mit dem Gebäude und seiner Geschichte ist deutlich vertieft worden.
Das Hexenbürgermeisterhaus, das im Laufe der Jahrhunderte viele bauliche Veränderungen erfahren hat, ist durch die jetzige Sanierung erneut einem Wandlungsprozeß unterzogen worden. Die gefundenen Lösungen sind von vielen beteiligten Personen und vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst, die denkmalpflegerischen Vorgaben, die Vielschichtigkeit der Bausubstanz zu erhalten, standen dabei im Vordergrund. Durch besondere Anforderungen aus der Nutzung als öffentliches Museum gab es zusätzliche Auflagen an das Raumklima, an die behindertengerechte Erschließung des Gebäudes und von Seiten des Brandschutzes, die zu baulichen Ergänzungen und neuen Einbauten geführt haben, die in Form und Material klar vom historischen Bestand abgesetzt sind.
Die gewählte Vorgehensweise bei der Sanierung des Hexenbürgermeisterhauses entspricht im besten Sinne dem denkmalpflegerischen Ziel, einen behutsamen Umgang mit der Vielschichtigkeit des Objektes anzustreben.
Die Baumaßnahme wurde durch den städtischen Denkmalpfleger Ralf Niemeyer intensiv begleitet, so dass die regelmäßige Abstimmung mit dem planenden Bauamt und in zahlreichen Baustellenterminen zuverlässig auch für alle Detailpunkte der Ausführung sicher gestellt war.
So ist nun, anders als bei manchen anderen Gebäuden, kein bestimmter Zeitschnitt in der Baugeschichte dieses Gebäudes gesucht worden, der durch die Sanierung wieder stärker sichtbar gemacht werden könnte, sondern die Vielschichtigkeit des Gebäudes mit all seinen Veränderungen ist gewahrt und zusätzlich mit einer neuen Schicht, in diesem Fall in Form einer genau definierten Dreifarbigkeit, überzogen, die an der Bausubstanz selbst in zurückhaltender Form aufzeigt, wo sich ältere und jüngere Teile finden bzw. wo das Gebäude authentische Bereiche aufweist und wo ihm in jüngerer Zeit historisierende Ergänzungen widerfahren sind.
Eine angemessene bauhistorische Untersuchung, wie sie hier ermöglicht wurde, sollte bei Gebäuden dieser Qualität immer als erforderlich gelten und vorab und baubegleitend erfolgen. Sorgfalt bei den weiteren Voruntersuchungen zum Bauzustand und den vorhandenen Schadensursachen und Sorgfalt bei den Planungen, um das unvermeidliche Maß an Fehlern möglichst einzuschränken, ist unerlässlich und erfahrungsgemäß auch in Sachen Kostenkontrolle ein guter Weg.
Die konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten und die Kontinuität in der Betreuung dieses über einen langen Zeitraum sich entwickelnden Projektes waren wichtig und bildeten eine wesentliche Vorraussetzungen für das gute Ergebnis. Die jetzt abgeschlossenen Arbeiten haben zu einem vorzeigbaren und besonders gut gelungenen Beispiel der Sanierung eines Denkmals geführt.
Erste Eindrücke vom sanierten Hexenbürgermeisterhaus zeigen, es gibt viel Neues und Verwandeltes in ihm zu sehen, viel Ungewohntes, manches ist im ersten Moment verwirrend und lässt Fragen zum Gebäude und seiner Geschichte entstehen. Manches erzählt von schwierigen Bauaufgaben, manches von nicht leicht gefundenen Lösungen – alles spricht davon, wie intensiv die Beschäftigung mit diesem Haus und seiner Geschichte geworden ist.
Ein – wieder und noch immer - altes Haus, ein Haus mit vielschichtiger Ausstrahlung, mit Ermunterung zum Hingucken und zum Fragenstellen.
Ein „weiches“ Haus, ein helles und freundliches Haus – ein Haus, dass bewegt und viel von sich und den verschiedenen Epochen, die es überdauert hat, erzählt.
Ein Haus, das unbedingt eine Reise im Mai oder später nach Lemgo wert ist.
Schon lange war bekannt, dass die Gebäude auf dem Hof "Großer Siepen" in Sprockhövel-Herzkamp (Ennepe-Ruhr-Kreis) besonders alt sind. Eine genaue Untersuchung überraschte die Experten des Westfälischen Amtes für Denkmapflege beim Landschaftsverband jetzt jedoch sehr: Sie fanden heraus, dass die Scheune des Hofes 1507 gebaut wurde. "Damit ist sie die älteste bekannte Fachwerkscheune Westfalens", so LWL-Bauforscher Peter Barthold. Deshalb hat der LWL die Scheune zum Denkmal des Monats September gekürt.
Das genaue Alter der Scheune, die mit ihrer modernen Bretterverkleidung unscheinbar wirkt, haben die Denkmalpfleger mit einer dendrochronologischen Untersuchung ermittelt. "Dafür haben wir den Hölzern der Hofgebäude Bohrkerne entnommen und die Wachstumsringe gemessen. Da ein Baum je nach Wetter von Jahr zu Jahr unterschiedlich dicke Ringe bildet, können wir anhand von Vergleichskurven das Fälldatum der Bäume bestimmen. Meistens wurde das Holz im folgenden Jahr verbaut", erklärt Barthold.
Sieben mächtige Ständerpaare – jeder Ständer ist etwa 40 Zentimeter stark – tragen die Dachbalken und das abgewalmte Sparrendach. Die Außenwände waren von Beginn an verbrettert, zwischenzeitlich schützten Holzschindeln zusätzlich die Erntevorräte. "Auch andere Besonderheiten der Konstruktion sind in der Region ansonsten erst an ländlichen Fachwerkbauten des 17. Jahrhunderts zu belegen", betont LWL-Denkmalpfleger Dr. Thomas Spohn.
Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Bäume zum Bau eines im Hofweiher stehenden Speichers sogar schon 1501 gefällt worden sind. Für den Haferkasten (kleines Speichergebäude) haben die Untersuchungen eine Inschrift bestätigt, die besagt, dass das Gebäude 1597 errichtet worden ist. Das niedrige Wohnhaus der Altenteiler entstand um 1695. „Scheune und Speicher sind außergewöhnliche Zeugnisse einer erstaunlichen Zimmermannskunst in der frühen Neuzeit. Genauso viel Respekt verdienen aber auch die vielen Generationen von Hofbesitzern, die die Hofanlage so gut durch die Zeiten gebracht haben. Sehr schade ist nur, dass das Haupthaus, das sicherlich auch aus der Zeit um 1500 stammte, 1913 abgebrannt ist“, attestiert Spohn den Hofgebäuden einen besondern Denkmalwert.
Die erhaltenen Gebäude lassen erkennen, dass der Hof eines der bedeutendsten Anwesen des Berglandes ist. Der Hof liegt an einem einst wichtigen Verbindungsweg zwischen Ruhr und Wupper. Wie alte Steuerlisten verraten, leisteten seine Besitzer die höchsten Abgaben weit und breit. Sie betrieben neben der Landwirtschaft auch Steinkohlenbergbau und im 19. Jahrhundert eine Garnbleicherei.
Schon seit längerer Zeit ist bekannt, dass Dachtragwerk und Giebel des Hauses Markt 11, der sogenannte Wilde Mann, mit ihrer Datierung in das Jahr 1511 zu den ältesten Tragwerkkonstruktionen in Soest und am Hellweg gehören. Wie im Nachbarhaus Markt 10 ist der Fachwerkgiebel durch eine rautenförmige Anordnung der Konstruktionshölzer besonders verziert.
2003 stellte sich bei einer Bestandsaufnahme von Dachstuhl und Fachwerkfassade heraus, dass einige Fachwerkhölzer repariert werden mussten und das auffällige Giebeldreieck mit seinen Fachwerkrauten eine zusätzliche Verbindung mit der innenliegenden Konstruktion des Hauses brauchte. Auf der Grundlage statischer Berechnungen wurden Hilfskonstruktionen entworfen, die von außen unsichtbar die historische Konstruktion stabilisieren. Leider waren einige Hölzer und auch die Schwelle der Fachwerkrauten so stark geschädigt, dass sie nicht erhalten werden konnten; auch die hölzernen Giebelfenster mussten nachgebaut werden.
Alle Maßnahmen hatten das Ziel, neben der Herstellung der Standsicherheit auch möglichst viel von der denkmalgeschützten Substanz zu erhalten. Grundlage dafür war eine genaue Bestandsaufnahme, eine bauhistorische Untersuchung und eine sorgfältige Vorbereitung der Maßnahmen. Bis zum Spätsommer 2004 waren die letzten Arbeiten ausgeführt. Die Gefache sind jetzt wieder verputzt und gestrichen, auch die Fachwerkhölzer haben einen Schutzanstrich erhalten. Alles in allem gesehen, konnte nicht nur so viel wie möglich vom historischen Baubestand erhalten werden, nach den genauen Untersuchungen war es möglich, auch die Baugeschichte des Hauses noch genauer zu differenzieren. So ist neben der ersten Bauphase von 1511 noch eine Bauphase des 18. Jahrhunderts nachgewiesen worden, in der die Blockzargenfenster und zwei zusätzliche Pfosten eingefügt wurden; im 19. Jahrhundert kam noch eine Riegelkette zwischen den Kreuzungspunkten der unteren Rauten hinzu.
Bahnreisende können heute auf ihrer Fahrt Richtung Minden kurz hinter dem Bahnhof Bielefeld wieder einen Blick auf ein ehemaliges Bahnbetriebswerk der Deutschen Bahn werfen. Noch vor fünf Jahren versteckte sich diese Anlage hinter einem Wald von Birkenaufwuchs.
Nun ist das aus Ziegelsteinen errichtete Gebäude des Bahnbetriebswerkes mit seinen 22 Ständen instandgesetzt und einer neuen Nutzung zugeführt.
Das Westfälische Amt für Denkmalpflege hat das Werk in Würdigung der historischen Bedeutung des Bautypes, des Einsatzes der Investoren und des Umganges mit der historisch bedeutenden Substanz zum Denkmal des Monates Dezember 2004 gewählt.
Bahnbetriebswerke waren zur Dampflokzeit selbstständige und unabhängige Dienststellen. Zu ihren Aufgaben gehörte die Wartung und Unterhaltung der zugeteilten Triebfahrzeuge, Triebwagen und Sonderwagen sowie die Einsatzplanung des Personals auf den Dampfloks.
Größere Reparaturen wurden in zentralen Ausbesserungswerken, wie z.B. in Schwerte, ausgeführt.
Zur Bewältigung seiner Aufgaben waren bei dem Bahnbetriebswerk in Bielefeld, noch zu Dampflokzeiten in den 1950er und 1960er Jahren, bis zu 550 Personen angestellt.
Zu einem klassischen Bahnbetriebswerk für Dampfloks mit Rundschuppen, wie dem in Bielefeld, zählen im Wesentlichen die Drehscheibe, die Besandungs- und die Bekohlungsanlage sowie die Wasserversorgung. Ausschlackgruben, Auswasch- und Ausblasanlagen, Werkstätten und die Dienststellenleitung vervollständigen das Bahnbetriebswerk.
Von diesen Einheiten sind in Bielefeld noch der rd. 22 Meter hohe Wasserturm von 1905, der Ringlokschuppen mit seinen 22 Ständen im endgültigen Ausbauzustand von 1926, die Drehscheibe von 1936 sowie das Sozialgebäude der Lokbehandlung erhalten. Bis auf dieses Sozialgebäude sind alle anderen Bauwerke seit 1988 als Baudenkmäler in die Denkmalliste der Stadt Bielefeld eingetragen.
1950 bestanden in Ostwestfalen noch sechs Bahnbetriebswerke. Nach einem tiefgreifenden Strukturwandel gab es 1980 davon nur noch das in Bielefeld. Die Bahnbetriebswerke in Gütersloh, Neubeckum und Herford wurden aufgelöst, das in Löhne mit seiner Außenstelle Minden in ein reines Personaleinsatz-Bahnbetriebswerk umgewandelt. 1985 wurde auch die Dienststelle in Bielefeld aufgelöst und die Triebfahrzeuge nach Hamm verlagert.
Mit der Auflösung dieser Dienststelle setzte schneller Verfall der Gesamtanlage ein, so dass die Deutsche Bahn AG bereits 1995 beabsichtigte, die Gebäude vollständig zu schleifen.
Seit der Stilllegung des Bahnbetriebswerkes hat es immer wieder Bemühungen der Stadt Bielefeld und vieler Bürger gegeben, die Erhaltung dieser Anlage zu betreiben. Letztendlich konnte aber erst im Jahr 2001 der Durchbruch dadurch erreicht werden, dass im Rahmen eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes die Umnutzung des Ringlokschuppens zu einer Diskothek und für Konzertveranstaltungen genehmigt wurde.
Es kann hier von der Rettung eines herausragenden Denkmales in letzter Minute gesprochen werden. Durch die mangelnde Bauunterhaltung waren die Dachflächen in erheblichem Umfang geschädigt, die Fenster, Tore und Türen desolat.
Im Zuge der Instandsetzung wurde das Umfassungsmauerwerk aus Ziegelsteinen instandgesetzt, die Dachflächen erneuert - historische Stahlfachwerkunterzüge der Deckenkonstruktion konnten im Innenraum beibehalten werden -, die Fenster entsprechen mit ihren Proportionen dem historischen Bestand und die Tore wurden neu verbrettert.
Da Ringlokschuppen große, durchgängige Hallen darstellen, war aus denkmalpflegerischer Sicht die Bielefelder Umnutzung mit den daraus resultierenden erforderlichen Einbauten zur Aufnahme der Infrastruktur unproblematisch. Diese Aufgabe wurde in moderner Architektursprache gelöst und steht in einem spannenden Verhältnis zu dem in weiten Bereichen noch ablesbaren historischen Raumgefühl.
Die erhaltene Drehscheibe mit ihrem Durchmesser von 23 Metern zählt westfalenweit zu den größten ihrer Art. Sie wird zur Zeit von einem eigens hierfür gegründeten Verein instandgesetzt und soll im Frühjahr 2005 zum 100jährigen Bestehen des Bahnbetriebswerkes wieder in Betrieb genommen werden.