Münzprägung durch Hammerschlag. Holzschnitt aus dem "Ständebuch des Jost Amman" (1539-1591) mit Versen von Hans Sachs

Schwede, Arnold: Das Münzwesen in der Reichsgrafschaft Rietberg.
Mit einem Beitrag von Manfred Beine.
Paderborn: Bonifatius 2012. XII, 301 S., gebunden, Abb., Karten.
(Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 6; zugleich: Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte Band 70)
ISBN 978-3-89710-517-1; Preis: 59,80 Euro.

Das nur 215 km² große Territorium der Grafen von Rietberg entstand durch eine Erbteilung 1237 und erhielt 1353 den Status einer freien Reichsgrafschaft. Es existierte bis 1807/1808 und hatte 1812 knapp 11400 Einwohner. Die Lage dieser in nord-südlicher Richtung langgestreckten Reichsgrafschaft – zu der die gleichnamige Stadt, 12 bäuerliche Siedlungen, Wald und ein Jagdschloss gehörten – verdeutlicht eine beigegebene Karte. Nachbarn im Osten waren die Fürstbischöfe von Paderborn, im Süden die Kurfürsten von Köln als Landesherren des Herzogtums Westfalen, im Westen die Fürstbischöfe von Münster und Osnabrück sowie im Norden die Grafen von Ravensberg bzw. später die Kurfürsten von Brandenburg/Könige in Preußen.

Nach dem Aussterben der älteren Grafenlinie 1562 kam es zu mehrfachen Wechseln der Regentschaft; schließlich fiel die kleine Reichsgrafschaft durch Heirat 1699 an die in österreichischen Diensten stehenden Grafen (seit 1764 Fürsten) von Kaunitz aus Mähren, in deren Auftrag Drosten bzw. Bevollmächtigte Rietberg verwalteten. Erst 1569 erhielten die Rietberger Reichsgrafen vom Kaiser offiziell das Recht der Münzprägung. 1875 erschien erstmals eine Abhandlung über die Münzgeschichte des kleinen Territoriums, die seit 1914 sporadisch an verschiedenen Stellen ergänzt und bereits damals als nicht genügend bewertet wurde. Die nun vorliegende Münzgeschichte vereint einen Münzkatalog – mit detaillierten Beschreibungen sowie Abbildungen aller bekannten neuzeitlichen Münzen – mit umfangreichen Angaben zu den Münzherren, den Münzmeistern, den Münzstätten sowie Angaben zu Münzfußen, Gewichten sowie Zählung und trägt die Landesverordnungen, Protokolle und Vereinbarungen zusammen.

Innerhalb von acht Jahren ist damit die nachmittelalterliche Münzgeschichte eines weiteren Territoriums Ostwestfalens nach modernen Kriterien erfasst. Ebenso wie die Bände 'Das Münzwesen im Hochstift Paderborn (1566-1803)' und 'Das Münzwesen im Stift Corvey (1541-1794)' des selben Verfassers sind alle zugänglichen Münztypen im Maßstab 1:1 abgebildet, die Münzfunde Rietberger Münzen innerhalb und außerhalb Westfalens – im Osten bis nach Ruskov in der heutigen Slowakischen Republik – genannt und auf zwei Karten eingezeichnet. Auch dieser großformatige Band wird durch ein Personen-, Orts- und Sachregister erschlossen.

Rezensionen:
— Numismatisches Nachrichtenblatt 61 (2012), S. 478 (Klaus Giesen).

— Archivpflege in Westfalen-Lippe 77 (2012) (Peter Worm).

— MünzenRevue 2 (2013), S. 154 (Ursula Kampmann).

— Münzen & Sammeln 12 (2012), S. 45 (U. E. G. Schrock).

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