Seite aus Göbels Register. Archiv des Vereins f. Geschichte u. Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn, Cod. 111, S. 547

Rüthing, Heinrich (Hg.): Die Chronik Bruder Göbels. Aufzeichnungen eines Laienbruders aus dem Kloster Böddeken (1502-1543).
Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte 2005. 2. Aufl. 2006, 544 S., 7 Abb., 1 Karte, gebunden.
(Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen XLIV: Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Religionsgeschiche, Band 7)
ISBN: 978-3-89534-627-9; Preis: 49,00 Euro

Das Augustinerchorherrenstift Böddeken (heute Stadt Lichtenau, Kreis Paderborn) war um 1500 eines der größten Stifte dieses Ordens in Deutschland, der Konvent umfaßte damals 40 Chorherren und 150 Laienbrüder. Der wahrscheinlich in Köln geborene Göbel Schickenberges trat 1501 als Laienbruder in das Stift ein, dessen Vogt er bereits ein Jahr später wurde. Zu seinen Aufgaben gehörte es, die Natural- und Kapitaleinkünfte einzuziehen und darüber Buch zu führen. Daneben wurde er für zahlreiche Sonderaufgaben eingesetzt. Für die Erfüllung seiner Aufgaben musste er viel reisen, seine Wege führten ihn in die nähere und weitere Umgebung. Seine enfernteren Ziele waren Köln, Deventer, Göttingen, Braunschweig und Lübeck; zweimal war er in Rom.

Von 1502 bis zu seinem Tod 1543 machte er Notizen. Meistens bediente er sich der mittel-niederdeutschen Sprache, nur manchmal der lateinischen. Neben Aufzeichnungen über seine Arbeiten hielt er ihm wichtig erscheinende Ereignisse fest. So stehen Berichte über landwirtschaftliche Aufgaben wie Säen, Ernte, Schafschur, Schweinemast, Wetterkapriolen, Missernten usw. neben solchen über Morde, Kriegszüge, Überfälle und Streitigkeiten verschiedenster Art. Wir erfahren von ihm viel über Preise und Handelswaren, aber auch Überlegungen zu theologische Fragen schrieb er nieder. Informationen über seinen Konvent sind genauso vermerkt wie die Auseinandersetzungen zwischen dem deutschen und französischen König oder die Eroberung Rhodos’ durch die Türken.

Durch die über 800 Seiten umfassenden handschriftlichen Aufzeichnungen entsteht ein facettenreiches Bild der unruhigen, durch Reformation und Bauernkriege gekennzeichneten ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die kommentierte Edition wird durch ein Glossar, ein ausführliches Orts- und Personenregister sowie ein Themen- und Sachregister erschlossen; eine Karte der in der Chronik häufiger genannten Orte im Umkreis des Stifts zeigt den geographischen Raum seiner Tätigkeiten.

Rezensionen:
— Geschichtsblätter für Waldeck 94 (2006), S. 181-182 (Jürgen Römer).

— Heimatpflege in Westfalen 21, Heft 5 (2008), S. 32-33 (Rainer Decker).

— H-Soz-u-Kult, 03.05.2006, URL: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2006-2-079 (Gudrun Gleba).

— Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte 102 (2006), S. S. 597-600 (Martin Bracht).

— Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 78 (2009), S. S. 326-328 (Ursula Bender-Wittmann).

— sehepunkte 7 (2007), Nr. 3 (15.03.2007), URL: http://www.sehepunkte.de/2007/03/9282.html (Thomas Brackmann).

 

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