Wir über uns

 

Die Historische Kommission für Westfalen ist heute eine von sechs landeskundlichen Kommissionen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). In den mehr als 100 Jahren seit ihrer Gründung hat sie an die 500 Publikationen vorgelegt. Sie steht und stand personell und institutionell immer mit anderen Einrichtungen im Austausch, um die „wissenschaftliche Erforschung der westfälischen Landesgeschichte in allen ihren Bereichen anzunehmen und sie insbesondere durch Veröffentlichung von Quellen und Darstellungen zu fördern“ (§ 1 der Satzung).
 

Die Geschichte der Historischen Kommission für Westfalen begann 1896 als Ausgründung aus dem Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, der für seine wissenschaftliche Publikationsarbeit ein ehrenamtliches Gremium mit festen Strukturen und einem kleinen Mitarbeiterstab schuf. Die Kommission übernahm für den Verein unter anderem die Herausgabe des Westfälischen Urkundenbuches als wichtige landesgeschichtliche Quellensammlung. Organisatorisch blieb sie dem Verein, der gemeinsam mit dem Provinzialverband Westfalen auch für die finanzielle Ausstattung sorgte, zunächst unterstellt. Dabei versuchte die Kommission fortlaufend, auch andere lokale Geschichtsvereine aus der Provinz sowie gesellschaftliche Eliten als Förderer ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit zu gewinnen.

1914 folgte dann durch die Eintragung ins Vereinsregister die formale Selbstständigkeit. Der ehrenamtliche Charakter blieb dabei erhalten. Nachdem der Erste Weltkrieg die Publikationstätigkeit weitgehend zum Erliegen gebracht hatte, führten nach dem Krieg sich im Rahmen der Weltwirtschaftskrise verschärfende finanzielle Zwänge schließlich dazu, dass die Hauptversammlung der Historischen Kommission 1928 beschloss, sich mit anderen landeskundlichen Kommissionen im neu als gemeinsame Geschäftsstelle zu gründenden Provinzialinstitut für westfälische Landes- und Volkskunde zusammenzuschließen. Dieses gehörte organisatorisch zum Provinzialverband, dem Rechtsvorgänger des heutigen Landschaftsverbands. 1933 veranlassten die Nationalsozialisten die Neubildung der Historischen Kommission und die Anwendung des „Führerprinzips“ auf ihre Entscheidungsstrukturen. Dem Versuch der propagandistischen Vereinnahmung der wissenschaftlichen Tätigkeit und seiner Unterstützung durch einige Kommissionsmitglieder standen andere Mitglieder gegenüber, die eine gewisse Distanz zu den neuen Machthabern gewahrt hatten und eine Fortsetzung der bisherigen wissenschaftlichen Arbeit anstrebten. Der Bedeutungsverlust der Mitgliederversammlung, die ihres demokratischen Prinzips beraubt wurde, und der Kriegsausbruch brachten die Kommissionsarbeit schließlich zum Erliegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konstituierte sich die Kommission neu. Der 1953 gegründete Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) übernahm als Nachfolger des Provinzialverbandes die Förderung der Kommission. Während die schwierige Situation der ersten Nachkriegsjahre zunächst auch die Arbeit der Historischen Kommission hemmte, gewann sie jedoch bald an neuen Impulsen und wissenschaftlichen Aufgaben. Mit Bezug auf den westfälischen Landesteil kam ihr nach dem Willen des Landschaftsverbandes nun auch eine identitätsstiftende und -pflegende Aufgabe zu.

Mit etwa 150 ordentlichen und korrespondierenden Kommissionsmitgliedern ist die Historische Kommission heute die größte unter den sechs landeskundlichen Kommissionen LWL. Die Arbeit des ehrenamtlich tätigen Vorstandes, den die Kommissionsmitglieder jeweils für drei Jahre wählen, wird durch eine kleine, hauptamtlich besetzte Geschäfts- und Forschungsstelle begleitet, die neben unterstützender Arbeit und der redaktionellen Betreuung der Publikationsvorhaben auch selbstständig Vorhaben der wissenschaftlichen Öffentlichkeits- und Vermittlungsarbeit angeht. Die Mitglieder der Kommission werden durch Zuwahl auf Vorschlag bisheriger Mitglieder berufen. Dabei zeigt sich die Mitgliedschaft als Querschnitt der landesgeschichtlichen Forschungslandschaft – in den Reihen der Kommissionsmitglieder finden sich Archivare ebenso wie institutionell angebundene Forscher und Hochschullehrer verschiedener historischer Fachrichtungen. Die ehrenamtlichen Mitglieder der Historischen Kommission arbeiten selbstständig und in freiwilliger Kooperation an der Vorbereitung und Durchführung wissenschaftlicher Vorhaben. Die fachliche Expertise des Einzelnen ist dabei Triebfeder vielfältiger Forschungs- und Vermittlungsprojekte.

Die Arbeit der Kommission ruht auf drei inhaltlichen Säulen: Als Kernaufgabe seit der Gründung geblieben ist die Herausgabe von Quelleneditionen zur Erschließung westfälischer Landesgeschichte. Damit leistet die Kommission wichtige Grundlagenarbeit für die Forschung innerhalb und außerhalb Westfalens und macht Quellentexte für eine breite Öffentlichkeit zugänglich. An Bedeutung gewonnen haben zudem wissenschaftliche Tagungen und Vortragsveranstaltungen, die die Historische Kommission gemeinsam mit vielfältigen Bündnispartnern ausrichtet und deren Beiträge in der Regel dokumentiert und veröffentlicht werden. So ist über die in Kooperation mit dem Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens erfolgende Ausrichtung des Tags der westfälischen Geschichte im Anschluss an die Hauptversammlung der Historischen Kommission ein Bogen zurück zu den Anfängen der Kommission geschlagen worden. Ebenfalls bestehen enge Verbindungen zum Westfälischen Heimatbund, zu den Universitäten, den Kommunen, dem Landesarchiv und verschiedenen lokalen Archiven sowie natürlich zu anderen landesgeschichtlichen Forschungsstellen beim LWL.

Ebenfalls wichtig für die Historische Kommission ist die Teilnahme an und Betreuung von Kooperationsprojekten. Aus der Tätigkeit der letzten Jahre sind exemplarisch die noch andauernden Projekte „Westfälischer Städteatlas“ und „Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe“ (beide in Zusammenarbeit mit dem Institut für vergleichende Städtegeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster) sowie die unter Mitwirkung der Historischen Kommission entstandene Quellensammlung „Hollandgang im Spiegel der Reiseberichte evangelischer Geistlicher“, die durch eine deutsch-niederländische Forschungsgruppe zusammengestellt wurde, zu nennen.

Ihr Publikationsverzeichnis, Materialien und Tagungsberichte stellt die Historische Kommission online zur Verfügung. Seit 2004 wurde zudem damit begonnen, vergriffene Publikationen in digitaler Form kostenlos anzubieten. Damit folgt die Historische Kommission ihrer Selbstverpflichtung, ein verlässlicher, informativer und einfach erreichbarer Partner im geschichtswissenschaftlichen Dialog für Fachwelt und interessierte Öffentlichkeit zu sein.

Seit 1989 erscheint jährlich in den Westfälischen Forschungen ein jährlicher Arbeitsbericht. Der Beitrag „Historische Wissenschaft und nationale Pädagogik. Heinrich Finke, Aloys Meister und die Anfänge der Historischen Kommission für Westfalen“ von Bernd Mütter wurde im Band 52 (2002) S. 159–183 der Westfälischen Forschungen gedruckt. Einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Kommission bietet der Artikel „Neun Jahrzehnte Historische Kommission für Westfalen“ von Wilhelm Kohl, veröffentlicht in den Westfälischen Forschungen Bd. 38 (1988) S. 148–166.

 

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