Neuerscheinung: Lehnsregister des Herzogtums Westfalen von 1438

Seit Anfang August 2014 ist der neue Band unserer Veröffentlichungsreiche lieferbar: der von Manfred Wolf bearbeitete Band "Rechte, Güter und Lehen der Kölner Erzbischöfe in Westfalen" (Neue Folge 13). 

Etwa im Jahr 1438 erstellte ein Schreiber namens Johannes aus den Aufzeichnungen des Kölner Erzbischofs ein „neues Register“, in dem die Rechte, Güter und Lehen in Westfalen zusammengefasst wurden. Die meisten westfälischen Besitzungen der Erzbischöfe lagen in den beiden zu Köln gehörenden Landesteilen – im Vest Recklinghausen und im Herzogtum Westfalen. Aber auch in anderen Teilen Westfalens beanspruchte der Erzbischof Rechte und Einkünfte, so in Herford, Vlotho, Wiedenbrück oder Vreden. Die 1368 erworbene Grafschaft Arnsberg wurde in das Verzeichnis bereits vollständig aufgenommen, das 1449 verlorene Soest ist noch enthalten.

Die Quelle gibt umfassende Auskunft über die Besitzverhältnisse des Erzbischofs. An vielen Orten besaß er Gerichtsrechte oder hatte diese gegen Zahlung an Gefolgsleute vergeben. Vielfach standen dem Bischof besondere Abgaben zu, bei denen nicht nur der Ertrag, sondern auch die Verwendung fast immer aufgeführt wurde. Den größten Teil des Registers nehmen die vom Bischof ausgegebenen Lehen ein. Die Register erlauben Rückschlüsse auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der einzelnen Orte, aber auch auf die dort wohnenden Familien und die handelnden Personen. Streitfälle und mehr oder weniger erfolgreich erhobene Ansprüche werden erkennbar.

Der Bearbeiter Manfred Wolf gibt alle 1460, meist lateinischen Einträge des Registers wortgetreu wieder und versieht sie mit einer knappen deutschen Zusammenfassung. Zur Datierung der Lehnsvergabe und zur Prüfung der Zuverlässigkeit hat er zahlreiche, auch abgelegene Literaturtitel herangezogen und ausgewertet. Ergänzt wird die Edition durch eine quellenkundliche Einführung zum Lehnswesen von Wilfried Reininghaus, mehrere Faksimiles und ein umfassendes Register.

Rechte, Güter und Lehen der Kölner Erzbischöfe in Westfalen. Liber iurium et feudorum Westphaliae, Arnsberg et Recklinghausen, congestus sub Theoderico de Mörsa, archiepiscopo Coloniensi (um 1438). Bearb. von Manfred Wolf, mit einer Einleitung von Wilfried Reininghaus, Münster 2014, 456 Seiten, Festeinband, Faksimiles (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 13). Aschendorff, ISBN 978-3-402-15114-3, Preis: 44,00 Euro

Buchvorstellung: Biographie des Historikers und Archivars Friedrich Philippi

Am 12. Juni wurde die Biographie "Friedrich Philippi. Archivar und Historiker in wilhelminischer Zeit" im Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, in Münster vorgestellt. Die Archivleiterin Dr. Mechthild Black-Veldtrup begrüßte die etwa 40 Gäste, unter denen sich auch Nachfahren Philippis befanden. Anschließend hielt der Autor des Bandes, Prof. Dr. Wilfried Reininghaus, einen Vortrag über den Werdegang Philippis und sein Wirken in Münster. Interessierte Nachfragen über Philippi rundeten die Veranstaltung ab. Die regionale Presse berichtete über die Präsentation. Foto: Der Autor Prof. Dr. Wilfried Reininghaus präsentierte die Ergebnisse seiner Nachforschungen über Friedrich Philippi. (Foto: LWL/Burkhard Beyer)

Wilfried Reininghaus: Friedrich Philippi. Historiker und Archivar in wilhelminischer Zeit – eine Biographie. Münster 2014, 352 Seiten, Festeinband, zahlreiche Abbildungen (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 15; Veröffentlichungen des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen 47). Verlag Aschendorff, ISBN 978-3-402-15116-7, Preis 39 EUR.
 

Erste Bände des "Historischen Atlas westfälischer Städte" vorgestellt

 

Die ersten drei Bände der neuen Reihe "Historischer Atlas westfälischer Städte" wurden im April und Mai 2014 in den jeweils bearbeiteten Orten – Eversberg, Olfen und Grevenstein – vorgestellt. Alle Veranstaltungen waren mit bis zu 50 Teilnehmern gut besucht. Die Ortsvorsteher Schmalohr und Raulff sowie Bürgermeister Himmelmann ließen es sich nicht nehmen, die Gäste selbst zu begrüßen. Anschließend wurde die Ergebnisse der neuen Städteatlanten von den Autoren oder dem Kommissionsvorsitzenden vorgestellt. Viele Besucher nutzten anschließend die Gelegenheit, Fragen zur Entwicklung ihres Ortes zu stellen. Die regionale Presse berichtete ausführlich über die rundum gelungenen Buchvorstellungen.

20. Mai 2014: Vorstellung des Bandes "Grevenstein" von Wilfried Ehbrecht, erschienen als Band 2 des "Historischen Atlas westfälischer Städte", im Speisezimmer der Schützenhalle Grevenstein. Auf dem Foto von links: Dr. Wilfried Ehbrecht (Autor), Susanne Veltins (Brauerei C. & A. Veltins), Prof. Dr. Wilfried Reininghaus (Historische Kommission), Kunibert Schmalohr (Ortsvorsteher). Foto: LWL/Burkhard Beyer

Zeitungsbericht der WAZ über die Buchvorstellung

Zeitungsbericht des SauerlandKuriers über die Buchvorstellung


15. Mai 2014: Vorstellung des Bandes "Olfen" von Peter Ilisch im Bürgerhaus in Olfen. Das Werk ist erschienen als Band 3 des "Historischen Atlas westfälischer Städte". Von links: Josef Himmelmann (Bürgermeister der Stadt Olfen), Dr. Peter Ilisch (Autor), Prof. Dr. Werner Freitag (Historische Kommission/Institut für vergleichende Städtegeschichte). Foto: LWL/Burkhard Beyer

Zeitungsbericht des Kreis Kuriers über die Buchvorstellung


9. April 2014: Vorstellung des Bandes "Eversberg" von Wilfried Ehbrecht in Markes Haus am Marktplatz in Eversberg. Das Werk ist erschienen als Band 1 der neuen Reihe "Historscher Atlas westfälischer Städte". Auf dem Foto von links: Prof. Dr. Wilfried Reininghaus (Historische Kommission für Westfalen), Dr. Angelika Lampen (Institut für vergleichende Städtegeschichte), Ortsvorsteher Willi Raulff. Foto: LWL/Burkhard Beyer

Zeitungsbericht des SauerlandKuriers über die Buchvorstellung

Zeitungsbericht der WAZ über die Buchvorstellung


Neue Reihe: "Historischer Atlas westfälischer Städte"

Die ersten vier Bände des "Historischen Atlas westfälischer Städte" sind erschienen. Behandelt wird die Geschichte von Eversberg, Grevenstein, Olfen und Westerholt.

Der „Historische Atlas westfälischer Städte“ zeigt den anhand von Karten, Schriftquellen, Sachzeugnissen und Sekundärliteratur gewonnenen aktuellen Forschungsstand auf und visualisiert diese Ergebnisse zugleich. Die einzelnen Bänden, die nach einem einheitlichen Muster aufgebaut sind, widmen sich immer einer Stadt und präsentieren sie in graphischer Form.

Ausgangspunkt des Atlas ist die Urkatasterkarte des 19. Jahrhunderts, die erste exakte Vermessung der Stadt – sie zeigt den Grundriss vor den tiefgreifenden Veränderungen des 20. Jahrhunderts. Die Uraufnahme wurde für eine neue, kartographisch exakte Karte im Maßstab 1 : 2.500 ausgewertet, dem steht die moderne Stadtkarte im Maßstab 1 : 5.000 gegenüber. Auf dem Urkataster beruhen verschiedene Entwicklungskarten, die den Forschungsstand zur Stadtgeschichte wiedergeben. Hinzu kommen Umlandkarten und thematische Karten, die stadttypische und regionale Besonderheiten herausarbeiten, sowie ein Textheft, welches die Stadtgeschichte bis zur Gegenwart erläutert.

Der „Historische Atlas Westfälischer Städte“ bietet eine kompakte historische Übersicht ebenso wie eine verlässliche kartographische Grundlage für die weitere Beschäftigung mit der Stadtgeschichte. Der Atlas wird herausgegegeben von der Historischen Kommission für Westfalen in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Vergleichende Städtegeschichte in Münster. Herausgeber der Reihe sind Cornelia KNEPPE und Mechthild SIEKMANN.

Eversberg (heute Teil der Stadt Meschede) gilt als erstes Beispiel eines neuen Stadttyps in Westfalen. Die zur Sicherung der Grafschaft Arnsberg angelegte Stadt war Teil eines längst vergessenen Montangebiets (Ramsbeck), heute ist sie von einem außergewöhnlichen Fachwerkensemble hoch über dem industrialisierten Ruhrtal geprägt.

Historischer Atlas Westfälischer Städte, Band 1: Eversberg.
Bearb. von Wilfried EHBRECHT, Münster 2014, 16 Seiten und 6 lose Karten in Mappe (25,2 x 35,2 cm), zahlreiche Karten und Abbildungen. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 17). Ardey, ISBN 978-3-87023-367-9, Preis 34,80 EUR

Die alte Berg- und Burgmannenstadt Grevenstein hat ihre Archivalien weitgehend verloren. Dennoch gelingt es dem Autor, mit einem landesgeschichtlichen Ansatz die wichtigsten Aspekte ihrer Vergangenheit zu rekonstruieren, sie in die Umgebung einzuordnen und die Entstehung ihrer heutigen Bedeutung für Fremdenverkehr und Wirtschaft darzustellen.

Historischer Atlas Westfälischer Städte, Band 2: Grevenstein. Bearb. von Wilfried EHBRECHT, Münster 2014, 16 Seiten und 5 lose Karten in Mappe (25,2 x 35,2 cm), zahlreiche Karten und Abbildungen. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 18). Ardey, ISBN 978-3-87023-368-6, Preis 32,80 EUR

Der Wigbold Olfen (heute Stadt Olfen) gehörte zu den spätmittelalterlichen Kleinstädten des Fürstbistums Münster. Die Siedlung hat sich um die wesentlich ältere Pfarrkirche St. Vitus entwickelt, die ebenso wie der benachbarte bischöfliche Hof bereits 889 nachweisbar ist. Von jeher war das Städtchen eine wichtige Station zwischen Münster, Recklinghausen und dem Rheinland und hat seinen ländlichen Charme bis heute erhalten.

Historischer Atlas Westfälischer Städte, Band 3: Olfen. Bearb. von Peter ILISCH, Münster 2014, 16 Seiten und 5 lose Karten in Mappe (25,2 x 35,2 cm), zahlreiche Karten und Abbildungen. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 19). Ardey, ISBN 978-3-87023-369-3, Preis 32,80 EUR

Die Freiheit Westerholt (heute Teil der Gemeinde Herten) entstand in Anlehnung an die spätmittelalterliche Burg der Herren von Westerholt. Dem bis heute erhaltenen Ortskern mit seinem reichen Fachwerkbestand und malerischen Winkeln stehen die Wohnsiedlungen bei der Zeche Westerholt gegenüber, die den Einzug des Industriezeitalters im 19. Jahrhundert anzeigen.

Historischer Atlas Westfälischer Städte, Band 4: Westerholt. Bearb. von Cornelia KNEPPE, Münster 2014, 16 Seiten und 4 lose Karten in Mappe (25,2 x 35,2 cm), zahlreiche Karten und Abbildungen. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 20). Ardey, ISBN 978-3-87023-370-9, Preis 29,90 EUR

 

 

Zum 100. Geburtstag von Wilhelm Kohl

Galen-Biographie jetzt online verfügbar

Der langjährige Leiter des Staatsarchivs in Münster und Ehrenvorsitzende der Historischen Kommission für Westfalen, Prof. Dr. Wilhelm Kohl, vollendet am 9. Dezember in Münster sein 100. Lebensjahr. Aus diesem Anlass legt die Kommission eines seiner Hauptwerke, die 1964 erschienene Biographie des Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen in elektronischer Form neu auf.

Mit diesem Werk hat Kohl nicht nur eine Biographie geschrieben, sondern eine politische Geschichte des Fürstbistums Münster in der Zeit nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges. Das 602 Seiten umfassende Werk liegt als recherchierbare PDF-Datei vor, die kostenlos heruntergeladen werden kann. Der Umfang der Datei beträgt einschließlich des Anhangs und der Karten 31 MB.

Zum Download hier klicken.

 

Wilhelm Kohl, der als einer der bedeutendsten Kenner der westfälischen Landesgeschichte gilt, hat sich erst vor wenigen Jahren aus der aktiven Forschung zurückgezogen. Seine Publikationsliste umfasst mehrere hundert Titel, darunter zahlreiche Standardwerke zur Landesgeschichte.

Kohl wurde 1913 in Magdeburg geboren, promovierte 1937 in Göttingen, besuchte das Institut für Archivwissenschaft in Berlin-Dahlem – heute ist er der letzte noch lebende Absolvent – und kam 1939 ans Staatsarchiv Münster. Hier half er die Akten vor den Bomben zu retten, später bereitete er den Neubau am Bohlweg vor. Von 1970 bis 1978 war Kohl Leiter des Archivs. 1955 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Historischen Kommission gewählt, von 1970 bis 1986 war er deren Vorsitzender, 1989 wurde er zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Das wichtigste Ergebnis dieser Zeit ist die ab 1982 erschienene vierbändige „Westfälische Geschichte“, die er angeregt und herausgegeben hat.

Neuerscheinung:

Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften, Generaliaband

Der dritte Teilband des umfangreichen Standardwerkes ist erschienen. Er fasst die Ergebnisse des Forschungsvorhabens zusammen und zeigt Perspektiven für die künftige Forschung auf. 

 

Das „Historische Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe“ ist die umfassende Dokumentation und Bestandsaufnahme unseres Wissens über die Geschichte des jüdischen Lebens in unserer Region. Das insgesamt vierbändige Werk besteht aus drei Regionalbänden, in denen jeder einzelne Ort mit einer jüdischen Gemeinschaft nach einem einheitlichen Gliederungsschema genau beschrieben wird, und einem Grundlagenband, der das Projekt bilanziert. Nach den Regionalbänden zu den Orten und Territorien in den heutigen Regierungsbezirken Münster und Detmold folgt nun bereits der Grundlagenband. Der noch folgende Regionalband Arnsberg wird damit den Abschluss des Vorhabens bilden.

 

Im Band „Grundlagen – Erträge – Perspektiven“ werden die Resultate der Orts- und Überblicksartikel der drei Regionalbände im Überblick präsentiert. In ihm werden zentrale Einzelaspekte noch einmal zusammengefasst, Kontinuitäten und Diskontinuitäten der historischen Entwicklung der jüdischen Minderheit in der westfälisch-lippischen Region herausgearbeitet. Damit werden zugleich Perspektiven und Erfordernisse für die weitere Forschung deutlich. Dem Grundlagenband sind eine Gesamtkarte aller behandelten Orte sowie eine Übersicht der politischen Gliederung Westfalens in den Jahren 1801 und 1811 beigefügt.

 

Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Grundlagen – Erträge – Perspektiven. Hrsg. von Susanne Freund (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 11) 415 Seiten, Festeinband mit Fadenheftung, Kartenbeilagen in Tasche. Ardey-Verlag (Münster), ISBN 978-3-87023-285-6, Preis 66,00 Euro

Neuerscheinung:

Die Kirchenvisitationsprotokolle des Fürstentums Minden 1650

Eine spannende Quellenlektüre: Protestantische Visitationsprotokolle aus der Zeit kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges

 

Minden war das einzige Fürstbistum in Westfalen, in dem sich in der Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformation und das evangelische Bekenntnis vollständig und endgültig durchgesetzt hatten. Daher wurde es durch die Bestimmungen des Westfälischen Friedens 1648 säkularisiert und als weltliches Fürstentum dem Kurfürsten von Brandenburg zugesprochen, der es 1649/50 in Besitz nahm. Unmittelbar darauf erfolgte 1650 die erste landesweite Visitation aller Kirchspiele, soweit sie dem Landeskonsistorium und dem Superintendenten unterstanden.

 

Es sollte die einzige Gesamtvisitation bis 1806 bleiben. Schon deshalb sind die hier publizierten Visitationsprotokolle von 1650 eine wichtige Quelle zur Landes- und Kirchengeschichte. Sie beschreiben konkret und detailliert die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges in jedem einzelnen Kirchspiel. Sie benennen die Anzahl der Gemeindemitglieder, die Patronatsherren der Kirchen und Pfarrstellen, die Altarmänner und Küster, berichten über Gottesdienst und Lebenswandel der Gemeindemitglieder, die Herkunft und Ausbildung der Pfarrer und Lehrer, das örtliche Schulwesen und die Armenfürsorge. Zum besseren Verständnis ist der Edition eine ausführliche Einführung vorangestellt. Darin werden Grenzen, Struktur und Binnengliederung des Territoriums, seine Verfassung, Verwaltung und Konfessionsverhältnisse vorgestellt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Entstehung der Pfarreien. Schließlich werden die Eigenheiten der „Territorialkirche“ Minden nachgewiesen und dargestellt.

 

Als die Kirchspiele 1650 visitiert wurden, begann auch im Fürstentum Minden das Zeitalter des fürstlichen Absolutismus. Die Visitationsprotokolle lassen erkennen, was die Kurfürsten in Berlin unter Recht, Ordnung und Gehorsam verstanden – und was ihre Untertanen unter einem christlichen Lebenswandel zu verstehen hatten.

 

Hans Nordsiek: Die Kirchenvisitationsprotokolle des Fürstentums Minden von 1650. Mit einer Untersuchung zur Entstehung der mittelalterlichen Pfarrkirchen und zur Entwicklung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Minden. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 7), Münster: Aschendorff 2013, ISBN 978-3-402-15113-6, Festeinband, 598 Seiten, 3 Karten in Einbandtasche, 49,00 Euro.

 

Neuerscheinung:

Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften, Teilband Detmold

Der neue Band des „Historischen Handbuchs der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe“ ist erschienen, er behandelt die Orte und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold.

 

Das Handbuch ist eine umfassende Dokumentation und Bestandsaufnahme unseres Wissens über die Geschichte des jüdischen Lebens in unserer Region. In insgesamt vier Bänden (drei Regionalbänden und einem Grundlagenband) werden die Besonderheiten der einzelnen Territorien dargestellt. Anschließend wird jeder einzelne Ort, in dem es nachweislich entweder ein jüdisches Bethaus oder einen jüdischen Friedhof gab, nach einem einheitlichen Gliederungsschema genau beschrieben.
 

Dokumentiert werden dabei die Zeugnisse jüdischen Lebens von den ersten Anfängen im Mittelalter bis zur Gegenwart. Aufgabe des Handbuchs ist es, die von Ort zu Ort sehr unterschiedlichen jüdischen Gemeinden, ihre Größe, Lebensbedingungen und ihr Verhältnis zu ihrer christlichen Umwelt zu rekonstruieren. Die Ortsartikel bieten Informationen zur Geschichte, zur Organisation und gesellschaftlichen Tätigkeit der jüdischen Gemeinschaft, zu Bau- und Kunstdenkmälern, zu Friedhöfen und Mahnmalen sowie zu ortsbezogenen Quellen und zur jeweiligen Literatur. Eine beigefügte Karte lokalisiert die behandelten Orte und zeigt anschaulich die in den 1850er-Jahren eingerichteten Synagogenbezirke.

 

Die rund 100 Ortsartikel des Teilbandes Detmold wurden von 43 regional erfahrenen Autorinnen und Autoren verfasst, die vorwiegend in historischen Forschungseinrichtungen oder im Archiv- und Bibliothekswesen tätig sind; die Redaktion hat die Vereinheitlichung und den Abgleich der Beiträge übernommen. Der Band basiert auf der jeweiligen örtlichen Forschungslage, ist damit auch eine Bestandsaufnahme unseres gegenwärtigen Wissensstandes. So sind in den Detmold-Band sowohl neueste Forschungserkenntnisse zu größeren Städten mit einer kontinuierlichen jüdischen Besiedlung wie Paderborn, aber auch das Wissen zu einzelnen Personen jüdischen Glaubens in kleineren Ortschaften wie Nordborchen eingeflossen. So zeigt das Handbuch, „wie vielfältig und lebendig jüdisches Leben auch an der Peripherie gewesen ist“ (Dieter Graumann).

 

„Eine umfassende Darstellung über die vielen Facetten jüdischen Lebens in Westfalen und Lippe, die den lokalen Gegebenheiten wie übergreifenden Zusammenhängen Rechnung trägt, fehlte bislang“, so Prof. Dr. Wilfried Reininghaus (Vorsitzender der Historischen Kommission für Westfalen) bei der Präsentation des Bandes am 8. September 2013. Für den Regierungsbezirk Detmold konnte diese Lücke mit dem nun vorliegenden Teilband geschlossen werden.

 

Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold. Hrsg. von Karl Hengst in Zusammenarbeit mit Ursula Olschewski (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 10) 832 Seiten, Festeinband mit Fadenheftung, Kartenbeilage in Tasche. Ardey-Verlag (Münster), ISBN 978-3-87023-283-2, Preis 79,00 Euro