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Werk

Auf diesen Seiten von droste-forschung.de wird das dichterische Werk Annette von Droste-Hülshoffs präsentiert. Berücksichtigt sind die Erkenntnisse der neuesten Forschung, wie sie durch die Arbeit der Historisch-kritischen Droste-Ausgabe (1978-2000) und der Droste-Forschungsstelle zusammengetragen wurden vor allem hinsichtlich der Textgrundlage der veröffentlichten Werke.

Lyrik

Annette von Droste-Hülshoff war in erster Linie Lyrikerin. Auf diesem Feld lag ihre größte Begabung; hier war sie am produktivsten und fühlte sich zweifellos am wohlsten. Erste kindliche Verse hat sie schon als 7-jährige verfasst. Kleine Gelegenheitsgedichte und Stammbuchverse gehörten zur biedermeierlichen Familienkultur. Später kamen von der deutschen Klassik, insbesondere von Schiller beeinflusste Texte hinzu, ab 1816 überwog der an Spätromantik und Biedermeier orientierte Ton. Auch später entstanden immer wieder Widmungsgedichte im Familienkreis.

1819 begann Droste, einen Zyklus von geistlichen Liedern auf die Sonn- und Festtage des Kirchenjahres zu verfassen. Aufgrund der existentiellen Erschütterungen im Zusammenhang mit der sog. Jugendkatastrophe ("Arnswaldt-Straube-Erlebnis") gerieten ihre Texte zum persönlichen Bekenntnis, das auch Glaubenszweifel thematisierte. Erst nach über zwanzig Jahren konnte sie das Geistliche Jahr vollenden. Veröffentlicht wurde der Zyklus erst nach ihrem Tod.

In den 1830er Jahren beschäftigte sich Droste - ganz dem biedermeierlichen Zeitgeschmack verpflichtet - in mühevoller und langwieriger Kleinarbeit mit der Abfassung von Versepen. Zu nennen sind Das Hospiz auf dem großen St. Bernhard, das die damalige Alpenbegeisterung aufnimmt, Des Arztes Vermächtniß und Die Schlacht im Loener Bruch, ein Epos über den 30-jährigen Krieg. Neben wenigen weiteren lyrischen Texten waren es diese drei Verserzählungen, die ihre erste gedruckte Gedichtausgabe 1838 ausmachten.

Eine Phase höchster poetischer Inspiration erlebte Droste im Meersburger Winter 1841/42, den sie zusammen mit Schücking auf der Meersburg verbrachte. Innerhalb von kurzer Zeit gelang es ihr, mit rund 60 Gedichten den Grundstock ihrer zweiten Gedichtsammlung zu legen. Insbesondere diese Texte sind es, darunter vor allem die Landschaftsbilder, in denen die Autorin ihren eigenen Ton findet. Es dauerte aber noch bis zum September 1844, bis der zweite Gedichtband vorlag.

In der Folgezeit entstanden in jeweils zeitlich begrenzten Schaffensphasen weitere Gedichtgruppen, die Droste für Publikationsprojekte Dritter verfasste. Vor allem Schücking bat sie mehrfach um Beiträge für Publikationsprojekte und sorgte für die Veröffentlichung dieser Texte in Zeitschriften und Sammelbänden.

Prosa

Als Prosaautorin war Droste nur begrenzt erfolgreich. Ihr erster Romanversuch mit dem Titel Ledwina aus dem Jahr 1819 blieb ebenso Fragment, wie der seit 1838 projektierte Westfalenroman Bei uns zu Lande auf dem Lande. Einzig Die Judenbuche wurde fertiggestellt und 1842 im Morgenblatt für gebildete Leser veröffentlicht. Freilich war dieses Sittengemälde aus dem gebirgigten Westphalen zunächst gar nicht als Einzelveröffentlichung geplant, sondern bildete einen Teil des abgebrochenen Westfalenromans. Insbesondere über diesen Text begründet sich der heutige Weltruhm der Droste. Die Judenbuche ist mehr als eine Milieustudie; sie ist gleichzeitig Kriminalgeschichte und Psychogramm, eine Geschichte, die durch ihre Mehrdeutigkeit letztlich die Wahrnehmung von Wirklichkeit grundsätzlich in Frage stellt. Dieser polyphone, ja widersprüchliche Text manifestiert eine tiefgreifende Erschütterung des Vertrauens in die Fähigkeit der Wahrnehmung von Wirklichkeit und deren sprachlicher Darstellung.

Ähnlich wie die Judenbuche ging auch der 1845 unter dem Titel Westphälische Schilderungen aus einer westphälischen Feder veröffentlichte Text aus den Vorarbeiten zum geplanten Westfalenroman hervor. Wieder war es Schücking, der die Droste zu einer Teilveröffentlichung drängte.

Bekannt nur über den Abdruck in einer frühen Gesamtausgabe (Kreiten 1884) ist ein weiteres Romanfragment aus den 1840er Jahren, das zu einer Kriminalgeschichte mit dem Titel Joseph.

Drama

Die Gattung "Drama" war für die Droste allenfalls ein Nebenbetätigungsfeld, auf dem sie sich mehr oder weniger erfolglos versuchte. Ihr bedeutendstes Werk in dieser Gattung ist das 1840 entstandene Lustspiel Perdu! oder Dichter, Verleger und Blaustrümpfe. Alle übrigen Versuche datieren aus ihrer Jugend. Als umfangreichste Arbeit ist das unvollendet gebliebene Trauerspiel Bertha oder die Alpen (1813/14) zu nennen. Nur eine Manuskriptseite hat von dem Stück Hedwig und Sophie oder Verzweiflung und Rache erhalten. Daneben sind noch zwei Stegreifspiele überliefert: Wie viele Pfund Freyer gehn auf 1 Pfund Nehmer. Antwort Keins denn sie fliegen alle davon sowie Scenen aus Hülshoff.