Stammbuchblätter
1.
Mit Laura's Bilde
Im Namen eines Freundes
Um einen Myrtenzweig sich zu ersingen
Schickt seinen Schwan Petrarka Laure'n nach,
Mit Lorbeerreisern füllt er das Gemach,
Doch kann er in den Myrthenhain nicht dringen.
Da zieht er durch die Welt mit hellem Klingen,
Schlägt mit den Flügeln an das theure Haus,
Man reicht ihm den Cypressenkranz hinaus,
Allein die Myrthe kann er nicht erringen.
Mein Freund, wohl ist der Lorbeer uns versagt,
Doch laß uns um den schnöden Preis nicht klagen,
Von Dornen und Cypressen rings umragt.
Will es in einer Laura Blick mir tagen,
Dann hab' ich gern dem schweren Kranz entsagt,
Die kleine Myrthe läßt sich leichter tragen.
2.
An Henriette von Hohenhausen
Wie lieb, o Nähe; Ferne, ach wie leid;
Wie bald wird Gegenwart Vergangenheit!
Warum hat Trauer denn so matten Schritt,
Da doch so leicht die frohe Stunde glitt?
Ach, wer mir liebe Stunden könnte bannen,
Viel werther sollt' er seyn, als der vermöchte
Der trüben schlaffe Sehnen anzuspannen,
Denn Leid im Herzen wirbt sich theure Rechte,
Und wer es nimmt, der nimmt ein Kleinod mit.
Reich' mir die Hand! du hast mich froh gemacht.
In öder Fremde hab' ich dein gedacht,
Werd' oft noch sinnen deinem Blicke nach,
So mildes Auge hellt den trübsten Tag.
Laß Ferne denn zur Nähe sich gestalten
Durch Wechselwort und inniges Gedenken.
Reich mir die Hand! - ich will sie treulich halten,
Und drüber her mag immergrün sich senken
Der Tannenzweig, ein schirmend Wetterdach.
Henriette von Hohenhausen] Henriette von Hohenhausen (1781-1843), die sich auch schriftstellerisch betätigte, war eine Tante der Droste-Freundin Elise Rüdiger und Schwägerin der Elise von Hohenhausen, geb. von Ochs (1789-1857). Sie war zeitweise Mitglied im literarischen Kränzchen ihrer Nichte.


