Die Ausgabe von 1838
Gedichte
Als 1838 die erste Gedichtsammlung Annette von Droste-Hülshoffs erschien, war die Autorin bereits 41 Jahre alt. Der größte Teil des Bandes umfasste die drei Versepen, mit denen Droste noch ganz in der Tradition des biedermeierlichen Zeitgeschmacks stand, dazu kamen vier weitere Gedichte sowie acht Geistliche Lieder. Die Versepen, Das Hospiz auf dem großen St. Bernhard, das die damalige Alpenbegeisterung aufnimmt, Des Arztes Vermächtniß und Die Schlacht in Loener Bruch, ein Epos aus dem 30jährigen Krieg, entstanden während der 1830er Jahre in oft mühevoller, langwieriger Kleinarbeit. Dennoch waren an Entstehung der Versepen erste Überlegungen zur Veröffentlichung gebunden. Doch Droste war äußerst skupulös - eine Frau, noch dazu eine Adelige, als Dichterin, das stieß auf viele Vorbehalte. Nur mithilfe fortwährender Ermunterung, insbesondere durch den Münsterer Philosophiedozent Christoph Bernhard Schlüter, der in den 30er Jahren ihr Hauptansprechpartner in Literaturfragen war, konnte die Publikation schließlich abgeschlossen werden. Schlüter hatte an der Fertigstellung der Druckvorlage, an Auswahl und Anordnung der Gedichte sowie an der Überwachung des Druckprozesses großen Anteil. Im August 1838 war es dann soweit: Der Band im Münsterschen Aschendorff-Verlag und Annette von Droste-Hülshoff war gedruckte Dichterin. Freilich waren von ihrem Namen nur die Initialen auf dem Titelblatt zu lesen, darauf hatte die Mutter bestanden. Dies führte allerdings nicht dazu, dass sie als Autorin unentdeckt blieb. Viel Ruhm allerdings brachte ihr dieser erste Schritt vors Publikum schließlich nicht ein. Ganze 64 Exemplare wurden verkauft und aus dem Familienkreis gab es z.T. verletzende Kritik: Man erklärte alles für reinen Plunder, für unverständlich, confus, und begreift nicht, wie eine, scheinbar vernünftige, Person solches Zeug habe schreiben können. Ein unangenehmes Nachspiel gab es 1844, als der Verleger Hüffer seine Rechte geltend machte, da Droste ohne Absprache Texte der 1838er Ausgabe in ihre zweiten Gedichtausgabe übernommen hatte und nun gezwungen war, die Restbestände aufzukauen.
Epen
Gedichte vermischten Inhalts
Geistliche Lieder nach den Sonn- und Festtäglichen Evangelien (Proben aus einem größeren Ganzen)
Ausgabe 1838
Die Darstellung der Gedichttexte folgt jeweils dem Erstdruck in der Ausgabe:
Gedichte von Annette Elisabeth v. D... H.... . Münster: Aschendorff'sche Buchhandlung 1838.


