Archivpädagogik

Im Rahmen der archivischen Öffentlichkeitsarbeit nimmt die Archivpädagogik, also die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern, z.T. auch mit Kindergartenkindern, einen hohen Stellenwert ein. Sie eröffnet die Möglichkeit, Heranwachsende mit den Aufgaben und der Arbeitsweise von Archiven vertraut zu machen und Hemmschwellen beim Besuch von Archiven frühzeitig abzubauen. Gleichzeitig können die jungen Leute ihr Wissen als Multiplikatoren auch an ihre Eltern, weitere Familienmitglieder und Freunde weitergeben. Von daher ist es wünschenswert, dass jeder in seiner Schulzeit ein Archiv besucht und kennenlernt. Die Möglichkeiten reichen von einer einfachen Archivführung bis zu mehrstündigen Modulen und größeren Projekten.

Das besondere Angebot der Archive besteht darin, authentische Quellen zu bieten und den Konstruktions-Charakter von Geschichte deutlich zu machen. Kinder und Jugendliche werden zum kritischen Umgang mit Medien und bestenfalls sogar zum forschenden Lernen angeregt. Diesen Möglichkeiten stehen auf der anderen Seite Schwierigkeiten beim Umgang mit alten Schriften und bei der Interpretation von originalen Texten, deren Entstehungszusammenhänge und Hintergründe Kindern nicht kennen, gegenüber. Schließlich muss das archivische Angebot auch den Anforderungen des Lehrplans entsprechen. Von daher empfiehlt sich eine enge Abstimmung mit Lehrkräften. Um nicht zu viel Zeit in die Auswahl und Aufbereitung geeigneter Materialien zu investieren, ist es sinnvoll, vor allem solche Module zu entwickeln, die sich wiederholt in wechselnden Gruppen einsetzen lassen.

 

Arbeitskreise – Informationen – Tagungen

1998 haben sich die bundesdeutschen Archivpädagogen im Arbeitskreis Archivpädagogik beim VdA zusammengeschlossen. Einmal im Jahr richtet dieser Arbeitskreis an wechselnden Orten eine Archivpädagogenkonferenz aus, die für alle Interessenten offen ist. Auf seiner Internetseite finden sich eine Bibliographie zur Archivpädagogik und eine Sammlung von Praxisbeispielen. Außerdem gibt der Arbeitskreis einen Newsletter heraus.

Seit 2011 sind die Archive vom Schulministerium NRW offiziell als Bildungspartner für Schulen anerkannt. In einer von den kommunalen Spitzenverbänden unterstützten Initiative sind die Archive aufgefordert, als außerschulische Lernorte den Unterricht zu bereichern und zu verbessern. Schließen sie mit einzelnen Schulen schriftlich eine Vereinbarung, in der sich beide Seiten zu regelmäßigen Kooperationen verpflichten, können beide Institutionen für sich das Label „Bildungspartner“ erhalten. Nähere Informationen zu den Bildungspartnerschaften mit vielen Anregungen bietet die Medienberatung NRW auf ihrer Internetseite.

Alle zwei Jahre veranstaltet die Medienberatung NRW einen Bildungspartnerkongress, auf dem verschiedene Bildungseinrichtungen mit ihren Partnerschulen Praxisbeispiele vorstellen.

Einmal im Jahr veranstaltet das Landesarchiv Baden-Württemberg die Karlsruher Tagung für Archivpädagogik, die aus einem mehr theoretisch ausgerichteten Teil in Workshops und Plenum und dem sogenannten „Markt der Möglichkeiten“ besteht, auf dem Schulen und Archive ihre Angebote und Projekte vorstellen.  Die Tagung wendet sich zunächst an Archivmitarbeiter und Lehrer aus diesem Bundesland, ist aber ebenfalls für alle Interessierten offen.

Um den Schulen die Suche nach außerschulischen Lernorten zu erleichtern, bietet das LWL-Medienzentrum für Westfalen eine pädagogische Landkarte an. Auch Archive mit einem entsprechenden archivpädagogischen Angebot können sich dort eintragen lassen.

 

Einführungen

Um Schülerinnen und Schülern den Zugang zu Archiven zu erleichtern und einen Archivbesuch vorbereiten zu können, bietet die Plattform „Westfälische Geschichte“ verschiedene Einführungstexte an. 

Einführungstexte Was ist ein Archiv?
  Archivrundgang
Einführungsfilm

„Vergangenheit wir kommen“, besonders V 5 – V 8 zum Archiv im engeren Sinne

 

Wettbewerbe und Förderprogramme

Eine besondere Chance und Herausforderung bietet seit 1973 allen Archiven und Schulen der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, der alle zwei Jahre zu immer neuen Themen ausgeschrieben wird.

Die Medienberatung NRW vergibt alle zwei Jahre für besonders gelungene Kooperationsprojekte zwischen Schulen und Bildungspartnern den Preis „kooperation.konkret“.

Eine Bildungspartnerschaft  zwischen einem Archiv und einer Schule bietet dem Archiv den Vorteil, dass es für regelmäßige Besuche von Schulklassen desselben Jahrgangs ein bestimmtes Programm entwickeln kann, das sich jährlich wiederholen lässt. Um die Entwicklung solcher Programme, die im Idealfall aus verschiedenen, je nach Bedarf kombinierbaren Modulen bestehen, anzuregen und zu unterstützen, bietet das Ministerium für Frauen, Kinder, Jugend, Kultur und Sport das Förderprogramm „Archiv und Schule“. Zweimal pro Jahr, zum 1. März und zum 1. Oktober, sind die Anträge aus Westfalen beim LWL-Archivamt für Westfalen einzureichen. Die Entwicklung nachhaltiger Module und Projekte wird i.d.R. mit 80 % der Kosten bezuschusst. Nachahmungen  erfolgreicher Projekte anderer Archive sind ausdrücklich erwünscht.