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Notfallmaßnahmen bei Wasserschäden
Das LWL-Archivamt für Westfalen unterstützt seit den 80er Jahren Archive in Notfällen bei der Schadensbegrenzung an Archivgut und – soweit erforderlich – auch bei Bibliotheksgut.
In den meisten Fällen handelt es sich um Wasserschäden, die auf defekte Wasserversorgungs-, Heizungs- und Klimasysteme zurückzuführen sind.
Seltener sind Löscharbeiten nach einem Brand oder naturbedingte Wassereinbrüche von außen die Schadensursache.
Nach einem Wasserschaden ist sofortiges Handeln erforderlich, weil es binnen kurzer Zeit zu gravierenden Schäden an dem betroffenen Schriftgut kommt. Folgen der Durchfeuchtung können das Auslaufen von Tinten und Stempelfarben, das Aufquellen der Materialien und die Deformation der Objekte sein. Das größte Risiko bergen jedoch die überall vorhandenen Schimmelpilzsporen, die bei erhöhter Feuchtigkeit innerhalb von Stunden auskeimen können, das Archivgut durch Abbau und Verfärbungen gefährden und zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko für Archivare und Benutzer werden.


 
Weißes Schimmelpilzmycel auf dem Rücken von Aktenordnern.
 
Verfärbung einer Akte infolge eines Mikroorganismenbefalls nach einem Wasserschaden.
 
Starkes Wachstum verschiedenster Schimmelpilzarten auf gerollten Urkunden infolge eines Feuchtigkeitsschadens, der lange Zeit unbemerkt blieb.
 
Für Sofortmaßnahmen stehen im LWL-Archivamt für Westfalen Notfallboxen bereit, die die wesentlichen Hilfs- und Verpackungsmaterialien beinhalten, um eine rasche Handlungsfähigkeit vor Ort zu gewährleisten.
Hilfsmaterialien für den Notfall lassen sich am besten in stapelbaren Boxen aus Kunststoff oder Aluminium aufbewahren und transportieren.
 
Zur Ausstattung der Notfallboxen gehört u.a. Schutzbekleidung für die Helfer.
 
Ziel ist es, die wassergeschädigten Archivalien möglichst unverzüglich sachgerecht zu verpacken und einzufrieren. Das Tieffrieren stabilisiert den Zustand des Schriftguts und lässt Raum für die Planung weiterer Maßnahmen.
Zur Vorbereitung des Tieffrierens müssen folgende Maßnahmen schnellstmöglich getroffen werden:


►1.Wassergeschädigte Objekte sollten wegen ihrer Empfindlichkeit nicht geöffnet und möglichst wenig bewegt werden.


►2.Das wassergeschädigte Schriftgut muss möglichst einzeln mit Stretchfolie umwickelt oder in Kunststoffbeutel verpackt werden (s. Anleitung zur Verpackung von durchnässtem Archiv- und Bibliotheksgut mittels Stretchfolie). Die zusammengefassten Einheiten sollten aus Gründen der besseren Handhabung und schnelleren Trocknung ca. 10 cm Stärke nicht überschreiten.
  • Formierte Akteneinheiten sollten keinesfalls zerlegt werden.
  • Bücher sollten unbedingt einzeln und formgerecht verpackt und liegend nach Größe gestapelt werden, um Deformationen zu vermeiden. Sie werden unmittelbar vor der Gefriertrocknung im LWL-Archivamt für Westfalen mit Papiermanschetten umwickelt, um das Verziehen der Buchdeckel während der Trocknung zu verhindern.
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    Durchnässte Bücher sollten einzeln in Kunststoffbeutel oder Stretchfolie verpackt werden. Für den Transport und eventuell auch für die Tiefkühllagerung auf Paletten bieten sich stapelbare Boxen an.
     
  • Pergamenturkunden sind möglichst in ihren jeweiligen Behältnissen zu belassen, um mit diesen gemeinsam eingefroren zu werden.
  • Größere Mengen fotografischen Materials sollten möglichst in wiederverschließbare Minigrip oder andere Polyethylen-Beutel in kleinen Einheiten verpackt und tiefgefroren werden. Davon ausgenommen sind Glasplatten-Negative, Ambrotypien, Ferrotypien und Daguerreotypien, die keinesfalls eingefroren werden dürfen.

    Es ist darauf zu achten, dass die empfindliche Bild - bzw. Schichtseite nicht berührt wird. Kleinmengen sind möglichst an der Luft zu trocknen. Hierzu werden die Objekte mit der Bild- oder Schichtseite nach oben auf sauberen, saugfähigen Unterlagen ausgelegt oder an einer Leine aufgehängt.
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    Verschiedenste Fotomaterialien können mit der Bild-/Schichtseite nach oben auf saugfähigem Unterlagen, wie z.B. Löschkarton getrocknet werden.
     
    Dia-Positive sind nach Möglichkeit zu entrahmen und offen zu trocknen. Ist dies aufgrund der Menge nicht möglich, sollten auch sie eingefroren werden. Die weitere Vorgehensweise in Bezug auf das Trocknungsverfahren ist in allen Fällen mit einem Fotorestaurator abzusprechen.


    ►3.Die verpackten Einheiten werden in Transportbehälter bzw. Umzugskartons gepackt (Format zweckmäßigerweise ca. B 36 cm, L 56 cm, H 47 cm). Dies gewährleistet optimale Transport- und Lagermöglichkeiten auf Europaletten. Wesentlich ist, dass beim Einsatz von Umzugskartons kein Wasser aus den Kunststoffbeuteln austreten kann, da die Feuchtigkeit Stapelfähigkeit und Stabilität der Kartons beeinträchtigt. Bei starkem Durchnässungsgrad sollten die verpackten Einheiten daher zusätzlich in Kunststoffbeutel (z.B. Müllsäcke) eingebracht werden.Alternativ können Kunststoff- oder Gitterboxen im Format von Euro-Paletten direkt befüllt werden. Gitterboxen sollten zuvor mit dämmendem Material, z.B. Karton oder Luftpolsterfolie, ausgelegt werden, um das Archivgut vor mechanischen Beschädigungen zu schützen. Solche Boxen können bei Speditionen gemietet werden.


    ►4.Die Behälter sollten bereits vor Ort oder im Gefrierhaus auf genormte Europaletten (B 80 cm, L 120 cm) gepackt werden. 4 der oben genannten Umzugskartons oder Transportbehälter bilden je eine Lage, drei dieser Lagen (=12 Behälter) ergeben eine Palettenhöhe von max. 180 cm, die nicht überschritten werden darf. Zur Stabilisierung werden die Paletten mit Stretchfolie umwickelt. [siehe unten]


    ►5.Eine listenförmige Kurzaufnahme des geschädigten Archivgutes und die zugehörigen Paletten- oder Stellplatznummern ermöglichen einen gezielten Zugriff auf dringend benötigtes Schriftgut im Gefrierhaus.


    ►6.Adressen von Gefrierhäusern:

    Im Branchenverzeichnis unter dem Stichwort "Tiefkühlhäuser"-
    "Verband der Kühlhäuser und Kühllogistikunternehmen", Schedestr. 11, 53113 Bonn,
    Tel.: 02 28 / 20 16 6-0,
    Fax: 02 28 / 20 16 6-11,
    Internet :
    www.vdkl.com



    Das LWL-Archivamt für Westfalen arbeitet zusammen mit dem Tiefkühlcenter Everswinkel GmbH
    Münsterstr. 46,
    48351 Everswinkel,
    Tel.: 02582 / 66220
    Fax.: 02581 / 662220.


    Für die Weiterbehandlung verfügt das LWL-Archivamt für Westfalen über eine leistungsfähige Vakuum-Gefriertrocknungsanlage, mit deren Hilfe wassergeschädigtes Schriftgut schonend getrocknet werden kann. Die Anlage kann auch von Institutionen außerhalb Westfalens genutzt werden.
    Im Schadensfall sollten Einzelheiten sofort mit den Mitarbeitern des LWL-Archivamts für Westfalen abgestimmt werden, die beratend und auf Wunsch auch innerhalb weniger Stunden am Schadensort tätig werden können.


    Bei Wasserschäden an Archivalien können Sie sich bei folgenden Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen telefonisch melden:
    R. Sand 0251/591-4010,
    außerhalb der Dienstzeit: 0173 - 519 46 21 oder 02504 - 5861

    B. Geller 0251/591-4009,
    außerhalb der Dienstzeit: 0251-79 56 37.
     
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    Anleitung zur Verpackung von durchnässtem Archiv- und Bibliotheksgut mittels Stretchfolie
    Vor dem Einfrieren sollten Akten und Bücher mit Stretchfolie umwickelt und in kleinen Einheiten zusammengefasst werden.

    Der Folienabroller kann mittels einer Halterung und einer Zwinge am Tisch befestigt werden. Sinnvoll ist es, zu Zweit zu arbeiten: Während eine Person die Akten bzw. Bücher auflegt, wendet die zweite Person den wachsenden Stapel um (Bild 2 - 6). Die Stapel sollten aus Gründen der besseren Handhabung und des Gewichts nicht zu umfangreich werden.

    Abbildung 1-8
     
    Bild 1
     
    Bild 2
     
    Bild 3
     
    Bild 4
     
    Bild 5
     
    Bild 6
     
    Bild 7
     
    Bild 8: Befestigungsmöglichkeit des Folienabrollers auf dem Arbeitstisch.
     
    Ausstattung der Notfallboxen (Auswahl)
    Der Inhalt der Notfallboxen sollte im Hinblick auf Art und Menge der Materialien der Bestandsstruktur angepasst werden. Gleiches gilt für die Auswahl der Schutzausrüstung für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
     
      Schutzausrüstung
    Gummistiefel
    Einwegoveralls oder wasserdichte Bekleidung
    Arbeitshandschuhe
    Vinyl-Handschuhe
    Einweghauben / Schutzhelme
    Einwegschürzen, Einwegüberschuhe
    Feinstaubmasken (Klasse P2)
    Erste-Hilfe-Kasten
      Dokumentation
    Diktiergerät mit Kassetten
    Fotoapparat / Videokamera
      Kennzeichnung
    Notizblocks + lose Zettel
    Selbstklebeetiketten
    Kugelschreiber, Bleistifte (Anspitzer und Radiergummis)
    Faserschreiber (wasserfest)
      Verpackungsmaterial
    Baufolie (möglichst großformatig zum Abdecken)
    Stretchfolie zum Verpacken der Objekte
    (Rolle à 300 m Länge, 45 cm Breite, mind. 20 μ Stärke)
    Folienabroller mit Befestigungsmöglichkeit und Zwinge
    Kunststoffsäcke (bspw. Müllbeutel, 90 - 120 μ Stärke)
    Druckverschluß-Beutel zur Verpackung von fotografischem Material (10 x 24 cm, 30 x 35 cm)
    Folienzuschnitte (z.B. 60 x 80 cm)
    Packbandabroller, Packband
    Gummibänder, Paketschnur
      Werkzeug
    Werkzeugtasche
    Scheren, Cuttermesser + Ersatzklingen, Einwegskalpelle
      Geräte
    Handlampe (Batterien)
    Arbeitsleuchten
    Kabeltrommeln
    Mehrfachstecker
      nach Bedarf zu organisieren
    Wasserpumpe
    Wassersauger
    Notstromgenerator
    Gebläse, Luftentfeuchter
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