Der LWL vor 50 Jahren

1967: Gründung der Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V.

Um psychisch Kranke nach ihrer Genesung und ihrer Entlassung aus den westfälischen Landeskrankenhäusern bei ihrer Wiedereingliederung und Resozialisierung zu fördern und ihre sozialen Interessen in der Öffentlichkeit zu vertreten, wurde 1967 innerhalb des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe im Landeskrankenhaus (LKH) Gütersloh die „Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V.“ gegründet.

Den Anstoß zur Gründung der Gesellschaft gaben Patienten einer offenen Männerstation des LKH Gütersloh, nachdem eben jene Problematik der Wiedereingliederung von psychisch Kranken in die Gesellschaft Kernthema der dort täglich geführten Diskussionsstunden, bestehend aus dem Klinikpersonal und den Patienten selbst, war.

Diese „Therapeutische Gemeinschaft“, demokratisch geführt von Patienten, Pflegern und Ärzten gleichermaßen, verabschiedete so am 27. April 1967 eine Satzung, die es sich zum Ziel erklärt hatte, vor allem die Vorurteile gegenüber psychisch Kranken abzubauen. Innerhalb Deutschlands war sie somit die erste Institution dieser Art, im Ausland existierten solche Gesellschaften schon länger.

Der Zweck dieser Gesellschaft sollte durch folgende Punkte vornehmlich erreicht werden:1

  • Einflußnahme auf die in der Öffentlichkeit herrschenden Vorurteile gegenüber den psychisch Erkrankten und den zur Behandlung dieser Kranken geschaffenen Institutionen.
  • Förderung von Maßnahmen zur Vorbeugung, Erkennung und Behandlung psychischer Erkrankungen.
  • Einflußnahme auf Gesetzgebung und Verwaltung im gleichen Sinne.
  • Lebenshilfe und Betreuung für psychisch Erkrankte.
  • Förderung von Einrichtungen, die der Rehabilitation von psychisch Kranken dienen.  

 

Vor allem die in der Öffentlichkeit weit verbreitete Befangenheit, dass Geisteskrankheiten unheilbar seien und nur durch schlechte Erbanlagen entstehen, sollten aufgeklärt werden.

 Im Zuge der ersten Sitzung in Gütersloh, an welcher etwa 100 Personen teilnahmen und wovon die Hälfte der anwesenden Teilnehmer Patienten waren, wurde Prof. Dr. Winkler, Direktor des LKH Gütersloh, zum Vorsitzenden der Gesellschaft gewählt. Desweiteren erhielten drei Patienten einen Platz in dem aus vier Personen bestehenden Beirat. Um den Beitritt möglichst vielen Personen zu ermöglichen, legte man sich auf einen Jahresbeitrag von 10.- DM fest.

Im regelmäßigen Abstand von zwei Jahren fand die Jahreshauptversammlung statt, in welcher unter anderem die Arbeit der Vergangenheit reflektiert und neue Projekte besprochen wurden.

1976 schloss sich die Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V. mit ihrem niederländischen Pendant zum immer noch heute existierenden „Niederländisch-Deutschen Verein für seelische und geistige Gesundheit“ zusammen.

 

1 aus: Satzung der Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V., LWL-Archivamt für Westfalen, Bestand 620/423

Beitrittserklärung zur Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V. (Quelle: Satzung der Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V., LWL-Archivamt für Westfalen, Bestand 620/423)

Quelle:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/186
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/203
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/225
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/833
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 620/423

 


Dieser Text ist Teil der Serie „Der LWL vor 50 Jahren“, in der die Auszubildenden zum/zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FaMI) – Fachrichtung Archiv des LWL-Archivamtes für Westfalen Einblicke in die Geschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) geben.