Altertumskommission für Westfalen
 

Foto eines Hohlwegs im Johannistal in Bielefeld
Hohlweg im Johannistal in Bielefeld (Foto: WMfA)

Projekte

4. Wegeforschung

Die Wegeforschung stellt ein neueres, aber um so wichtigeres, Forschungsfeld der Altertumskommission dar. Sie ist eng verknüpft mit der Burgenforschung, da Befestigungen meist in ein engmaschiges Wegenetz eingebunden sind. Wege sicherten die Kommunikation und die Versorgung, brachten aber auch Gefahren. Wege und Wallanlagen hängen so stark voneinander ab, dass auf die Frage, ob nun eine Burg existiert, um den Weg zu sichern oder ob der Weg existiert, um die Burg mit der Außenwelt zu verbinden, oft keine Antwort möglich ist.

Die Einführung des Denkmalschutzgesetzes 1980 führte zur Eintragung vieler Hohlweg- und anderer Wegreste in die Denkmalliste. Leider fehlt der Denkmalpflege die Zeit, die vielen Fragmente zu Wegstrecken zu vervollständigen und chronologisch zu bewerten. Hier kann sich die Altertumskommission mit ihrem Potenzial sinnvoll einbringen.

Daraus ergab es sich, dass der Vorstand auf der Jahreshauptversammlung 2000 den Mitgliedern Überlegungen vorstellte, in die Wegeforschung einzusteigen. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit den Außenstellen des Westfälischen Museums für Archäologie/Amt für Bodendenkmalpflege vorgesehen.


Wege-Kolloquium 2000

Der Einstieg in das Thema Wegeforschung gelang durch ein von der Altertumskommission und dem Westfälischen Museum für Archäologie/Amt für Bodendenkmalpflege veranstaltetes Kolloquium, das am 30. November und 1. Dezember 2000 in Münster stattfand. Dieses Kolloquium diente dem Ziel, notwendige methodische Fragen vorab zu klären. Zu diesem Zweck wurden vor allem erfahrene Wissenschaftler, die sich außerhalb Westfalens bereits mit der Wegeforschung beschäftigt hatten, eingeladen und mit lokalen Forschern zusammengebracht. So wurden Wegesysteme aus sehr verschiedenen Epochen und mit unterschiedlichsten Funktionen besprochen, so z.B. der vorgeschichtliche Ochsenweg in Nordeuropa, die Römerstraßen im Rheinland und der Schweiz und die mittelalterlichen Jakobspilgerwege in Europa. Die Ergebnisse wurden 2002 in der Reihe "Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen" veröffentlicht und fanden viel Beachtung.


Offzielles EU-Symbol zur Ausschilderung der Wege der Jakobspilger
Offzielles EU-Symbol zur Ausschilderung der Wege der Jakobspilger

Wege der Jakobspilger

Wege sind eine sehr beständige Erscheinungsform. Sie können über lange Zeit hinweg einen mehr oder weniger identischen Verlauf gehabt haben. Abweichende Trassen fanden spätestens an so genannten Zwangspunkten wieder zusammen. Solche "Zwangspunkte" sind z. B. günstige Flussübergänge, trockene Stellen durch mooriges Gebiet und Bergpässe.

Aus diesem Grund ist es sinnvoll, innerhalb der Wegeforschung mit der Untersuchung junger Wegstrecken zu beginnen und sich dann Schritt für Schritt zu den älteren, früh- und vorgeschichtlichen vorzuarbeiten.

Das erste Projekt der Altertumskommission im Rahmen der Wegeforschung ist die Untersuchung der "Wege der Jakobspilger in Westfalen". Angesichts der Aktualität dieses Themas (der Europarat hat zur Erforschung der Jakobswege aufgerufen), die durch steigende Zahlen von Santiago-Pilgern unterstrichen wird, wurde auf der Jahreshauptversammlung 2001 die Aufnahme dieses Arbeitsfeldes in das Programm der Kommission von den Mitgliedern beschlossen.

In Anlehnung an die Arbeiten des Landschaftsverbandes Rheinland werden nun durch interdisziplinäre Forschungen alte Wegstrecken nachvollzogen und sollen schließlich einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Dies soll über eine Publikation in Form eines informativen und wissenschaftlich fundierten Wanderführers erreicht werden. So können heutige Pilger bzw. kulturgeschichtlich, historisch und archäologisch Interessierte den Weg der mittelalterlichen Pilger nach Santiago de Compostela vollständig oder in Teilen nachvollziehen.

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