Altertumskommission für Westfalen
3. Burgenforschung
Die ersten Ausgrabungen der Altertumskommission auf westfälischen Befestigungsanlagen wurden teilweise unter der direkten Mitwirkung des Hannoveraner Museumsdirektors Carl Schuchhardt durchgeführt. Hier stand anfangs die Frage im Mittelpunkt, ob es sich um Anlagen aus der Zeit der römischen Okkupation oder solchen aus der Phase der fränkisch-sächsischen Auseinandersetzungen während des frühen Mittelalters handelt.
Richtungsweisend für das Feld der Burgenforschung waren seit der Gründung der Altertumskommission die bereits seit einiger Zeit in Niedersachsen laufenden Arbeiten, die in dem bedeutenden Werk von C. Schuchhardt und A. von Oppermann "Atlas vorgeschichtlicher Befestigungen in Niedersachsen" von 1888 ihren Niederschlag fanden.
Die Burgenforschung ist bis heute ein wichtiges Betätigungsfeld der Altertumskommission. Bei vielen Wallburgen handelt es sich um Höhenbefestigungen, die keiner intensiven landwirtschaftlichen oder baulichen Nutzung unterzogen sind. Dadurch liegen sie nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit der amtlichen Bodendenkmalpflege.
Inventarisierung
Die Inventarisierung der westfälischen Burganlagen erfolgte anfangs über die Gründung einer Atlaskommission. Das Ergebnis dieser und folgender Forschungen liegt der Altertumskommission heute in ausführlichem Archivmaterial in Form von Berichten über Begehungen und Ausgrabungen sowie von Vermessungsplänen vor.
Vermessung
Die Vermessung von Befestigungsanlagen wurde gleichzeitig mit der systematischen Erforschung der westfälischen Burgen in Angriff genommen und nimmt auch heute noch einen wichtigen Teil der Arbeit der Altertumskommission ein.
Umfangreiches Kartenmaterial aus den Anfängen bis heute steht der Kommission inzwischen zur Verfügung.
So konnte im Herbst 2003 die Iburg bei Bad Driburg vermessen werden. 2004 konnte unter anderem auch die Vermessung der eindrucksvollen lippischen Befestigungsanlage Falkenburg bei Detmold abgeschlossen werden. Zu den aktuellen Projekten gehört die Aufmessung des Wallsystems auf dem Schafsköppen bei Rüthen-Kallenhardt im Kreis Soest.
Datierung
Mit der planmäßigen Untersuchung der ersten Burganlagen wurde schnell klar, dass diese nur selten in einer einzelnen Phase genutzt wurden. Oft steht der Betrachter und Ausgräber vor einem komplizierten System verschiedener Bauphasen, deren Nutzungszeit mehr oder weniger lang war. So wurde beispielsweise die Babilonie bei Lübbecke, Kr. Minden-Lübbecke, sowohl in der Eisenzeit (ca. 800 v.Chr. bis um Christi Geburt) als auch während des frühen Mittelalters bewohnt. Gerade um in solchen komplizierteren Fällen Klarheit zu gewinnen, bietet es sich an, neben den herkömmlichen archäologischen Datierungsmethoden (Stratigraphie, typologisch festlegbare Fundstücke) auch naturwissenschaftliche Methoden hinzuzuziehen. Daher hat die Altertumskommission bereits mehrfach Radiokarbonmessungen (14C-Methode) in Auftrag gegeben. 2004 wurden zum Beispiel Proben einer im Stadtkern von Soest vorgefundenen, aus der Jungsteinzeit stammenden, Grabenanlage untersucht.
Frühe Burgen in Westfalen
Die Ergebnisse der westfälischen Burgenforschung werden seit 1983 in der von der Altertumskommission herausgegebenen Reihe "Frühe Burgen in Westfalen" veröffentlicht und so einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.