Freiheit

Was bedeutet Freiheit eigentlich in der heutigen Gesellschaft?

Was bedeutet Freiheit hier in der Klinik?

Wer hier auf einer geschlossenen Station ist, weiß was es bedeutet eine Eingangstür einfach zu öffnen, ohne zu fragen, ob sie einer aufschließen kann. In unserm normalen Alltag -außerhalb der Klinik- ist es ganz normal, dass alle Türen offen sind oder dass wir zu Freunden gehen, wann wir wollen. Diese Freiheit haben wir hier nicht und diese Freiheit werden wir hier auch nie haben.

Wo wir in unserem Leben normalerweise Freiheit haben, ist sie hier oft nicht, aber auch wenn wir hier weniger Freiheit haben, ist es umso schöner, wenn man entlassen ist und man wieder alle Freiheiten hat, die man vorher auch hatte und man schätzt seine Freiheit viel mehr, als vor dem Klinikaufenthalt. Denn, wenn man hier auf einer geschlossenen Station war, weiß man wie viel es bedeutet einfach eine Türklinke runter drücken zu können, um die Tür zu öffnen.

 

Cathi

Fliegen wie ein Vogel

Ich schaute auf meine Uhr. Wir hatten ein Uhr am Mittag und ich war immer noch unterwegs. Mutter würde mit mir schimpfen – Ich würde zu spät zum Mittagessen kommen. Also ging ich einen Schritt schneller. Durch die vertrauten, grauen Straßen.

Als ich vor unserem Haus stand, drehte ich mich um und blickte über die vielen Trabis hinweg auf die Mauer. Die Berliner Mauer.

Sie umschloss uns, um uns zu schützen. Doch sie engte uns ein. Aber manchmal, wenn wir Pakete von Tante und Onkel aus dem Westen bekamen; in denen bestimmte Süßigkeiten versteckt waren, vergaßen wir ihre Anwesenheit. Wir lebten in dieser grauen Welt, während unsere Verwandten, gar nicht mal so weit entfernt, in einer Welt voller interessanter Sachen lebten. Die Pakete waren Lichtblicke und wir warteten sehnlichst auf ein Wiedersehen mit unseren Verwandten.

Natürlich bekam ich Ärger, wegen meiner Verspätung; aber Gott sei Dank, durfte ich noch etwas essen.

Der Tag verging schnell; Schulaufgaben, Hausarbeiten – und schon stand unser abendliches Ritual an. Die Tagesschau gucken und danach lesen. Meine Schwester und ich saßen neben Vater auf dem Sofa – Mutter saß im alten Ohrensessel. Wir langweilten uns wie jeden Abend und zappelten mit unseren Beinen während der Tagesschau.

Plötzlich war es still um uns. Normalerweise kommentierte Vater alles, was der Moderator sagte und Mutter stimmte zu. Nun, war außer dem Fernseher nichts zu hören. Ich schaute meinen Vater an und er saß dort; mit offenem Mund und schaute wie hypnotisiert auf unseren Fernseher. Endlich hörte ich hin. „Die Grenzen sind offen!“, schrie Vater plötzlich, sprang auf und umarmte Mutter.

Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Moment jemals erleben würde. Mein ganzes Leben lang lebte ich nun schon mit der Mauer.

Als wir endlich, nach viel Gedrängel und Warterei unsere anderen Familienmitglieder in die Arme schlossen, spürte ich ein Kribbeln in meinem Bauch und bekam eine Gänsehaut. Ich fühlte mich noch nie so glücklich und stark.

Dies musste Freiheit sein.

Juls