Schattenkinder

Ein Tag mit Luke : Teil 1

Ich war heute bei meinen Freunden. Sie wohnen etwas weiter weg von mir, weswegen  ich sehr oft mit dem Bus dorthin fahre. Aber heute war der Tag irgendwie anders, er war irgendwie besonders. Ich konnte es nicht in Worte fassen, aber jetzt musste ich mich erstmal beeilen. Denn mein Bus kam in zehn Minuten und ich hatte keine Lust eine Stunde auf ihn zu warten. Also rannte ich schnell zu Bushaltestelle und stellte fest, dass ich sehr schnell war. Also konnte ich mich doch noch etwas hinsetzten und mich entspannen.

Dies tat ich auch: ich setzte mich auf den Stuhl, der dort stand. Kurz schloss ich meine Augen, ich sah einen Ausschnitt des Tages vor meinen Augen und musste grinsen. Meine Gedanken wurden durch ein Räuspern gestört. Ich zuckte kurz zusammen, öffnete dann aber meine Augen und sah neben mir. Dort stand ein Junge mit einer Reisetasche in der linken Hand. Er müsste genauso alt sein wie ich, er hatte dunkles Haar und braune Augen, in denen man Verunsicherung und Spannung sehen konnte.
Er sah mich erwartungsvoll an, was wollte er jetzt von mir? Sehe ich komisch aus? Ich schaute erwartungsvoll an mir herunter, fand aber nichts. Ich hatte eine blaue Jeans, ein weißes Top und meine schwarze Lederjacke an. Nichts Außergewöhnliches, denn sonst fand ich nichts Komisches an mir. Erwartungsvoll blickte ich wieder auf, er guckte mich immer noch an. So langsam stieg die Wut in mir auf und so fasste ich dann das erste Wort. „Ist irgendwas, oder warum guckst du mich so an?“, fragte ich mit einer gereizten Stimme. Bei meinen Worten zuckte er kurz zusammen. „Ä-Ähm  i-ich… Entschuldigung. Aber ich hätte da eine Frage: Wie kommt man denn hier weg, ohne den ganzen Weg zu laufen?“, fragte der Junge mich, er sah sich kurz um und dann wieder zu mir. Ich musste schmunzeln; jeder wusste doch, dass wir mit dem Bus, Fahrrad oder sonst irgendwas fahren. Wieso stellte er mir dann so eine dumme Frage? „Das weiß doch jeder hier! Setzt dich einfach hin und warte auf den Bus, der gleich kommt.“ Ich versuchte nicht unfreundlich oder genervt zu klingen, denn das war ich auf keinen Fall. Ihr müsst wissen, meine Eltern legten sehr viel Wert immer freundlich zu anderen Leuten zu sein. Sie sagten immer „Behandle jeden genauso, wie du behandelt werden willst." Ja, ich war fast immer nett und offen.