Arbeitskreis Sucht und Migration
Nächster Termin:
wird in der
LWL - Koordinationsstelle Sucht
Warendorfer Straße 27
48133 Münster
stattfinden.
Den Termin geben wir in Kürze bekannt!
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Zum ersten Mal traf sich der Westfälische Arbeitskreis "Sucht und Migration" am 26. Oktober 2004 in den Räumen der LWL-Koordinationsstelle Sucht. Dieser Erfahrungsaustausch zur Suchtarbeit mit Migrantinnen und Migranten kam auf Initiative von Teilnehmenden früherer KS-Veranstaltungen zustande. Die jetzige Zusammenkunft diente der weiteren Planung. Auch wurden verschiedene Projekte und Initiative aus dem Themenbereich vorgestellt und diskutiert. Der Arbeitskreis „Sucht und Migration“ wird sich zukünftig alle sechs bis neun Monate treffen. Die Sitzungen sollen zur Hälfte der Diskussion eines speziellen Themas unter der Beteiligung von - auch externen - Referenten dienen. Es soll aber auch Zeit für den informellen Erfahrungsaustausch bleiben.
Unter anderem wurden folgende Themenvorschläge für die nächsten Treffen erarbeitet:
- Einbeziehung von Familienmitgliedern
- Transkulturelle Kompetenz im praktischen Alltagshandeln
- notwendige Personal- und Organisationsentwicklung
- Bearbeitung traumatischer Erlebnisse.
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Der Arbeitskreis „Sucht und Migration“ tagte am 1. Juni 2006 zum dritten Mal. Auf Wunsch der Teilnehmer wurden folgender Themenblock „Geschichte, Kultur, Herkunft der Aussiedler aus den Republiken der ehemaligen Sowjetunion und deren Integration nach der Einreise in Deutschland“ behandelt. Hierzu referierte der Aussiedlerbeauftragte der Evangelischen Kirche von Westfalen, Pfarrer Edgar Born.
Nach dem Vortrag standen Pfarrer Edgar Born, zwei Aussiedlerelter, J. Itkis und N. Berba, aus dem münsteraner Stadtteil Gievenbeck, sowie die Koordinatorin des Modellprojekts SeM, L. Dickmann, zu dem oben aufgeführten Thema Frage und Antwort.
Besonderes Interesse galt den Fragen über
- Familienstrukturen der Aussiedler
- die Rolle der Jungen und Mädchen, Männer und Frauen und ältern Generation innerhalb der Familie
- Fragen der Gewalt und
- Stellenwert des Alkohols im Leben dieser Migrantengruppe.
Die Teilnehmer des Arbeitskreises erfuhren zum Beispiel, dass die Großfamilien, die vor der Aussiedlung noch oft in archaischen Verhältnissen gelebt haben, nach der Migration in der Bundesrepublik getrennt und in verschiedene Orte verteilt wurden. Dies kann zu erheblichen Lücken in der Erziehung der Kinder führen, da die Großeltern im Familiengefüge fehlen.
Bei Betrachtung der Gesprächs- und Streitkultur der Aussiedler und der hier geborenen Einwohnern wurde sichtbar, dass eine Streitkultur im westlichen Sinne von den Aussiedlern nicht erlernt wurde. Konflikte wurden von den „Alten“ immer autoritär geregelt. Dieses Rech steht ihnen auf Grund ihres Alters zu. Und wenn es zu einer Auseinandersetzung unter jungen Menschen kommen sollte wird die Sache ohne staatliche Unterstützung (z.B. Polizei, Gericht) geregelt. Hier kommt oft die Anwendung von Gewalt ins Spiel, den Konflikt beendet nur der Sieg. Auch derjenige der die Auseinandersetzung verloren hat konnte sein Gesicht bewaren, weil er sich vor der Schlägerei nicht gedrückt hat. Diese und andere „Besonderheiten“ werden von den Aussiedler selbst mit dem Begriff Mentalität erklärt.
Zur gewaltbesetzten Konfliktlösung kommt es fast immer wenn Alkohol im Spiel ist. Noch einmal wurde bestätigt, dass Alkohol in der Aussiedlergruppe ein positives Image hat, Gästebewirtung ohne Alkohol ist nicht denkbar (Imageverlust des Gastgebers), zudem wird Alkohol als Heilmittel bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt.
Aus der Sicht der Teilnehmer des Arbeitskreises ist der übermässiger Alkoholkonsum ein generationsübergreifendes Problem.
Unter besonderer Aufmerksamkeit wurde die Frage der sozialen Arbeit mit den Jugendlichen betrachtet. In den Republiken der ehemaligen Sowjetunion wurde diese Arbeit nachmittags in der Schule durchgeführt. Deshalb wurden manche familiäre Defizite durch die Schule ausgeglichen.
In der sozialen Arbeit hier fällt den Aussiedlereltern die geringe Anleitung der Jugendlichen auf, sie wünschen mehr Beziehungsarbeit mit dieser Gruppe in den offenen Jugendtreffs, weil die Jugendliche sich zwischen dem autoritären Erziehungsstil ihrer Eltern und der Freiheit in den Einrichtungen der offenen Jugendarbeit bewegen und die Umstellung zur Selbständigkeit nicht sofort erreichen können.
Die Erklärung einer erfolgreichen Integration mancher Migrantenfamilie basiert auf folgenden Tatsachen. Wenn die hierarchischen Verhältnisse in der Familie gelockert sind und die Kinder mitreden dürfen, trauen sie sich auch in der Schule und Freizeit zu Wort zu kommen. Die Entwicklung eines positiven Bewusstseins ist möglich. Vertreter der erwachsenen Generation nehmen schneller am öffentlichen Leben teil, wenn sie in der alten Heimat gute Bildung und Beruf genossen haben und dadurch Erfahrungen an der Teilnahme im öffentlichen Leben mitbringen. Einstieg in die ehrenamtliche Arbeit begünstigt die Integration ebenfalls.
Folgende Hintergrundinformationen zum Vortrag von Pfarrer Edgar Born können unter www.ekd.de bestellt werden.
Edgar L. Born: Texte zur Aussiedlerarbeit. 3. Ausgabe
Band I (Allgemeines, Verfahren und Jugend) in DIN A4 Format
Band II (Gemeindearbeit mit Aussiedlern und Kultur) in DIN A4 Format
Preis je 1,50 €, Faltblätter zu einzelnen Themen kostenlos.
Für den internen Austausch bekamen die Teilnehmer folgende Fragebögen verteilt
- Rückmeldebogen zum AK „Sucht und Migration“
- Kurzübersicht zum Angebot „Sucht und Migration“
Zusammenfassung der Fragebögen folgt in der nächsten Sitzung.
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Die vierte Sitzung des Arbeitskreises „Sucht und Migration“ am 24.Oktober 2006 bot auf vielfachen Wunsch früherer Teilnehmer/innen einen offenen Erfahrungsaustausch an.
Folgende Themen wurden am Anfang der Sitzung vorgeschlagen:
- Gewalt – Sozialisierung – Traumatisierung – Kränkung
- Substitutionsbehandlung
- praktische Projekte
- Arbeit mit Russlanddeutschen in Wohngemeinschaften
- Supervision
- ressourcenorientiertes Arbeiten mit Russlanddeutschen
- Arbeit mit Dolmetschern in Beratungs- und Behandlungssituationen
Nach einer kurzen Verständigung wurde deutlich, das allgemein ein besonderes Interesse an der gegenseitigen Vorstellung und dem Austausch von praktischen Projekten besteht.
Projekt 1
Von der Drogenhilfe AWO, Kreisverband Mülheim, stellte Heide Neumann ein in Kooperation mit der AWO-Integration gGmbH in Duisburg konzipiertes und geplantes Projekt „Ambulante Rehabilitation für drogenabhängige Menschen schwerpunktmäßig mit Migrationshintergrund“ aus dem Kreis Mühlheim vor.
Hinter diesem Konzept steht die Erfahrung, dass bei Menschen mit Migrationshintergrund eher eine ambulante als eine stationäre Behandlung realistisch und erfolgreich ist, da hier die Vorgaben offener sind.
Mehr über die Arbeit in diesem Projekt erfahren Sie bei H. Neumann, Tel.: 0208/45003-447.
Frau Neumann berichtete auch kurz über die Kooperationsarbeit des AWO Bundesverbandes im Bereich der Suchthilfe mit Russland: Fachkräfte aus den AWO-Drogenhilfeeinrichtungen haben in St. Petersburg in entsprechenden Hilfeeinrichtungen hospitiert.
Projekt 2
Von der AWO Suchtberatung in Mohnheim stellte Stefan Lehmann das AWO-Bundesmodellprojekt „Interkulturelle Öffnung der Suchtberatung“ vor.
Das Projekt wurde an vier Standorten durchgeführt mit dem Ziel, die interkulturelle Öffnung der Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe voran zu treiben.
In Mohnheim wurde in folgenden Schwerpunkten gearbeitet:
- Gewinnung sogenannter „Schlüsselpersonen“ mit Migrationshintergrund
- Aufbau einer Gruppe von Multiplikatorinnen „MultiMo“ (Sprach- u. Kulturmittlerinnen)
- Erstellung muttersprachlicher Informationsmaterialien
- Informationsveranstaltungen für Eltern
- Förderung des ehrenamtlichen Engagements von Migrantinnen und Migranten
(mehr über das Projekt können Sie erfahren auf der Internetseite www.awo.org)
Projekt 3
Von der Beratungsstelle für Alkohol- und Drogenabhängige im Caritasverband für den Kreis Coesfeld e.V. berichtete Wolfgang Schmitz über ein eher kleineres und erfolgreiches Projekt, das in Lüdinghausen durchgeführt wurde.
In dem Projekt geht es vorrangig um eine längerfristige Nachsorge von Aussiedlern, die eine Rehabilitationsbehandlung abgeschlossen haben. Aus der Praxis ist bekannt, dass Aussiedlerpatienten nach einer Rehabilitationsbehandlung ungern eine stationäre Nachsorge in Anspruch nehmen. Eine Erklärung dafür kann der starke Familienzusammenhalt sein und der Wunsch, zur Familie zurück zu kehren. Ein ambulantes Angebot wie im genannten Projekt kann die Lösung zu einer längerfristigen Nachbetreuung sein.
Um den Zugang zu der Zielgruppe zu erleichtern und die Motivation der Teilnehmer zu erhöhen, wird die Gruppenarbeit mit einem Sprachkurs verbunden.
In den gruppentherapeutischen Sitzungen wurden Dolmetscher eingesetzt. Das längerfristige Ziel des Projektes bestand darin, die Teilnehmer an die Gründung eines Selbsthilfekreises heranzuführen.
Weiter Einzelheiten über das Projekt können Sie erfahren in der Beratungsstelle für Alkohol- und Drogenabhängige in Coesfeld bei W. Schmitz Tel.: 02591/235-30.
Projekt 4
Über die Erfahrungen bei der Durchführung von Homepartys mit den Eltern und Angehörigen der spätausgesiedelten Jugendlichen berichtete Ludmilla Dickmann, LWL-Koordinationsstelle Sucht. Homepartys sind eine nichttraditionelle Form der suchtpräventiven Arbeit, die in den Niederlanden erarbeitet und in Münster im Rahmen des Projektes „Sekundäre Suchtprävention mit spätausgesiedelten jungen Menschen in Münster“ eingesetzt wurde.
Die Präventionsmitarbeiterin sucht sich eine Familie vor Ort aus, die Kinder im Alter von 12 bis 22 Jahre hat und sich bereit erklärt, ca. fünf bis sieben Gäste zu sich nach Hause einzuladen. Am Abend kann ein Thema aus dem Bereich der Suchtprävention oder auch der Kindererziehung diskutiert werden. Die Eltern können Erfahrungen austauschen und gemeinsam nach Problemlösungen suchen. Mit der Übergabe eines Gastgeschenkes (Gesellschaftsspiel, Buch usw.) endet der Abend.
Mehr über das Projekt und die Methode erfahren Sie unter www.projekt-sem.de oder bei L. Dickmann Tel.: 0251/591-5384.
Die Berichte wurden interessiert aufgenommen. Die Teilnehmer bezeichneten als positiv die Möglichkeit in einem freien Gespräch nicht nur Fragen zu stellen, sondern auch über Erfahrungen aus ähnlichen Projekten zu berichten und durch Interpretationen zu neuen Vorschlägen zu kommen. Berichte über weitere Projekte werden im Arbeitskreis gern auch weiter angenommen.
Für die künftige Arbeit des Arbeitskreises wurden noch weitere Themen vorgeschlagen, wie „Unterschiede zwischen Angeboten der Suchtbehandlung in Russland und Deutschland“ und Bericht über die Fortbildung „MOVE – MOtivierende KurzinterVEntion bei konsumierenden Jugendlichen“.
Für die nächste Sitzung des Arbeitskreises „Sucht und Migration“, am 23.05.2007, ist das Thema „Rolle der Gewalt im Sozialisationsprozess“ vorgesehen.
Der Arbeitskreis ist für weitere Teilnehmende offen.
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Weitere Informationen erhalten Sie bei
Doris Sarrazin
Tel.: 0251 591 5481
Fax: 0251 591 5484
Mail: doris.sarrazin@lwl.org.
