RAR-Monitoring
„Rapid Assessment and Response“ (RAR) ermöglicht die schnelle Einschätzung einer Situation und eine ebenso rasche Reaktion darauf. In SEARCH II wurde das RAR-Modell deshalb um ein Monitoring-Modul erweitert. Denn mit dem Basis-RAR und der Implementierung erster vorbeugender oder intervenierender Maßnahmen ist die Arbeit für ein Präventionsteam nicht beendet. Gerade Migrantengruppen verändern sich in der Regel in sehr kurzer Zeit. Regelmäßig sollte deshalb die Zusammensetzung und auch die Problemlage innerhalb einer suchtgefährdeten Gruppe von Flüchtlingen, Asylsuchenden oder illegalen Einwanderern überprüft werden. Gleiches gilt für die Art des möglichen Drogenkonsums in solch einer Gruppe. Die Bewertung eingeleiteter Maßnahmen ist unerlässlich. Je nach Situation kann mittels RAR-Monitoring der Erfolg oder der Misserfolg einer Intervention bereits nach einigen Wochen oder Monaten beurteilt werden.
RAR-Monitoring baut das Basis-RAR auf. Da bereits einige Informationen aus dem Basis-RAR vorhanden sind, ist es an verschiedenen Stellen möglich, für das Monitoring den Ablauf zu verkürzen. Deswegen ist auch dieses Modul recht leicht und schnell für Mitarbeiter einsetzbar, die bisher wenig Erfahrung mit wissenschaftlichen Methoden gesammelt haben. Den schematischen Ablauf eines Basis-RARs zeigt die untenstehende Grafik. Der Ablauf des Monitorings ist analog. Gute Vorbereitung vorausgesetzt, kann ein Monitoringprozess in etwas weniger als drei Monaten durchgeführt werden.
Das RAR-Monitoring-Modul wurde wie auch das Basis-RAR vom Trimbos Institut und dem Centrum voor Verslavingsonderzoek aus dem niederländischen Utrecht in Kooperation mit der Koordinationsstelle Sucht beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erarbeitet. Detaillierte Informationen zu Methodik finden Sie in der Erweiterung des SEARCH-RAR-Handbuchs.
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Überprüfung der gewählten Schwerpunktsetzung der Präventionsarbeit |
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Überprüfung eingeleiteter Interventionen |
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Hinweise auf neue, suchtgefährdete Gruppen von Asylsuchenden, Flüchtlingen und illegalen Einwanderern |
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Beurteilung des Erfolgs einer eingeleiteten Maßnahme |
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Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten bei nicht erfolgreichen Interventionen |
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Hinweise auf möglicherweise Erfolg versprechende, neue Interventionsmöglichkeiten |
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Analyse der Ursachen bei erfolgreich verlaufenen Interventionen |
Methodischer Ablauf eines RAR-Monitorings
Geleitet werden die Aktvitäten des RAR-Monitorings von den jeweils vier Schlüsselfragen zum Substanzgebrauch und zu Präventionsmaßnahmen. Der Monitoring-Prozess läuft in zwei Schritten ab. In Schritt 1 geht es um die Sammlung von Informationen über die zu untersuchenden Gruppen von Flüchtlingen, Asylsuchenden und illegalen Einwanderern. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf Veränderungen in diesen Gruppen und möglicherweise neu hinzugekommene, suchtgefährdete Gruppen gelegt. Zum Einsatz kommen hier zunächst nur die vier Schlüsselfragen zum Substanzgebrauch.
Der erste Monitoring-Schritt endet mit zwei Fokusgruppen. Dem geht natürlich die Auswahl von Schlüsselinformanten und die Stichprobenerhebung voraus. Veränderungen in der Situation und beim Substanzgebrauch der Zielgemeinschaft sind das Thema der ersten Fokusgruppe. Dahingegen wird in der zweiten Fokusgruppe über möglicherweise neu hinzugekommene Problemgruppen diskutiert.
Schritt 2 hängt im Detail vom Ergebnis der vorangegangenen Fokusgruppen ab. Festgestellte Veränderungen bei der bisherigen Zielgruppe werden mit einem Kurz-RAR
untersucht. Das betrifft sowohl Verschlechterungen als auch Verbesserungen der Situation. Im ersten Fall geht es um die Feststellung der Ursachen für die Verschlechterung und um die Entwicklung von Handlungsmöglichkeiten. Ebenfalls die Ermittlung der Ursachen, aber auch die Frage, wie mögliche Erfolgseffekte auf breiterer Basis erreicht werden können, sind das Ziel des Kurz-RARs im zweiten Fall. Eine stagnierende Entwicklung innerhalb der bisher untersuchten Gruppe wird durch eine Analyse-Fokusgruppe untersucht.Die Mitglieder der verschiedenen Fokusgruppen sollten einer der folgenden Anforderungen erfüllen: Sie
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stehen professionell in engem Kontakt zur Zielgemeinschaft; |
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haben auf Grund ihrer Position täglich Kontakt mit der Zielgemeinschaft; |
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bekleiden eine zentrale Position innerhalb der Zielgemeinschaft; |
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haben Überblick über mehrere mögliche und vor allem die bisherigen Zielgruppen. |
Werden neue Gruppen von suchtgefährdeten Asylsuchenden, Flüchtlingen und illegalen Einwanderern identifiziert, wird prinzipiell ein neues Basis-RAR eingeleitet. Dies kann allerdings an einigen Stellen verkürzt werden. Viele Informationen werden bereits aus früheren Tätigkeiten bekannt sein. Das ermöglicht beipielsweise, die Zahl der semistrukturierten und der strukturierten Interviews zu reduzieren. Mindestens 15 semistrukturierte und fünf strukturierte Interviews werden dann für ausreichend gehalten. Das setzt den guten Zugang zu und die regelmäßige Präsenz des RAR-Teams in den interessierenden Migranten-Gruppen voraus.
Das Kurz-RAR
Der Hauptunterschied zwischen einem Kurz-RAR und einem Basis-RAR ist der prinzipielle Wegfall der semistrukturierten Interviews. Dieser Schritt zur Informationsgewinnung wird beim Kurz-RAR durch Fokusgruppen-Interviews ersetzt. Dabei handelt es sich zunächst um normale Fokusgruppen mit Schlüsselinformanten und Fachleuten. Zu Beginn der Fokusgruppe werden allerdings die Teilnehmer einzeln auf der Basis von Grids befragt. Eine Diskussion der Antworten ist nicht vorgesehen. Mögliche unterschiedliche Standpunkte und ungeklärte Fragen werden erst im Anschluss an die Befragungen in der Gruppe diskutiert.
Somit besteht der Ablauf eines Kurz-RARs aus folgenden Schritten:
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Stichprobenerhebung, |
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Fokusgruppen-Interviews, |
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strukturierte Interviews, |
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Fokusgruppen. |
Für die einzelnen Elemente im Kurz-RAR gelten dieselben Anforderungen wie im Basis-RAR. Gleiches gilt für die hier nicht einzeln aufgeführte Berichterstattung und Datenverwaltung. Auch die Grids zur Informations-Strukturierung unterscheiden sich nur unwesentlich von denen eines Basis-RARs.
Die Teilnehmenden der Fokusgruppen-Interviews sollten bereits an der zweiten Fokusgruppe des zugrundeliegenden Basis-RARs oder an einer der Fokusgruppen des ersten Monitoringschrittes teilgenommen haben. Denn es geht um die Evaluation bereits eingeleiteter Maßnahmen. Für deren Beurteilung ist Hintergrundwissen erforderlich.
Innerhalb der strukturierten Interviews besteht die Möglichkeit, ein „Scheeball-System“ einzusetzen. Es kann also nach weiteren Informanten gefragt werden. Möglicherweise interessante Informanten können dann zusätzlich semistrukturiert befragt werden, wenn die Interviewer dies für nötig halten.
Weiter bestehende Unklarheiten werden schließlich in der abschließenden Fokusgruppe diskutiert. Zusätzlich geht es darum, die Schlussfolgerungen zu ziehen, die sich aus der veränderten Situation der Zielgruppe ergeben. Das können angepasste Präventionsstrategien, aber auch komplett neue Ansätze sein.
Downloads
-Handbuch 'Rapid Assessment und Response' (RAR) für problematischen Substanzgebrauch unter Flüchtlingen, Asylbewerbern und illegalen Einwanderern. | 2. erweiterte Ausgabe.
Deutsch [1.119 KB] Englisch [894 KB]
-Handbuch 'Rapid Assessment und Response' (RAR) für problematischen Substanzgebrauch unter Flüchtlingen, Asylbewerbern und illegalen Einwanderern.
deutsch [402 KB] englisch [357 KB]
Deutscher und englischer Text des RAR-Handbuchs im PDF-Format. Zusätzlich die im Text dargestellten Fragebögen ("Grids") im RTF-Format.
zip-Datei [1.611 KB]
Weitere Informationen zu den Projekten erhalten Sie bei:
Wolfgang Rometsch
Tel.: 0251 591 4710
Fax: 0251 591 5499
E-Mail: wolfgang.rometsch@lwl.org
