Empfehlungen für die Durchführung eines RAR
Teamzusammensetzung
Das Team eines RAR-gestützten Suchthilfe-Projektes besteht idealerweise aus drei bis vier Mitwirkenden. Einer davon ist der Projekt-Koordinator. Eine unveränderte Teamzusammensetzung für den Projektzeitraum ist wünschenswert. Die Mitarbeiter sollten eine sozialwissenschaftliche Grundbildung besitzen. Alle werden in der anzuwendenden Methode geschult. Die Zusammensetzung des Teams sollte auf die avisierte Zielgruppe abgestimmt sein. Das betrifft beispielsweise Faktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und religiöse Orientierung. In manchen kulturellen Gruppen unter Flüchtlingen, Asylsuchenden und illegalen Einwanderern wäre es beispielsweise nur schwer vorstellbar, eine Frau durch einen Mann befragen zu lassen. Aufgabe der Team-Mitglieder ist es auch, Kontakte zu bereits bestehenden Organisationen und Institutionen zu knüpfen, die mit der zu behandelnden Thematik vertraut sind.
Informationsgewinnung
Informationen sind die Basis eines jeden RAR-gestützten Projektes. Deswegen ist die Art und Weise ihrer Gewinnung ein zentrales Anliegen für das Team. In der Vorbereitungsphase des RAR geht es vor allem darum, Schlüsselinformanten zu finden, Vertrauen zu ihnen aufzubauen und über sie Kontakt zu weitere Personen zu bekommen, die wichtige Informationen geben können. Der Kontaktaufbau folgt dem einer Art von „Schneeballprinzip“. Für die Mitarbeiter des Teams bedeutet dies die häufige und regelmäßige Präsenz an den Orten, die von den Menschen aufgesucht werden, um die sich das Projekt kümmern möchte.
Um überhaupt angemessene Interventions- oder Präventionsstrategien planen zu können, sind Informationen aus fünf Bereichen erforderlich. Diese Bereiche betreffen:
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das Herkunftsland der Flüchtlinge, Asylsuchenden oder illegalen Einwanderer, |
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die Drogenpolitik im Herkunftsland, |
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die Drogenpolitik im Aufnahmeland, |
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die Einwanderungspolitik im Aufnahmeland und |
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die Hilfs- und Interventionsangebote im Aufnahmeland. |
Die hauptsächlich interessierenden Punkte in einem semi-strukturierten Interview stellt die Grafik vereinfachend dar. Mit einem Klick auf die Abbildung erhalten Sie eine größere Ansicht in einem neuen Fenster.
Mit den verschiedenen Techniken der semistrukturierten und strukturierten Interviews sowie der Fokusgruppen, der Einbindung der Schlüsselinformanten und vor allem durch das angestrebte Kontakte-Netzwerk mit den „Betroffenen“ soll ein Informationspool entstehen. Ein so genanntes Cross-Checking, also die Verknüpfung und Überprüfung einzelner mit anderen Informationen, ermöglicht es, deren Relevanz für das Projekt zu beurteilen.
Nur auf diese Weise sind besondere Beschwernisse oder auch förderliche Eigenschaften innerhalb einer sozialen Gruppe zu identifizieren. Würde dieselbe Präventionsstrategie zur Alkoholsucht für die Gruppe von Einwanderern aus den Balkan-Ländern wie auch für moslemische Asylsuchende eingesetzt, wäre deren Scheitern vorprogrammiert. Während in islamischen Kulturen der Genuss von zwei Gläsern Alkohol pro Tag bereits als problematisch gilt, weil Alkohol dort verpönt und geächtet ist, dürfte dieselbe tägliche Alkoholmenge im osteuropäischen Raum als harmlos gelten. Darauf müssen die Team-Mitarbeiter achten und solche Informationen in der Vorbereitungsphase ermitteln. Ähnliches gilt auch für Hintergrundwissen über die Situation der Migranten im Aufnahmeland, etwa wenn das Eingeständnis von Suchtproblemen ihren Aufenthaltsstatus gefährden würde.
RAR-Interview: Was die Interviewer beachten sollten
| 1 | Seien Sie rechtzeitig am vereinbarten Ort, an dem das Interview stattfinden wird. Sorgen Sie für eine möglichst ruhige, störungsfreie Umgebung. |
| 2 | Informieren Sie eventuell eingeschaltete Dolmetscher/-innen über den Hintergrund und den Ablauf des Interviews. Wird das Interview auf Band aufgezeichnet, verwenden Sie ein externes Mikrofon und sorgen Sie für extra Batterien und Bänder. |
| 3 | Stellen Sie den Befragten alle Anwesenden in freundlichem Ton vor. Erklären Sie die Gründe und die Ziele des RAR-Prozesses. Sichern Sie den Befragten zu, dass alles, was besprochen wird, vertraulich behandelt wird. Betonen Sie, dass die Befragten die Experten sind und dass das RAR-Team von deren Kenntnissen, Erfahrungen und Meinungen lernen will. |
| 4 | Drücken Sie sich bei der Fragestellung klar und einfach aus. Lassen Sie dem Befragten Zeit zum Nachdenken und lassen Sie ihn ausreden. |
| 5 | Um empfindliche Themen anzuschneiden, können Sie beiläufig erwähnen, was „andere“ Mitglieder der Zielgemeinschaft über Substanzgebrauch oder bestimmte Verhaltensmuster ausgesagt haben, und den Befragten bitten, dies kritisch zu kommentieren. |
| 6 | Eine gute Methode, um sich zu vergewissern, dass Sie verstanden haben, was der oder die Befragte sagen will, ist die Wiederholung der Antworten in den Worten des/der Befragten. |
| 7 | Seien Sie bei dem Interview ein guter Zuhörer und fragen Sie nach dem „Warum“ und „Wie“. |
| 8 | Wenn sich abzeichnet, dass das Interview länger als geplant dauern wird, fragen Sie die Befragte oder den Befragten, ob das Interview fortgesetzt werden kann. |
| 9 | Sammeln Sie stets demographische Daten, wie Hintergrund, Funktion, ethnische Zugehörigkeit und Status. Mithilfe dieser Informationen lässt sich mitunter eine Verbindung zwischen bestimmten Personentypen und spezifischen Verhaltensweisen herstellen. |
| 10 | Fassen Sie die wichtigsten Themen und Meinungen nach Ablauf des Interviews zusammen. Erkundigen Sie sich, ob der oder die Befragte noch Fragen hat. Es ist wichtig, dass die Mitglieder des RAR-Teams keine Ratschläge oder Antworten erteilen, die nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fallen. |
| 11 | Erkundigen Sie sich, ob der oder die Befragte den besprochenen Themen noch etwas hinzuzufügen hat. |
| 12 | Schließen Sie das Interview mit der Frage ab, ob der oder die Befragte andere Personen kennt, die auch etwas zu dem Thema wissen. |
| 13 | Danken Sie dem oder den Befragten am Ende des Interviews für die Mitwirkung daran. |
Quelle: Bram, Richard; Trautmann, Franz u. Hans Verbraeck (2002): Rapid Assessment and Response (RAR) für problematischen Substanzgebrauch unter Flüchtlingen, Asylbewerbern und illegalen Einwanderern. Ein Handbuch. Münster: Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Koordinationsstelle Sucht.
Organisation der Daten
Schon in der Vorbereitungsphase, stärker noch aber in der Auswertungsphase gewinnt die Organisation gewonnener Informationen an Bedeutung. Dafür wird ein Hauptverantwortlicher bestimmt. Dies wird in den meisten Fälle der Projektkoordinator sein.
Jedes Team-Mitglied muss umfassend über laufende Aktivitäten und die aktuellen Erkenntnisse informiert sein. Deswegen müssen gewonnene Daten standardisiert aufbereitet werden. Für die Projekte von SEARCH und SEARCH II sind dafür so genannte Grids entwickelt worden. Grids sind Musterleitfäden und -fragebögen für die verschiedenen Interviewarten und die Fokusgruppen. Sie liefern den Team-Mitarbeitern Hinweise für die Gestaltung der Gespräche. Vor allem aber ermöglichen sie eine strukturierte Aufbereitung der erhaltenen Informationen. Grids bieten verschiedene Kategorien an, in die die Erkenntnisse eingeordnet werden können. Da alle Mitarbeiter mit den gleichen Grids arbeiten, ergibt sich im Projektverlauf eine Sammlung von Informationen, die nach denselben Prinzipien geordnet sind. Somit werden sie vergleichbar und miteinander kombinierbar.
Download
-Handbuch 'Rapid Assessment und Response' (RAR) für problematischen Substanzgebrauch unter Flüchtlingen, Asylbewerbern und illegalen Einwanderern. | 2. erweiterte Ausgabe.
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-Handbuch 'Rapid Assessment und Response' (RAR) für problematischen Substanzgebrauch unter Flüchtlingen, Asylbewerbern und illegalen Einwanderern.
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Deutscher und englischer Text des RAR-Handbuchs im PDF-Format. Zusätzlich die im Text dargestellten Fragebögen ("Grids") im RTF-Format.
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Weitere Informationen zu den Projekten erhalten Sie bei:
Wolfgang Rometsch
Tel.: 0251 591 4710
Fax: 0251 591 5499
E-Mail: wolfgang.rometsch@lwl.org
