Projekt SeM – Hintergründe
Rund 14 000 Spätaussiedlerinnen und -aussiedler sind seit Ende der 1980er Jahre nach Münster gezogen. Der aktuelle Bevölkerungsanteil der deutschstämmigen Migranten aus den GUS-Staaten liegt bei drei Prozent. Für die Spätaussiedler selbst wie auch für die Stadt bedeutet die neue Situation einen enormen Integrationsaufwand, der durch die veränderten sozialen Strukturen und Sprachprobleme innerhalb der Gruppe der Migranten aus den GUS-Staaten erschwert wird.
Anteil der Spätaussiedler an den Klienten der Drogenberatung über dem Durchschnitt
Suchtproblematiken scheinen bei Spätaussiedlern eine größere Rolle zu spielen als im Bevölkerungsdurchschnitt. Für diese Annahme spricht, dass 20 Prozent der Klienten der kommunalen Drogenberatung aus dieser Gruppe stammen. Unter den Nutzern des vom Verein „INDRO e.V.” betriebenen Drogenkonsumraums beträgt der Anteil der Spätaussiedler sogar 30 Prozent.
Einige junge Spätaussiedler zeigen riskantes Drogennutzungsverhalten
Die Basis für diese – gemessen an der gesamten Münsteraner Bevölkerung – häufiger auftretenden Suchtkarrieren wird bereits im jugendlichen Alter gelegt. Diese Beobachtung haben kommunale Einrichtungen wie der Kommunale Sozialdienst, Jugendeinrichtungen und die Polizei gemacht. Demnach trinken gerade junge spätausgesiedelte Münsteraner ab dem Kindesalter häufig bereits Alkohol und steigen früh in den Konsum von „weichen” illegalen Drogen ein. Nach Einschätzung des städtischen Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien pflegen bis zu 40 Prozent der spätausgesiedelten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen solchen „riskanten” Drogenkonsumstil. Jeder fünfte aus dieser Gruppe landet der Annahme zufolge irgendwann bei „harten” Drogen. Frühes Intervenieren ist an diesem Punkt also erforderlich.
Riskant konsumierende junge Menschen werden von der Jugend- und Suchthilfe schlecht erfasst
Hierfür existieren allerdings weder in der Jugend- noch in der Suchthilfe angemessene Konzepte. Die herkömmliche Jugendarbeit verfolgt in der Regel primärpräventive Ansätze, um Jugendliche vor Drogenmissbrauch zu schützen. Übermäßiger Suchtmittel- und Drogengebrauch liegt in der Zielgruppe aber bereits vor. Da die Betreffenden aber noch nicht abhängig sind, bieten auch die existierenden Angebote der Drogenhilfe einen nur unzureichenden Ansatzpunkt für sekundärpräventive Maßnahmen mit dem Ziel, den riskanten Konsum der jungen Menschen zu reduzieren.
Münster bei allgemeinen Integrationsangeboten gut aufgestellt
Bei allgemeinen integrativen Maßnahmen für junge Spätaussiedler ist Münster indes gut aufgestellt. Bereits 1998 hat die Stadt Münster ihre Aktivitäten für Spätaussiedler miteinander vernetzt. Beteiligt waren die Fachabteilungen für Gesundheit und Soziales sowie Bildung und Freizeit. Einen Schwerpunkt auf junge Spätaussiedler legt das 1999 daraus hervorgegangene Projekt „Privjet”. Hier werden junge spätausgesiedelte Menschen mit Maßnahmen der sprachlichen und kulturellen Integration sowie der Berufswahl und -vorbereitung begleitet. Ebenfalls 1999 wurde das stadtweite Netzwerk zur Integration der Aussiedlerinnen und Aussiedler ins Leben gerufen, hieraus bildete sich unter anderem ein "Arbeitskreis für Sucht- und Drogenhilfe". In der ambulanten, niedrigschwelligen Drogenhilfe sind in Münster vor allem die kommunale Drogenhilfe sowie der Verein „INDRO e.V.” aktiv. So hat INDRO 1999 eine Stelle für aufsuchende Begleitung und Betreuung von russlanddeutschen Drogenkonsumentinnen und -konsumenten eingerichtet. Im selben Jahr wurde bei der Drogenhilfe eine Mitarbeiterin für den Bereich „Deutsche aus der GUS” eingestellt.
Projekt SeM schließt eine Versorgungslücke
Das Projekt SeM setzte sich das Ziel, diese existierende Versorgungslücke zu schließen. Die Aufgabe war, Konzepte und Methoden der sekundären Suchtprävention für junge spätausgesiedelte Menschen in Münster, die einen riskanten Drogenkonsum aufweisen, ohne bereits abhängig zu sein, zu erarbeiten. In Kooperation mit dem Amt für Kinder, Jugendliche und Familien sowie der Drogenhilfe Münster sollten die Aktivitäten des Projektes dort ansetzen, wo sich junge Aussiedler aufhalten: in den kommunalen Jugend- und Stadtteiltreffs und in deren Umfeld - zu denken wäre etwa an das Stadtteilhaus Lorenz Süd in Berg Fidel und an das Stadtteilhaus Fachwerk in Gievenbeck. Dabei sollten bereits existierende Aktivitäten berücksichtigt und in die zu erarbeitenden Konzepte und Methoden einbezogen werden.
Weitere Informationen zu den Projekten erhalten Sie bei:
