Projekt: JaN
Jugendhilfeeinrichtungen auf dem Weg zum Nichtrauchen
Statistische Daten besagen, dass Kinder durchschnittlich bereits mit 11,6 Jahren das erste Mal zur Zigarette greifen. Die Zahl der rauchenden Kinder und Jugendlichen beträgt im Rahmen einer durchgeführten Ist-Stand-Erhebung in den drei Jugendhilfeeinrichtungen des LWL, dass im Mittel 53% der Kinder und Jugendlichen Gelegenheitsraucher/innen und Raucher/innen sind und ebenfalls über 50% der rauchenden Mädchen und Jungen ihr Laster loswerden wollen.
Der Ansatz des Projektes lag darin, dass der Suchtmittelgebrauch von Kindern und Jugendlichen wesentlich durch das Konsumverhalten in ihrer engeren Umgebung beeinflusst wird. Halten sich Heranwachsende in einem Umfeld auf, in dem Rauchen eine Selbstverständlichkeit darstellt, wirkt dieses Verhalten als Rollenmodell auf die jungen Menschen zurück. Das gilt sowohl für stationäre als auch teilstationäre Jugendhilfeeinrichtungen, in denen rauchende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein negativ besetztes Vorbild für die zu Betreuenden abgeben können. Alarmierende Zahlen rauchender Jugendlicher erfordern eine frühzeitige Intervention und unterstreichen die Aktualität der Aktion.
Die Kinder und Jugendlichen in den Einrichtungen sind zwar die primäre Zielgruppe des Projektes, die Maßnahmen zielen aber auch darauf ab, ausgehend von der Leitungsebene über die Beschäftigten eine Kultur des Nichtrauchens in den Einrichtungen zu implementieren. Eine Lenkungsgruppe, bestehend aus Leitungs-Vertreter/innen der beteiligten Jugendhilfeeinrichtungen, einem Experten für Raucherentwöhnung, die „Betriebliche Suchtberatung“ des LWL, Vertreter des Gesamt- und örtlichen Personalrates des LWL, die Projektleitung und Projektkoordination (jeweils LWL-Koordinationsstelle Sucht) hatte das Projekt „JaN“ über 21 Monate vom 1. Dezember 2005 bis 31.08.2007 begleitet.
Aus dem Bereich der verhaltenspräventiven Maßnahmen sollte das Problem- und Risikobewusstsein der Zielgruppe unter anderem durch Informationsmaterialien und Kampagnen geschärft werden. Berücksichtigt wurde auch der Bereich der Verhältnisprävention, indem klare Regeln zu Nichtrauchen etabliert wurden. Angeboten wurden auch konkrete Ausstiegshilfen für Mitarbeiter/innen sowie für Kinder und Jugendliche.
Eines der ersten Instrumente im Projektverlauf war der Workshop „Widerstands- und Barrierenanalyse“ für 18 Beschäftigte aus den drei Jugendhilfeeinrichtungen. Der Workshop unter dem Thema: „Nichtraucherschutz und Tabakentwöhnung in Jugendhilfeeinrichtungen des LWL: „Analyse des Ist-Zustandes – Möglichkeiten und Umsetzung von Veränderung“, bildete ein wichtiges Instrument der Partizipation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und war qualitativer Bestandteil des Evaluationsinstrumentariums. Er wurde von dem Projekt begleitenden Experten Peter Lindinger moderiert. Der Workshop war zieloffen und beschrieb aus Sicht der Beteiligten den Ist-Zustand in all seinen Facetten. Wege möglicher Veränderungen wurden aufgezeigt, die sich aus den Nachteilen des Ist-Zustandes ableiten ließen. Teilgenommen haben je sechs von den Werkleitern benannte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, jeweils aus den drei Jugendhilfeeinrichtungen.
In einem weiteren Schritt fanden unter dem Motto: “Frühlingsfest im Zeichen des Nichtrauchens" in den Einrichtungen Jugendheim Tecklenburg, im Westfälischen Jugendhilfezentrum Marl und im Westfälischen Heilpädagogischen Kinderheim Hamm „Informationstage“ statt. Hintergrund der Veranstaltung war u. a. der präventive Aspekt, die Kinder- und Jugendlichen über die Gefahren des Rauchens umfassend zu informieren und für das Nichtrauchen zu sensibilisieren. Angeboten wurden individuelle Beratung, Vorträge und umfassendes Informationsmaterial. Gleichzeitig wurde auch auf die Gefahren des Passivrauchens eingegangen – immerhin verstecken sich in den Tabakwaren mehr als 4000 giftige Substanzen, weit über 40 sind sogar als krebserregend identifiziert.
An dem Informationstag wurden auch kleine Bälle verteilt, die mit dem „JaN-Logo“ bedruckt waren. Das Verteilen der Bälle hatte einmal den Zweck, ihn als „Spannungslöser“ im Sinne von „Entspannung statt rauchen“ einzusetzen. Der Ball war aber auch symbolisch gedacht, wodurch die Präsenz des Projektes in den Jugendhilfeeinrichtungen auch über den Informationstag hinaus erinnert werden sollte. Eine Theatergruppe spielte Stücke zum Thema Rauchen. Um möglichst viele Menschen zum diesem Tag zu erreichen und somit informieren zu können, war die Veranstaltung im Rahmen diese „Frühlingsfestes“ eingebettet. Hier gab es auch attraktive Preise zu gewinnen. Genutzt wurde auch die bundesweite Aktion „rauchfrei2006“ vom „DKFZ“, wo Gewinne bis zu 10.000 € winkten.
In einem weiteren Schritt wurde von der LWL-Koordinationsstelle Sucht eine Arbeitsmaterialie entwickelt, welche zur Unterstützung der Einrichtungen dienen sollte, um „Rauchfreipolitik“ in den Jugendhilfeeinrichtungen zu entwickeln.
Auf der Verhältnisebene wurden bestehende Gremien in den Jugendhilfeeinrichtungen genutzt, um „Rauchfreipolitik“ im Sinne des Projektes weiter zu befördern. Gesundheiterziehung der Kinder und Jugendlichen sowie die Vorbildfunktion der Pädagogen wurde thematisiert, Konzeptionen entsprechend zu überprüft und angepasst, Zielvereinbarungs- und Mitarbeitergespräche wurden genutzt und Regelwerke installiert.
Auf der Verhaltensebene wurde die Partizipation von Mitarbeiter/innen sowie bei den Kindern und Jugendlichen angeregt. Die Motivation der Beschäftigten und der Kinder und Jugendlichen am Projekt war ein zentraler Bestandteil sowie die Beratung und die Schaffung eines konkreten Angebotes zu Ausstiegshilfen. Während des Projektes wurden auch Mitarbeiter/innen als Multiplikatoren ausgebildet, um konkrete Ausstiegshilfen für die Heranwachsenden in den Jugendhilfeeinrichtungen anzubieten. In einer ersten Befragung Anfang 2006 und einer Anschlussuntersuchung Anfang 2007 wurden die Mitarbeiter/innen und Kinder und Jugendlichen zum Rauchverhalten befragt.
Mittlerweile liegt der Projekt-Abschlussbericht „JaN“ als Band 40 ihrer Schriftenreihe ‚Forum Sucht’ vor. Zusammenfassend kommt die 88-seitige Publikation zu dem Schluss, dass die Maßnahmen gerade bezogen auf die Raucher-Quote bei Jugendlichen erfolgreich ist. Um 11,2 Prozent ist demnach der Anteil rauchender Jugendlicher in den Jugendhilfeeinrichtungen gesunken. Der Anteil derer, die niemals rauchten stieg um 4% auf 41%. Gleichzeitig war der Anteil der ehemaligen Raucher um 7% auf 18% angewachsen. Der Raucheranteil der Beschäftigten ist von 44% auf 40% zurückgegangen. Der Rauchverzicht während der Dienstzeit zeigte, dass 51% der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine große oder sehr große Bereitschaft zeigten.
Ein Ergebnis der Projekt-Evaluation zeigte auch, den Bereich der strukturierten Tabakentwöhnungsangebote für die Kinder und Jugendlichen sowie auch bei den Entwöhnungsangeboten für die Beschäftigten weiter auszubauen. „Nichtrauchpolitik“ wurde als Führungsaufgabe definiert. Für beide Gruppen gab es Angebote der Verhaltensprävention. Sie wurden über das Projekt informiert, erhielten auf Wunsch Ausstiegshilfen und die Möglichkeit, ihr eigenes Rauchverhalten zu reflektieren. Zudem wurde in den Einrichtungen ein verhältnispräventive Prozesse angestoßen. So wurden beispielsweise klare Regeln zum Nichtrauchen aufgestellt und durchgesetzt. Am Ende des Projektes waren alle Jugendhilfeeinrichtungen rauchfrei.
Sie können sich den „JaN“-Abschlussbericht von den Internetseiten der LWL-Koordinationsstelle Sucht herunterladen. Wählen Sie dazu den Link im Klappmenü Bereich Publikationen: http://www.lwl.org/LWL/Jugend/lwl_ks/Publikationen/ForumSucht
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