Die Expertise „Zugang zu jungen Cannabiskonsumenten/innen“ enthält eine Fülle von
Erfahrungen, Hinweisen und Handlungsvorschlägen für den erfolgreichen Zugang sowie die Arbeit mit jungen Cannabiskonsumenten/innen und deren Angehörigen. Diese werden kriterienbezogen ausgewertet, durch umsetzungsbezogene Arbeitshilfen ergänzt und zu einer (internetgestützten) Toolbox weiterentwickelt.
Die Toolbox wird Arbeitshilfen/Instrumente zu praxisrelevanten Aspekten wie
- Öffentlichkeitsarbeit,
- Erstkontakt,
- Diagnostik,
- Maßnahmen und Methoden,
- Stoffkunde,
- Kooperationsentwicklung,
- Evaluation
enthalten. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die Diagnose der konsumbezogenen und/oder cannabisassozierten Störungen und Problemlagen gelegt.
Die Toolbox soll dabei mehr sein als eine reine „Loseblattsammlung“ von vielversprechenden Arbeitsansätzen und Methoden. Ihre Entwicklung und Pflege dient der Qualitätsentwicklung in der Arbeit mit (jungen) Cannabiskonsumenten/innen und hat damit auch die Funktion eines Qualitätsleitfadens. Leitgedanke dieses Moduls ist es, vorhandene zielgruppen-bezogene Erfahrungen und Arbeitsansätze zu bündeln, zu systematisieren, aufzubereiten und praxisbezogen rückzukoppeln.
Inhaltliche Strukturen
In die Toolbox werden Materialien zu folgende Themenfeldern aufgenommen:
- Maßnahmen und Angebote:
Hierunter fallen sowohl Angebote zur Früherkennung und Frühintervention (z.B. FreD, Start up, Kiffnix) als auch Behandlungsmaßnahmen (z.B. Realize it, CANDIS).
- Methoden und Verfahren:
Screening- und diagnostische Verfahren sind ebenso abzubilden, wie z.B. Motivational Interviewing, Methoden zur Stärkung von Risikokompetenz und Methoden der Gruppen- und Elternarbeit. Da Elternarbeit im sekundärpräventiven Bereich defizitärer erscheint, erfolgt hierzu – wie im Modul 1 b beschrieben – eine gesonderte Bearbeitung. Darüber hinaus werden in diesem Themenfeld auch Hinweise auf Dokumentation, Qualitätssicherung und (Selbst-)Evaluation aufbereitet.
- Struktur:
Strukturelle Merkmale von Angeboten und Einrichtungen wie bspw. Personalqualifikation, Art der Einrichtung, Öffentlichkeitsarbeit, werden unter diesem Themenfeld behandelt.
- Kooperationen/Partnerschaften:
Mit Blick auf die Kooperation von Sucht- und Drogenhilfe mit der Jugendhilfe, Polizei, Justiz, Jugendpsychiatrie, Suchtmedizin, Schule bilden in diesem Themenfeld Kenntnisse und Erfahrungen des Kooperationsmanagements einen Schwerpunkt (z.B. Strategien, Leitlinien, Vereinbarungen und Verträge).
Arbeitsschritte
Die Erstellung der Toolbox erfolgt auf Grundlage folgender Arbeitsschritte:
- 1. Auswertung von Good-Practice-Projekten (siehe Expertise).
Hierzu werden die im Rahmen der Expertise bereits gesammelten Materialien und Arbeitsmittel gesichtet. Zur Aktualisierung wird ergänzend eine Zusatzrecherche in einschlägigen Veröffentlichungen sowie im Praxisfeld durchgeführt. Einbezogen werden zudem Ergebnisse von Modellvorhaben (z.B. Realize it, Ergebnisse der Nachbefragung zu FreD oder vergleichbarer Projekte).
- Aufbereitung der Materialien
- Festlegung von Kriterien und Auswahlverfahren durch ein Expertengremium.In der Expertengruppe arbeiten Fachkräfte aus Good-Practice-Projekten sowie Forscher mit. Eine erste Aufgabe der Expertengruppe besteht darin, zielführende Auswahlkriterien zu erarbeiten. Als generelle Orientierung dient dabei der Beitrag zur Verbesserung
a) des Zugangs sowie
b) zu einer zielgruppenspezifischen und bedarfsgerechten Versorgungsstruktur.
Darüber hinaus dienen Kriterien zur Bestimmung von Best-Practice als Grundlage, wie bspw.
- anerkannt positive Wirkung,
- nachhaltig erfolgreich,
- wiederholbar,
- innovativ,
- ausreichend großer Einsatzbereich, nicht durch spezifische (z.B. regionale)
Bedingungen bestimmt.
Transfer der Inhalte
Die ausgewählten Inhalte der Toolbox werden entsprechend aufbereitet und u.a. auf folgenden Wegen potentiellen Interessenten der Praxis aus unterschiedlichen Versorgungssektoren zur Verfügung gestellt:
- internetgestütze Datenbank der Arbeitshilfen und Instrumente sowie eine
Internetseite als Plattform für fachlichen Austausch und Kommunikation (ggf. „angedockt“ an eine existierende Internetplattform). Der Aufbau der Datenbank wird so ausgestaltet, dass die Nutzer und Interessenten aufgefordert werden, eigene (neue) Methoden und Arbeitsansätze einzubringen. Während der Modellphase wird eine Expertengruppe eingesetzt, die auch bei der Auswahl der Einträge berät.
- Erstellung eines Manuals „Zugang und Arbeit mit (jungen) Cannabiskonsumenten/innen“.
Auf Grundlage der aufgearbeiteten Materialien wird ein Manual erstellt, das Nutzern anschließend als Arbeitshilfe zur Verfügung steht.
- Schulung/Training von Mitarbeiter/innen. Um die Toolbox im Praxisfeld bekannt zu machen, vorzustellen und einzuführen wird eine Serie regionaler Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt, dabei werden die Möglichkeiten der bundesweiten Fachkongresse genutzt. Diese zielen vor allem auf Einrichtungen und Träger der Sucht- und Drogenhilfe, der Jugendhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Neben unmittelbar umsetzungsbezogenen Zielsetzungen haben die Veranstaltungen eine Initialfunktion im Hinblick auf die Verbreitung der Toolbox (Internetauftritt und Manual).
Nach Abschluss der Modellphase erfolgt die Pflege des Internetauftritts durch den Projektpartner (DHS) im Rahmen der Tätigkeit der Geschäftsstelle. Die lfd. Aktualisierung wird durch einen Ad-Hoc-Fachausschuss begleitet.
Die Planung, Entwicklung und Durchführung des Moduls Toolbox liegt bei der LWL- Koordinationsstelle Sucht.