Ausgangssituation
Nach wie vor ist die Gruppe der jungen Fahrer/innen stark gefährdet. Mit z.B. 21.470 Unfällen (2007) verursachte die Gruppe der „jungen Fahrer“ (18 – 24jährige) fast ein Fünftel der schweren Unfälle. Nach dem Tiefstwert mit 121 im Vorjahr starben 2007 mit 136 insgesamt 15 junge Menschen mehr.
Die Zahl der Verletzten stieg ebenfalls in dem Zeitraum von 14.473 um 588 auf 15.061 (Steigerung von 4,1%). Obwohl die 18 – 24jährigen nur 8 % der Autofahrer stellen, spielen junge Verkehrsteilnehmer bei den Unfallverursachern eine führende Rolle.
Nirgendwo sind Jugendliche so gefährdet wie bei nächtlichen Fahrten am Wochenende. Der Begriff „Disko-Unfälle“ hat eine traurige Berühmtheit erlangt. So fielen bspw. 20% aller tödlichen Unfälle von Fahranfängern im Jahr 2004 auf die 16 Nachtstunden am Wochenende (Quelle: ADAC). Bei vielen Diskounfällen ist Alkohol im Spiel. Manche Jugendlichen ignorieren das Problem ganz einfach, andere halten dem Druck ihrer Clique nicht stand.
Erklärtes Ziel des Innenministeriums NRW bleibt es, die Zahl der Verkehrstoten bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Für die Zielgruppe „Junge Fahrer/innen“ werden bereits sog. „Diskoprojekte“, also Informations- und Aufklärungsveranstaltungen in Diskotheken aber auch Schulungen in Berufs- und Fahrschulen zur Unfallprävention angeboten. Es fehlt aber in NRW insbesondere an Maßnahmen, die die Jugendlichen bereits vor Erhalt des Führerscheins auf die enormen Risiken aufmerksam machen und über Wirkungen und Auswirkungen von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr aufklären.
Mit dem Erhalt des Führerscheins ist für junge Menschen der Beginn eines neuen Lebensabschnittes verbunden, wobei der Führerschein ein wichtiger Schritt zum Erwachsensein ist. Der Konsum von psychoaktiven Substanzen -insbesondere Alkohol und Cannabis- birgt bei der aktiven motorisierten Teilnahme am Straßenverkehr ein besonderes Gefahrenpotential. Deshalb muss zwischen „Drogenkonsum aller Art“ und Fahren zuverlässig getrennt werden. Suchtprävention und Verkehrssicherheitsarbeit verfolgen in diesem Zusammenhang die gleiche Zielssetzung, wobei die Altersgruppe der 16 – 24jährigen eine besondere Aufmerksamkeit erfahren muss. Vor Erhalt des Führerscheins sollte eine gründliche Reflexion des eigenen Konsums Drogen aller Art erfolgen, so dass alle Fahranfänger/innen gut auf die Situationen, in denen zwischen Konsum und Fahren getrennt werden muss, vorbereitet sind.
Das PEER-Projekt an Fahrschulen
Genau hier setzt das PEER-Projekt in Fahrschulen an. Mit der Zielsetzung junge Fahranfänger/innen rechtzeitig über die Gefahren von Alkohol- und Drogenkonsum in Verbindung mit motorisierter Teilnahme am Straßenverkehr aufzuklären wurde im Jahr 2000 in Sachsen-Anhalt das PEER-Projekt an Fahrschulen gestartet. Regionen in acht Bundesländern haben das von MISTEL/SPI Forschung gGmbH Magdeburg konzipierte Projekt zwischenzeitlich umgesetzt. Von 2006 - 2009 wurde es mit dem Titel „PEER-Drive Clean!“ mit finanzieller Förderung der EU in neun weiteren europäischen Staaten transferiert, der Nutzen des Projektes wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen belegt.
Worum geht es?
Mit dem PEER-Projekt soll in Fahrschulen eine zusätzliche Interventionsmöglichkeit geschaffen werden. In Form einer von Angehörigen der gleichen Altersgruppe (Peers) „Junge Fahrer/innen“ geleiteten Kurzintervention zum Schwerpunkt Alkohol- und Drogenkonsum bei motorisierter Verkehrsteilnahme, richtet sich das suchtpräventive
Angebot direkt an die Zielgruppe der Fahrschüler/innen. Die Ergebnisse der begleitenden Evaluation belegen den Erfolg dieses Ansatzes insbesondere durch die Tatsache, dass die Zielgruppe mit den Inhalten (Unvereinbarkeit von Drogenkonsum und Führen eines Kraftfahrzeuges) und durch die Methoden (Gespräche mit den Peers) erreicht wird.
Über 90% der Fahrschüler/innen, die bisher von dem PEER-Projekt geschult wurden, finden das Projekt gut. Sie schätzten für sich selber ein, dass sie in der PEER-Einheit nützliches Wissen zur Vermeidung von Rauschfahrten gewonnen haben. Die Mehrheit der erreichten Fahrschüler/innen würde die erlebte PEER-Einheit für andere Fahrschüler/innen empfehlen.
Das PEER-Projekt stellt eine gute Möglichkeit dar, rauschmittelbeeinflusste Fahrten zu verhindern. Damit soll auch eine Verminderung der Unfallzahlen sowie der Folgen für die Betroffenen erreicht werden. Darüber hinaus bieten sich vielfältige Formen der Verknüpfung einerseits mit repressiven Maßnahmen (z.B. Verkehrskontrollen), andererseits mit öffentlichkeits-wirksamen Aktionen zur Bekämpfung von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr an.
Der Interventionsansatz
Junge Menschen, die selber auch zur Gruppe der „jungen Fahrer/innen“ gehören, werden in Grundlagenseminaren von Fachkräften zu PEERS ausgebildet. Inhalte dieser Grundlagenseminare sind neben Fachvorträgen und Reflexionen der Fahrschul- und Fahranfängerzeit sowie des eigenen Umgangs mit dem Trink-Fahr-Konflikt – auch die Entwicklung und Erprobung einer PEER-Einheit. Die geschulten PEERS werden in Koordinationstreffen betreut und können sich austauschen. Es werden Standards für ein PEER-Einheit abgeleitet.
Nach dieser Ausbildung gestalten sie Gesprächsrunden (PEER-Einheiten) zum Schwerpunkt „Alkohol und Drogen im Straßenverkehr“ in Fahrschulen. In 60 – 90minütigen PEER-Einheiten werden von jeweils zwei PEERS Gesprächsrunden moderiert, in denen mit den Fahrschüler/innen die Problematik Alkohol und Drogen im Straßenverkehr behandelt wird. Inhalte sind dabei:
- Problemdarstellung und Wissensvermittlung (Unfallzahlen, gesetzliche Bestimmungen, Promillegrenzen, Zeitungsartikel, Stoffkunde)
- Erfahrungsaustausch
(Was haben die Fahrschüler/innen oder PEERS schon alles erlebt?) - Herausarbeiten von Konfliktsituationen
(Wo und wann treffen Alkohol-/Drogenkonsum mit Autofahren zusammen?) - Vorbereitung auf diese Situationen „in neuer Rolle“
(Was verändert sich mit dem Führerschein?) - Finden von Strategien und Möglichkeiten zur Vermeidung von Rauschfahrten
Vorteil dieses Ansatzes ist zum einen der PEER-Gedanke, dass nämlich Jugendliche Botschaften der Gesundheitsförderung und Lebensgestaltung eher und nachhaltiger annehmen wenn sie von Gleichaltrigen überbracht werden. Zum anderen der Ort -die Fahrschule- den Jugendliche als freiwilligen Lernort mit deutlicher Zielorientierung gewählt haben. Die Fahrschüler verfügen bereits über Konsumerfahrungen haben aber noch keine ausgeprägten (Negativ)Gewohnheiten (Trinken und Fahren) entwickelt.
Kooperation
Zur Implementierung des PEER-Projektes ist eine konstruktive Kooperation mit den regionalen Fahrlehrer/innen und den sie vertretenden Verbänden sinnvoll. Auf der Seite des Projektträgers ist organisatorische und finanzielle Sicherheit zu gewährleisten, um das Angebot regelmäßig auf dem neuesten Stand zu halten, PEERS fortzubilden und sie auch finanziell zu honorieren. Auf der Seite der Verkehrssicherheit sollen pragmatische Wege zur Durchführung des PEER-Projektes an Fahrschulen verfolgt werden, indem die Fahrlehrer ihre Kunden zur Teilnahme an den von Einrichtungen der Suchtprävention und PEERS angebotenen PEER-Einheiten motivieren. Zu diesem Zwecke sind Vereinbarungen, zwischen dem jeweiligen Projektträger, den zuständigen Behörden oder Ministerien und den Fahrlehrerverbänden wünschenswert.
Koordination und Sicherung gleichmäßiger Standards
Für die Koordination der Vorhaben soll eine regionale Steuergruppe eingerichtet werden, die das fachliche Niveau sicherstellt, für öffentlichkeitswirksame Maßnahmen verantwortlich ist und Informationen über den Fortgang des jeweiligen Projektes zur Verfügung stellt.
Umsetzung in Westfalen-Lippe
Das PEER-Projekt wird seit Herbst 2008 in Westfalen-Lippe in kreisfreien Städten und Landkreisen eingeführt.
Eine überregionale Koordinationskraft wird die Schulung (Train-the-Trainer) organisieren und unterstützt die Koordinatoren vor Ort, außerdem liegt die Einführung der Schulungen für die PEERS in ihrer Zuständigkeit. Die überregionale Koordination steuert das Projekt in Westfalen-Lippe und arbeitet mit der wissenschaftlichen Begleitung in Magdeburg zusammen.
Sie ist Ansprechpartner für alle am Projekt Beteiligten und Interessierte. Ihr obliegt es das Projekt in Presse und Öffentlichkeit bekannt zu machen und ggf. in weiteren Regionen in Westfalen-Lippe einzuführen.
Die Koordinatoren vor Ort sind wegen der Kenntnisse der Region zuständig für die Partnerfindung (insbesondere Fahrschulen und PEERS) und die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern. Außerdem ist die örtliche Koordinationskraft über den gesamten Umsetzungszeitraum auch Ansprechpartnerin für die Fahrschulen. Im Sinne einer
nachhaltigen Projektarbeit werden die örtlichen Koordinatoren im Laufe der Projektlaufzeit die PEER-Schulungen eigenständig organisieren und durchführen.
Die Begleitung der PEERS ist für die Stabilisierung der Projektumsetzung von großer Bedeutung. Regelmäßige (sowohl örtliche als auch überörtliche) Koordinationstreffen für die PEERS sind dabei unerlässlich.
Es liegt ein detaillierter und praxisnaher Leitfaden für den Aufbau eines PEER-Projektes an Fahrschulen vor.
|
...in Gelsenkirchen:
|
Peter Horstmann Stadt Gelsenkirchen Psychiatrie- und Suchtkoordinator Tel.: 0209 169 3038 E-Mail: peter.horstmann@gelsenkirchen.de |
|
|
...in Hamm:
|
Klaus Petersen Jugendamt der Stadt Hamm Abteilung Jugendförderung Caldenhofer Weg 159 59063 Hamm Tel.: 02381/ 17-6311 Fax: 02381/ 17-106311 E-Mail: Petersen@Stadt.Hamm.de www.hamm.de |
|
|
Dorothee Behler-Brodd Fachstelle für Suchtvorbeugung Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. Nassauer Str. 33-37 59065 Hamm Tel.: 02381 3075028 Fax: 02381 3075029 E-Mail: dbehlerbrodd@akj-hamm.de www.akj-hamm.de |