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Peer-Projekt an Fahrschulen in Westfalen-Lippe

Ausgangssituation

Lt. Verkehrsunfallstatistik NRW stieg nach jahrelangem Rückgang 2011 die Zahl der Getöteten im Straßenverkehr, und das um 15% auf 634 getötete Personen.

Den jungen Fahranfänger/innen (18-24-Jährige) kommt dabei eine traurige Hauptrolle zu. Sie verursachten überproportional häufig Verkehrsunfälle mit Toten und Verletzten. Im Jahr 2011 verschuldeten Fahranfänger/innen 18% aller schweren Unfälle in NRW und sogar 21% aller PKW-Unfälle. Und das obwohl sie nur 8,42% der Gesamtbevölkerung ausmachen.
Gleichzeitig sind sie die mit Abstand am stärksten gefährdete Altersgruppe im Straßenverkehr. In NRW starben im Jahr 2011 117 Fahranfänger/innen, das ist eine Steigerung um fast 20% im Vergleich zum Vorjahr.

Alkohol und Drogen spielen immer noch eine große Rolle bei den Unfallursachen. In 2011 wurden in NRW fast 8.000 Unfälle unter dem Einfluss von Alkohol verursacht.

Ebenso lässt sich – besonders für die 18-24-Jährigen – ein erhöhtes Unfallrisiko in den Nachtstunden am Wochenende nachweisen (sog. Discounfälle). Bei vielen dieser Unfälle sind Alkohol und Drogen im Spiel. Manche Jugendlichen ignorieren das Problem ganz einfach, andere halten dem Druck ihrer Clique nicht stand.

Erklärtes Ziel des Innenministeriums NRW bleibt es, die Zahl der Verkehrstoten bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Für die Zielgruppe „Junge Fahrer/innen“ werden bereits sog. „Diskoprojekte“, also Informations- und Aufklärungsveranstaltungen in Diskotheken aber auch Schulungen in Berufs- und Fahrschulen zur Unfallprävention angeboten.  Es fehlt aber in NRW insbesondere an Maßnahmen, die die Jugendlichen bereits vor Erhalt  des Führerscheins auf die enormen Risiken aufmerksam machen und über Wirkungen und Auswirkungen von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr aufklären.

Mit dem Erhalt des Führerscheins ist für junge Menschen der Beginn eines neuen Lebensabschnittes verbunden, wobei der Führerschein ein wichtiger Schritt zum Erwachsensein ist. Der Konsum von psychoaktiven Substanzen -insbesondere Alkohol und Cannabis- birgt bei der aktiven motorisierten Teilnahme am Straßenverkehr ein besonderes Gefahrenpotential. Deshalb muss zwischen „Drogenkonsum aller Art“ und Fahren zuverlässig getrennt werden. Suchtprävention und Verkehrssicherheitsarbeit verfolgen in diesem Zusammenhang die gleiche Zielssetzung, wobei die Altersgruppe der 16 – 24jährigen eine besondere Aufmerksamkeit erfahren muss. Vor Erhalt des Führerscheins sollte eine gründliche Reflexion des eigenen Konsums Drogen aller Art erfolgen, so dass alle Fahranfänger/innen gut auf die Situationen, in denen zwischen Konsum und Fahren getrennt werden muss, vorbereitet sind.

Das PEER-Projekt an Fahrschulen...

...setzt genau bei dieser Problematik an. Mit der Zielsetzung junge Fahranfänger/innen rechtzeitig über die Gefahren von Alkohol- und Drogenkonsum in Verbindung mit motorisierter Teilnahme am Straßenverkehr aufzuklären, wird die Umsetzung des von MISTEL/SPI, Magdeburg, entwickelten Projektes neben sechs anderen Bundesländern nun vom LWL auch in Westfalen-Lippe angeboten. Von 2006 - 2009 wurde es mit dem Titel „PEER-Drive Clean!“ mit finanzieller Förderung der EU in neun weiteren europäischen Staaten transferiert, der Nutzen des Projektes wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen belegt.

Worum geht es?

Mit dem PEER-Projekt soll in Fahrschulen eine zusätzliche Interventionsmöglichkeit geschaffen werden. In Form einer von Angehörigen der gleichen Altersgruppe (Peers) „Junge Fahrer/innen“ geleiteten Kurzintervention zum Schwerpunkt Alkohol- und Drogenkonsum bei motorisierter Verkehrsteilnahme, richtet sich das suchtpräventive
Angebot direkt an die Zielgruppe der Fahrschüler/innen. Die Ergebnisse der begleitenden Evaluation belegen den Erfolg dieses Ansatzes insbesondere durch die Tatsache, dass die Zielgruppe mit den Inhalten (Unvereinbarkeit von Drogenkonsum und Führen eines Kraftfahrzeuges) und durch die Methoden (Gespräche mit den Peers) erreicht wird.
Über 90% der Fahrschüler/innen, die bisher von dem PEER-Projekt geschult wurden, finden das Projekt gut. Sie schätzten für sich selber ein, dass sie in der PEER-Einheit nützliches Wissen zur Vermeidung von Rauschfahrten gewonnen haben. Die Mehrheit der erreichten Fahrschüler/innen würde die erlebte PEER-Einheit für andere Fahrschüler/innen empfehlen.

Das PEER-Projekt stellt eine gute Möglichkeit dar, rauschmittelbeeinflusste Fahrten zu verhindern. Damit soll auch eine Verminderung der Unfallzahlen sowie der Folgen für die Betroffenen erreicht werden. Darüber hinaus bieten sich vielfältige Formen der Verknüpfung einerseits mit repressiven Maßnahmen (z.B. Verkehrskontrollen), andererseits mit öffentlichkeits-wirksamen Aktionen zur Bekämpfung von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr an.

Der Interventionsansatz

Junge Menschen, die selber auch zur Gruppe der „jungen Fahrer/innen“ gehören, werden in Grundlagenseminaren von Fachkräften zu PEERS ausgebildet. Inhalte dieser Grundlagenseminare sind neben Fachvorträgen und Reflexionen der Fahrschul- und Fahranfängerzeit sowie des eigenen Umgangs mit dem Trink-Fahr-Konflikt – auch die Entwicklung und Erprobung einer PEER-Einheit. Die geschulten PEERS werden in Koordinationstreffen betreut und können sich austauschen. Es werden Standards für ein PEER-Einheit abgeleitet.

Nach dieser Ausbildung gestalten sie Gesprächsrunden (PEER-Einheiten) zum Schwerpunkt „Alkohol und Drogen im Straßenverkehr“ in Fahrschulen. In 60 – 90minütigen PEER-Einheiten werden von jeweils zwei PEERS Gesprächsrunden moderiert, in denen mit den Fahrschüler/innen die Problematik Alkohol und Drogen im Straßenverkehr behandelt wird. Inhalte sind dabei:

  • Problemdarstellung und Wissensvermittlung (Unfallzahlen, gesetzliche Bestimmungen, Promillegrenzen, Zeitungsartikel, Stoffkunde)
  • Erfahrungsaustausch
    (Was haben die Fahrschüler/innen oder PEERS schon alles erlebt?)
  • Herausarbeiten von Konfliktsituationen
    (Wo und wann treffen Alkohol-/Drogenkonsum mit Autofahren zusammen?)
  • Vorbereitung auf diese Situationen „in neuer Rolle“
    (Was verändert sich mit dem Führerschein?)
  • Finden von Strategien und Möglichkeiten zur Vermeidung von Rauschfahrten


Vorteil dieses Ansatzes ist zum einen der PEER-Gedanke, dass nämlich Jugendliche Botschaften der Gesundheitsförderung und Lebensgestaltung eher und nachhaltiger annehmen wenn sie von Gleichaltrigen überbracht werden. Zum anderen der Ort -die Fahrschule- den Jugendliche als freiwilligen Lernort mit deutlicher Zielorientierung gewählt haben. Die Fahrschüler verfügen bereits über Konsumerfahrungen haben aber noch keine ausgeprägten (Negativ)Gewohnheiten (Trinken und Fahren) entwickelt.

Kooperation

Zur Implementierung des PEER-Projektes ist eine konstruktive Kooperation mit den regionalen Fahrlehrer/innen und den sie vertretenden Verbänden sinnvoll. Auf der Seite des Projektträgers ist organisatorische und finanzielle Sicherheit zu gewährleisten, um das Angebot regelmäßig auf dem neuesten Stand zu halten, PEERS fortzubilden und sie auch finanziell zu honorieren. Auf der Seite der Verkehrssicherheit sollen pragmatische Wege zur Durchführung des PEER-Projektes an Fahrschulen verfolgt werden, indem die Fahrlehrer ihre Kunden zur Teilnahme an den von Einrichtungen der Suchtprävention und PEERS angebotenen PEER-Einheiten motivieren. Zu diesem Zwecke sind Vereinbarungen, zwischen dem jeweiligen Projektträger, den zuständigen Behörden oder Ministerien und den Fahrlehrerverbänden wünschenswert.

Koordination und Sicherung gleichmäßiger Standards

Für die Koordination der Vorhaben soll eine regionale Steuergruppe eingerichtet werden, die das fachliche Niveau sicherstellt, für öffentlichkeitswirksame Maßnahmen verantwortlich ist und Informationen über den Fortgang des jeweiligen Projektes zur Verfügung stellt.

Umsetzung in Westfalen-Lippe

Das PEER-Projekt wird seit Herbst 2008 in Westfalen-Lippe in kreisfreien Städten und Landkreisen eingeführt.

Eine überregionale Koordinationskraft wird die Schulung (Train-the-Trainer) organisieren und unterstützt die Koordinatoren vor Ort, außerdem liegt die Einführung der Schulungen für die PEERS in ihrer Zuständigkeit. Die überregionale Koordination steuert das Projekt in Westfalen-Lippe und arbeitet mit der wissenschaftlichen Begleitung in Magdeburg zusammen.
Sie ist Ansprechpartner für alle am Projekt Beteiligten und Interessierte. Ihr obliegt es das Projekt in Presse und Öffentlichkeit bekannt zu machen und ggf. in weiteren Regionen in Westfalen-Lippe einzuführen.

Die Koordinatoren vor Ort sind wegen der Kenntnisse der Region zuständig für die Partnerfindung (insbesondere Fahrschulen und PEERS) und die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern. Außerdem ist die örtliche Koordinationskraft über den gesamten Umsetzungszeitraum auch Ansprechpartnerin für die Fahrschulen. Im Sinne einer
nachhaltigen Projektarbeit werden die örtlichen Koordinatoren im Laufe der Projektlaufzeit die PEER-Schulungen eigenständig organisieren und durchführen.

Die Begleitung der PEERS ist für die Stabilisierung der Projektumsetzung von großer Bedeutung. Regelmäßige (sowohl örtliche als auch überörtliche) Koordinationstreffen für die PEERS sind dabei unerlässlich.
Es liegt ein detaillierter und praxisnaher Leitfaden für den Aufbau eines PEER-Projektes an Fahrschulen vor.

...in Gelsenkirchen:

Peter Horstmann
Stadt Gelsenkirchen
Psychiatrie- und Suchtkoordinator
Tel.: 0209 169 3038
E-Mail: peter.horstmann@gelsenkirchen.de

        
 
Präventionsrat Gelsenkirchen (PräGe)

...in Hamm:

Klaus Petersen
Jugendamt der Stadt Hamm
Abteilung Jugendförderung
Caldenhofer Weg 159
59063 Hamm
Tel.:  02381/ 17-6311
Fax:  02381/ 17-106311
E-Mail: Petersen@Stadt.Hamm.de
www.hamm.de

Dorothee Behler-Brodd
Fachstelle für Suchtvorbeugung
Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.
Nassauer Str. 33-37
59065 Hamm
Tel.:  02381 3075028
Fax:  02381 3075029
E-Mail: dbehlerbrodd@akj-hamm.de
www.akj-hamm.de

...in Bottrop:

Joachim Jahry
Mario Papierok

Jugendhilfe Bottrop e.V.
Osterfelder Straße 88
46236 Bottrop

Tel.: 02041/29031
Fax: 02041/262090
E-Mail: jugendhilfe.bottrop@t-online.de
Home: www.jugendhilfe-bottrop-ev.de