Nie mehr über Stock und Stein
Anfang des Jahres saßen vier befreundete Hamburger Informatikstudenten zusammen und überlegten, mit welchem Projekt sie sich beim Imagine Cup 2006 bewerben können. In diesem Jahr stand der von Microsoft gesponserte weltweite Innvoationswettbewerb unter dem Motto "Gesünder leben".Da fiel dem aus Polen stammenden Piotr Wendt ein, dass er auf Spaziergängen mit gehbehinderten Freunden immer auf große Hindernisse gestoßen ist und erst nach langem Suchen einen geeigneten Weg fand.
"Wozu gibt es eigentlich GPS" fragten sich die Masterstudenten der Hochschule für Angwandte Wissenschaft (HAW). Da das vorhandenen Kartenmaterial auf Autos und Straßen ausgelegt ist,entwickelten sie die Idee des "Trailbazers": Ein selbst lernendes Navigationssystem, das Rollstuhlfahrern hilft, sich barrierefrei zu bewegen.
Es dient zum einen dazu, mit Hilfe ortskundiger Rollstuhlfahrer Daten über hindernisfreie Routen zu gewinnen, andererseits will das System Rollstuhlfahren auf Reisen in unbekannte Gegenden die Orientierung ermöglichen.
"Wenn man die Idee erst mal hat, wundert man sich, das es noch nicht gibt", sagt Teamleiter Mark Thomè ein halbes Jahr nach dem ersten Brainstorming, wenige Stunden nach der Rückkehr vom Finale des Image Cups in Neu-Delhi. "Zur Erweiterung des Kartenmaterials aktivieren wir eine Community von Nutzern, die das System gleichzeitig nutzen und mit Daten füttern."
Der Gehbehinderte füttert das in seinem Handy integrierte Software-System indirekt mit eigenen Daten, indem er es auf seinem täglichen Spazierweg mitnimmt. Während der Ausflüge verfolgt nun der Server den zurückgelegten Weg. Wird diesr oft genug wiederholt, wird er vom Server als ein so genannter "Trampelpfad" identifiziert und in das Kartenmaterial eingetragen. Zusätzlich kann der Nutzer "Orte von Interesse" manuell eingeben, indem er zum Beispiel eine Treppe mit seinem Fotohandy ablichtet.
(von Ralf Lorenzen, 16.08.2006)
Beim Finale des "Imagine Cups" in Neu-Delhi erreichte das Projektteam den Einzug ins Halbfinale der besten zwölf. - Behindertenorganisationen und ein Rollstuhlhersteller bekundeten bereits ernsthaftes Interesse an diesem System.