Der Kinder− und Jugendrat NRW unterstützt Jugendliche, die sich in
wichtige Entscheidungen in ihrer Stadt oder Kommune einmischen
wollen. Er hilft zum Beispiel bei der Gründung eines Kinder− und
Jugendgremiums.
Kreis Kleve Politik – das ist die Sache von Männern mit grauen Bärten und Frauen in langweiligen Hosenanzügen, aber nichts für Jugendliche. So denken viele junge Menschen nicht nur im Kreis Kleve. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, sich einzumischen und die Berufspolitiker immer wieder an die Interessen von Kindern und Jugendlichen zu erinnern und ihnen vor allem auch mal die Meinung zu sagen.
Kein Parteiengerangel
Um selbst Einfluss zu nehmen, muss man nicht unbedingt einer Partei beitreten. René Klein zum Beispiel ist 20 Jahre alt, seit sechs Jahren ist er politisch aktiv. „Mit Parteiengerangel habe ich aber nichts zu tun“, sagt er. Wichtigen Leuten in der Politik die Meinung zu sagen, dazu hat er dennoch oft Gelegenheit. Zum Beispiel hat er gerade am vergangenen Wochenende noch mit NRW−Schulministerin Sylvia Löhrmann die Schulsitution diskutiert.
René Klein ist Sprecher des Kinder− und Jugendrates in Nordrhein−Westfalen. Das ist die Vertretung aller Kinder− und Jugendgremien in NRW und aller Projekt− und Reginalgruppen. „Mitmachen kann bei uns jeder“, sagt der 20−Jährige. Das ist vor allem für Kinder und Jugendliche aus dem Kreis Kleve wichtig, denn die meisten Städte und Gemeinden des Kreises haben keine Jugendparlamente oder Jugendräte. Das sind Vertretungen in Städten und Gemeinden, die kommunale Themen diskutieren und dem Rat Vorschläge
machen. Solche Räte gibt es in NRW hauptsächlich in den großen Städten.
Die RP hat beim Kreis nachgefragt, ob es Möglichkeiten für junge Menschen gibt, mitzumischen. „Wir sind eine Verwaltung, wir bleiben deshalb neutral“, sagt Eduard Großkämper, Pressesprecher des Kreises Kleve. Möglichkeiten für Jugendliche, mitzureden, gibt es beim Kreis deshalb nicht. Großkämper empfiehlt jungen
Leuten, sich erst einmal zu entscheiden, welche politische Richtung infrage komme. Dieser Weg liefe auf eine Entscheidung für eine Partei hinaus.
René Klein, der viel Erfahrung in Jugendgremien gesammelt hat, schätzt allerdings gerade die Unabhängigkeit von den Parteien. Außerdem hat er bei Altersgenossen beobachtet, dass denen gerade die Parteiquerelen nerven.
Er sagt ganz klar: „Wenn es Jugendliche im Kreis Kleve gibt, die sich politisch engagieren und einmischen wollen, helfen wir vom Jugendrat gerne bei der Gründung von Kinder− und Jugendgremien.“ Wenn es also interessierte junge Leute von Kleve bis Wachtendonk gibt, haben auch sie die Chance, sich zu engagieren.
René Klein, Auszubildender zum Groß− und Außenhandelskaufmann, hat durch sein Engagement ein neuen Blickwinkel auf die Politik erhalten. Bald ist er zu alt für den Jugendrat – die Parteien reißen sich nun um ihn. „Ich habe schon viele Anfragen erhalten“, sagt er.
Quelle: Rheinische Post am 04.07.2011 von Katharina Schmülling
Sylvia Löhrmann stellte sich den Fragen von Schülern beim Landestreffen der Kinder- und Jugendgremien NRW in der Akademie Mont-Cenis
Spitzname? „Hab’ keinen.“ Wohnort? „Essen.“ Hobbys? „Wandern, Schwimmen, Kultur.“ Name? „Sylvia Löhrmann“, sagt Sylvia Löhrmann. Beim Landestreffen der Kinder- und Jugendgremien NRW stellte sich die NRW-Schulministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin gestern den Fragen der Nachwuchspolitiker – die Steckbrief-Runde zu Beginn war für die Politikerin der wohl angenehmste Teil der gut einstündigen Diskussion.
Sylvia Löhrmann kommt – natürlich – in Grün. Grünes Oberteil, grünes Jackett, so hält die Politikerin von Bündnis90 / Die Grünen Einzug im Bürgersaal der Akademie Mont-Cenis. Und das, ohne dass es der Großteil der jungen Gastgeber mitbekommen hätte. „Frau Löhrmann bitte in die erste Reihe“, schallt es plötzlich in aufforderndem Ton durch die Lautsprecher, die Ministerin folgt prompt. Klar, wer hier heute das Sagen hat.
„Workshop unter Palmen“ lautete das Motto des diesjährigen Treffens der NRW-Jugendparlamente, eigentlich hätte es „Workshops“ heißen müssen. Denn in gleich 13 Arbeitsangeboten versuchten sich die Teilnehmer in der Politik, erarbeiteten Themen wie Kinderrecht, Extremismus und Klimawandel und stellten ihre Ergebnisse abschließend am Sonntagmittag vor – den anderen Teilnehmern und der Ministerin.
Die durfte erst nur zuhören, dann aber auch selbst auf die Bühne. „Wir wollen kurze, knackige Antworten“, erklärt Moderatorin Kaja, nicht ohne Seitenhieb der 18-Jährigen gegen die 54-Jährige: „Wir hoffen, dass das auch Politiker hinkriegen.“ Zusammen mit ihrer 17-jährigen Kollegin Anika hatte sie an diesem Wochenende ein Moderationstraining absolviert, jetzt probieren sie das Gelernte gleich an einer Ministerin aus.
Es geht um Gemeinschaftsschulen, um hohe Lernanforderungen, um Fachkräftemangel. Löhrmann weiß Antwort, manchmal kurz und knackig. Manchmal auch nicht. „Wie ist das denn bei Lehrer-Quereinsteigern“, möchte Anika wissen, „bei denen ist es meist viel lustiger. Können sie sich das erklären?“ Löhrmann war selbst mal Lehrerin, erklären kann sie es sich nicht, versucht es dafür mit einem Lob: „Gute Frage, das hat mich noch keiner gefragt.“ Gute Fragen, davon kommen noch eine ganze Menge. Wenn man so will: aus der Praxis.
Kaum ein Zuhörer, der nicht mehr zur Schule geht, die, die hier sitzen, erleben Schulpolitik hautnah. Wie die Universitäten den Zustrom meistern wollen, will eine wissen („Da wird richtig Geld in die Hand genommen“), warum es schon wieder Fehler in den Abitur-Aufgaben gab, ein anderer („Nobody’s perfect“). Kritisch sind die Jugendlichen, Löhrmann verständnisvoll. Geschont wird sie trotzdem nicht. Das heißeste Thema: das Abitur in zwölf Jahren. „Sie haben gesagt, dass vorher getrödelt wurde“, zitiert Isabelle die Ministerin. „Ich habe gesagt: ,In Anführungsstrichen’“, erwidert die. Auch gut, die 15-Jährige klärt sie trotzdem über akuten Freizeitmangel und die Probleme der mit den Regierungen wechselnde Schulpolitik auf. „Ich glaube ja, dass sie sich wirklich engagieren“, schließt sie, „aber vielleicht nicht immer Hü und Hott. Verstehen sie, was ich meine?“ - „Ich verstehe ganz gut, was du meinst“, sagt Löhrmann und gelobt Verbesserungen, dann muss sie los, – passend: nach Düsseldorf. Die Fahrt wird sie vielleicht zum Nachdenken genutzt haben. Anregung gab es genug.
Bild und Text: www.derwesten.de