Schulsozialarbeit oder Soziale Arbeit an Schule

von Veronika Spogis, LWL-Landesjugendamt Westfalen

(Stand: Herbst 2014)

Definition

Aus Sicht des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge (DV) ist "Schulsozialarbeit ... eine wichtige Unterstützung junger Menschen am Lernort Schule. Sie gewährt sozialpädagogische Hilfestellungen, die weitgehend präventiv und niedrigschwellig sind, aber auch dem Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder der Überwindung individueller Beeinträchtigungen dienen sollen. Schulsozialarbeit wirkt sowohl auf die sozialen Kompetenzen als auch auf schulische und berufsbezogene Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen ein. Sie unterstützt junge Menschen aus sozial benachteiligten Familien beim Erreichen von Schulabschlüssen und ist ein wichtiges Element für gelingende Bildungsbiografien, von denen in nicht unerheblichem Maße die späteren Chancen auf Integration in den Arbeitsmarkt abhängen" (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge: Stellungnahme des Deutschen Vereins zum Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch - Weiterfinanzierung von Schulsozialarbeit und Mittagessen in Horteinrichtungen vom 11.06.2013
http://bit.ly/1DW0Rny).

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter (BAGLJÄ) beschreibt die Schulsozialarbeit als "Soziale Arbeit in der Schule" und als "ein Leistungsangebot der Jugendhilfe an der Schule auf der Basis gemeinsamer Verantwortung und verbindlicher Kooperationsregelungen". Schulsozialarbeit umfasst hiernach verschiedene sozialpädagogische und sozialarbeiterische aufgaben und Aktivitäten am Ort Schule, die unter Einbeziehung der Lehrkräfte und Eltern durchgeführt werden:

  • Beratung von jungen Menschen, insbesondere in schwierigen Lebenslagen
  • Soziales Lernen, Konfliktbewältigung und Prävention
  • Umgang mit Schulverweigerung
  • Unterstützung von Schülerinnen und Schülern bei Lernschwierigkeiten
  • Gestaltung des Übergangs von der Schule in den Beruf
  • Bildungsangebote und Freizeitgelegenheiten
  • Partizipation lernen und fördern

Rechtliche Grundlagen

Der Begriff ‚Schulsozialarbeit' findet bundesweit bisher keine eigene gesetzliche Verankerung in den Jugendhilfe- und Schulgesetzen. Die Tatsache, dass die Schulsozialarbeit aus den bestehenden Gesetzen hergeleitet werden muss, hat zur Folge, dass es keine einheitliche Begriffsverwendung und -nutzung gibt und die Fach- und Finanzverantwortung für die Schulsozialarbeit zwischen den Systemen sowie auf den drei politischen Ebenen kontrovers diskutiert wird.

Hergeleitet wird die Schulsozialarbeit in der Jugendhilfe aus den folgenden Paragraphen des
SGB VIII: § 13 (Jugendsozialarbeit), § 11 (schulbezogene Jugendarbeit), § 8 (Beteiligung von Kindern und Jugendlichen), § 9 (Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen), § 14 (Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz, § 16 (allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie), § 81 (Strukturelle Zusammenarbeit mit anderen Stellen und öffentlichen Einrichtungen). Entsprechungen finden sich im Kinder- und Jugendförderungsgesetz NRW in den §§ 3 bis 14.

Im Schulgesetz NRW finden sich die Grundlagen für die Schulsozialarbeit in § 5 (Öffnung von Schule, Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern), § 9 (Ganztagsschule, Ergänzende Angebote, Offene Ganztagsschule), § 42 Abs. 6 (Jedem Anschein von Vernachlässigung und Misshandlung nachgehen ... ), § 80 (Abstimmung der Schulentwicklungsplanung mit der Jugendhilfeplanung)

Darüber hinaus gibt auch das Bundeskinderschutzgesetz in seinem § 4 den Auftrag zur Kooperation der Systeme.

Über das Bildungs- und Teilhabepaket (BUT) wurde vom Bund in den Jahren 2011 bis 2013 Schulsozialarbeits-Stellen finanziert. In NRW wurden allein ca. 1400 neue Stellen für Schulsozialarbeit eingerichtet. Die Förderung wurde bis Ende 2014 gewährt. Danach findet vereinzelt eine befristete Weiterförderung statt.

Über die BUT-Mittel wurde ein qualitativer und quantitativer Ausbau der Schulsozialarbeit insgesamt - vor allem aber an den Grund- und Förderschulen - ermöglicht. Der Bedarf und die Effektivität dieses eigenständigen Angebotes an der Schnittstelle von Jugendhilfe und Schule wird in verschiedenen Evaluationen der BUT-Schulsozialarbeit bestätigt und unterstrichen.

Bedeutung für Jugendhilfeausschussmitglieder

Es ist ein steigender Bedarf an Schulsozialarbeit zu verzeichnen. Vorrangig sind hier zu nennen der Abbau von Bildungsbenachteiligung, die Absicherung von Freizeitangeboten in einer Schule, die sich zu einem Lebensraum von Kindern und Jugendlichen entwickelt, der Abbau von Verhaltensauffälligkeiten, die Öffnung von Schule und die gesellschaftlichen Veränderungen, die eine höhere Unterstützung und Begleitung bei der Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung erfordern.

Nicht jede Schule hat einen Schulsozialarbeiter, der vor dem genannten Hintergrund in ihr tätig wird. Schulsozialarbeit wird zunehmend zu einem Qualitätskriterium einer Schule. Schulsozialarbeit kann in Schulen eingerichtet werden, indem Schule und Schulträger (meistens die Kommune) zu gleichen Teilen einen Schulsozialarbeiter finanzieren. Darüber hinaus läuft zum Ende 2014 die Finanzierung der Großteil der in NRW entstandenen 1400 Stellen BUT-Schulsozialarbeit aus. In den Kommunen / Jugendämtern wird überlegt, wie ein Teil der Stellen erhalten bzw. weiterfinanziert werden kann. Erste Beschlüsse sind hierzu schon erfolgt.

Vor dem Hintergrund der Umsetzung von Inklusion und der Ganztagsschulentwicklung wird in Fachkreisen mindestes eine Fachkraftstelle Schulsozialarbeit an jeder Schule in jeder Schulform gefordert. Die geschaffene Qualität durch die BUT-Schulsozialarbeit wird in den Kommunen fehlen und gilt es auszugleichen bzw. zu erhalten.

Über die BUT-Schulsozialarbeit ist auch eine Koordinierungsfunktion für die Fachkräfte für Schulsozialarbeit aller Anstellungsträger in den Kommunen oder eines Kreisen entstanden. Koordinierungsstellen für Schulsozialarbeit sind vorrangig in Jugendämtern angesiedelt und befassen sich mit allen Belangen der Schulsozialarbeit (Fortbildung, Beratung, Konzeption, Service, Netzwerkbildung, Finanzen). Diese Koordinierungsstellen gilt es ebenfalls zu erhalten und weiter aufzubauen.

Weiterführende Literatur

Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW: Beschäftigung von Fachkräften für Schulsozialarbeit in Nordrhein-Westfalen - RdErl. d. Ministeriums für Schule und Weiterbildung v. 23.01.2008 - Zu BASS 21-13 Nr. 6:
http://bit.ly/1DvWDoK
 

Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge: Stellungnahme des Deutschen Vereins zum Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch - Weiterfinanzierung von Schulsozialarbeit und Mittagessen in Horteinrichtungen vom 11.06.2013: http://bit.ly/1DW0Rny

Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter: Positionspapier ‚Soziale Arbeit in der Schule - Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe' beschlossen auf der 116. Arbeitstagung vom 14.-16. Mai 2014: http://bit.ly/1znUpBx

Jugendhilfe aktuell 2/2011 - Fachzeitschrift des LWL-Landesjugendamtes Westfalen zum Schwerpunktthema ‚Schulsozialarbeit'
http://bit.ly/1IB0dCv

Kooperationsverbund Schulsozialarbeit: Bildungsverständnis der Schulsozialarbeit, Berlin, 2013
http://bit.ly/1uuw8ya

Stadt Dortmund: ‚Evaluation zum Beitrag der Schulsozialarbeit in Dortmund zur Realisierung der Ziele des Bildungs- und Teilhabepaketes'
http://bit.ly/1AN7qep

Deutsches Rotes Kreuz: Reader Schulsozialarbeit - Band 1
Aktuelle Beiträge und Reflexionen eines vielschichtigen Theorie- und Praxisfeldes
http://bit.ly/1FoRjmc

Ansprechpersonen im LWL-Landesjugendamt Westfalen

Veronika Spogis
Tel.: 0251 591-3654
veronika.spogis@lwl.org