Kinder- und Jugendförderung - Eine Pflichtaufgabe der Kinder- und Jugendhilfe!

von Armin Bembennek, LWL-Landesjugendamt Westfalen

(Stand: Herbst 2014)

Die Kinder- und Jugendförderung ist ein eigenständiger Leistungsbereich der Jugendhilfe, der mit seinen einzelnen Handlungsfeldern und den damit verbundenen Aufgaben in den §§ 11 - 14 des SGB VIII (Sozialgesetzbuch - Achtes Buch - Kinder- und Jugendhilfe) auf Bundesebene gesetzlich geregelt ist. Sie ist als tragende Säule der Kinder- und Jugendhilfe, neben der Förderung der Erziehung in der Familie, der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und den Hilfen zur Erziehung, als Bildungs- und Orientierungsangebot sowie Entwicklungs- und Unterstützungsmöglichkeit für junge Menschen unverzichtbar.

Für die kommunalen Jugendhilfeausschüsse ergeben sich, zusätzlich zu den gesetzlichen Pflichtaufgaben, aber vielmehr Gestaltungsaufträge und -möglichkeiten in den Bereichen der Jugendarbeit, der Jugendverbandsarbeit, der Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes.

Um die erforderlichen Rahmenbedingungen zur inhaltlichen und finanziellen Ausgestaltung zu konkretisieren sowie die Eigenständigkeit dieser Handlungsfelder zu betonen, sind weitere Grundlagen zur Ausführung des SGB VIII für die Jugendämter und die freien Träger der Jugendhilfe in Nordrhein-Westfalen, im Kinder- und Jugendförderungsgesetz (3. AG-KJHG – KJFöG) festgelegt worden.

Definition: Jugendförderung - Was heißt das konkret?

Die vielfältigen Angebote und Maßnahmen der Kinder- und Jugendförderung richten sich vor allem an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ab 6 bis unter 27 Jahren. Für besondere Zielgruppen sollen spezifische Angebote zur Förderung bzw. zur Prävention bereitgehalten werden. Im Bereich des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes sind die Adressatinnen und Adressaten auch Erziehungsberechtigte, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe sowie andere Berufsgruppen, die mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten und diese (potentiell) vor Risiken schützen können (z.B. Lehrerinnen und Lehrer, Polizei).

Unter Kinder- und Jugendförderung werden die Bereiche Offene Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit, Jugendsozialarbeit und der erzieherische Kinder- und Jugendschutz zusammengefasst. Zu den Schwerpunkten des gesamten Leistungsbereiches zählen u.a. Querschnittsthemen wie die Zusammenarbeit von Jugendhilfe mit der Schule, politische und soziale Bildung, Gender-Mainstreaming, geschlechtsspezifische Arbeit, sexuelle Vielfalt, Inklusion, Eigenständige Jugendpolitik, Integration, interkulturelle Bildung und internationale Jugendarbeit.

Alle Angebote und Projekte in den Handlungsfeldern sollen die individuellen, sozialen und kulturellen Erfahrungen und Entwicklungen sowie die Bedürfnisse und Interessen von jungen Menschen berücksichtigen. Kinder- und Jugendförderung soll zu eigenverantwortlichem Handeln und gesellschaftlicher Mitwirkung beitragen. Mit ihren Prinzipien und Formen der Partizipation und demokratischer Teilhabe, von Solidarität, Toleranz und selbst bestimmter Lebensführung nimmt sie eine besondere Funktion für junge Menschen ein. Sie ist „Brücke“ und „Netz“ zwischen Familie, der Gruppe von Gleichaltrigen, der Schule und vielen anderen Lebens-, Lern- und Freizeitorten, die Jugendliche prägen aber auch von ihnen aktiv mitgestaltet werden.

Zusätzlich zu den allgemeinen Zielen und Aufgaben der Kinder- und Jugendförderung enthält das dritte Gesetz zur Ausführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes des Landes NRW für Jugendpolitikerinnen und Jugendpolitiker wichtige Orientierungspunkte für die kommunale Verantwortung in diesem Leistungsbereich der Jugendhilfe. So ist es eine Pflichtaufgabe jedes örtlichen Trägers der Jugendhilfe, jeweils für die Dauer einer Wahlperiode vom Rat der Stadt bzw. des Kreises einen kommunalen Kinder- und Jugendförderplan zu beschließen. Hier sollen die Ziele und Aufgaben, geplante Handlungsschwerpunkte und die finanzielle Förderung für alle Handlungs- und Aufgabenfelder beschrieben werden.

Innerhalb der Jugendhilfe ist die Kinder- und Jugendförderung das Arbeitsfeld, in dem es die größten kommunalen Spielräume sowie die weitreichendsten Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen gibt. Im Sinne umfassender Partizipation von Kindern und Jugendlichen – von Anfang an – ist der einfache sozialräumliche Zugang und eine laufende kritische Reflexion bestehender Angebote durch und mit junge/n Menschen von grundlegender Bedeutung. Dabei ist insbesondere auf jugendgerechte Sprache, Methoden und Verfahren zu achten.

Neben der intensiven Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, ist für ein bedarfsgerechtes Angebot der Kinder- und Jugendförderung eine enge Zusammenarbeit mit den anderen für junge Leute bedeutsamen Politikfeldern wichtig. Zu nennen sind hier vor allem die Bereiche Schule, Stadtentwicklung, Kultur, Soziales und Arbeitsmarktpolitik.

Jugendförderung - Auftrag und Thema für den kommunalen Jugendhilfeausschuss

Dem kommunalen Jugendhilfeausschuss und seinen einzelnen Mitgliedern kommt eine zentrale Rolle in der Kinder- und Jugendförderung vor Ort zu. Als „Auftraggeber/in“ der Verwaltung des örtlichen Jugendamts und der kommunalen Jugendhilfeplanung gilt es, die Grundzüge von Jugendhilfeplanung festzulegen, jugendpolitische Ziele zu setzen, finanzielle und personelle Ressourcen zu beraten und den kommunalen Kinder- und Jugendförderplan zu beschließen und zu evaluieren.

Im kommunalen Kinder- und Jugendförderplan sind die Wünsche, Interessen und Bedürfnisse der Kinder- und Jugendlichen in der Kommune sowie die Bedarfseinschätzungen der freien Jugendhilfe ebenso einzubeziehen, wie Konzeptideen der kommunalen Jugendförderung und Schnittstellen zu anderen Politikbereichen (Schule, Soziales, Polizei, Gesundheitswesen, Stadtentwicklung, Kultur, Arbeitsmarktpolitik).

Sie als Jugendhilfeausschussmitglieder sind hier wichtige Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, Bürgerinnen und Bürger sowie unterschiedliche Beteiligte jeweiliger Interessengruppen.

Es hängt dabei von Ihnen ab und von der Qualität der Arbeit ihres Jugendhilfeausschusses, ob es gelingt, die vielen Interessen, das finanziell Machbare und das fachlich Wünschenswerte unter einen Hut zu bringen.

Wichtig ist:

  • Helfen Sie jungen Menschen, kommunalpolitische Entscheidungen zu treffen – der Jugendhilfeausschuss bietet ideale Möglichkeiten!
  • Der kommunale Kinder- und Jugendförderplan als Planungs- und Finanzierungsinstrument bietet viele Chancen – der Jugendhilfeausschuss muss sie aber auch nutzen!
  • Neben den Dauerthemen „Kita“ und „HzE“ muss eine gelingende Debatte auch für die Jugendarbeit, die Jugendverbandsarbeit, die Jugendsozialarbeit und den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz gelingen!
  • Kinder- und Jugendförderung in Kooperation mit und in Abgrenzung zur Schule – der Jugendhilfeausschuss muss am Ball bleiben, damit die Verantwortung auch bei der Jugendhilfe liegt!

Jugendförderung – Zukunft des Leistungsbereiches

Eine „Profilschärfung“ in allen Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendförderung, insbesondere im Hinblick auf die Praxis in den Einrichtungen von öffentlichen und freien Trägern und die jeweiligen Strukturen und Rahmenbedingungen vor Ort, erscheint dringend notwendig. Das schafft Klarheit für die fachliche und politische Diskussion und trägt zu einer Verbesserung der Arbeit insgesamt bei. Vor dem Hintergrund der Qualitätsentwicklung in der Kinder- Jugendhilfe und für den örtlichen Wirksamkeitsdialog können folgende Fragen hilfreich sein:

 

  • Was macht eine gute kommunale Jugendförderung aus?
  • Was ist mit Jugendförderung gemeint?
  • Wo gibt es Abgrenzungen, aber auch Synergien zwischen den einzelnen Handlungsfeldern der Jugendförderung?
  • Wie sieht das Profil von Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit, Jugendsozialarbeit und dem erzieherischen Kinder- und Jugendschutz vor Ort aus?
  • Kommen neue Handlungsfelder, z.B. Schulsozialarbeit hinzu?
  • Wie sehen die Schnittstellen und Kooperationen von öffentlichen und freien Trägern der Jugendförderung aus?
  • Wer trägt die Verantwortung für die vielfältige Arbeit vor Ort?

Ansprechpersonen im LWL-Landesjugendamt: Westfalen

Armin Bembennek - Koordination und Fachberatung Jugendförderung und Jugendpolitik im LWL-Landesjugendamt Westfalen
E-Mail: armin.bembennek@lwl.org

Mareile Kalscheuer - Sachbereichsleiterin Kinder- und Jugendförderung, Jugendhilfe und Schule im LWL-Landesjugendamt Westfalen

E-Mail: mareile.kalscheuer@lwl.org