Eigenständige, einmischende Jugendpolitik im kommunalen Kontext

von Armin Bembennek, LWL-Landesjugendamt Westfalen

(Stand: Herbst 2014)

Zum Thema

Die Eigenständige Jugendpolitik ist ein Politikansatz, der die "eigenständige Lebensphase Jugend" als Ganzes in den Blick nimmt und die Interessen und Belange junger Menschen bei allen Entscheidungen berücksichtigt. Die fachlichen und politischen Diskussionen der letzten Jahre und ein auf Bundesebene geführter Dialogprozess des "Zentrums Eigenständige Jugendpolitik" haben dazu beigetragen, dass in Nordrhein-Westfalen u.a. der Landesjugendring NRW e.V. eine Initiative für eine Eigenständige, einmischende Jugendpolitik mit dem Namen "umdenken - jungdenken! Frische Ideen für NRW"  ins Leben gerufen hat.

Der Grundgedanke der Eigenständigen Jugendpolitik ist, dass Jugendpolitik sich in alle Politikfelder einmischen muss, um gute Bedingungen für das Leben und Aufwachsen junger Menschen zu schaffen. Zudem müssen alle Entscheidungen auf ihre Folgen für nachfolgende Generationen überprüft werden. Die Interessen von Jugendlichen müssen überall dort mitgedacht werden, wo diese von den Auswirkungen politischer Entscheidungen betroffen sind. Und das in allen Politikfeldern, eben nicht nur in der Jugendpolitik, sondern auch in der Arbeitsmarkt-, Finanz-, Umwelt-, Gesundheits-, Sozial-, Verkehrspolitik etc.

Eigenständige Lebensphase Jugend

Die Lebensphase Jugend hat sich stark verändert und verläuft schon lange nicht mehr "normal oder typisch". Sie beginnt altersmäßig immer früher und endet häufig sehr spät.

In dieser eigenständigen Phase entwickeln junge Menschen ihre eigene Identität, ihre eigenen Vorstellungen und Werte. Sie probieren sich aus und erleben dabei unterschiedliche Kultur- und Lebenswelten. Jugendliche und junge Erwachsene sind aber auch mit gestiegenen Lern- und Leistungserwartungen konfrontiert. Deshalb benötigen sie Unterstützung, Bildung, Orientierung, Anerkennung und "freie" Räume bzw. "freie" Zeiten zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Wichtig ist es, allen jungen Menschen die gleichen Startchancen zu geben. Das ist keine einfache Aufgabe!

Ein Gesamtkonzept von Jugendpolitik als Eigenständiges Politikfeld zu entwickeln, ist hilfreich und zugleich notwendig. Dabei müssen Jugendliche neben Fachleuten aus der Kinder- und Jugendhilfe, der Jugendförderung, relevanten gesellschaftlichen Partnerinnen und Partnern sowie Politikerinnen und Politikern zusam-menarbeiten. Ziel ist es, eine Eigenständige Jugendpolitik zu etablieren, die ressortübergreifend, über regionale bzw. landesweite Grenzen und nach Möglichkeit - im Sinne vereinfachender Gesetzgebung - rechts-kreisübergreifend  wirkt. Denn bisher blickt die Politik noch unzureichend auf die Jugend. Jugend sollte jedoch nicht länger in Einzelabschnitte und Ressortzuständigkeiten unterteilt werden.

Um der Eigenständigen Jugendpolitik langsam ein "Gesicht" zu geben, stehen auf Bundesebene zunächst drei (jugend-)politische Handlungs- und Anwendungsfelder im Mittelpunkt des Dialogprozesses:

  • Schule und außerschulische Lern- und Bildungsorte,
  • Beteiligungschancen und -anlässe im politischen und öffentlichen Raum,
  • Übergangsgestaltung von der Schule in die Arbeitswelt.

Fragen, die sich an den Schnittstellen zwischen diesen beschriebenen Herausforderungen bzw. den Anwen-dungsfeldern ergeben, sollen langsam mit konkreten Zielen, Forderungen und Umsetzungsvorschlägen be-antwortet werden.

In den Jugendforen  im Rahmen der Initiative des Landesjugendrings NRW kamen Jugendliche vor Ort, in den Städten und Gemeinden Nordrhein Westfalens selbst zu Wort. Die Delegierte aus den einzelnen Foren und junge Delegierte aus Jugendverbänden trafen sich im Januar 2014 zum Jugendkongress im Landtag NRW und formulierten Forderungen an die Landespolitik und -regierung. Der Jugendkongress im NRW-Landtag führte die Ergebnisse der dezentralen Veranstaltungen bzw. Jugendforen zusammen. 200 junge Menschen diskutierten in Workshops unter anderem zu den Themenbereichen Umwelt, Politik & Teilhabe, Bildung, Wirtschaft und Freizeit.

Entwicklung einer Eigenständigen, einmischenden Jugendpolitik

Eigenständige, einmischende Jugendpolitik - Auftrag und Thema für den kommunalen Jugendhilfeaus-schuss

Die Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik ist nur dann möglich, wenn sie in einem  ersten Schritt vor Ort (in ihrer Kommune und Gemeinde) wirksam wird. Als Baustein einer Eigenständigen, sich einmischenden Jugendpolitik können beispielweise demokratische Prozesse der Partizipation und Mitbestimmung in der Jugendförderung und an kommunalpolitischen Entscheidungen angeregt und unterstützt werden. Hierfür ist der Jugendhilfeausschuss das zentrale Bindeglied.

Darüber hinaus gilt es, "Jugendfreundlichkeit" in der Kommune zu beschreiben, Zugänge zur kommunalen Öffentlichkeit zu erschließen und Lebenslagen Jugendlicher zum Ausgangspunkt für kommunal politisches Handeln zu machen. Das Bild und die Rolle von Jugend in der Gesellschaft  und vor Ort sowie die Themen, die für Jugendliche wichtig sind bzw. die Einfluss auf ihre Lebenswelt haben, sollten gemeinsam herausgearbeitet werden.

Der Jugendhilfeausschuss kann dabei helfen, die Merkmale einer jugendfreundlichen Kommune, wie sie im Verlauf des Dialogprozesses zur Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik auf der Bundesebene benannt und gebündelt wurden, nun für Nordrhein-Westfalen zu konkretisieren.

Ansprechpersonen im LWL-Landesjugendamt Westfalen

Armin Bembennek - Koordination und Fachberatung Jugendförderung und Jugendpolitik im
LWL-Landesjugendamt Westfalen
E-Mail: armin.bembennek@lwl.org