Vielfalt gestalten - Inklusion in der Jugendhilfe

von Sandra Uphues und Irmgard Grieshop-Sander, LWL-Landesjugendamt

(Stand: Herbst 2014)

Was ist Inklusion?

Inklusion lässt sich in kurzen Worten mit gleichberechtigter Teilhabe am gesellschaftlichen Leben umschreiben. Die nachfolgende Erklärung ist in einfacher Sprache verfasst. Einfache Sprache erleichtert Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen Schwierigkeiten mit der Alltagssprache haben, das Verstehen von Texten und dient damit einer barrierefreien Lebenswelt.

Unsere Gesellschaft besteht aus vielen verschiedenen Menschen.
Zum Beispiel aus:

  • Männern und Frauen,
  • Kindern und älteren Menschen,
  • Menschen aus anderen Ländern,
  • und Menschen mit und ohne Behinderung.

Und das ist gut so. Denn so können alle Menschen voneinander lernen. Alle Menschen haben besondere Fähigkeiten. Jeder Mensch kann etwas besonders gut.

Zum Beispiel:

  • Ältere Menschen haben schon viel in ihrem Leben erlebt. Das können sie den jüngeren Menschen erzählen. Und die jungen Menschen können viel von den älteren Menschen lernen.
  • Junge Menschen können viel für ältere Menschen tun. Sie können älteren Menschen im Alltag helfen. Oder sie können für die älteren Menschen da sein. Damit sie nicht einsam sind.

Die Menschen in einer Gesellschaft müssen sich gegenseitig helfen und unterstützen. Damit es allen in dieser Gesellschaft gut geht. Und so ist es auch bei Inklusion.

Denn Inklusion bedeutet:

  • Alle Menschen sollen überall dabei sein.
  • Alle Menschen haben die gleichen Rechte.
  • Alle Menschen können selbst bestimmen was sie wollen.
  • Niemand wird ausgeschlossen.

Dafür brauchen Menschen mit Behinderung Unterstützung und Hilfe. Damit es ihnen in unserer Gesellschaft gut geht.

(Fundstelle: www.aktion-mensch.de)

Was unternimmt der LWL in Sachen Inklusion?

Der LWL setzt sich seit Jahrzehnten für ein möglichst selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen ein. Durch das Inkrafttreten der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung stärker in die öffentliche Wahrnehmung und ins öffentliche Interesse gerückt.
Das LWL-Landesjugendamt kann auf eine Reihe von Erfolgen in Sachen Inklusion zurückblicken, ist sich aber der immer noch großen Herausforderungen bewusst.

Erfreulicherweise werden heute mehr als 95 % der Kinder mit Behinderung gemeinsam mit Kindern ohne Behinderung gefördert. Sie besuchen die Kindertagesstätte um die Ecke und sind dort in ihrem nahen sozialen Umfeld integriert. Weiterhin betreuen von 78 heilpädagogischen Kitas nur noch wenige ausschließlich Kinder mit Behinderungen und auch hier ist eine weitere Umwandlung geplant. Eine große Erleichterung stellt für Eltern und Kinder die Möglichkeit der therapeutischen Behandlung in der Regelkita dar. Das aufwändige Aufsuchen einer externen Praxis zur therapeutischen Versorgung der Kinder ist nicht mehr erforderlich.

Aber nicht nur bei der Inklusion in Kitas kann der LWL auf Erfolge zurückblicken. Beispielsweise ermöglicht der LWL auch zahlreichen Kindern mit Behinderung ein Aufwachsen in einer Westfälischen Pflegefamilie. Zuletzt verfügte jedes zehnte Kind, das einen Platz in einer solchen Familie gefunden hat, über eine Behinderung. Im Bereich der Jugendfreiwilligendienste hat der LWL seit Installierung der Dienste für eine große Vielfalt von Teilnehmenden gesorgt und dadurch stetig Austausch und Akzeptanz von Verschiedensein gefördert. Gleiches gilt für die Jugendarbeit. Hier unterstützt der LWL Maßnahmen, an denen Jugendlichen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt teilnehmen können. Darüber hinaus laufen Projekte des LWL mit Jugendämtern, deren Ziel es ist, Inklusion in allen Bereichen der Jugendarbeit umfassend zu gewährleisten.

Trotz des Erreichten weiß der LWL, dass noch viel zu tun ist. Insbesondere, weil die Zahl der Menschen mit Behinderung nach wie vor zunimmt. Deshalb hat der LWL in diesem Jahr den LWL- Aktionsplan Inklusion herausgebracht, der als zentrales Arbeitsprogramm für die nächsten Jahre konzipiert ist und fortlaufend weiterentwickelt wird. Er gibt einen guten Überblick über die aktuellen Herausforderungen und die Ziele für die kommenden Jahre.
Allen Mitgliedern der Landschaftsversammlung ist ein Exemplar des LWL-Aktionsplans Inklusion zur Verfügung gestellt worden. Auf den folgenden Seiten finden Sie zudem den Auszug aus dem Handlungsfeld: Kindheit und Jugend.

Inklusion ist ein Thema, das uns alle angeht. Um das Denken und Handeln von Menschen zu verändern, müssen möglichst viele Menschen erkennen, dass gelebte Inklusion den Alltag der Menschen mit und auch ohne Behinderung bereichert.

Das Modellprojekt: "Inklusion in der Jugendförderung"

Inklusion ist eines der zentralen jugendpoltischen Schwerpunkte in Nordrhein-Westfalen.

Die Kinder-und Jugendförderung erhält unter dem Leitziel Inklusion mit ihren -inklusiven-Prinzipien der Partizipation, Toleranz und selbstbestimmten Lebensführung, neues Gewicht.
Praxisnah vorgestellt und erläutert wird das im Rahmen des Kinder- und Jugendförderplans des Landes Nordrhein Westfalen über insgesamt drei Jahre geförderte Projekt "Inklusion in der Jugendförderung". Das Projekt wurde im Auftrag des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW von den beiden Landesjugendämtern (LWL-Landesjugendamt Westfalen und LVR-Landesjugendamt Rheinland) konzipiert und wird von beiden prozessbegleitend beraten.
Ziel des Projektes ist, Leitideen der Inklusion in den Strukturen und Arbeitsweisen sowie in konkreten Projekten der Jugendförderung in den Städten und Kreisen in NRW zu verankern.
Sechs kommunale Jugendämter werden in dem Projektzeitraum Konzepte zur Umsetzung inklusiver Planungs- und Steuerungsprozesse entwickeln und erproben. In enger Kooperation mit freien Trägern der Jugendhilfe werden sie zugleich konkrete lebenswelt- und sozialraumorientierte inklusive Praxisprojekte für Kinder und Jugendliche durchführen sowie bereits vorhandene Praxis eines gerechten und reflektierenden Umgangs mit Vielfalt weiterentwickeln.
Das Projekt wird von dem Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung der Fachhochschule Köln unter Leitung von Prof. Dr. Andreas Thimmel und Prof. Dr. Andrea Platte wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Bedeutung für Jugendhilfeausschussmitglieder

Am 26. März 2009 ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Deutschland in Kraft getreten. (siehe: Was ist Inklusion) Sie beschreibt deren Recht auf volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft und verpflichtet die Vertragsstaaten alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um zu gewährleisten, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen Kindern und Jugendlichen alle Menschenrechte und Grundfreiheiten genießen können.

Daraus ergibt sich für die Jugendförderung die Herausforderung, ihre Arbeit konsequent an den Interessen und Lebensentwürfen aller Kinder und Jugendlichen im jeweiligen Gemeinwesen mit all ihren Besonderheiten und Unterschiedlichkeiten und Handicaps zu orientieren.
Kommunen als die zentralen Orte des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen sind gefordert nachhaltige inklusive Planungs- und Steuerungsstrukturen in den Jugendämtern der Städte und Kreise (im Rahmen vorhandener Netzwerkstrukturen Bildungslandschaften/Präventionskette Kinderarmut ..)  zu implementieren. Die fachpolitischen  Entscheidungen und Beschlüsse für die Ausrichtung der inklusiven Jugendförderung erfolgt durch die Jugendhilfeausschüsse und Räte der Städte und Kreise in Westfalen-Lippe.

Hinweis auf weiterführende, vertiefende Literatur

  1. Inklusion vor Ort : Der Kommunale Index für Inklusion - ein Praxishandbuch, Montagsstiftung Jugend und Gesellschaft, Bonn
  2. Inklusion in der Kinder- und Jugendarbeit. Orientierungen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter, November 2012, www.bagljae.de
  3. hochINKLUSIV- Mittendrin statt außen vor, Werkzeug für den Strukturierten Dialog zur Inklusion junger Menschen, Deutscher Bundesjugendring, www.strukturierter-dialog.de/arbeitshilfe-inklusion
  4. Internetportal des LWL "Richtung Inklusion":
    http://www.lwl.org/LWL/Soziales/Richtung-Inklusion

  5. LWL-Aktionsplan Inklusion:
    www.richtung-inklusion.de

Ansprechpersonen im LWL-Landesjugendamt Westfalen

Sandra Uphues, sandra.uphues@lwl.org, Tel. 0251 / 591-3640
Irmgard Grieshop-Sander, Irmgard.Grieshop-Sander@lwl.org, Tel.: 0251-591-5877