"Junger Mensch hat auch ´ne Meinung"

Kinder- und Jugendbeteiligung im kommunalen Kontext

Elisabeth Heeke, LWL-Landesjugendamt Westfalen

(Stand: Herbst 2014)

Zum Thema

Die Umsetzung des Rechts auf Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist in einer Reihe von gesetzlichen Grundlagen weltweit (Art. 12 UN-Kinderrechtskonvention), bundesweit (SGB VIII, §§ 8 und 11) und für das Land NRW (3. AG-KJHG-KJFöG NRW) geregelt. Die Mitwirkungsmöglichkeiten können jungen Menschen deutlich machen, dass es im demokratischen System und in der eigenen Lebenswelt wichtig und notwendig ist, sich einzumischen. Beteiligung eröffnet vielfältige Lern- und Handlungsfelder für junge Menschen, gleichzeitig liefert eine qualitativ abgesicherte Partizipation wichtige Erkenntnisse und Einblicke in die Lebenswirklichkeit junger Menschen für die am Prozess beteiligten Erwachsenen (zum Beispiel Jugendpolitiker/innen, Fachkräfte usw.)
Die konkrete Ausgestaltung des gesetzlichen Rahmens erfolgt in der Regel im kommunalen Kontext (durch die Schaffung angemessener Beteiligungsformen wie z.B. Kinder- und Jugendparlamente, Partizipationsprojekte, Ernennung von Kinderbeauftragten) bzw. einrichtungsbezogen (z.B. Mitbestimmungsstrukturen im Jugendzentrum).

Bedeutung für Jugendhilfeausschussmitglieder

Der Jugendhilfeausschuss kann beispielsweise junge Menschen selbst beteiligen oder anhören bzw. ihnen ein Rederecht oder einen regelmäßigen festen Tagesordnungspunkt einräumen. Er kann bei kommunalen Vorhaben anwalt schaftlich die Kinder- und Jugendbeteiligung einfordern und er kann selbst Beteiligungsvorhaben vorschlagen bzw. initiieren.
Bei der Ausgestaltung von Partizipationsangeboten, insbesondere der Entwicklung eines langfristigen kommunalen Gesamtkonzepts, besteht vielerorts noch Handlungsbedarf. Partizipationsangebote und Beteiligungsprozesse sollen nicht als "Alibi-Beteiligung" verstanden werden, sondern von Kindern und Jugendlichen als wirkliche Partizipation wahrgenommen werden, zum Beispiel durch eine zeitnahe Umsetzung von Ideen, aber auch die Bereitstellung von fachlicher Begleitung und Betreuung sowie finanzieller Mittel.
An der (Weiter-)Entwicklung eines kommunalen Beteiligungskonzeptes sollten idealerweise neben der Fachpolitik und den entsprechenden Fachämtern (i.d.R. das Jugendamt, teilweise ist die Jugendbeteiligung aber auch als "Chefsache" direkt beim Bürgermeister einer Kommune angesiedelt) auch Kinder und Jugendliche als Experten ihrer eigenen Lebenswelt beteiligt werden.
Prozesse/Projekte der Kinder- und Jugendbeteiligung sind ideale Gelegenheiten, mit der Zielgruppe ins Gespräch zu kommen und etwas  von ihr direkt zu erfahren.

Für kommunale Beteiligungsvorhaben können Sie bei Bedarf Unterstützung durch die landesgeförderte Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung NRW erhalten. Wir bieten Ihnen für Sie kostenlose individuell geplante Inhouse-Seminare, Moderation oder Prozessbegleitung. Darüber  hinaus informieren wir über Möglichkeiten der Projektförderung von Beteiligungsvorhaben in Westfalen-Lippe (Kinder- und Jugendförderplan, LWL-Programm "Partizipation und Demokratie  fördern").

 

Besonders empfehlenswerte Broschüre

"Qualitätsstandards für Beteiligung von Kindern und Jugendlichen":

Beteiligung gut gemacht? Ein im Rahmen des Nationalen Aktionsplans "Für ein kindergerechtes Deutschland 2005 - 2010" eingerichteter Arbeitskreis hat allgemeine Qualitätsstandards für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen entwickelt und diese für die Bereiche Kita, Schule, Kommune, Erzieherische Hilfen und Jugendarbeit spezifiziert. Das Ergebnis ist ein Heft mit Qualitätsstandards und konkreten Handlungsschritten für die Umsetzung von guter Partizipation vor Ort.

Kostenloser Download bzw. Bezug:

Publikationsliste des BMFSFJ (http://bit.ly/1AysSEu)

 

Literatur

  • Sonja Moser: Beteiligt sein - Partizipation aus der Sicht von Jugendlichen (vs Verlag 2010)
  • Raingard Knauer u.a.: Beteiligungsprojekte mit Kindern und Jugendlichen in der Kommune (vs Verlag 2004)
  • Thomas Ködelpeter/Ulrich Nitschke: Jugendliche planen und gestalten Lebenswelten (vs Verlag 2008)
  • Benno Hafeneger u.a.: Kinder und Jugendpartizipation im Spannungsfeld von Interessen und Akteuren (Verlag B. Budrich 2005)
  • Klaus Lutz/ Eike Rösch/Daniel Seitz (Hg.): Partizipation und Engagement im Netz - Neue Chancen für Demokratie und Medienpädagogik (kopaed Verlag 2012)

Ansprechpersonen

Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung NRW

http://www.jugendbeteiligung-in-nrw.de

Elisabeth Heeke, elisabeth.heeke@lwl.org, Tel.: 0251-591 5617

Katharina Fournier, katharina.fournier@lwl.org, Tel.: 0251-591 5378