Stufenkonzept Mittelstufe

Die Mittelstufe umfasst die Klassen 5 bis 8. Die Jahrgangsklassen bleiben erhalten, wobei deren Zusammensetzung trotzdem die sozialen und persönlichen Voraussetzungen der Schüler/innen berücksichtigt. Die Klassen sind daher in der Regel weiterhin leistungsheterogen.

 

Die besondere Situation der Mittelstufe ergibt sich einerseits durch den Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe. Andererseits ist es notwendig, auch Zielsetzungen der Abschlussstufe zu berücksichtigen. Das bedeutet konkret:

  • Ab Klasse 5 wird der Fächerkanon erweitert (für die Richtlinien der Förderschule,  Förderschwerpunkt Lernen und die  der Hauptschule).
  • Ebenso gibt es Anforderungen aus dem Schulmitwirkungsgesetz (Klassensprecher/ Schülervertretung).
  • Ziele der Abschlussstufe, z.B. die Schlüsselqualifikationen, müssen in der Mittelstufe integriert werden (siehe dazu: „Arbeitsbereiche der Abschlussstufe“).

Zugleich muss die Mittelstufe die besondere Ausgangslage der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen:

  • körperliche und seelische Entwicklung in der Pubertät
  • zunehmende Auseinandersetzung mit der eigenen Behinderung
  • steigende Anforderungen an die Selbstständigkeit.

Organisationsformen

Um die Förderung der Sach- und Sozialkompetenz gleichermaßen zu erreichen, wird der Unterricht in zwei verschiedene Bereiche eingeteilt:

  • äußere Differenzierung (in Mathematik, Deutsch, Englisch, Förderung mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung, lebenspraktisches Training (LT-Gruppe) und - Schwerstbehindertenförderung)
  • Klassenunterricht.

In der äußeren Differenzierung werden die Schülerinnen und Schüler in weitgehend leistungshomogenen Gruppen gefördert. Die Klassenverbände werden aufgelöst. Dabei wird auch klassenübergreifend gearbeitet. Ein Klassentag in der Woche ermöglicht, dass die Schülerinnen und Schüler für einen längeren Zeitabschnitt im Klassenverband miteinander arbeiten. Dort gibt es Gelegenheit, in der Klassengemeinschaft ein Thema ganzheitlich zu behandeln.

 

Unterrichtsinhalte

Es wird nicht in jeder Jahrgangsstufe der gesamte Fächerkanon angeboten. Es gibt die Möglichkeit, einen bestimmten Bereich in den Natur- und /oder Gesellschafts-wissenschaften unter einem zusammenfassenden Thema anzubieten.

Zu jedem Unterrichtsfach aus der Gesellschafts- und Arbeitslehre sowie aus den Naturwissenschaften ist ein verbindlicher Inhaltskatalog über die wichtigsten Themen zusammengestellt worden. Dieser Minimalkatalog bezieht sich auf die gesamte Mittelstufe.

Bei der Wahl der Arbeitsformen setzt die Mittelstufe bevorzugt Elemente aus Bereichen des Offenen Unterrichts ein (z.B. Werkstattunterricht, Freiarbeit, Freiwahlarbeit, Projektorientierter Unterricht). Auf diese Weise werden die individuellen Voraussetzungen und Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Die offenen Arbeitsformen erleichtern es, ihre Methodenkompetenz zu erweitern und führen sie so zu größerer Selbstständigkeit.

 

Weitere Angebote für die Förderung selbstständigen und eigenverantwortlichen Arbeitens:

  • Selbstständige Beschaffung von Informationen in verschiedenen Bereichen (z.B. Unterrichtsgänge, Internet)
  • Wahl- und Mitbestimmungsmöglichkeiten (z.B. Arbeitsgemeinschaften, Schülervertretung)
  • Formen der Zusammenarbeit mit der Abschlussstufe (z.B. Redaktion der Schülerzeitung „Rolli & Co“, Rumäniengruppe, Energiespar-Gruppe, Info-Phase in den Arbeitslehre-Bereichen der Abschlussstufe).

Persönlichkeitsförderung

In der Mittelstufe sind uns persönlichkeitsfördernde Inhalte wichtig, da sie in besonderer Weise der körperlichen und seelischen Entwicklung der Schüler/innen in der Pubertät Rechnung tragen. Die Sexualerziehung ist wichtiger Bestandteil des Unterrichts in der Mittelstufe (siehe Konzept „Sexualerziehung - Vorschläge zur Umsetzung der neuen verbindlichen Richtlinien – Inhalte und Medien für die Stufen in unserer Schule“).

In der Mittelstufe wird außerdem in den Klassen 6 und 7 Mädchen- und Jungenarbeit im Rahmen geschlechtsspezifischer Gruppen realisiert:

 

A) Die Mädchengruppe

Die Mädchengruppe ist ein Angebot der Mittelstufe und findet einmal wöchentlich statt. In einer vertrauensvollen Atmosphäre werden u.a. geschlechtsspezifische Fragen, Lebensträume usw. diskutiert. In vielen Spiel- und/oder Übungssituationen können die Mädchen Gefühle an sich selbst und an anderen Mädchen wahrnehmen, identifizieren und wertschätzen.

Körperliche Nähe lässt die Mädchen Grenzen erfahren, zum einen in Vertrauensübungen wie sich führen/fallen lassen oder beim Ringen und Raufen als körperliche Durchsetzungsmöglichkeit. Hierbei lernen die Mädchen ihre Grenzen zu akzeptieren und  aktiv gegenüber Anderen zu vertreten. Langfristig gesehen zielen solche Übungen auf Prävention gegen Grenzüberschreitungen hin, die bereits Anfänge sexueller Gewalt darstellen können.

Zum Aufbau eines klareren Selbstbildes führen die Mädchen in Eigenverantwortung über die Auswahl der Inhalte demokratische Abstimmungen durch. Viele Angebote hinterfragen das traditionelle Rollenbild von Mädchen und bauen es individuell auf. Viele Spiele sollen dazu führen, dass die Mädchen eine positive Einstellung zu sich selbst und ihrem Geschlecht finden. Sie sollen erkennen, in welchen konstruierten Situationen sie selbst Mut und Zivilcourage beweisen können oder wollen. Die Mädchen üben in Rollenspielen die individuellen realistischen Verhaltensweisen.

 

B) Jungenarbeit im Rahmen der Jungengruppe

Was macht es aus, ein Junge zu sein? Was finden Jungen toll, wovor haben Jungen Angst? Reden sie darüber? Was ist ein „richtiger Junge“?

Solche oder ähnliche Fragen beschäftigen Jungen, vor allem in der Pubertät. In der Schule erleben wir, dass Jungen oft anders lernen, anders kommunizieren und anders mit Konflikten umgehen als Mädchen. Die Identitätsfindung kann durch den gesellschaftlichen Wandel im Rollenbild (unklarer definierte Vaterrolle), aber auch durch die eigene Behinderung erschwert sein.  Durch geschlechterbewusste Arbeit in Jungen- bzw. Mädchengruppen muss Schule dazu beitragen, soziale Kompetenzen, Konfliktfähigkeit und kommunikative Fähigkeiten zu stärken.

Aus diesem Grund gibt es in den Klassen 6 und 7 Jungen- bzw. (siehe oben!) Mädchenarbeit. Dadurch sind alle Jungen/ alle Mädchen zwei Jahre lang in diesen Gruppen. Die Zusammensetzung bleibt für zwei Schuljahre bestehen, ehe dann wieder die (neuen) Klassen 6 und 7 geschlechtsspezifische Gruppen bilden.

Die Arbeit mit den Jungen soll dabei folgende Prinzipien beachten (vgl. Boldt, Uli: Ich bin froh, dass ich ein Junge bin. Baltmannsweiler 2004):

Männliche Leitung:  Die Gruppe kann ausschließlich von einem Pädagogen geleitet werden. Auch Hospitationen von Lehrerinnen o.ä. soll es nicht geben.

Geschützter Raum und Verschwiegenheit:  Es wird verabredet, dass einzelne Äußerungen nicht an andere außerhalb dieser Gruppe weitergegeben werden dürfen.

Prinzip der Klarheit: Die Arbeit mit Jungen sollte keine moralischen Vorwürfe beinhalten. Werden eindeutige Grenzen überschritten (z.B. durch Diskriminierung), gilt es, dies zu thematisieren und zu hinterfragen.

Prinzip der Freiwilligkeit: Die Teilnahme an der Gruppe ist obligatorisch. Wenn ein Junge an Übungen oder Aktivitäten nicht teilnehmen möchte, soll das akzeptiert werden. Diese Jungen sind dann als Beobachter dabei, ohne zu stören.

Subjektorientierung: Interessen, Wünsche und der Entwicklungsstand der beteiligten Jungen müssen berücksichtigt werden. Die Jungen sollen an der Planung aktiv mitarbeiten.

Handlungs- und Problemorientierung: Anschaulichkeit und selbstständiges Handeln müssen im Vordergrund stehen, um eigenverantwortliches Handeln zu fördern.

Die Oasentage

Für die Schülerinnen und Schüler des 7. Schuljahres gibt es ein besonderes Angebot der Fachkonferenz Religion. Seit dem Schuljahr 2009/10 werden jedes Jahr im Oktober für alle interessierten Schülerinnen und Schüler Oasentage angeboten.  Auf dem Gelände des Drostenhofes können sich die Jugendlichen fernab vom üblich Schulalltag zwei Tage lang mit Themen zu ihrem Leben und ihrem Lebensweg beschäftigen. Dies geschieht spielerisch und kreativ, gemeinsam und auch in Einzelangeboten.