Ergotherapie

Ergotherapie unterstützt und begleitet Schülerinnen und Schüler jeder Altersstufe, die in ihrer Entwicklung verzögert, in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist, sie bei der Durchführung der für sie bedeutungsvollen Betätigungen (klientenzentriert) in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer Umwelt zu stärken. Die Schülerinnen und Schüler  sollen befähigt werden, ihre Funktionen und Fähigkeiten in Beziehung zu setzen, auf neue Situationen zu übertragen und in der Lage sein, sie für den täglichen Gebrauch zu organisieren. Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, den Schülerinnen und Schülern  Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung ihrer Lebensqualität zu ermöglichen.

 

Ergotherapie an der Erich Kästner-Schule

Die Diagnostik und Befundaufnahme erstreckt sich über einen längeren Zeitraum und wird fortlaufend überprüft und aktualisiert.

Dies erfolgt sowohl mit standarisierten Testverfahren/ Screenings, als auch bei gestellten Aufgaben, gezielten Beobachtungen und im freien Spiel. Wir machen die Erfahrung, dass viele Schülerinnen und Schüler sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst sind und dies im ergotherapeutischen Setting zum Ausdruck bringen. In Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und dem interdisziplinären Team der EKS erhalten wir einen ganzheitlichen Eindruck des Schülers. Daraufhin werden die ergotherapeutischen Behandlungsverfahren und -ziele in Zusammenhang mit den Alltagsanforderungen der Schülerinnen und Schüler gesetzt. Somit ergibt sich ein individuell gestalteter Therapieplan, der sich im ständigen Anpassungsprozess befindet.

 

Behandelt werden folgende Störungsbilder:

Entwicklungsverzögerungen der Grob- und Feinmotorik, z.B. Schwierigkeiten beim Balancieren und Springen, bei Defiziten im Umgang mit Stift und Schere

Störung der Sensorischen Integration  z.B. der Modulationsstörung, sensorische Unter- oder Überreaktivität, sensorisch basierter Motorikstörung, z.B. Bilateralintegration- und Sequenzierungsstörung, Posturale Dysfunktion

Körperlichen Behinderungen nach Schädelhirntrauma, Cerebralparesen, Hirnblutungen  Dystrophien usw.

Geistigen Behinderungen, z.b. Down Syndrom, Autismus
Lernbehinderungen und komplexen Schulleistungsstörungen
Störungen der visuellen Wahrnehmung, z.b. spiegelbildliches Schreiben, verdrehen von Buchstaben und Zahlen, verzögerte Malentwicklung,
Störung der auditiven Wahrnehmung, z.b. Verwechslungen von g/k, b/p
• Teilleistungsstörungen wie Lese-Rechtschreibschwäche und Dyskalkulie/Rechenschwäche
Umschriebene Entwicklungsstörungen, z.b. der Graphomotorik
• Störungen der Merkfähigkeit
• Störungen der Handlungsplanung, z.b. Dyspraxie
• Problemen im Arbeitsverhalten wie verminderter Ausdauer, impulsivem Arbeitsstil, verminderter Anstrengungsbereitschaft
• Störungen der Aufmerksamkeit und Konzentration
ADS /ADHS
Verhaltensauffälligkeiten, z.B. impulsives Verhalten, regelwidriges/oppositionelles Verhalten
• Sozio-emotionale Störungen wie Kontakt- und Kommunikationsstörungen, Störungen des Selbstvertrauens, Schulangst
 

Methoden, Behandlungskonzepte. Behandlungsmethoden, Therapieprogramme

  • Sensorische Integrationstherapie nach J. Ayres
  • Verbesserung der Handlungsplanung nach F. Affolter
  • Psychomotorik nach Prof. Dr. E. Kiphard
  • Graphomotorik nach Prof. Dr. E. Kiphard / M. Frostig
  • Visuelles Training nach M. Frostig
  • Bobath-Konzept
  • Marburger Konzentrationstraining
  • THOP – Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten
  • Handwerkliche Techniken wie Peddigrohr, Töpfern, Weben, Seidenmalerei, Holzarbeiten, Pappmache, Papier- und Bastelarbeiten…
  • Unterstützte Kommunikation/ Assistive Technologien z.B. PC-Ansteuerung

 

Was beinhaltet die Sensorische Integrationstherapie?

  • Eine genaue Beobachtung und Befunderhebung
  • Eine differenzierte Diagnostik der Wahrnehmungsverarbeitung
  • Den gezielten Einsatz von Handlungs- und Bewegungsangeboten durch spezifische Materialien und Geräte, die auf die besonderen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler abgestimmt sind. Damit werden die Basissinne ( Gleichgewicht, Tastsinn und Tiefensensibilität) zur Verbesserung der Wahrnehmungsverarbeitung angesprochen. Ziel ist die Verbesserung der Handlungskompetenz.

 

Was ist das Affolter-Konzept in der Ergotherapie?

Durch Ausführen von alltäglichen Handlungsabläufen gemeinsam mit der Therapeutin können motorische, kognitive und emotionale Leistungen gefördert werden. Die geführten Interaktionserfahrungen ermöglichen den Lernprozess zu spüren, zu begreifen und wahrzunehmen. Hierdurch können alltägliche Handlungsabläufe wieder erfahren und abgespeichert werden.

 

Was bedeutet visuelle Wahrnehmung ?

Visuelle Wahrnehmung ist die Fähigkeit, visuelle Reize zu erkennen, zu unterscheiden und sie durch Vergleichen mit früheren Erfahrungen zu interpretieren. Die Interpretation des visuellen Reizes erfolgt im Gehirn, nicht durch die Augen. Die visuelle Wahrnehmung ist von großer Bedeutung für das Erlernen von Lesen, (Recht-) Schreiben, Rechnen und allen anderen Fertigkeiten, die für den Schulerfolg notwendig sind.
Durch den Frostig Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung 2 (FEW-2) können die visuellen Wahrnehmungsbereiche mit Altersnormen verglichen und die Teilbereiche spezifisch gefördert werden.

 

Was bedeutet auditive Wahrnehmung?

Die auditive Wahrnehmung umfasst den gesamten Vorgang des Eintreffens von Schall im Ohr über seine Weiterleitung durch die Gehörnerven ins Gehirn bis hin zur dortigen Verarbeitung sowie zu den damit verbundenen Reaktionen und Fähigkeiten. Die zentralen Hörverarbeitungsstörungen betreffen vorwiegend die Verarbeitung der auditiven Reize (Sprache, Geräusche). Hier wäre besonders ihrer Häufigkeit wegen, die eingeschränkte Filterung von Vordergrund- und Hintergrundinformation zu nennen. Also die Fähigkeit, die es uns erlaubt, mitten im Gewühl einer Feier einem Gespräch zu folgen, trotz fast gleich lautem vielseitigem Hintergrundgeräusch (Musik, Gespräch, etc.). Dies ist übrigens eine Situation, die unsere Kinder in ähnlicher Weise häufig in ihrem Schulalltag erleben. Ein geöffnetes Fenster lässt den Straßenlärm gut hören, der Nachbar raschelt mit der Butterbrotstüte, andere kichern und reden, die Neonlampe brummt, die Heizung tickert und nebenbei soll alle Aufmerksamkeit der Lehrerin gelten und auch noch der Inhalt verstanden werden.

 

Welche Anzeichen können ein Hinweis auf eine Wahrnehmungsstörung sein?

Bereits in der frühkindlichen Phase können Auffälligkeiten in den Bereichen der vestibulären, propriozeptiven, taktilen, visuellen oder auditiven Wahrnehmung auftreten. Diese zeigen sich unter anderem durch:

  • Entwicklungsverzögerung
  • Sprachentwicklungsstörung
  • Lese- Rechtschreibproblematik
  • Aufmerksamkeitsdefizite
  • Handlungsungeschicklichkeiten
  • Lernproblem
  • Hyperaktivität-Vermeidung von Bewegungserfahrung
  • Psychosomatische Probleme
  • Kommunikationsprobleme

 

Welche Konzentrationsförderung besteht?

Aufmerksamkeitsproblematiken können sich durch Störungen aus einem oder mehrere vorhergenannten Wahrnehmungsbereichen begründen. Ebenfalls können aber auch hirnorganische Dysfunktionen Ursache hierfür sein. Durch verschiedene Testverfahren können unterschiedliche Konzentrationsproblematiken wie die geteilte, selektive oder Daueraufmerksamkeit herauskristallisiert werden. Entsprechend werden fundierte Therapieprogramme z.B. Marburger Konzentrationstraining eingesetzt.

 

Ziel der Ergotherapie ist in allen Einsatzbereichen gleich: eine zufriedenstellende Ausführung alltäglicher Handlungen und die damit verbundene selbst bestimmte Teilhabe am sozio-kulturellen Leben. Das wird erreicht durch Verbesserung, Wiederherstellung oder Kompensation der beeinträchtigten Fähigkeiten und Funktionen. Neben geeigneten Förderungen soll auch der Einsatz von Hilfsmitteln dazu beitragen, dass die Umwelt an die verbleibenden Fähigkeiten angepasst wird und so ein Optimum an Rehabilitation erreicht wird.