Geschichtlicher Überblick

1976 wurde die Westfälische Berufsschule für Blinde und hochgradig Sehbehinderte in Soest (heute LWL-Berufskolleg Soest) offiziell eröffnet. Eine berufliche Bildung Blinder gab es in Soest jedoch bereits seit fast 120 Jahren.
Mit Gründung der von Vincke'sche Provinzial-Blindenanstalt 1847 in Soest (für evangelische Schüler) und der Übernahme des von Pauline von Mallinckrodt fünf Jahre zuvor gegründeten Privat-Blindeninstitutes in Paderborn (für katholische Schüler) begann die staatliche Bildung Blinder in der preußischen Provinz Westfalen.
Entsprechend des damaligen Gedankens einer allumfassenden Versorgung blinder Menschen in einer Einrichtung, begann man ab 1858 mit der gewerblichen Ausbildung in der Korbmacherei, Bürstenmacherei, Seilerei und Stuhlflechterei, zwischenzeitlich sogar mit eigener Produktionsstätte. Ab 1929 kam es zur Bildung von Aufbauklassen mit abschließender „Schulwissenschaftlicher Vorprüfung“, die die Ausbildung zum Telefonisten, Stenotypisten sowie zum Klavierstimmer vorbereiteten.
Diese Bündelung vieler verschiedener Aufgaben unter einem Dach hatte praktisch bis 1976 Bestand. Im selben Jahr wurde die Provinzial-Blindenanstalt Soest, wie sie mittlerweile hieß, in fünf selbständige Einrichtungen unter der Trägerschaft des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe aufgegliedert. Neben der Westfälischen Berufsschule für Blinde und hochgradig Sehbehinderte waren dies die Westfälische Schule für Blinde, das Westfälische Schülerinternat, das Berufsbildungswerk für Blinde und Sehbehinderte sowie die Schul- und Internatsverwaltung.
Der erste Schulleiter der Berufsschule wurde ab 1976 Karl Bender, der bereits zehn Jahre lang Direktor der Provinzial-Blindenanstalt war. Gleichzeitig übernahm er auch die Leitung des Berufsbildungswerkes. Die gemeinsame Leitung von Berufsschule und Berufsbildungswerk wurde von seinem Nachfolger Norbert Bosse-Plois bis 1987 fortgesetzt. Seit 1995 ist Theo Wenker Schulleiter des LWL-Berufskolleg Soest.
Zu Beginn wurde neben der Einrichtung von Teilzeitklassen im Dualen Berufsausbildungssystem für Auszubildende des Berufsbildungswerkes eine zweijährige Handelsschule als Vollzeitschule eröffnet, der zwei Jahre später das Berufsvorbereitungsjahr folgte.
Bereits 1983 wurde die Beschränkung nur Schüler aus Nordrhein-Westfalen aufzunehmen fallengelassen, so dass sich der Einzugsbereich praktisch auf die ganze Bundesrepublik ausdehnte.
Mit Einführung der Vorklasse zum Berufsgrundschuljahr und des Berufsgrundschuljahres als Ersatz des Berufsvorbereitungsjahres im Jahr 1986 wurde nun auch Schülerinnen und Schülern ohne schulischen Abschluss die Möglichkeit gegeben, diesen an der Berufsschule nachzuholen. Ebenfalls 1986 wurde die Höhere Handelsschule eröffnet.
Seit 1989 werden in der Teilzeitberufsschule auch externe Schülerinnen und Schüler aufgenommen, die ihre Ausbildung nicht im Berufsbildungswerk Soest absolvieren.
Ab 1992 ist es möglich in der gymnasialen Oberstufe die allgemeine Hochschulreife zu erwerben, was 1995 den ersten drei Schülerinnen und Schülern gelang.
Ein besonderes Ereignis war der Bezug der neuen Gebäude am 1. August 1989. Nach fast vierjähriger Bauzeit hatte man für die Berufsschule, das Berufsbildungswerk und die Verwaltungsabteilung neue, moderne Gebäude erstellt.
Seitdem verfügt die Berufsschule neben den Klassenräumen über mehrere Computerräume, eine Schulküche mit Hauswirtschaftsbereich, eine Metall- sowie eine Holzwerkstatt.
Die Schülerzahlen sind seit 1976 kontinuierlich gestiegen. Im Gründungsjahr 1976 besuchten 53 Schülerinnen und Schüler die damalige Berufsschule für Blinde und hochgradig Sehbehinderte. Im Laufe der Jahre ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler auf ca. 300 angestiegen. Diese verteilen sich auf insgesamt 70 bis 80 verschiedene Klassen. Am Berufskolleg sind ca. 45 Lehrkräfte beschäftigt, ergänzt durch ein bis drei Lehramtsanwärterinnen und -anwärter, sowie eine Sozialarbeiterin, eine Schulverwaltungsassistentin und eine Arbeitsassistenz.