Schaugießerei der Henrichshütte-Hattingen

Bereits vor 5000 Jahren gelang es Menschen im Vorderen Orient, Metallgegenstände aus gegossenem Metall herzustellen. Damit ist das Gießen die ursprünglichste Form der Metallgestaltung überhaupt und hat bis heute für Gegenstände des täglichen Gebrauchs als auch für Kunstgegenstände nicht an Bedeutung verloren.

Flüssiges Metall übt seit Jahrtausenden eine inspirierende Wirkung auf die Menschen aus. So sang Bruce Springsteen zu Ehren seines verstorbenen Freundes Frank "Terry" Magovern in „Terrys song“ davon, dass wohl nach seiner (Terrys) Erschaffung die Gussform zerstört worden sei („they broke the mold“). Eine passende Metapher, um die Einmaligkeit und Unersetzlichkeit eines Menschen zu versinnbildlichen.

Bis 1993 wurde auch in Hattingen in der Henrichshütte jeden Tag Einmaliges geschaffen. Bei Gussstücken mit einem Gewicht von mehr als 400 Tonnen haben die Gießer die Grenzen des Machbaren ausgelotet. Die Formen, die nach klassischer Art aus Sand gebildet wurden, waren nach dem Gießprozess verloren, jedes Werkstück ein Unikat. Natürlich lassen sich manche Werkstücke anhand der eigens hergestellten Modelle vielfach abbilden.

Wie genau? „Auf Sandkorngröße!“ Diese Antwort erhält man, wenn man, so wie wir, die Gelegenheit bekommt, mit Karl Nießen zu sprechen, seines Zeichens ehemaliger Obermeister der Stahlgießerei.

Im Juli waren wir zu einem ersten Kooperationsgespräch mit Frau Hoffmann im LWL-Industriemuseum in Hattingen, denn wir wollen „unsere“ Metaller zukünftig hautnah erleben lassen, was es heißt, aus der Schmelze ein Werkstück zu formen. Herr Nießen ließ es sich nicht nehmen, uns die hohe Kunst des Sandgießens zu demonstrieren. Er wählte dazu einen dreiteiligen Kasten, denn das Werkstück hatte es mit seinen zusätzlich eingelegten Kernen schon in sich. In der nachfolgenden Diashow können Sie sich einen Eindruck von der Arbeit in der Schaugießerei machen.

Ein Gusswerkstück entsteht

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Einformen des Modells


Einformen des Einguss- und Speisersystems


Vorbereiten des Kerns


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Im Herbst waren die Konstruktionsmechaniker an der Reihe. In Begleitung von Herrn Kirchhoff (Berufskolleg) und Herrn Köhler (Berufsbildungswerk) wurden die ersten Plaketten abgegossen. Aber auch der Sonderwunsch eines Auszubildenden aus dem Abschlussjahrgang nach einer selbst gestalteten „Reliefplatte“ wurde spontan erfüllt.

Im Frühjahr des Jahres 2012 wird das Berufsgrundschuljahr mit Herrn Stuckenbröker die Schaugießerei besuchen.

Bei dieser Gelegenheit heißt es, dem ganzen Team um Herrn Hehs und damit letzlich auch dem Förderverein unseren Dank für die vergangenen Stunden in Hattingen auszusprechen.