Das System der Punktschrift
Die Schrift blinder Menschen ist die „Punktschrift“ oder auch „Braille-Schrift“, genannt nach ihrem Erfinder Louis Braille. Die Schrift der Sehenden wird von blinden Menschen „Schwarzschrift“ genannt. Die Grundform der Punktschrift bilden zwei parallel zueinander stehende Dreierreihen von erhabenen Punkten, vergleichbar der „sechs“ auf einem Würfel. (s. Abbildung). Auf dieser Basis lassen sich 63 Kombinationen von Punkten erzeugen. In der Punktschrift gibt es keine kleinen und großen Buchstaben. Große Buchstaben und Zahlen werden durch besondere Zeichen gekennzeichnet, die dem Buchstaben bzw. der Zahl vorangestellt werden.
Wie in der Schwarzschrift gibt es auch in der Punktschrift zahlreiche Spezialschriften für Musiknoten, Chemie, Schach oder Stenografie. Eine Punktschrift auf der Basis von 8 Punkten wurde speziell für die Anwendung am Computer entwickelt. Mit ihr ist die Abbildung von 255 Zeichen möglich.
Das klassische Gerät zum Schreiben der Punktschrift ist die Tafel. Sie besteht aus zwei feingegliederten, mit einem Scharnier verbundenen Platten. Die untere bildet das sechs-Punkte-Muster in Form von Vertiefungen ab. Die obere Platte bildet eine Schablone, die die Ausschnitte zum Führen des Stiftes enthält. Mit einem Stichel, der in einer eisernen Spitze endet, werden die Punkte in das Papier gedrückt. Alle Zeichen müssen spiegelverkehrt geschrieben werden.
Um Schreibgeschwindigkeit und -komfort zu erhöhen, wurde die Punktschrift-Schreibmaschine entwickelt. Sie verfügt über sechs Tasten für die sechs Punkte sowie eine Leertaste. Es werden immer die Tasten gleichzeitig gedrückt, die zum Schreiben eines Zeichens erforderlich sind.
Für die Arbeit am Computer wurde die sogenannte „Braille-Zeile“ entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Ausgabegerät, das jeweils eine Textzeile in Brailleschrift anzeigen kann. Die Zeichen werden durch kleine Stifte gebildet, die elektronisch angesteuert werden. In der Praxis wird heute in der Regel parallel mit einer Software gearbeitet, die den Bildschirminhalt vorliest.
Durch die Digitalisierung sind blinden Menschenheute viel mehr Texte zugänglich als in früheren Zeiten. Durch die zunehmende Zahl von Grafiken und grafischen Benutzeroberflächen werden jedoch neue Barrieren aufgebaut. Die Brailleschrift ist trotz aller Computertechnik nach wie vor ein unentbehrliches Hilfsmittel für blinde Menschen.

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