Förderbedingungen für ein schwerstmehrfachbehindertes Mädchen

Bild: Kind mit Therapeutin

Förderung in der LWL-Förderschule und dem Internat, Förderschwerpunkt Sehen, Paderborn

Andrea ist heute 11 Jahre. Während der Woche wohnt Andrea im Internat der Schule, das Wochenende verbringt sie mit ihren Eltern und Geschwistern zu Hause in Borken. Die Eltern haben sich entschlossen, Andrea in die LWL-Förderschule, Förderschwerpunkt Sehen, Paderborn gehen zu lassen, da Andrea, ein schwerstmehrfachbehindertes Mädchen mit einer hochgradigen Sehbehinderung ist, das intensive und spezifische Hilfe benötigt, um die ihr verbliebenen Möglichkeiten zum Lernen zu nutzen. Den Einrichtungen in Paderborn ist es wichtig, dass Andrea ganzheitlich gefördert wird. Das bezieht sich zum einen auf die inhaltliche Abstimmung der Förderziele in Schule und Internat, andererseits auf das Üben einzelner Fertigkeiten und Fähigkeiten in Alltagssituationen. In Andreas Förderung stehen heute - im 5. Schuljahr - die folgenden Ziele im Vordergrund:
- die Steigerung ihrer Selbständigkeit
- die Verbesserung und Steigerung ihrer Gehfähigkeit
- eine allgemeine Wahrnehmungsförderung
- die Sehrestförderung Konkret wurden daraus sowohl in der Schule als auch im Internat zu Beginn dieses Schuljahres u. a. folgende Ziele formuliert:
- mit Hilfestellung (z. B. Achten auf die Beschaffenheit des Wegrandes, wie Rasen ...) den Verlauf des Schulweges erkennen und verfolgen, um zu lernen, den Weg selbständig zu gehen
- mit Hilfestellung die Anordnung der Möbel in der Schulklasse, den Fachräumen und in der Wohngruppe des Internates erkennen und zum gezielten Gehen ohne Anecken ausnutzen
- kurze Wege - von einem Raum zum anderen - allein zurücklegen
- sich nicht durch Ansprache beim Gehen stören lassen
- die Jacke beim Ankommen in der Schulklasse bzw. der Wohngruppe selbständig ausziehen und an den Haken hängen Für den schulischen Bereich wurden darüber hinaus u.a. folgende Ziele bestimmt:
- Festigen der Begriffe »rechts - links - vor - neben - hinter«
- eine Tätigkeit (z. B. ein Steckbrett mit 100 Steckern von links nach rechts, d.h. in Leserichtung zu stecken) über einen längeren Zeitraum ohne verbale Unterstützung durch den Lehrer ausüben Im Internat werden die oben genannten Ziele in der alltäglichen Situation geübt. In der Schule erfolgt dies so oft wie möglich ganz gezielt und detailliert geplant in durchstrukturierten Fördersituationen. Dazu werden kindgerechte thematische Inhalte gewählt, wie z. B.: Wir bereiten verschiedene Quarkspeisen zu. Es geht für Andrea und ihre Klassenkameraden bei solch einem Thema nicht nur darum, zu lernen, eine Quarkspeise selbständig herzustellen, sondern es bieten sich für Andrea noch folgende Lernangebote:
- genau Hinsehen, um die Zutaten an der Farbe oder ggf. der Form und Konsistenz zu erkennen
- Kennenlernen und Unterscheiden verschiedener Früchte durch Schmecken, Riechen und Befühlen
- Kennenlernen und Unterscheiden der Zutaten für eine Quarkspeise
- die linke Hand als Haltehand einsetzen, um zum Beispiel mit der rechten Hand in einer Schüssel zu rühren
- Zutaten ( z. B. Erdbeeren) mit der rechten Hand im Pinzettengriff greifen
- Schneiden von Früchten, um die Motorik der Hände weiter zu schulen
- Aushalten lernen, dass es eine recht lange Zeit dauert bis die Quarkspeise zubereitet ist Es gäbe noch viele weitere Beispiele. So wie Andrea besuchen zur Zeit 166 Jungen und Mädchen die LWL-Förderschule, Förderschwerpunkt Sehen, Paderborn. Darüber hinaus werden zur Zeit 2 blinde Mädchen und 6 sehbehinderte Jungen und Mädchen in der Grundschule ihres Heimatortes sonderpädagogisch durch einen Sonderschullehrer dieser Schule betreut. Viele der sehbehinderten und blinden Kinder, die die Schule in Paderborn besuchen, wohnen während der Woche im Internat. Hier werden die Kinder in enger Kooperation mit der Schule ganzheitlich gefördert und betreut.