Schülerfirma

Die Schülerfirma als handlungsorientiertes Lernarrangement stellt eine Möglichkeit dar, um praxisorientiert ökonomische Bildung zu vermitteln. Wirtschaftliche und ökonomische Kenntnisse sollen gefördert, Schlüsselqualifikationen wie z. B. Kommunikations- und Team­fähigkeit sowie Zuverlässigkeit und Verantwortungsbereitschaft eingeübt werden.

Eine Schülerfirma ist eine sehr gute Möglichkeit, den „Ernstfall“ Arbeiten im Betrieb kennen zu lernen – in unserem Fall war die Geschäftsidee „Herstellung von Hundekeksen“.

Dadurch sollen die Schülerinnen und Schüler buchstäblich spielerisch alle Tätigkeiten erler­nen, die mit der Arbeit in einem Unternehmen verbunden sind.

Es stellen sich Fragen wie:

  • Welche Aufgaben hat ein Unternehmen?
  • Welche Ziele werden angestrebt?
  • Wie wird ein Unternehmen geführt und Arbeitsprozesse effizient organisiert (Arbeitsteilung)?
  • Wie wirbt man für seine Produkte?
  • Wie analysiert man den Markt?
  • Wie erfolgt eine Kalkulation (Einkauf der Rohstoffe, Einsatz von Arbeit und schließlich deren weitere –möglichst Gewinn bringende – Vermarktung)?

Zielgruppe

In unserer Schülerfirma arbeiten Schülerinnen und Schüler der letzten beiden Schuljahre, der Klassen 9 und 10,

  • die leistungsstark sind und mit großer Wahrscheinlichkeit den Hauptschulabschluss nach Klasse 10 erreichen werden,
  • für die eine betriebliche Ausbildung aufgrund ihres Leistungsvermögens realistisch ist,
  • die die formalen Anforderungen des Berufslebens („Schlüsselqualifikationen“) berufsqualifizierend trainieren und somit auf dem Ausbildungsmarkt verbesserte Chancen haben sollen,
  • die bereit sind, mindestens ein Schuljahr der Schülerfirma aktiv anzugehören.

Die Schülerfirma besitzt einen stark praxisorientierten Charakter. Die Arbeit findet in der Schulküche statt und strebt eine realitätsnahe Situation an. Letztendlich muss sich die Firma bei der Vermarktung ihrer Produkte dem freien Markt stellen. Der Erfolg und die Effek­tivität der Firma ist anhand des erwirtschafteten Gewinns messbar.

Die Schülerfirma kann ihrer Aufgabe nur gerecht werden, wenn ihre Kapazität begrenzt wird. Die Anzahl von maximal 9 Schülern sollte nicht überschritten werden.

Von den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern wird ein hohes Maß an Flexibilität erwar­tet. Es ist denkbar, dass der Absatz des Produktes „Hundekekse“ es erforderlich macht, sich in den Ferien zu treffen, um die Nachfrage zu decken bzw. Kunden zu binden. Dies sollte, soweit es im individuellen Fall vertretbar (Finanzierung der Anfahrt/ Terminabsprache etc.) und zumutbar ist, verpflichtend sein.

Pädagogische Ziele

Pädagogisch stehen in der Schülerfirma die Schlüsselqualifikationen im Vordergrund. Sie sind tatsächlich meistens der „Schlüssel“ für den Eintritt in Ausbildung oder Beschäftigung. Die Institution der „Schülerfirma“ kann ein hervorragendes Instrument darstellen, Verant­wortungsgefühl, Eigeninitiative, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit etc. zu fördern.

Die Schülerfirma möchte Schülerinnen und Schüler für wirtschaftliches Handeln und Struk­turen sensibilisieren und ihnen möglicherweise Einsichten und Handlungsmuster an die Hand geben, die sie im späteren Leben mit den Ansprüchen und Anforderungen der Gesell­schaft besser zurechtkommen lassen.

Die Organisationsform der „erweiterten“ AG bindet die Firma in das Schulleben ein, dazu trägt auch die selbstgestellte Aufgabe der Mittagsversorgung der übrigen Schüler am Ganz­tag bei.

Es muss den Schülern immer bewusst sein, dass die Schülerfirma Teil der Schulgemein­schaft ist und als solche auch Verpflichtungen hat. Sie ist eine Schulveranstaltung mit einer anspruchsvollen pädagogischen Zielrichtung. Sie kann und will keine berufliche Grundbil­dung leisten.

Eine abschließende mit dem jeweiligen Schüler und dem jeweiligen Klassenlehrer bespro­chene Beurteilung kann dem Berufswahlpass beigelegt und bei Bewerbungen eingereicht werden.

Die Schülerfirma arbeitet nach folgendem Ablaufschema:

Alle

  • Einkaufen, Waren anliefern, verbuchen, einsortieren
  • Herstellen des Produktes „Hundekekse“ in festen 3er-Gruppen, die für die Bereit­stellung der Zutaten, fürs Backen und für das Aufräumen der jeweiligen Kochkoje verantwortlich sind
  • Abwiegen und Verpacken der Hundekekse

Zusätzlich / ein Team

  • Einen Monat lang beschäftigt sich ein festes 3er-Team 1 Stunde vor der Mittags­pause mit der Vorbereitung des Mittagessenangebots.
  • Dieses Team ist auch verantwortlich für die Austeilung des Essens und die anschlie­ßende Säuberung des Essensraumes und der Internatsküche.
  • Dieses Team ist ebenfalls verantwortlich für den Verkauf der Essensmarken am Dienstag in der großen Pause.

Alle

  • Nach der Säuberung der Schulküche werden die Lagerbestände über­prüft, Lagerkarten weitergeführt und der neue Einkauf geplant.

Folgende Aspekte und Fragen müssen in diesem Schuljahr verstärkt bearbeitet werden, um den Absatz unserer Hundekekse zu steigern:

  • Welche Kekssorten lassen sich nur schwer verkaufen, woran liegt dies? Welche Sorten sind „gängiger“? (Kundenbefragung mittels eines Fragebogens oder direkter Befragung?)
  • Welche neuen Sorten sind erwünscht? (s. o.)
  • Anvisierung eines Verkaufs in Tierarztpraxen, in Hundesportvereinen, in Hundeschulen? (Werbezettel verteilen, persönliche Vorsprache)
  • Planung von Werbung (Zeitung, Schwarzes Brett im Supermarkt, Radio, Internet)
  • Bessere Gestaltung des Produktes, um anvisierte Kundengruppe zu erreichen (Jutesäck­chen? Zusammenarbeit mit der Textilgruppe?)

Unser Marketingkonzept im Überblick

Produktpolitik:
Gleichbleibende Qualität und Größe, Entwicklung unterschiedlicher Sorten für bestimmte Allergikertypen

Preispolitik:
Preisgestaltung unter Einbeziehung der Nachfrage und der Schaffung eines verlässlichen Absatzmarktes, Erweiterung des Absatzmarktes, Rabatt

Werbung:
Persönlicher Verkauf, Werbezettel, Öffentlichkeitsarbeit, Erweiterung des Absatzmarktes

Absatz:
Absatzkanäle, Lagerhaltung, Lieferzeiten, Transport

Zusätzlich Arbeitseinsatz:
Organisieren eines Arbeitsplanes und effektiver Einsatz der Mitarbeiter, aber auch Arbeit­nehmerfragen (Sozialkunde/Politik), Pausenregelung, Urlaubsregelung und Arbeitsbefreiung

Mit der Tätigkeit der Schülerfirma sind auch finanzielle Transaktionen verbunden. Es müs­sen Zutaten gekauft und fertige Produkte verkauft werden.

Diese Vorgänge werden mit Hilfe der Buchführung festgehalten. Die Schüler lernen mithin in der Schülerfirma die Grundzüge einer Buchhaltung kennen.

Es sei zum Schluss darauf hingewiesen, dass wir zurzeit noch in der Aufbauphase sind und nur minimale Gewinne verbuchen können. Unser Ziel ist es, wie jede Firma in der „Realität“ Gewinne machen zu können. Ein weiteres Ziel wäre es auch, einen Wirtschaftspaten bzw. eine Bäckerei zu finden, mit der wir zusammenarbeiten und dadurch deutlich mehr produ­zieren können. Die Voraussetzung für eine „Zusammenarbeit“ ist ein höherer Absatz. Daran werden wir in diesem Jahr arbeiten.

Ausblick:
Ob und inwieweit die Berufsberatung der Agentur für Arbeit in dieses Konzept miteinbezogen werden kann, ist ein Thema für weitere Gespräche. Mit Sicherheit muss allerdings die Frage der Evaluation der Maßnahme gestellt werden, also ob und inwiefern das Konzept der Schülerfirma den Schülern bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz geholfen hat.

Gegebenfalls muss sich das Projekt einer kritischen Überprüfung unterziehen und eventuelle Verbesserungen müssen eingearbeitet werden.