Förderung

Unsere Förderung setzt an den Stärken der Schüler an, weil es schon in der Begrifflichkeit des Wortes Fördern liegt, dass nur das gefördert werden kann, was bereits vorhanden ist. Synonym zu „fördern“ benutzen wir „entwickeln“, „entfalten“, „erschließen“. Diese Bezeichnungen sind sinnvoll, weil wir anhand der individuellen Förderpläne möglichst genau beschreiben, was gefördert und entwickelt werden soll.

Durch die Bestimmung der individuellen Förderplanung wird sichergestellt, dass der Schüler nicht zum Objekt von isolierten Maßnahmen wird, sondern sich jeder Förderschwerpunkt aus der physischen und psychischen Gesamtheit des Schülers ergibt.

Kriterium für eine Sprachbehinderung ist daher nicht, dass ein Schüler von gesellschaftlich akzeptierten Ausdrucks- und Kommunikationsformen abweicht. Kriterium für die Behinde¬rung und somit auch für die Förderung an der Ravensberger Schule ist vielmehr die Tatsache, dass der Schüler / die Schülerin den ihm/ihr möglichen Spielraum seiner/ihrer Fähigkeiten nicht zu nutzen vermag und dass eine Erweiterung dieses Spielraums eine Verbesserung seiner/ihrer Lebensqualität bedeutet. Es geht uns weniger um das Feststellen von Defiziten als vielmehr um das Erkennen der Entwicklungs- und Differenzierungsmöglichkeiten dieser Fähigkeiten. Dieses geschieht im konkreten förderdiagnostischen Handeln und im Prozess der Förderung selbst.

Individuelle Förderung

Nach den Vorgaben des nordrheinwestfälischen Schulministeriums umfasst Begabungsförderung folgende Bereiche:

  • Persönlichkeitsentwicklung
  • Aufbau von Lernkompetenz
  • Erkennen von Lernstand und Lernbedarf
  • Einbettung der Maßnahmen in die Unterrichts- und Schulentwicklung


Die Schüler sollen durch selbstgesteuertes Lernen ihre Potenziale zur Entfaltung bringen. Über- und Unterforderung sollen vermieden, Lernschwierigkeiten im fachlichen Lernen wie z. B. Lese-Rechtschreib-Schwäche, Dyskalkulie usw. sollen durch an die individuelle Entwicklung angepasste Angebote ausgeglichen werden.

Zur Diagnose der Lernausgangslage sollen standardisierte Tests, Fragebögen, Checklisten u. Ä. herangezogen werden.

Organisation
Neben der Sprachförderung im Unterricht erhält jede Klasse eine Wochenstunde zur individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler (MX Stunde).
In den Klassen 5 und 6 bestehen durch Doppelbesetzungen darüber hinaus zusätzliche Fördermöglichkeiten. Hier bleibt es dem Team der Doppelbesetzung überlassen, ob der Teamer in der Klasse mitarbeitet, ob Lerngruppen stärker differenzierte Förderung erhalten oder ob die individuelle Förderung in Einzelsituationen erfolgt.
In den oberen Klassen wird verstärkt auf die Berufsorientierung ausgerichtet gearbeitet.

Förderplan
An der Ravensberger Schule bildet der Förderplan die Grundlage der individuellen Förderplanung. Der Förderplan begleitet unsere Schüler von der 5. bis zur 10. Klasse und wird ab Klasse 8 durch den Berufswahlpass ergänzt. (S. auch Anhang.)
Der Förderplan umfasst 3 Teile:

I. Diagnostik
In diesem Teil finden sich Angaben über

  • die Schullaufbahn
  • außerschulische Maßnahmen
  • vordringliche Förderbedürfnisse
  • die außerschulische Lebenssituation
  • Fragen zur Selbsteinschätzung
  • Emotionalität
  • Sprache und Kommunikation
  • das Lern- und Arbeitsverhalten


Kern der Förderplanung ist gemäß unserem Auftrag der Bereich Sprache/Kommunikation. Formelle und informelle Verfahren werden schwerpunktmäßig zu Beginn der Klasse 5 eingesetzt, um die Lernausgangslage unserer Schüler in den verschiedenen Sprachebenen Morphologie/Syntax, Semantik/Lexik und Phonetik/Phonologie zu eruieren und darauf abgestimmte Fördermaßnahmen ergreifen zu können.

Folgende formelle Testverfahren werden eingesetzt:

  • Bergedorfer Screening
  • Hamlet (Leseverständnisstufe)
  • SLS 5–8 (Lesegeschwindigkeit und Lesevermögen)
  • PAP (Pyrmonter Aussprache-Prüfung)


Informelle Verfahren:
Diagnosediktate nach SOMMER-STUMPENHORST
Überprüfung der Hörspanne mit Zahlen und Silben
Übungen aus den Bereichen Grammatik und Semantik
Überprüfung der Grundrechenarten
In Abwägung mit den Förderbedürfnissen in den Bereichen Emotionalität und Lern- und Arbeitsverhalten werden die vordringlichen Förderschwerpunkte festgelegt.

II. Förderplanraster
Hier werden die in den Kernlehrplänen beschriebenen Kompetenzen mit den Unterrichtsinhalten und den diagnostizierten Förderbedürfnissen des Schülers / der Schülerin abgestimmt.
Fördermaßnahmen werden unter Berücksichtigung der Lernausgangslage aus den Unterrichtsinhalten abgeleitet, dokumentiert und in Abständen durch geeignete Maßnahmen (Schülerbeobachtung, Gespräche, mündliche und schriftliche Lernzielkontrollen, Selbsteinschätzungsbögen, Klassenarbeiten) evaluiert.

III. Dokumentation der Förderplankommunikation
Inhalte von Gesprächen mit Eltern, Erziehungsberechtigten, außerschulischen Institutionen und nicht zuletzt mit dem Schüler / der Schülerin selbst werden hier stichwortartig dokumentiert.
Die Förderziele werden gemeinsam mit den Schülern und Schülerinnen selbst festgelegt, erreichte bzw. nicht erreichte Ziele dokumentiert und gegebenenfalls modifiziert.
Neue Ziele werden vereinbart und schriftlich festgehalten.
Jeweils halbjährlich finden Förderplankonferenzen statt, in denen sich alle Lehrer, die in der Klasse unterrichten, über die Förderziele und den Erfolg der bisherigen Fördermaßnahmen austauschen.
Das Jahrgangsteam bespricht anhand eines Fragebogens das Arbeits- und Sozialverhalten sowie den Stand der sprachlichen Entwicklung eines Schülers / einer Schülerin und legt die zukünftigen Förderschwerpunkte fest.

Die Eltern werden aktiv in die Gespräche zur Förderplanung einbezogen und fortlaufend über die Fortschreibung der Förderziele und Fördermaßnahmen informiert. Ihre Kenntnisse über die spezifischen Bedürfnisse ihrer Kinder werden genutzt und in den Förderplan einge¬arbeitet.
Dies geschieht zweimal jährlich an den Elternsprechtagen und darüber hinaus in häufigen telefonischen Kontakten, Elternabenden und Klassenkonferenzen.

Die Förderziele werden schriftlich in der Klasse niedergelegt, so dass sich jeder Fachlehrer schnell informieren kann.
Konferenzen zur Besprechung der Kopfnoten ergänzen die individuelle Förderplanung.
Spätestens an den Elternsprechtagen werden die Eltern über den erreichten Lernstand ihres Kindes informiert, sofern das nicht bereits vorher in Gesprächen geschehen ist.

IV. Berufswahlpass
Ab Klasse 7 ergänzt der Berufswahlpass den individuellen Förderplan.
Schrittweise sollen die Schüler befähigt werden, ihre Schwächen und Stärken realistisch einzuschätzen, ihre Zielvorstellungen zu klären und weitere Lernschritte zu planen.
Die Übergangsschritte Schule / Berufs- und Arbeitswelt sind detailliert geplant und bieten so den Schülern vielfältige Möglichkeiten, die eigenen Lernfortschritte zu dokumentieren, zu überprüfen und gegebenenfalls neuen Gegebenheiten anzupassen.

Schwerpunkte der Klasse 8 im ersten Schulhalbjahr sind ein einwöchiges sogenanntes Schnupperpraktikum und ein 4-tägiges Berufsorientierungscamp.
Hier können erste Eindrücke in verschiedenen Berufsfeldern wie Handel, Handwerk und Dienstleistung gewonnen werden.
Im zweiten Schulhalbjahr finden 2 Förderplangespräche statt, deren Ziel es ist, die Schüler zur Reflexion über Förderziele anzuregen, die nach dem Einsatz von Bögen zur Selbst- und Fremdeinschätzung bzw. nach Erfahrungen aus dem Unterricht mit ihnen gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden.

In der Klasse 9 sind zwei Betriebspraktika jeweils 2 Wochen vor den Herbst- und vor den Osterferien vorgesehen. Die Schüler haben die Option – in Absprache mit dem Betrieb –, das Praktikum um eine Woche zu verlängern. Einzelgespräche in der Agentur für Arbeit und ein psychologischer Berufseignungstest unterstützen die Schüler im Prozess der Berufsfin¬dung. Ein Bewerbungstraining unter der Leitung von externen Partnern vermittelt den Schü¬lern die notwendigen Handlungskompetenzen für die kommende Bewerbungsphase.
Wie bereits im Schuljahr zuvor finden auch in Klasse 9 zwei Förderplangespräche statt, mit dem Ziel, die berufsbezogenen Kernkompetenzen zu stärken und die Schüler zunehmend in die Lage zu versetzen, den eigenen Lernprozess selbstverantwortlich mitzugestalten. Dabei geht es darum, einen realistischen Blick auf die eigenen Fähigkeiten zu werfen und mit den beruflichen Möglichkeiten in Einklang zu bringen.

Unmittelbar nach Beginn der Klasse 10 findet ein drittes, jetzt dreiwöchiges Schülerbetriebspraktikum statt. Ein weiteres Einzelgespräch mit der Berufsberatung folgt. Bei Bedarf kann ein zusätzliches Förderpraktikum organisiert werden. Vor den Weihnachtsferien verschicken die Schüler ihre Bewerbungen.
Wie in den Jahren zuvor schließen Förderplangespräche die berufsvorbereitenden Maßnahmen ab.

V. Unterrichtsergänzende Förderung
Neben die unterrichtsimmanente individuelle Förderung tritt der unterrichstergänzende Förderunterricht, der den individuellen Begabungen und Neigungen der Schüler Rechnung tragen soll.
1. Lese-/Schreibförderung
2. Musikalisch-künstlerischer Bereich
3. Sportlicher Bereich
4. Stottertherapie

Unsere Arbeitsgemeinschaften sind in 3 Säulen unterteilt.
Jeder Bereich wird für jeweils ½ Jahr gewählt. Alle 3 Bereiche müssen von jedem Schüler durchlaufen werden. Parallel zu den Arbeitsgemeinschaften findet die Stottertherapie statt.

Darüber hinaus findet einmal im Monat eine Schülerkonferenz statt, die von einer Schülergruppe selbst organisiert, durchgeführt und geleitet wird. Die gesamte Schülerschaft trifft sich in der Aula. Dort werden unterschiedliche Aktionen aus den Klassen präsentiert wie z.B. Tanzdarbietungen, Rückmeldungen von Klassenfahrten,… Dadurch werden die Kompetenzen in den Bereichen Selbstwert, Selbständigkeit und Sprache zusätzlich gefördert.