Im Schuljahr 2005/2006 nehmen sieben Mädchen an einer Fördergruppe für mutistische Schüler teil.
An diesen Förderstunden nehmen auch Schülerinnen teil, die auffallend schweigsam im Unterricht sind ohne mutistisch zu sein.
Die Förderung findet im Musikraum, montags in der 3. und 4. Stunde in zwei verschiedenen Gruppen statt.
Innerhalb der Förderstunden erfahren die Schülerinnen, dass sie mit ihrem Schweigen nicht allein ist, sondern es viele andere Menschen gibt, die genau wie sie in bestimmten Situationen oder bestimmten Menschen gegenüber nicht sprechen. Dazu hören und lesen die Schülerinnen Geschichten und Lebensläufe anderer Mutisten (zum Teil in ihrer Muttersprache). Diesen Zweck erfüllt auch die Zusammenkunft selbst, indem man mit anderen Schülerinnen der Martin-Luther-King-Schule zusammen kommt, die das „gleiche“ Problem haben. Die Schülerinnen erhalten Gelegenheit ihre Ängste, Sorgen und Hoffnungen in Bezug auf das Symptom schriftlich zu äußern oder gestalterisch zum Ausdruck zu bringen.
Es wird vielfältig Gelegenheit zur nonverbalen Kommunikation geboten.
Der „Problemzone“ Mund wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt:
Wir essen und trinken gemeinsam, denn für Mutisten scheint das Essen mit „Fremden“ ein besonderes Problemfeld zu sein), wir spielen beispielsweise mit Seifenblasen und Luftschlangen, blasen Luftballons auf und Watte auf Spielfeldern hin und her.
Da sich gezeigt hat, dass zum Teil aggressive Hemmungen vorliegen, bieten wir die Möglichkeit Wut und Aggressivität spielerisch abzubauen.
Wir führen Wahrnehmungs- und Kooperationsspiele durch, die die Schülerinnen miteinander in Kontakt bringen und das Sprechen erfordern. Dabei geht es auch darum, einzelne zu bewegen, so laut zu sprechen, dass die anderen Schülerinnen sie auch verstehen können.
Blickkontakt während des Sprechens aufzunehmen bzw. zu halten, ist ein weiterer wichtiger Förderschwerpunkt. Wir nutzen auch nonverbale Möglichkeiten uns zu verständigen und miteinander in Kontakt zu kommen. Über Symbole, Töne und Geräusche versuchen wir einander etwas zu verstehen zu geben oder schriftsprachlich miteinander zu kommunizieren.
Da manche noch nicht in der Lage sind, mit anderen außer mit einzelnen zu sprechen streben wir an, den verbalen Kontakt auch auf andere Personen auszudehnen. Kassettenaufnahmen und Mitteilungsbüchlein sollen als Schritte zwischen angestrebter verbaler Mitteilung und derzeit benutzter Gestik geschaltet werden, um ihr weitere Kommunikationsmöglichkeiten mit anderen zu ermöglichen.
Unsere Förderung ist ein Angebot an die Schülerinnen und sie werden ermutigt, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu äußern und die Förderung selbst inhaltlich mit zu gestalten.
Die Eltern wurden zu einem Informationsabend eingeladen.
Auch in Zukunft soll der Kontakt zum Elternhaus weiter gepflegt werden. Wir möchten die Eltern mit einbinden, um etwas über die Interessen und Fähigkeiten der Schülerinnen zu erfahren, die für die Planung der Förderung wichtig sein können. [Bi]
Martin Luther King Schule
LWL-Förderschule - Förderschwerpunkt Sprache - (Sek. I)
Bröderichweg 9,
48159 Münster,
Telefon: (0251) 2105-192,
E-Mail: mlk-schule@lwl.org