Der Bereich Berufsvorbereitung hat an der Martin-Luther-King-Schule einen hohen Stellenwert. Durch ein Praktikum in Klasse 8, mit dem Konzept der "KONTINUIERLICHEN PRAXISTAGE in den Klassen 9 und 10 sowie durch inner- und außerschulische Projekte versuchen wir die Schülerinnen und Schüler auf Ausbildung und Erwerbstätigkeit vorzubereiten.
8 Geschlechtsspezifische Lebensplanung und Berufsvorbereitung
8.1 Mädchenförderung
Ungefähr ein Viertel der Schülerschaft der Martin-Luther-King-Schule sind Mädchen.
Diese teilen sich zurzeit auf die einzelnen Klassen in einer Stärke von keiner bis zu fünf Schülerinnen auf. Die Mädchen mit ihren spezifischen Sprechauffälligkeiten bedürfen einer besonderen Zuwendung, das heißt, eines besonderen pädagogischen Vorgehens seitens der Lehrerschaft.
Für Mädchen mit Sprach- und Sprechstörungen ist eine Persönlichkeitsstärkung von ganz besonderer Bedeutung. Sich anderen gegenüber in alltäglichen Situationen behaupten zu lernen, kann den Mädchen helfen, ihre oft vorhandenen Ängste abzubauen und sie selbstbewusster machen.
Besonders im Umgang mit den Jungen, welche die Mädchen im Schulalltag immer in der Überzahl erleben und die auf viele von ihnen einschüchternd wirken, müssen die Mädchen unterstützt durch die Lehrerinnen lernen, ihre Rechte zu artikulieren und zu wahren. In Konfliktsituationen besitzen unsere Schülerinnen aufgrund ihrer Kommunikationsprobleme oftmals nicht die sprachliche Kompetenz, angemessen mit diesen Situationen umzugehen.
An der Martin-Luther-King-Schule versuchen wir daher an diesen Punkten anzusetzen und als vorrangiges Ziel die Persönlichkeit der Mädchen zu fördern.
Zeitweise steht den Mädchen in bestimmten Pausen ein eingerichteter Pausenraum zur Verfügung. In diesem Rahmen können sie sich ungestört unterhalten und so Solidarität und gegenseitige Unterstützung untereinander erleben. Es wird dafür gesorgt, dass die Schülerinnen neben der regulären Schülervertretung im Schülerrat von einer Mädchensprecherin vertreten werden. Wir bemühen uns darum, Kräfte von außerschulischen Institutionen, die sich mit Mädchenförderung befassen, in die Schule zu holen. So begleitete im Winterhalbjahr 2002/2003 eine Mitarbeiterin der Regionalstelle Frauen & Beruf das Projekt ZIB (Zukunft im Blick). Hier wurde mit den Mädchen der Klassen 8 am Schwerpunkt Berufsorientierung und Selbstfindung gearbeitet. Dabei entwickelten die Mädchen Selbstbilder, setzten sich in Rollenspielen mit mädchenspezifischen Fragen auseinander und beschäftigten sich mit dem Rollenbild der Frau.
Es gab und gibt noch weitere Angebote für die Mädchen an unserer Schule, wie z.B. Computerkurse und Klettern für Mädchen.
Ebenso wichtig ist die Berücksichtigung ihrer spezifischen Situation im täglichen Unterrichtsgeschehen. Hier werden die Mädchen in der Auseinandersetzung miteinander, mit den Mitschülern und den Lehrerinnen zur Kommunikation angehalten. Sie werden dabei kontinuierlich zu Positionierungen motiviert, z.B. durch Rollenspiele oder durch das Aufgreifen von Alltagssituationen.
Angeregt durch eine Fortbildung, an der vier Kolleginnen teilnahmen, findet die Berufswahlorientierung auch geschlechtsspezifisch statt und damit zum teil in getrennten Mädchen- und Jungengruppen.
8.2 Jungenförderung
(Dieser Abschnitt ist noch in Arbeit!)
8.3 Berufswahlorientierung und Berufsvorbereitung
Ihre ersten Erfahrungen mit der Arbeitswelt machen unsere Schüler in der 7. Klasse. Ein Besuch im HBZ/Handwerkskammer Bildungszentrum in Münster, welcher von unserer Sozialpädagogin organisiert und betreut wird, bietet den Schülern erstmalig Gelegenheit, verschiedene Berufe z.B. im Metall-, Drucker- und Hauswirtschaftsbereich kennenzulernen. Eine fachkundige Führung ermöglicht interessante Einblicke in sehr unterschiedliche Berufe, so dass eigentlich immer für jeden etwas dabei ist. Die Fragen der Schüler werden hier ernst genommen und erste berufsrelevante Interessen können entdeckt und vertieft werden.
Vor Beginn der Pubertät gehen die Schüler noch offen und unvoreingenommen mit den sogenannten Männer- und Frauenberufen um: So entdecken Jungen im HBZ manchmal ihr Interesse für Berufe im hauswirtschaftlichen Bereich, während technisch interessierte Mädchen völlig unbefangen den Metallbereich erkunden.
Die Berufswahlorientierung wird in der Klasse 8 weitergeführt und findet hauptsächlich im Wirtschaftsunterricht, im Hauswirtschaftsunterricht und im Fach Technik statt. Selbstverständlich strahlen Aspekte der Berufsvorbereitung auch in fast alle anderen Fächer aus.
Berufsvorbereitung ist ein wichtiger Schwerpunkt für die Klassen 7 bis 10 an unserer Schule. In diesem Sinne initiieren und unterstützen wir den Berufswahlorientierungs- und Berufsvorbereitungsprozess unserer Schüler. Dieser wird von uns als andauernde Entwicklung verstanden: Reifeprozesse brauchen Zeit und praktische Erfahrungen. So legen wir z.B. Wert auf die Vermittlung der sogenannten „Schlüsselqualifikationen“, wie z.B. Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Belastbarkeit, Sauberkeit, Teamgeist und die Fähigkeit zu selbständigem Arbeiten. Diese Fähigkeiten sind unabhängig von einer späteren Berufswahl für die Berufs- und Arbeitswelt von großer Bedeutung.
Die Schüler sollen weiterhin zu einer realistischen Selbsteinschätzung bezüglich ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten angeleitet werden. Ziele und Perspektiven sollen adäquat dieser Vorgaben abgesteckt werden können. Mit dem Erkennen von Stärken und Schwächen der eigenen Person werden dann Berufs- und Arbeitsplatzprofile erarbeitet um auf dieser Grundlage die Wahl von Praktikums- und Ausbildungsberufen zu erleichtern.
Im Schuljahr 2005/2006 wurde für die Schüler der Klassen 8 das dreiwöchige Betriebspraktikum im HBZ/Handwerkskammer Bildungszentrum in Münster eingeführt (siehe Kap.8.3.1).
In den Klassen 9 und 10 absolvieren unsere Schüler ihre Betriebspraktika im Rahmen der kontinuierlichen Praxistage (siehe Kap.8.3.2).
Im Vergleich mit anderen Schulformen der Sekundarstufe I. fällt auf, dass die Martin-Luther-King-Schule ihren Schülern
a) einen größeren Anteil an Betriebspraktika (Schülerbetriebspraktika, Schnupperpraktika, Tagespraktika, kontinuierliche Praxistage) ermöglicht und
b) seit fast drei Jahren kontinuierlich eine sozialpädagogische Begleitung zur Seite stellt.
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass diese konzeptionell verankerte Baustein unserer Schule mit dazu beitragen, dass mehr Schüler nach Ende ihrer Schulzeit einen Ausbildungsplatz finden.
Die Vielzahl an Praxiserfahrungen, die unsere Schüler bereits während ihrer Schulzeit mit der Arbeitswelt machen, fördern zusätzlich ihre Ausbildungsreife und die Schüler sind damit für Betriebe durchaus ernst zu nehmende Bewerber.
8.3.1 3-wöchiges angeleitetes Praktikum in Klasse 8
Noch vor wenigen Jahren war an der Martin-Luther-King-Schule in der Jahrgangsstufe 8 ein 14-tägiges Praktikum in Betrieben in der Nähe des Wohnortes der Schüler vorgesehen. Im Schuljahr 2005/2006 fand erstmalig ein dreiwöchiges Praktikum im HBZ/Handwerkskammer Bildungszentrum statt. Dies wurde möglich durch die Gemeinschaftsinitiative EQUAL der EU/Europäischer Sozialfonds, welche sich einsetzt für die Integration am Arbeitsmarkt benachteiligter Personengruppen.
Im Verlauf des Praktikums durchläuft jeder Schüler für jeweils eine Woche die Bereiche Holzwerkstatt, Metallwerkstatt und Hauswirtschaft. Zur konkreten Vorbereitung dieses Projektes zählen
- ein Vorab-Besuch der betreuenden Mitarbeiterin/Koordinatorin seitens des HBZ in den Klassen,
- ein Elterninformationsabend,
- ein Besuch des HBZ seitens der Schüler mit Besichtigung der Werkstätten und des Hauswirtschaftsbereiches.
Im Praktikum selbst stellen die Schüler unter fachkundiger Anleitung erfahrener Ausbilder aus den Werkstoffen Holt und Metall einfache Werkstücke her (Stuhl, Hocker, Modellschubkarre). Sie lernen dabei Werkstoffe, Bearbeitungsverfahren und die dazu notwendigen Maschinen kennen und bedienen. Im Hauswirtschaftsbereich lernen sie durch gemeinsames Kochen von Mahlzeiten den Aufbau einer Küche, die Küchengeräte und Arbeitsschritte bei der Zubereitung (einschließlich Abwasch und Aufräumen kennen). Zur Auswertung füllen die Schüler zu jedem der drei Arbeitsbereiche einen Selbsteinschätzungsbogen aus. Gleichzeitig halten die Ausbilder ihre Eindrücke und Einschätzungen in einem Beobachtungsbogen fest.
Die Klassenlehrerinnen verschaffen sich Besuche während des Praktikums und durch Gespräche mit den Ausbildern einen Eindruck von den Fähigkeiten der Schüler. Nach Beendigung des Praktikums findet ein Informationsaustausch zwischen allen beteiligten Lehrern und Ausbildern statt. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in einem Bericht festgehalten und dienen der Agentur für Arbeit als Grundlage für die weitere Betreuung. Selbstverständlich werden auch die Eltern über die ihr Kind betreffenden Erkenntnisse und Ergebnisse informiert.
8.3.2 Kontinuierliche Praxistage in Klasse 9 und 10
Mit Beginn des Schuljahres 2007/2008 wurden an unserer Schule die kontinuierlichen Praxistage eingeführt. Dieses neue Praktikumsmodell ersetzt die bislang durchgeführten jeweils 3-wöchigen Schülerbetriebspraktika in den Klassen 9 und 10.
Während der Praxistage sollen die Schüler der Klassen 9 und 10 (im August 2007 starteten die Klassen 9) pro Schulhalbjahr 10 Schulwochen jeweils einen Praxistag in einem Betrieb absolvieren. Vorgeschaltet ist ein einwöchiges Praktikum, welches den Schülern ermöglicht, den Wochenrhythmus einer Firma kennen zu lernen, da nicht selten Arbeiten nur an bestimmten Tagen anfallen. Mit diesem Eindruck vertiefen die Schüler dann an ihren Praxistagen ihre Erfahrungen in einem bestimmten Bereich, wo sie eingearbeitet werden können und für den Betrieb durchaus eine Hilfe sein können.
Im 2. Halbjahr der Klasse 10 wird individuell entschieden, ob ein Schüler ein 4. Praktikum absolviert oder schulisch gefördert werden möchte: Für einige Schüler, die z.B. den Abschluss 10B anstreben oder schon klare und sichere Perspektiven haben, kann die Förderung innerhalb des Unterrichtes dann in den Vordergrund rücken, z.B. mit Blick auf zentrale Abschlussprüfungen oder das Nachholen von Defiziten in bestimmten Fächern.
Vorrangiges Ziel der Praxistage ist es, den berufspraktischen Anteil im Schüleralltag sowohl quantitativ als auch qualitativ zu auszubauen. Weiterhin wollen wir Kontakte zu ganz unterschiedlichen Betrieben aufbauen, mit denen wir langfristig zusammen arbeiten können.
Starthilfe für das neue Praxismodell erhalten wir bis Ende 2007 durch die Projektförderungsinitiative, die Handwerkskammer Münster sowie das städtische Amt für Schule und Weiterbildung.
In Hessen wird bereits seit Jahren erfolgreich mit diesem Modell an Haupt- und an Förderschulen gearbeitet.
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Am 23.1.07 fand erstmalig und mit großem Erfolg die Informationsbörse "Kann ich mal den Chef sprechen?" statt. (28.1.07) |
Eine kleine Zusammenstellung von Internetadressen zur Berufswahl haben wir unter den Berufswahl-Links zusammengestellt.