4.7 Unterstützte Kommunikation
Die Unterstützte Kommunikation bildet einen eigenständigen Lernbereich in unserer Schule.
Kommunikation zählt zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Als Beziehungsaufnahme und Informationsaustausch bildet Kommunikation einen wichtigen sozialen Aspekt. Darüber hinaus stellt sie eine notwendige Bedingung sowohl für die Entwicklung geistiger Fähigkeiten als auch die Herausbildung von Emotionen und Verhalten dar. Kommunikation findet auf unterschiedlichen Ebenen wie z.B. Blick- oder Körperkontakt, Gestik, Mimik und Sprache statt. Aufgrund ihrer angeborenen oder erworbenen Behinderungen kann die Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit einiger Schülerinnen unserer Schule stark beeinträchtigt sein.
"Ich kann nicht sprechen, aber ich habe viel zu sagen."
Diese Aussage eines behinderten Kindes verdeutlicht das Grundproblem nicht sprechender körperbehinderter Menschen, die mehr mitteilen wollen als sie können. Im Alltag ist häufig noch eine Verständigung durch Mimik und Gestik möglich, aber der Bericht über ein zurückliegendes Erlebnis oder das Stellen einer Frage sind häufig mit unüberwindbaren Schwierigkeiten verbunden. Jeden Tag muss ein "nicht sprechendes" Kind solche Situationen erleben und durchstehen. Um diesen Schülerinnen eine effektivere Kommunikation mit der Umwelt zu ermöglichen, führen wir Kommunikationsförderung durch.
Das Konzept der unterstützten Kommunikation beinhaltet die Entwicklung individueller Kommunikationssysteme. Dabei werden zum einen die vorhandenen Kommunikationsmöglich- keiten genutzt und erweitert. Zum anderen werden seit einigen Jahren alternative Sprachen entwickelt und verbessert. Bei den sogenannten Symbolsprachen wird Sprache in Bildern dargestellt, wie z. B. mit PCS-Symbolen oder mit der Minspeak-Kodierung, wie sie auf Talkern zum Einsatz kommt.
Auch die Gebärden der Deutschen Gebärdensprache bieten eine Alternative zur Lautsprache, insbesondere für schwerhörige und gehörlose körperbehinderte Schülerinnen. Die Gebärden sind darüber hinaus für die geistig behinderten Schülerinnen ein zusätzliches Angebot Sprache zu veranschaulichen und über mehrere Sinne aufzunehmen.
Elektronische Hilfsmittel bieten erste grundlegende Möglichkeiten zur Kommunikationsanbahnung. Die sogenannten Taster machen für schwerstmehrfachbe-hinderte Schülerinnen das Ursache-Wirkung-Prinzip erfahrbar. Aber auch kurze Aussagen sind mit den Schaltern möglich. Die größte Entwicklung auf diesem Gebiet hat jedoch die Computertechnik ermöglicht: das Sprechen mit Sprachcomputern, den Talkern. Computer in der Größe eines Laptops setzen über eine Bilder-Tastenkombinationen Bildsymbole in Lautsprache um.
Zwei Kolleginnen sind beauftragt Mitarbeiterinnen hausintern zu beraten, Kommunikationswege für einzelne Schülerinnen mit zu entwickeln, sich fortzubilden und die Geräte zu warten. Von diesen UK-Kollegen wird bei Bedarfsmeldung der Klasse die Auswahl von Kommunikationshilfen unterstützt. Darüber hinaus koordinieren sie die Zusammenarbeit mit entsprechenden Firmen.
Nach Feststellung eines individuellen Förderbedarfs im Bereich Kommunikation und Versorgung mit entsprechenden Kommunikationshilfen findet Förderung der Kommunikation in Unterricht, Therapie und Talkergruppe statt. Im Unterricht wird jeder Schülerin von Anfang an die Möglichkeit geboten, mit ihren Kommunikationshilfen zu kommunizieren. Dieses Unterrichtsprinzip wird schon bei der Planung von Unterricht berücksichtigt. Für nichtsprechende Schülerinnen ist die Unterstützte Kommunikation ein Unterrichtsfach im Stundenplan, welches in einer Kleingruppe oder vereinzelt als Einzelförderung durchgeführt wird.
In der Ergotherapie findet die Erprobung (nicht-) elektronischer Kommunikationshilfen statt. In Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrerinnen und Reha - Beratern wird dann das für die Schülerin individuell geeignete Kommunikationsgerät über die Krankenkassen bezogen. Eine gezielte Einzelförderung der UK findet ihren Platz in der Therapie unter dem Schwerpunkt "Anbahnung und Erweiterung kommunikativer Fähigkeiten". Dabei wird eine Verbindung zwischen Kommunikations- und Interaktionsförderung sowie motorischer Förderung geschaffen, z.B. über die Ansteuerung der Kommunikationshilfen.
In der Talkergruppe liegt der Schwerpunkt auf der Kommunikation der Schülerinnen untereinander mit dem Talker. Hier wird spielerisch Neues gelernt und geübt. Die Talkergruppe hat die Räumlichkeiten in der Schule mit den Symbolen der Small -Talker und der Power -Talker beschildert, so dass die Schülerinnen immer wieder in ihrer Lernumgebung an die Zeichenfolge erinnert werden.
Seit dem Schuljahr 2005/06 gibt für den Stundenplan und die Raumbezeichnungen in der Schule einheitliche Zeichen in Form von PCS - Symbolen. Diese dienen den Nichtlesern als Sprach- und Orientierungshilfe.
Im Rahmen der Erarbeitung eines hauseigenen Diagnostikkonzeptes sollen auch Kriterien formuliert werden, nach denen Schüler-inen im Bereich der Unterstützten Kommunikation gefördert werden.