Tagesbetreuung von Kindern
Lernende Organisation
Tageseinrichtungen sind Betriebe, die ihren formalen Strukturen nach hierarchisch gegliedert sind und klar gegeneinder abgegrenzte Aufgabenfelder aufweisen. Dem widersprechen scheinbar die Eigenverantwortlichkeit in der Gruppenführung und die inhaltlichen Gestaltungsmöglichkeiten der Erzieherinnen. Hinzu kommt zumeist eine Vertrautheit und persönliche Nähe in den Beziehungen, die es zwar ermöglichen, die vielfältigen beruflichen Anforderungen gemeinsam zu meistern, die aber auch die Gefahr in sich bergen, in Konflicktsituationen klare Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten nicht benennen zu können oder zu wollen - man will sich nicht wehtun und den Betriebsfrieden nicht stören. So ist es gerade die Aufgabe der den Arbeitsbeziehungen vorgegebenen Kompetenzstrukturen, auch im Falle von Interessenkonflikten den Leistungsstand des Betriebes zu sichern. Die Lebendigkeit einer organisatorischen Arbeitseinheit drückt sich insbesondere in der Fähigkeit aus, Konflikte kreativ, verändernd zu nutzen. Mitarbeiterinnen in Tageseinrichtungen sind zunehmend mit Aufgaben konfrontiert, die den eigentlich pädagogischen vorgelagert sind, deren Erledigung Voraussetzung ist für eine an den kindlichen Lebensbedingungen orientierte Entwicklungsförderung. Hier müssen Erzieherinnen sich dem Bedarf der Eltern stellen, die Erziehungsleistungen der Einrichtung im Einzelfall mit den familialen Lebensbedingungen abzustimmen. Das hat zur Folge, dass Alters- und Gruppenstrukturen, dass sich die Gesamtstruktur der Einrichtung und damit die Anforderungen an die erzieherischen Leistungen ändern und damit ebenso die Basis für die Aufgabenverteilung und das zeitlich - organisatorische Gefüge des Arbeitszusammenhangs Tageseinrichtung. Tageseinrichtungen unterliegen zunehmend dem Diktat der Marktgesetze. Sie werden sich zukünftig weder darauf verlassen können, dass ihr Leistungsangebot konstant über längere Zeiträume unverändert nachgefragt ist noch wird die Stellenfinanzierung unberührt bleiben von der Nachfrage nach Betreuungsplätzen. Die Ökonomisierung der Mittel im Bereich der Tagesbetreuung von Kindern verlangt zunehmend von den pädagogischen Fachkräften, dass sie sich gemeinsam gezielt um den Fortbestand ihres Arbeits- und Aufgabenfeldes kümmern. Der LWL unterstützt Entwicklungen im Bereich der Tagesbetreuung, die die Interssen von Kindern und ihren Eltern an einer Verbindung von familialem Leben, Berufstätigkeit und Sozialkontakten zum Ausgangspunkt der Angebotsplanung machen und auch unkonventionelle Lösungen planerisch einbeziehen. Inwieweit diese Lösungen auch vor den gesetzlichen Anforderungen Bestand haben, dieses bemisst sich vor allem am Fördereffekt für die kindliche Entwicklung. Insofern ist es vorrangige Aufgabe der pädagogischen Fachkräfte daran mitzuwirken, die Lebensbedingungen der ihnen anvertrauten Kinder soweit möglich und geboten, ergänzend zu verbessern. Für die Qualifizierung, die konzeptionelle Weiterentwickluing und die Qualitätssicherung der Leistungsangebote der Tagesstättenteams bietet das Landesjugendamt folgende Themen an: - Dienstplangestaltung - personelle und zeitliche Ressourcen effektiv nutzen. - Qualitätsentwicklung konkret - Auf die Leitung kommt es an - sozialpädagogisches Management Zeitmangement für Erzieherinnen - sich entlasten und Zeit gewinnen - Das Team - Gestaltungsmöglichkeiten für die Zusammenarbeit entdecken - Kollegiale Beratung - gemeinsam Lösungskonzepte entwickeln - Lebendiges Produktmanagement für lebendige Tageseinrichtungen In welche Richtung wird sich das Thema zukünftig weiterentwickeln? Die Tageseinrichtungen werden sich zunehmend zu Erziehungs-, Beratungs- und Begegnungszentren entwickeln, die ihre Dienste und fachlichen Kompetenzen Kindern und Eltern zur Verfügung stellen. Dabei wird der Ausgleich der Unterschiede in den familialen Lebensbedingungen und damit in den Entwicklungsschachen der Kinder im Vorfeld schulischen Lernens an Stellenwert gewinnen. Um diese Differenzierung in den Anforderungen konzeptionell in das Leistungsangebot aufnehmen zu können werden sich die Mitarbeiterinnen zunehmend in ihren fachlichen, persönlichen und zeitlichen Ressourcen flexibler und kreativer aufeinander beziehen und ergänzen müssen. Damit wird die Bereitschaft und die Fähigkeit zu theamorientiertem Verhalten und Arbeiten vorausgesetzt.