Einmischen - nicht abwarten!
NRW- Jugendamtsleiter diskutierten die Hartz-Gesetze und die Entwicklung offener Ganztagsschulen in NRW
Münster (lwl). Die Kinder- und Jugendhilfe bei den Gesetzen zur Modernisierung des Arbeitsmarktes offenbar kaum eine Rolle gespielt. Zu diesem Schluss kamen die Leiter der 175 Jugendämter bei ihrer diesjährigen Tagung, zu der der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland nach Münster eingeladen hatte. "Umso wichtiger ist es", so Hans Meyer, Chef des LWL-Landesjugendamtes, "jetzt in den Kommunen mitzureden und die Interessen von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien offensiv zu vertreten". Im Mittelpunkt der Tagung standen die Auswirkungen der Hartz-Gesetze auf Kinder und Jugendliche. Die Auseinandersetzung mit den vielen noch offenen Fragen der Gesetze sei mühsam und auch die offene Ganztagsschule treibe zur Zeit so manche Leitungskraft in den Jugendämtern zur Verzweiflung, so der Tenor der Jugendamtsleiter. Außerdem sei jetzt die Kooperation von Arbeitsagenturen und Schule gefragt. „Die Jugendhilfelandschaft ändert sich in rasantem Tempo. Deshalb ist Abwarten nicht die richtige Lösung. Es ist notwendiger den je, dass sich die Jugendhilfe einmischt und mitgestaltet“, lautet das Resümee der Jugendämter und Landesjugendämter. Für die Jugendhilfe werfen die Hartz-Gesetze mehr Fragen auf, als sie Antworten geben: Welche Aufgaben kommen auf die Jugendämter zu, wenn es um die familienfreundliche „Quick-Vermittlung“ geht? Wie lassen sich die Plätze für unter dreijährige Kinder schaffen und wie viele Mittel werden tatsächlich für den weiteren Ausbau von Tagespflege und -einrichtungen zur Verfügung stehen? Bricht die Jugendberufshilfe als Teil der Kinder- und Jugendhilfe weg, wenn die Bundesagentur zukünftig allein entscheidet? Wie wirken sich die neuen Sanktionsmöglichkeiten (dreimonatiger Entzug der Geldleistungen) aus? Einmischen ist auch bei der Umsetzung der offenen Ganztagsschule gefragt. Mit dem neuen Änderungserlass des Ministeriums für Schule, Jugend und Kinder NRW zur offenen Ganztagsschule werden Schulen und Schulträger verpflichtet, ihre Planungen und Konzepte mit den Jugendämtern und den freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe frühzeitig abzustimmen. Ein wichtiges Ziel der Jugendämter ist es vor allem, frühzeitig zu verhindern, dass überforderte Schulen sich schwieriger Kinder entledigen. Tenor: "Wir müssen raus aus der Rolle der Feuerwehr, die Schulen müssen in die Lage versetzt werden, dass sie auch die so genannte ‚schwierige’ Mädchen und Jungen fördern, statt mit Blick auf die Jugendämter nach Erziehungshilfen zu rufen“, forden die Jugendamtsleiter. Dies ist aber vor allem ein Auftrag an die Jugendamtsleitungen, frühzeitig mit Schulräten und Schulleitungen zu sprechen, um Vereinbarungen zu treffen, bevor die Überforderungssituationen in den Schulen entstehen. Außerdem beschäftigten sich die Jugendamtsleiter auf der Tagung mit der Dokumentation von Bildungsfortschritten bei Kindergartenkindern, mit der Vorstellung eines Modellprojektes zum erfolgreichen Umgang mit jungen Drogenkonsumenten und mit einer Datenbank für Jugendämter, die Jugendlichen eine vereinfachte Berufswegeplanung ermöglichen soll.