Kinder- und Jugendförderung
Partizipation und Demokratie fördern
Jugendhilfe versteht ihre Adressaten als Subjekte, deren Selbst- und Mitbestimmung aktiv zu fördern ist. Als Mitglieder dieser Gesellschaft haben Kinder und Jugendliche das Recht, an sie betreffenden gesellschaftlichen Prozessen und Entscheidungen in ihrem Interesse mitzubestimmen. Soweit der Anspruch der Jugendhilfe! Aber auch noch im 2002 erschienenen 11. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung wurde beschrieben, dass ein zentrales Defizit der Praxis die mangelnde Umsetzung der Partizipation junger Menschen an der Gestaltung von Jugendhilfeleistungen und kommunaler Kinder- und Jugendpolitik ist.
Inzwischen ist die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im neuen Kinder- und Jugendförderungsgesetz (3. AG-KJHG) verankert: § 6: Beteiligung von Kindern und Jugendlichen (1) Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben dafür Sorge zu tragen, dass Kinder und Jugendliche entsprechend ihrem Entwicklungsstand in den sie betreffenden Angelegenheiten rechtzeitig, in geeigneter Form und möglichst umfassend unterrichtet sowie auf ihre Rechte hingewiesen werden. Zur Förderung der Wahrnehmung ihrer Rechte sollen bei den Trägem der öffentlichen Jugendhilfe geeignete Ansprechpartner zur Verfügung stehen. (2) Kinder und Jugendliche sollen an allen ihre Interes-sen berührenden Planungen, Entscheidungen und Maßnahmen, insbesondere bei der Wohnumfeld- und Ver-kehrsplanung, der bedarfsgerechten Anlage und Unter-haltung von Spielflächen sowie der baulichen Ausgestaltung öffentlicher Einrichtungen in angemessener Weise beteiligt werden. (3) Das Land soll im Rahmen seiner Planungen, soweit Belange von Kindern und Jugendlichen berührt sind, insbesondere aber bei der Gestaltung des Kinder- und Jugendförderplans, Kinder und Jugendliche im Rahmen seiner Möglichkeiten hören. (4) Bei der Gestaltung der Angebote nach § 10 Abs. 1 Nrn. 1 bis 9 sollen die öffentlichen und freien Träger und andere nach diesem Gesetz geförderte Einrichtungen und Angebote die besonderen Belange der Kinder und Jugendlichen berücksichtigen. Hierzu soll diesen ein Mitspracherecht eingeräumt werden.
Das LWL-Programm „Partizipation und Demokratie fördern - Jugendarbeit und Kommunalpolitik antworten auf Vorurteile, Rassismus und Demokratieabstinenz“ entstand im Jahr 2001 als Folge einer Diskussion um mögliche Antworten der Jugendhilfe bzw. Jugendarbeit auf rechtsorientierte Gewalttaten in NRW. Rechtsextremismus ist aber kein reines Jugendproblem und Jugendarbeit kann nicht manifest rechtsextrem orientierte und organisierte Jugendliche "umdrehen". Dennoch antwortet sie auf Jungen und Mädchen, die mit rechten Deutungs- und Handlungsmustern experimentieren und am Beginn einer rechten Orientierung stehen. Wenn diese freiwillig in die Jugendarbeit kommen, versucht Jugendarbeit, die hinter den Symptomen rechter Orientierung liegenden Ursachen in Problemstellungen und Lebensverhältnissen der Jugendlichen zu verstehen und mit ihnen dazu Alternativen zu entwickeln. Sie bietet auch diesen Jugendlichen positive Unterstützung an, aber bezieht gleichzeitig eindeutig Position und setzt Grenzen gegen Ideologien der Ungleichheit und Gewaltakzeptanz. Jugendarbeit versucht, Jungen und Mädchen - Kindern und Jugendlichen - konkrete Erfahrungen von Demokratie zu vermitteln. Sie greift Probleme und Konflikte der Jugendlichen in der Lebenswelt auf und versucht, mit ihnen demokratische und gewaltfreie Lösungs- oder Verbesserungswege herzustellen.
Vor diesem Hintergrund wurde ein Förderprogramm entwickelt, in dem Kinder/Jugendliche in einen konstruktiven Dialog mit Jugendpolitiker/innen ihrer Gemeinde, ihres Stadtteils bzw. Ihrer Stadt kommen. Die Brücke zwischen Jugendlichen und Jugendpolitik stellt die Jugendarbeit dar. In diesen gemeinsamen Projekten werden die konkreten Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen mit rechten Orientierungen, mit Fremdenfeindlichkeit bzw. Gewalt und sozialen Konflikten vor Ort thematisiert. Zum einen werden die konkreten Erwartungen der Jugendlichen durch Jugendpolitiker/innen aufgegriffen, zum anderen wird verdeutlicht, wo Politik, Erwachsene und soziales Gemeinwesen Grenzen setzen und welches Handeln sie nicht akzeptieren. Die offene Kinder- und Jugendarbeit ist dabei der Motor. Sie unterstützt die Jugendpolitiker/innen ebenso wie die Jugendlichen, damit beide Gruppen miteinander in´s Gespräch kommen.
Seit 2001 werden im Rahmen dieses Programms „Partizipation und Demokratie fördern“ jährlich neu verschiedene Projekte und Modelle in Westfalen-Lippe für eine gelingende Kooperation von Kommunalpolitik, Jugendarbeit und Jugendlichen entwickelt. Der Landschaftsverband fördert das Programm mit jährlich 50.000 €, die beteiligten Projekte werden im Umfang von 1.500 bis max. 5000 € finanziell unterstützt.
Das LWL-Landesjugendamt berät die einzelnen Projekten, es unterstützt die kontinuierliche Evaluation und veröffentlicht regelmäßig die Projektergebnisse.
Fachberatung und Fortbildung:
Auch unabhängig von der Teilnahme am LWL-Programm „Partizipation und Demokratie Fördern“ bieten wir für Jugendeinrichtungen, Jugendämter und Jugendpolitiker/innen Fachberatung und Fortbildungen rund um das Thema Partizipation und Mitwirkung an.
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Angelika Aufderhaar Tel.: 0251 591-4560 Fax: 0251 591-6822 | angelika.aufderhaar@lwl.org |
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Claudia Lappöhn Tel.: 0251 591-4578 Fax: 0251 591-6822 | claudia.lappoehn@lwl.org |
Fragen & Anregungen
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