Förderung schwerstbehinderter Schülerinnen und Schüler

Zum Personenkreis

Im folgenden Konzept geht es um Förderinhalte, -ziele und -möglichkeiten solcher schwerstbehinderten SchülerInnen an unserer Schule, die im Sinne von A. Fröhlich in dessen Konzept »Basale Stimulation« beschrieben werden (vgl. Fröhlich, Düsseldorf 1998). Hierbei handelt es sich um jene Schülerschaft, die aufgrund ihrer sehr schweren körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen in ihrer Bewegung, Wahrnehmung und Kommunikation erheblich eingeschränkt sind. Die Möglichkeiten einer aktiven Kontaktaufnahme mit ihrer Umgebung sowie mit Menschen und Dingen ist ihnen nur begrenzt möglich oder sogar gänzlich verwehrt.
Um den Belangen dieser SchülerInnen gerecht zu werden, hat unsere Schule eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich für eine optimale Förderung der schwerstbehinderten SchülerInnen einsetzt und darüber hinaus auch KollegenInnen und Bezugspersonen im Rahmen ihrer Arbeit mit schwerstbehinderten SchülerInnen beratend und unterstützend zur Seite steht.

Ziele und Inhalte

Die schwerstbehinderten SchülerInnen werden nach individuellen Förderplänen in Anlehnung an die „Richtlinien für die Förderung schwerstbehinderter Schüler in Förderschulen“ und „Hinweise(n) für den Unterricht“ (Der Kultusminister, Köln 1985) unterrichtet.
Darin heißt es, dass es Auftrag und Ziel der Schule sei, dem Schüler zu jenem Maße an „Selbstverwirklichung in sozialer Integration“ zu verhelfen, welches im Rahmen seiner Behinderung möglich und dieser angemessen ist. Förderung in diesem Sinne soll Entwicklungsveränderungen bzw. –fortschritte bewirken. Um dies auch in der Praxis erreichen zu können, sind an unserer Schule folgende pädagogische Grundsätze erarbeitet worden.

Pädagogische Grundsätze

Soziale Integration durch heterogene Klassengemeinschaften
Die fast durchgängig sehr heterogenen Klassenverbände an unserer Schule bieten hierbei, anders als an anderen Schulformen, einen unschätzbaren Vorteil: Das gemeinsame Erleben des Schulalltags sowie das Lernen von- und miteinander erhält nämlich hier einen besonderen Stellenwert und stellt die entscheidende Grundlage dar für eine Integration auch der schwerstbehinderten SchülerInnen. Gleichwohl bleibt dabei aber auch der Aspekt der Binnendifferenzierung nicht unberücksichtigt. So findet an unserer Schule Unterricht sowohl im Klassenverband als auch in leistungshomogenen Differenzierungsgruppen bzw. in der Einzelförderung statt.


Förderpflege
Essen, Trinken und gepflegt werden sind grundlegende Bedürfnisse eines großen Teils unserer SchülerInnen und zählen somit zum wesentlichen Bestandteil des Unterrichts. Die Pflege von schwerstbehinderten SchülerInnen ist dabei nie eindimensional oder gar funktional, sondern findet immer als Austausch zwischen zwei Menschen statt, die sich nahe kommen. Förderpflege stellt somit eine zentrale Möglichkeit zum Aufbau und Erhalt zwischenmenschlicher Beziehungen dar. Sie ist die entscheidende Basis für das Entstehen von Sicherheit, Selbstwerterfahrungen mit Blick auf die eigene Person und Vertrauen in andere Menschen. Körperpflege findet bei alldem unter Bedingungen statt, die dem Recht auf Erhalt der Intimsphäre stets angemessen sind. Die Pflege der schwerstbehinderten SchülerInnen wird von Kinderpflegerinnen, Krankenschwestern und LehrerInnen übernommen. Praktikantinnen und Zivildienstleistende übernehmen pflegerischen Aufgaben nur nach Anleitung durch ausgebildete Pflegekräfte.
Da die Nahrungsaufnahme für viele unserer schwerstbehinderten SchülerInnen nur mit individuell angepassten Hilfsmitteln möglich ist, versucht die Schule, diesem Schülerkreis durch speziell gefertigte Essbestecke, Tische, Therapiestühle usw. die Nahrungsaufnahme zu erleichtern. Die hierdurch angestrebte Mithilfe auf Seiten der schwerstbehinderten SchülerInnen ermöglicht ihnen somit auch auf diesem Felde das Erlernen von größtmöglicher Selbstständigkeit

Klasseninterne Förderangebote

Grafische Darstellung der klasseninternen Fördermöglichkeiten schwerstbehinderter Schülerinnen und Schüler

Individuelle Förderangebote außerhalb der Klassen

Für schwerstbehinderte SchülerInnen stehen neben dem Klassenraum vielfältige räumliche Alternativen zur Verfügung:
Snoezelenraum
Dieser speziell eingerichtete Ruheraum lädt vor allem die schwerstbehinderten SchülerInnen zum Entspannen ein. Beruhigende und harmonische Lichtquellen – insbesondere die Wassersäulen – sowie ein breit gefächertes Angebot an Entspannungsmusik sorgen für eine ruhige Atmosphäre. Ein Wasserbett, Sitzsäcke, Hängematten und eine Vibrationsliege sorgen für vielfältige Lagerungsangebote.
Zusätzlicher Förderraum (Gelber Raum)
Der Förderraum im Erdgeschoss stellt ein zusätzliches Raumangebot für die Förderung schwerstbehinderter SchülerInnen dar. Die Ausgestaltung des Raumes ermöglicht eine spezielle Förderung einzelner SchülerInnen vor allem im visuellen und auditiven Bereich.
Bewegungsbad
Im Bewegungsbad haben unsere SchülerInnen die Möglichkeit, ihren Körper im Wasser zu erleben. Die Gestaltung und Ausstattung des Raumes kommt den Bedürfnissen des Einzelnen entgegen. So bewirkt das warme Wasser eine Reduktion der zu hohen Muskelspannung. Ein höhenverstellbarer Hubboden ermöglicht zudem vielfältige Bewegungsformen.
Das Baden in einer separaten Badewanne gibt schwerstbehinderten SchülerInnen des Weiteren genügend Raum für körperliche Nähe, den Einbezug des gesamten Körpers und vielfältige Möglichkeiten ihren Körper zu spüren.
Fachräume
Neben den speziellen Raumangeboten für schwerstbehinderte SchülerInnen nutzen sie auch die verschiedene Fachräume (mehrere Hauswirtschaftsräume, Werkraum, Musikraum, Sporthalle u.v.m.) mit entsprechender Unterstützung und im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Auch das Schulgelände bietet mit einem Klanggarten, Sandkästen sowie einer Nestschaukel diesen Schülern differenzierte Angebote.

Physio- und ergotherapeutische Förderung

Da die Anpassungsfähigkeit der schwerstbehinderten SchülerInnen an ihre dingliche sowie soziale Umwelt nur begrenzt möglich ist, muss sich die Umwelt an diese SchülerInnen anzupassen versuchen, damit sie nach ihren Möglichkeiten handeln, sich und die Welt erfahren, sich wohl fühlen und mit anderen kommunizieren können.
Die Aufgabe der Ergo- und Physiotherapeuten in diesem Prozess ist es, als „Experten für Wahrnehmung und Bewegung“, zum Einen an einer dem Schüler angemessenen Umweltgestaltung mitzuarbeiten; zum Anderen allen betreuenden Personen, sowohl im schulischen als auch im häuslichen Bereich, zum bestmöglichen Kenntnisstand bzgl. des optimalen Umgangs mit dem schwerstbehinderten Schüler/der Schülerin zu verhelfen.
An unserer Schule erfolgt die Förderung der schwerstbehinderten SchülerInnen durch die Therapeuten deshalb in enger Kooperation mit den jeweiligen Klassenteams. Sie geschieht nicht nur in den therapeutischen Räumen, sondern auch im Klassenraum oder im Lebensraum des jeweiligen Schülers, den es nach seinen Bedürfnissen gemeinsam zu gestalten gilt.
Im Einzelnen ergeben sich für die Arbeit der Therapeuten folgende Aufgaben:

  • Erhaltung bzw. Verbesserung der sensomotorischen Funktionen
  • Vermitteln von Bewegungs- und Perzeptionserfahrungen (Basale Stimulation), wobei in diesen Bereichen Förderabsprachen mit den Klassenteams getroffen werden
  • Erproben von individuellem Handling und Weitervermittlung der hierbei gemachten Erfahrungen an Klassenteams und Eltern
  • Erproben individueller Lagerungen für den Schüler/die Schülerin und deren gemeinsame Verankerung mit den Klassenteams / Eltern im Alltag. Wichtige Fragen hier sind etwa: In welchen Positionen hat das Kind die bestmögliche Voraussetzung zur Aktivität bzw. Entspannung? In welchen Positionen wirkt man der Ausbildung von Kontrakturen und Deformitäten ausreichend entgegen?
  • Unterstützte Kommunikation
  • Beratung zur Ess-Situation / Lagerung / Mobilität
  • Hilfsmittelerprobung, -anpassung, -beschaffung und -wartung sowie Instruktion der Klassen-Betreuer und Einweisung der Eltern in die Benutzung der Hilfsmittel

Tagesablauf

Der Tagesablauf der schwerstbehinderten SchülerInnen orientiert sich überwiegend am normalen Stundenraster der Schule. Soweit es sinnvoll und möglich ist, nehmen diese am Klassenunterricht und somit auch an allen Alltagsaktivitäten teil. Feste  Rituale (z.B. der Morgenkreis) und eine Rhythmisierung der Aktivzeiten und Ruheperioden sind für unsere SchülerInnen von hoher Bedeutung. Sie vermitteln Sicherheit und Struktur, womit eine Über- oder Unterforderung vermieden wird. In diese Rhythmisierung des Tagesablaufs sind Therapien und Einzelförderungen integriert.

In den Pausen stehen den schwerstbehinderten SchülerInnen besondere Angebote zur Verfügung. Hierzu zählen etwa die Pausenoase (Snoezelenraum) für ruhebedürftige SchülerInnen oder aber die kleine Pausenhalle mit ihren Wassersäulen und der entspannenden Musik im Hintergrund, die zusätzlich einen Blick auf das lebhafte Treiben der Klassenkameraden zulässt.

© Regenbogenschule
Letzte Änderung am 15.04.2014, 12:36:16


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