Zu dem besonderen Auftrag der Förderschule, Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation zählt die Frühförderung hörgeschädigter Kinder. Je früher eine Hörschädigung erkannt wird, desto größer sind die Erfolge der Frühförderung. Dies liegt daran, dass in der frühen Kindheit das Gehirn die größte Plastizität hat und Vernetzungen und Strukturen schafft, die für die spätere Entwicklung der Hörwahrnehmung und der Sprache von Bedeutung sind.
Die Frühförderung hörgeschädigter Kinder beginnt mit der Erfassung und endet mit deren Einschulung. Manche Kinder werden bis zu einer Dauer von 6 Jahren betreut, bei einigen Kindern beginnt die Förderung erst im Kindergartenalter. Auch eine vorzeitige Beendigung ist möglich, wenn das Kind nach guter Entwicklung keine fördernden Maßnahmen mehr benötigt.
Grundlagen für die Frühförderung hörgeschädigter Kinder an unserer Schule ist das das Kapitel 8 des Schulprogramms „Frühförderung“ (S. 54 bis 63). Seit 2004 haben sich jedoch in der Ersterfassung hörgeschädigter Kinder grundlegende Neuerungen ergeben, die Bedeutung für unsere Frühförderung haben.
Die Einführung des Neugeborenen-Hörscreening, zunächst ab ca. 2005 auf Initiative einzelner Krankenhäuser zurückzuführen, ist es seit dem 01.01.2009 als Krankenkassenleistung ein fester Bestandteil bei der Vorsorgeuntersuchung in allen Geburtskliniken von NRW.
Für unsere Förderpraxis bedeutet dies, dass die Frühförderkinder immer jünger werden, so beginnt bei uns die Frühförderung einiger Kinder schon ca. ab dem 7. Lebensmonat. Dies beinhaltet, dass sich die Eltern direkt nach der Geburt des Kindes, neben der Freude über das Neugeborene, Gedanken und Sorgen über die Entwicklung, die technische Versorgung (Hörgeräte oder Cochlear Implant Operation), über Fördermaßnahmen usw. machen müssen. Außerdem sind sie schon in der ersten Zeit nach der Entbindung nicht allein im Familiensystem mit dem Kind, sondern viele Fachleute, wie Ärzte, Akustiker und Frühförderer bestimmen den Alltag mit. In dieser sensiblen Phase gilt es für die Frühförderer/Frühförderinnen einen Spagat zwischen notwendiger Förderung, Begleitung der Hörgeräteversorgung und frühen Ausnutzung der kindlichen Entwicklungskapazitäten und auf der anderen Seite der wichtigen Eltern-Kind-Bindung, der Normalität des Alltags und den Bedürfnissen der Familie zu finden. Für die Frühförderung bedeutet dies:
· Elternberatung und Elternbegleitung spielt eine noch größere Rolle
· Die Frühförderung muss sich an den Ressourcen der Familie orientieren
· Wichtiger als die Eingangsdiagnostik ist die Beobachtung der kindlichen Entwicklung und seiner kommunikative, vorsprachlichen Fähigkeiten
· Die Eltern-Kind-Interaktion erhält noch mehr Bedeutung
Landesweit in NRW haben sich die Beratungsstellen dieser neuen Herausforderung gestellt und gemeinsam eine Qualitätsbeschreibung der wichtigen Bereiche der Frühförderung verfasst. Im Laufe diesen Schuljahres, Anfang nächsten Schuljahres wird die gemeinsam verfasste Basisbeschreibung der Frühförderung fertig sein.
An Anlehnung hieran ergibt sich für unsere Frühförderung ein erhöhter Fortbildungsbedarf hinsichtlich der frühen Versorgung von Säuglingen und der Elternberatung und –begleitung.
Erste Schritte in diese Richtung waren Fortbildungen speziell zur Elternberatung (Dr. Wessel, Uni Köln, Cornelia Tsirigottis, Elternressourcen, usw.).
Eine Veranstaltung mit Karen Reichmuth, die über die „Frühen Meilensteine der Entwicklung“ referierte, hat stattgefunden.
Unsere Aufgabe in der nächsten Zeit ist es, unser Konzept um diesen Aspekt weiter auszubauen und zu spezifizieren.
Entwicklungsbeobachtung und –diagnostik
Um auch in den frühen Jahren einen Anhaltspunkt für die kindliche Entwicklung zu haben, wurde eine Diagnostik und Beobachtungsleitfaden entwickelt, der es der Frühförderin, dem Frühförderer zusammen mit den Eltern ermöglicht sich auf die Entwicklungsfortschritte des Kindes zu konzentrieren. Im Frühförderteam wurde eine Maske für die Beschreibung der individuellen Förderbereiche und Förderziele entwickelt.
Eltern-Kind-Wochenenden
Die Möglichkeit der Eltern, sowohl aus finanzieller wie aus zeitlicher Perspektive, ein ganzes Wochenende mit anderen Familien und mit der Frühförderung zu verbringen, wurde mit den Jahren zunehmend eingeschränkter. Deshalb haben wir ab 2008 abwechselnd Familien-Spiele-Treffen und Informationsveranstaltungen organisiert, die einen ganzen Samstag den Familien Informationen zu bestimmten Themen, Möglichkeit zu regen Austausch und aktives Zusammensein mit ihren Kindern ermöglichte. Dazu gab es ein Rahmenprogramm mit Kinderbetreuung, Informationsveranstaltungen für die Eltern, Möglichkeiten zum Austausch und Kennenlernen und Verpflegung.
Förderschulkindergarten
Im Schuljahr 2008/2009 konnte auf unsere Initiative hin ein Förderschulkindergarten errichtet werden. Jahrelange Überlegungen und Planungen führten zur Eröffnung des Kindergartens mit einer Gruppe bis zu 12 Kinder.