Beifall für die jungen blinden Vorleser
In Münster wurden Nordrhein-Westfalens beste Punktschriftleser gekürt
Münster (lwl). „Die lesen ja genauso schnell und gut wie wir!“ Ein Schüler der Waldorfschule Everswinkel staunte nicht schlecht über die jungen blinden Leserinnen und Leser, die zum Punktschriftlesewettbewerb in die Stadtbücherei Münster gekommen waren. Seinem Urteil konnten sich sehende Klassenkameraden und zahlreiche weitere Zuschauer nur anschließen.
Die besten Punktschriftleserinnen und –leser aus Nordrhein-Westfalen stellten sich in der Stadtbücherei Münster der Jury aus einem Buchhändler, einer Vertreterin der Westdeutschen Blindenhörbücherei, einer Lesepatin, einer Literaturwissenschaftlerin und einer Lehrerin der Irisschule, Förderschule Sehen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe(LWL).
Nach der Begrüßung durch die Leiterin der Stadtbücherei Monika Rasche ermunterte Annette Traud, LWL-Referatsleiterin für Schulen, die Teilnehmer, ihr Bestes zu geben.
Das ließen die sich nicht zweimal sagen: In der Klassenstufe 4 wurde aus dem Buch „Ein haariger Dienstag “ von Uri Orlev gelesen. Die Teilnehmer der Klassenstufe 5/6 lasen aus „Dirk und ich“ von Andreas Steinhöfel und die Schülerinnen der Klassenstufe 7-9 mussten sich mit „Prinz William, Maximilian Minsky und ich“ von Holly-Jane Rahlens auseinandersetzen. Während in der jüngsten Klasse ein geübter Text vorgelesen wurde, mussten die älteren Teilnehmer zusätzlich auch einen ungeübten Text vortragen.
Alle Teilnehmer wurden von den Zuschauern mit Beifall bedacht und stellten aufgrund der überragenden Leseleistungen die Jury vor die Herausforderung der Platzierung. Claudia Scholle, Schulleiterin der LWL-Irisschule, erläuterte im Verlauf der Veranstaltung die unterschiedlichen Möglichkeiten die Brailleschrift zu lesen. Manche Schüler können schon die Kurzschrift, andere lesen lieber Vollschrift, es gibt unterschiedliche Zeilenabstände und Seitenanordnungen, die den Bedürfnissen der Schüler angepasst werden können, so Scholle.
Die Siegerehrung übernahm Regierungsschuldirektor Uwe Eisenberg von der Bezirksregierung Münster. Auch er zeigte sich von den Leistungen der Schülerinnen und Schüler beeindruckt.
Den ersten Preis bei den jüngsten Lesern gewann Tim Jonas Böttcher aus Düren. In der Klasse 5/6 siegte Annemarie Jöne. Sie besucht das Münsteraner Annette-Gymnasium und wird durch die LWL-Irisschule im Gemeinsamen Unterricht unterstützt. In der Klasse 7-9 siegte Melissa Geray, ebenfalls aus Düren. Alle Teilnehmer erhielten neben einer Urkunde auch ein Hörbuch, das vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gestiftet wurde, und das Buch „Ich schenk dir eine Geschichte“, das die Deutsche Zentralbücherei für Blinde in Punktschrift übertragen hat.
Aufgrund der hervorragenden Organisation und des angenehmen Ambiente in der Stadtbücherei Münster äußerten Teilnehmer und Zuschauer im Anschluss an den Wettbewerb den Wunsch, den Punktschriftlesewettbewerb auch im kommenden Jahr wieder in Münster durchzuführen.